Simson
Glaubensheld und Versager

Simson und Delila – der starke wird zum schwächsten Mann

Simson

Sehen wir uns nun das Ende – und gleichzeitig den Höhepunkt – des Lebens dieses außergewöhnlichen Mannes Simson etwas näher an. Wir tun das in 10 Schritten.

1. Aus Erfahrung wird man (nicht) klug

Das tragische Ende Simsons beginnt damit, dass er in das Tal Sorek geht. Dort liebt er eine Frau. Diese Frau – ihr Name ist Delila – wurde ihm zum Verhängnis, zu einer tödlichen Falle. Warum wählt Simson diesen Weg? Hatte er nicht bereits einschlägige Erfahrungen mit den Frauen der Philister gemacht? Doch! Er wusste genau, dass man den Frauen der Philister – der erklärten Feinde des Volkes Gottes – nicht trauen konnte. Trotzdem ging er wieder dorthin und liebte wieder eine ihrer Frauen. Und noch etwas. Sorek bedeutet auf Deutsch: auserlesener Weinstock, Weinranke. Vielleicht war der Ort von Weinbergen umgeben. Auch mit den Weinbergen hatte Simson bereits weniger gute Erfahrungen gemacht (vgl. Ri 14,5). Warum also dieser Weg nach Sorek?

Ein weltliches Sprichwort erinnert uns daran, dass man aus Erfahrung – oft gerade aus Schaden – klug wird. Manchmal ist das so. Aber nicht immer. Bei Simson war es jedenfalls nicht der Fall. Er hatte offensichtlich nicht besonders viel aus seinen vorangegangenen Pleiten gelernt.

Wie ist das bei uns? Manchmal lässt Gott uns die Folgen unseres Tuns unangenehm spüren. Es ist seine Liebe, die uns manchmal weh tun muss. Lernen wir dann daraus? Oder sind wir ignorant und machen den gleichen Fehler immer wieder wie Simson?

2. Simson am falschen Ort

Simson geht also nach Sorek in das Tal der Trauben. Was hat er eigentlich als Nasir Gottes dort verloren? Es war nicht verboten, in die Weinberge zu gehen. Aber gefährlich war es für ihn doch. Als Nasir Gottes durfte er ja nichts von den Trauben genießen. Hat ihn die Gefahr gereizt?

Der Wein ist ein Bild der natürlichen Freude auf dieser Erde (Ps 104,15). Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn wir uns an den Dingen freuen, die Gott uns auf der Erde gibt. Wenn allerdings aus irdischen und natürlichen Freuden fleischliche Begierden werden, wird es kritisch. Dann ist Gefahr im Verzug. Die Welt bietet schon allerhand. Sie ist für den natürlichen Menschen wie ein auserlesener Weinstock. Aber Vorsicht, wenn wir davon genießen. Die Bibel sagt: „Die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit“ (1. Joh 2,17).

Die Welt als das vom Teufel beherrschte System ist eine gefährliche Zone für uns Christen. Dort wird das Fleisch (die Sünde, die alte Natur) genährt und gepflegt. Das Neue Testament warnt uns deshalb: „Treibt nicht Vorsorge für das Fleisch zur Befriedigung seiner Begierden“ (Röm 13,14). Genau das tut man „im Tal Sorek“ – in dieser Welt.

Wo halten wir uns als (junge) Christen auf? Natürlich leben wir nicht im Vakuum. Wir heben auch nicht ab vom natürlichen Leben. Wir nehmen ganz normal am Leben auf dieser Erde teil. Aber es gibt doch Orte, wo es für uns besonders gefährlich wird. Solche Orte sollten wir in jedem Fall meiden. Muss man z.B. in die Disko gehen? Laute Musik, grelles Licht und Alkoholkonsum schaffen eine explosive Atmosphäre. Dieser Gefahr sollte man sich nicht aussetzen. Gleiches gilt für Fußballstadien, Kinos, Kneipen, Tanzlokale usw. Wir sollten die Gefahren nicht unterschätzen.

Und noch etwas. Manchmal hört man das Argument: Was nicht verboten ist, das ist doch dann erlaubt. Vorsicht mit dieser Rechtfertigung für gewisse Verhaltensweisen! Was nicht verboten ist, kann trotzdem sehr gefährlich sein und unserem Glaubensleben großen Schaden zufügen. Ist das überhaupt die richtige Frage für uns Christen: „Ist das noch erlaubt?“

3. Delila – eine Frau der Philister

In Sorek begegnet Simson einer Frau der Philister. Ihr Name bedeutet auf Deutsch übersetzt unter anderem: die mit Verlangen Begehrende, Verlangende; die Heruntergebrachte. Diese Frau sah ganz bestimmt gut aus. Bestimmt war sie attraktiv angezogen. Wie die Motte das Licht umschwärmt, wurde Simson von dieser fremden Frau angezogen. Und er merkte nicht, von wem diese Frau dann sehr schnell instrumentalisiert wurde. Die Philister hatten es auf ihn abgesehen! Simson war ihnen eine Menge Geld wert. Die Summe, die sie Delila versprachen, war nicht gerade klein.

Der Christ hat drei Feinde. Da ist zuerst der Teufel mit seinen Helfern. Er will uns für sich gewinnen. Wenn ihm das gelingt, sind wir nämlich für die Sache des Herrn verloren. Dann kommt die Welt. Der Teufel weiß die Welt geschickt einzusetzen, damit sie uns zu Fall bringt. Und schließlich ist das Fleisch noch in uns, das immer nur sündigen will.

Dieses „Trio“ war jetzt bei Simson am Werk, um ihn zu Fall zu bringen. In den Philistern können wir an dieser Stelle ein Bild der Lüge sehen. Sie geben etwas vor zu sein, das sie in Wirklichkeit gar nicht waren. Sie lebten im verheißenden Land, gehörten aber nicht zum Volk Gottes. Genau das ist ein Kennzeichen Satans, des Feindes Gottes, zusammen mit seinen Helfern. Delila illustriert uns das, was die Welt, ihre Anziehungskraft und ihre Verführung von außen für uns ist. Und Simson selbst zeigt uns einen fleischlich gesinnten Christen, der in dieser Szene nicht durch den Geist Gottes angeleitet wird.

Schauen wir uns Delila etwas näher an.

  • Erstens: Delila ist allgemein gesehen – als eine für Simson fremde Frau – ein Bild der Welt in ihrer Begehrlichkeit und Attraktivität für uns. Salomo warnt uns in den Sprüchen vor der fremden Frau, „die ihre Worte glättet“ (Spr 2,16; 7,5). Diese Welt kommt mit ihrer ganzen Verführungskraft auf uns zu, und wir müssen aufpassen, dass wir ihr nicht auf den Leim gehen.
  • Zweitens: Delila ist ein Bild sexueller Begierden. Die Welt ist voll davon. Wir leben in einer „sexualisierten“ Welt. Die Versuchungen lauern an jeder Ecke. Am Arbeitsplatz, unterwegs, im Internet. Die Sexualität an sich ist natürlich nichts Böses. Ganz im Gegenteil. Sie ist eine Gabe Gottes. Aber Gott hat sie für die Ehe gegeben. Alles, was sich außerhalb der Ehe abspielt, ist ein Missbrauch der Gabe Gottes und damit Sünde. Deshalb Alarmstufe rot, wenn unsere sexuellen Empfindungen außerhalb der Ehe (vorher, nebenher) angesprochen werden.

Die Versuchungen in dieser Welt sind in der Tat vielfältig. Sie gleichen einer schönen Seifenblase oder einem bunten Luftballon, die so schillernd und bunt durch die Luft fliegen. Aber mit einem Schlag ist „Schluss mit lustig“. Die Seifenblase platzt und es bleibt nur Elend übrig.

Satan versucht es auf alle Weise, uns für die Sache unseres Herrn unbrauchbar zu machen. Das ist ihm eine ganze Menge wert. Jeder muss sich selbst fragen, welche „Delila“ der Teufel gegen ihn ins Feld schickt. Für den einen mag es die Arbeit sein, für den anderen das Hobby, für einen dritten die Literatur, die Philosophie oder die moderne Theologie. Wieder andere kriegt der Teufel über die mediale Welt und besonders das Internet. Andere scheitern an ständigen Partys, am Alkohol oder sogar an Drogen. Es können harmlos erscheinende Dinge sein, deren übermäßiger Konsum sie gefährlich macht, oder die nur auf den ersten Blick unproblematisch erscheinen. Es können jedoch auch Dinge sein, die von vornherein böse sind. Irgendwo lauert für jeden eine Delila, nicht zuletzt eine „echte“ Delila, das andere Geschlecht.

4. Simson liebt Delila

Simson geht nicht achtlos an Delila vorbei. Im Gegenteil. Er macht den uralten Fehler, den schon Eva im Paradies machte und den wir sicher alle schon oft gemacht haben.

Er sah. Er begehrte. Er nahm.

Genauso funktioniert das in unserer modernen Gesellschaft. Wir sehen etwas. Wir begehren es. Wir nehmen es uns. Dass Simson sich am Ende wie eine Fliege im Spinnennetz verfangen würde, ahnte er nicht.

Simson verliebt sich in Delila. In eine Frau, die zu den Feinden Gottes zählte. Warst du auch schon mal verliebt? Kennst du etwas von „Schmetterlingen im Bauch“? Aber bitte verliebe dich nicht in eine junge Frau – oder in einen jungen Mann – dieser Welt! Die Bibel warnt eindringlich vor solchen Verbindungen. „Welches Teil hat ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?“ fragt Paulus in 2. Korinther 6,15. Natürlich keins! Deshalb sollten wir auch nicht in einem ungleichen Joch mit ungläubigen Menschen sein. Also Finger weg! Gar nicht erst mit dem Gedanken spielen. Denn sonst befindest du dich auf dem schnellsten Weg dahin, als halber Christ für Gott ganz unbrauchbar zu werden.

Simson ist nicht nur verliebt. Es geht weiter. Der Text sagt, dass er Delila liebte. Wirklich? Nun, es kommt darauf an, was wir unter Liebe verstehen. Im Neuen Testament lesen wir von der Liebe zwischen Mann und Frau in der Ehe. Das ist die Liebe, die den anderen einfach liebt, ohne auf Gegenliebe zu warten. So hat Simson die Delila bestimmt nicht geliebt. Dann lesen wir in der Bibel von der Freundesliebe. Das ist eine Liebe, die in dem anderen etwas findet, was liebenswert ist. Auch so wird Simson Delila nicht geliebt haben, denn Delila hat ihm nachweislich nur Böses getan. Aber drittens gibt es noch ein Wort für Liebe, das wir in unserem deutschen Wort „Erotik“ wiederfinden. Das ist die manchmal so bezeichnete „erotische Liebe“. Da geht es um Sex und manchmal zusätzlich um Geld und um Macht.

Erotische Liebe ist keine wirkliche Liebe. Da geht es im Wesentlichen um die eigene Lustbefriedigung an dem Körper des anderen. Es ist Liebe nach dem Motto: „Ich liebe mich – und dafür brauch‘ ich dich“. Wirkliche Liebe hingegen umfasst den ganzen Menschen, also Geist, Seele und Körper. Für eine rein erotische Liebe sollten wir uns zu schade sein. Solche Liebe hat Gott nicht gewollt. Sie bringt keine dauerhafte Erfüllung, sondern nur den kurzfristigen „Kick“. Die Sexualität ist eine Gabe Gottes – aber eben für die Ehe. Jeder Missbrauch dieser Gabe Gottes ist Sünde!

5. Delila verführt Simson

Simson liebte also Delila. Es war offensichtlich keine Liebe auf Gegenseitigkeit. Denn Delila hatte etwas ganz anderes in ihrem Kopf. Sie wollte ihm das Geheimnis seiner Kraft entlocken. Er wollte Liebe. Sie wollte das Geld. Dazu setzte sie ihre weiblichen Reize ein und Simson machte es ihr dabei nicht besonders schwer. Einmal auf dem falschen Weg, gibt es kein Halten mehr. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Falle zuklappt.

Delila greift also an. Wir staunen vielleicht, wie frontal sie Simson angeht. Offensichtlich war die große Schwachstelle Simsons – fremde Frauen – bei den Philistern bekannt. Wenn der Teufel die Welt benutzt, um unserer Fleisch zu reizen, müssen wir uns nicht wundern, wenn er das gerade an unserer Schwachstelle tut. Wir sollten den Teufel nicht unterschätzen. Er hat sehr viel Erfahrung, wenn es darum geht, Gläubige zu Fall zu bringen.

Die erste Waffe von Delila ist ihr Körper. Sie spürt, dass Simson ihr verfallen ist. Das setzt sie skrupellos ein. Dann kommt sie auf der emotionalen Schiene und spielt ihm vor, dass sie an seiner Liebe zweifelt. Schließlich ist sie ziemlich hartnäckig. Das alles führt dazu, dass Simson nicht nur für einen Augenblick schwach wird, sondern dauerhaft seine Stärke verliert.

Salomo warnt in Sprüche 16,25: „Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint, aber sein Ende sind Wege des Todes“. So ging es Simson. So ergeht es uns, wenn wir uns einmal auf den falschen Weg begeben und nicht rechtzeitig umkehren.

6. Simson überfährt alle Stoppschilder

Nun ist es nicht so, als ob Simson nicht vorher hätte aussteigen können. Er hätte ja nicht nach Sorek gehen müssen. Er hätte sich nicht zu verlieben brauchen. Er hätte Delila nicht ins Haus folgen müssen. Und vor allem hätte er rechtzeitig merken müssen, worum es eigentlich ging. Die Philister scheinen doch sogar in dem Zimmer – oder zumindest im Haus – gewesen zu sein, als er sich mit Delila vergnügte. Trotzdem nehmen die Dinge ihren Lauf. In Sprüche 7 lesen wir ebenfalls von einem jungen Mann, der einer attraktiven Frau auf den Leim ging. Von ihm heißt es am Ende: „Auf einmal ging er ihr nach, wie ein Ochse zur Schlachtbank geht und wie Fußfesseln zur Züchtigung des Narren dienen“ (Spr 7,22).

Muss es so weit kommen? Natürlich nicht. Gott stellt uns Stoppschilder in den Weg. Wir dürfen sie nur nicht einfach überfahren. Drei Stoppschilder aus dem Neuen Testament sind besonders einprägsam:

  • Römer 12: „Seid nicht gleichförmig dieser Welt.“ Damit fängt es an. Wir passen uns – innerlich und äußerlich – dieser Welt an und übernehmen ihre Verhaltens- und Denkweisen.
  • 1. Johannes 2,15: „Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist.“ So geht es weiter. Die Welt bekommt einen Platz in unseren Herzen und Zuneigungen.
  • Jakobus 4,4: „Wer ein Freund der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes dar.“ Das ist die totale Verbindung mit dieser Welt. Und damit stellt man sich frontal gegen Gott.

Simson ist nicht zu bremsen. Er spielt mit seiner besonderen Gabe der Kraft und wird schwach. Er spielt mit dem Feuer und verbrennt sich. Er spielt mit dem Leben und verliert es.

Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. „Sollte jemand Feuer in seinen Gewandbausch nehmen, ohne dass seine Kleider verbrennten?“ In Hosea 4,11 sagt Gott uns: „Hurerei, Wein und Most nehmen den Verstand weg.“ Das war bei Simson der Fall. Sexuelle Verfehlungen – oft in Verbindung mit Alkohol – rauben einem Menschen leicht den Verstand. Aber die Welt bietet mehr als Sex und Alkohol. Die Gefahren sind vielfältig und für jeden anders. Kennst du deine Schwachstellen? Kennst du deine besonderen Gefahren? Dann musst du gerade an diesen Stellen besonders aufpassen.

7. Simson verrät sein Geheimnis

Man wird sich beim Lesen der Geschichte die Frage stellen, wie dumm ein Mann sein muss, um einer solchen Frau sein Geheimnis zu verraten. Die Erklärung ist die, dass er in eine solche Abhängigkeit von Delila geraten war und offenbar körperlich-sexuell derart von ihrem Zuspruch abhing, sie so sehr körperlich begehrte und ihr hörig war, dass er alles aufs Spiel setzte. Als Spielball seiner eigenen Lust befand er sich völlig in der Gewalt dieser Frau. So weit kann es kommen, wenn die Welt uns einmal im Bann hat. Manchmal fängt es scheinbar harmlos an. Aber wenn Satan uns einmal unter Kontrolle hat, lässt er uns so schnell nicht wieder los.

Abhängigkeiten gibt es heute en masse. Alkoholsucht, Drogensucht, Sexsucht, Internetsucht, Vergnügungssucht, Kauf-sucht, Anerkennungssucht, usw., aber auch Karrieresucht, Erfolgssucht. Die Liste lässt sich fortsetzen. Muss man solchen Gebundenheiten erliegen? Natürlich nicht. Deshalb soll uns die Geschichte Simsons zur Warnung dienen.

Der Punkt kommt, wo Simson nicht mehr zu halten ist. Er verrät das Geheimnis seiner Kraft, das in seinen langen Haaren lag. Er tut das nicht auf einmal. Nein, Schritt für Schritt kommt Delila ihrem Ziel näher. Stück für Stück gibt Simson nach. Beim ersten Mal erwähnt er sieben frische Sehnen. Das erinnert an die Zahl seiner Haarflechten – nämlich sieben. Dann redet er von Stricken. Das erinnert daran, dass seine Haare geflochten waren. Dann bringt er direkt seine Haare ins Spiel und rät ihr, sie zu verweben. Dann erst rückt er mit der ganzen Wahrheit raus. Das Geheimnis ist verraten. Delila ist am Ziel.

Psalm 25,14 spricht von dem Geheimnis des Herrn, das für diejenigen ist, die ihn fürchten. Dieses Geheimnis wird in diesem Psalm mit dem vertrauten Umgang mit dem Herrn gleichgesetzt. Der Christ kennt diese Gemeinschaft mit seinem Herrn. Die Welt hat davon keine Ahnung. Wenn wir uns aber – wie Simson – mit dieser Welt eins machen, geht dieser vertraute Umgang mit dem Herrn verloren. Wir können nicht gleichzeitig Gemeinschaft mit der Welt und Gemeinschaft mit unserem Herrn haben. Wenn wir das versuchen, sind wir halbe Christen – und damit unbrauchbar für unseren Herrn.

Delila erkennt mit ihrem weiblichen Instinkt sofort, dass sie gewonnen hatte. Simson hatte ihr sein ganzes Herz kundgetan. Was ging diese Frau das Herz Simons an? Was geht diese Welt unser Herz an? Wem gehört eigentlich unser Herz? Natürlich unserem Herrn. Er hat ein Anrecht darauf. Und zwar auf unser ganzes, unser ungeteiltes Herz: „Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deine Augen Gefallen haben an meinen Wegen!“ (Spr 23,26). Das hat Simson ignoriert. Das sollten wir nicht tun. Das Herz steht hier für Zuneigung und Liebe. Genau das möchte der Herr für sich haben.

Friedrich von Bodelschwingh hat das bekannte Lied gedichtet: „Nun gehören unsere Herzen ganz dem Mann von Golgatha.“ Der Herr stellt uns vor die Wahl: Er oder die Welt. Einem Kompromiss kann er nicht zustimmen. Er lässt nicht zu, dass wir Ihm mit halbem Herzen dienen. Denn ein halber Christ ist und bleibt ein ganzer Unsinn.

8. Delila bezwingt Simson

Jetzt hat Delila leichtes Spiel. Sie schlafen vermutlich zusammen und sie lässt ihn dann auf ihren Knien einschlafen, bevor sie die Philister ruft. Was für ein Schauspiel! Der starke Simson schläft auf den Knien einer Frau, und einer der Feinde kommt und schneidet ihm die Haarflechten ab. Simson bekommt von alledem nichts mit. Seine Kraft ist gebrochen, und er hat es noch nicht gemerkt. Nicht bei der ersten Flechte, nicht bei der zweiten ... und auch noch nicht, als die siebte an der Reihe ist.

Wenn Gläubige schlafen, ist Gefahr im Verzug. Wir finden in der Bibel verschiedene Menschen, die in Situationen geschlafen haben, wo sie besser wach gewesen wären. Beispiele dafür sind Elia, Jona und die Jünger im Garten Gethsemane. Aber hier war es besonders tragisch. Das Neue Testament warnt uns davor, geistlich zu schlafen: „Deshalb sagt er: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf aus den Toten, und der Christus wird dir leuchten!“ (Eph 5,14). Einen Schlafenden kann man auf den ersten Blick nicht von einem Toten unterscheiden. Und ein Toter ist völlig unbrauchbar für Gott. Wenn es dem Teufel gelingt, uns einzulullen, hat er sein Ziel (fast) erreicht. Jedenfalls sind wir dann unbrauchbar für unseren Herrn.

Simson kriegt von alledem erst einmal nichts mit. Er schläft ja. Im Propheten Hosea lesen wir dazu ein ernstes Wort: „Ephraim vermischt sich mit den Völkern; Ephraim ist wie ein Kuchen geworden, der nicht umgewendet ist. Fremde haben seine Kraft verzehrt, und er weiß es nicht; auch ist graues Haar auf sein Haupt gesprengt, und er weiß es nicht“ (Hos 7,8.9). Genauso ergeht es hier Simson. Die Philister hatten seine Kraft verzehrt, und er wusste es nicht.

Kraft und Energie ist das besondere Privileg der Jugend. Wem geben wir unsere Kraft? Wem unsere Energie? Dieser Welt oder unserem Herrn? Das Reich Gottes braucht neben der Erfahrung der Älteren ganz besonders den Einsatz der Jüngeren. Deshalb wollen wir uns alle motivieren lassen, unsere Kraft nicht dieser Welt zu geben, die vergeht. Unsere Kraft gehört dem Herrn. Teilen können wir sie nicht.

Als Simson wach wird, ist es zu spät. Wir wissen nicht, was er zuletzt gesehen hat, bevor es für ihn dunkel wurde. Vielleicht war es Delila, die das Geld zählte, das die Philister ihr mitgebracht hatten. Vielleicht war es das hämische Grinsen des Philisters, der ihm nun die Augen ausstach. Simson war für immer blind. Er musste erleben, was Paulus viele Jahrhunderte später an die Galater schrieb: „Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal 6,7). Diese Warnung Gottes gilt heute noch.

9. Was Simson verliert

Der Glaubensheld wird zum Verlierer. Hilflos, kraftlos und blind ist er nun in der Gewalt seiner Feinde. Delila hatte ihm schon sein Geheimnis, den vertrauten Umgang und die Gemeinschaft mit seinem Gott weggenommen. Man kann nicht einmal sagen: gestohlen, denn er hatte sein Glaubensgeheimnis freiwillig preisgegeben. Delila hatte ihm auch das Herz geraubt. Es hatte aufgehört, für seinen Gott zu schlagen. Aber damit nicht genug. Jetzt kommen die Philister: Sie schneiden ihm die langen Haare ab und nehmen ihm damit das äußere Zeichen seiner Kraft. Sie nehmen ihm das Augenlicht, so dass er nicht mehr sehen kann. Und schließlich rauben sie ihm die Freiheit. Im Gefängnis in Gaza muss er die Arbeit eines Esels tun – nämlich mahlen.

Das alles spricht direkt zu uns. Viele kennen die Liedstrophe: „Wenn wir uns von ihm abwenden, wird es finster um uns her.“ Auf den ersten Blick scheint die Welt uns viel zu bieten. Aber sie fordert immer mehr, als sie gibt. Die Vergnügungen dieser Welt sind nur vordergründig. Am Ende bleibt Elend und Not. Das hat der verlorene Sohn, als er schließlich bei den Schweinen landete, genauso erfahren.

Besehen wir uns kurz, was Simson verloren hat.

  • Sein Geheimnis: Vermischung mit der Welt bedeutet, dass wir den vertrauten Umgang mit Gott (ein Leben im Gebet und im Lesen der Bibel) verlieren.
  • Sein Herz: Vermischung mit der Welt bedeutet, dass unsere Liebe zu unserem Herrn erkaltet. Folglich werden wir seinen Willen mehr und mehr ignorieren.
  • Seine Haare: Die Haare des Nasir sprechen von seiner Weihe und seiner Unterordnung unter Gott. Vermischung mit der Welt bedeutet, dass auch wir unsere Hingabe und unseren Gehorsam an Gott aufgeben werden.
  • Seine Kraft: Simson war ein Mann außergewöhnlicher Kraft gewesen. Jetzt war er so schwach oder stark wie jeder andere. Vermischung mit der Welt bedeutet, dass wir unsere geistliche Spannkraft verlieren und der Herr uns nicht mehr gebrauchen kann.
  • Sein Augenlicht: Vermischung mit der Welt bedeutet, dass wir unser geistliches Unterscheidungsvermögen verlieren. Wir haben nicht mehr geübte Sinne, um das Gute und das Böse zu unterscheiden (Heb 5,14). Die Dinge, die unseren Herrn und sein Wort betreffen bleiben uns verborgen.
  • Seine Freiheit: Vermischung mit der Welt bedeutet, dass wir die Freiheit des Christen verlieren, die darin besteht, dass wir in Gemeinschaft mit unserem Herrn leben, mit ihm beschäftigt sind und dann und in die Welt ausgehen, um von ihm zu zeugen.
  • Sein Ziel: Vermischung mit der Welt bedeutet, dass wir das eigentliche Ziel unseres Lebens, Gott zu verherrlichen und Ihm zu dienen, verlieren. Wir arbeiten dann wie Simson nur noch für diese Welt und haben keine Möglichkeit mehr, Gott zur Verfügung zu stehen.

Aber nicht nur Simson hat viel verloren. Auch das Volk Gottes erlitt einen großen Verlust. Zwanzig Jahre lang war Simson ihr Richter gewesen und hatte den Philistern immer wieder große Niederlagen zugefügt. Damit war jetzt Schluss. Es war zunächst niemand mehr da, der diesen Platz ausfüllte.

Wenn wir uns von dieser Welt vereinnahmen lassen, ist der Schaden immer groß. Für uns selbst. Für das Volk Gottes. Und besonders für unseren Gott, der an erster Stelle verunehrt wird und uns dann nicht gebrauchen kann. Deshalb wollen wir uns noch einmal gegenseitig Mut machen, es anders zu machen als Simson und keine halben Christen zu sein.

10. Die Gnade Gottes

Wir haben uns mit dem tragischen Fall Simsons beschäftigt. Aber ist das das Ende? Nein, nicht ganz. Was sich in den letzten Versen seiner Geschichte zeigt, ist nichts anderes als pure Gnade. Gnade, die wir nicht begreifen können. Simson hatte das nicht verdient. Aber Gnade ist immer unverdient. Das ist gerade das Wesen der Gnade. Auch in deinem und meinem Leben ist Gnade immer unverdient.

Kaum ist Simson im Gefängnis in Gaza, beginnt sein Haar wieder zu wachsen. Das ist der Wendepunkt in seinem Leben. Das Haar wächst wieder. Langsam. Kaum sichtbar, aber doch jeden Tag ein bisschen mehr – und damit auch seine Kraft. Heute weiß man, dass Kopfhaare pro Tag 0,3 bis 0,5 mm wachsen. In einem Jahr sind das ca. 11 bis 18 cm. Wie lang das Haar bei Simson wuchs, wissen wir nicht. Gott beginnt jedenfalls zu handeln. Und er wacht darüber, dass die Philister das Haar nicht wieder abschneiden.

Für Gnade ist es nie zu spät, solange wir auf dieser Erde leben. Die Gnade sucht den verlorenen Menschen, um ihn zu retten. Die Gnade sucht den Gläubigen, wenn er abgewichen ist. Und Simson hat eine Antwort auf die Gnade. Auf einmal betet er. Seine Abhängigkeit ist zurück. Auch wenn sein Gebet in alttestamentlicher Zeit ein Ruf nach Rache ist, ist es doch ein Gebet, auf das Gott hört. Noch einmal will Simson mit der Kraft Gottes erfüllt werden. Gott hört das Gebet nicht nur. Er erhört es auch. So ist unser Gott!

Als Simson zur Schau gestellt werden soll und man sich über ihn lustig machen will, greift Gott ein. Ihm ist nichts aus dem Ruder gelaufen. Er lässt sich von Simson erbitten. Der Versager wird zum Glaubensheld. In Hebräer 11,32 hat Simson einen Platz unter den Glaubenshelden. Wir könnten uns fragen, ob das nicht ein Irrtum ist. Ein Mann wie Simson unter den Glaubenshelden? Ja – so handelt die Gnade. An welche Glaubenstat der Schreiber des Hebräerbriefes denkt, sagt er uns nicht. Jedenfalls gehörte Simson zu denen, die aus der Schwachheit Kraft gewannen (Heb 11,34). Seine letzte Tat war ohne Frage seine größte Glaubenstat. Er war sich sicher, dass Gott ihm den Sieg über die Feinde schenken würde. Auch wiegt das Ergebnis dieser letzten Handlung Simsons schwerer als alle Siege in seinem Leben – obwohl er dabei sein Leben verlor.

Gott übersieht auch nicht das Gute im Leben dieses Mannes, der ganz allein in Israel stand und niemanden hatte, der sich zu ihm bekannte. Gott erkennt an, dass Simson Israel immerhin 20 Jahre lang gerichtet hatte. Wir sprechen manchmal sehr schnell ein vernichtendes Urteil über Gläubige aus, die schwach im Glauben sind. Gott dagegen benennt auch bei Simson das, was Er an ihm wertschätzte.

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