Simson
Glaubensheld und Versager

Simsons Glaubenstaten – Gott steht zu seinem Diener

Simson

In Richter 15 lesen wir mehr als in allen anderen Kapiteln, die sich mit dem Leben Simsons beschäftigen, von den Glaubenstaten dieses Mannes. Leider aber sehen wir auch hier gemischte Motive. Wir lernen für unser eigenes Leben, dass Glaube nur dann wirklich biblischer Glaube ist, wenn ihm die richtigen Beweggründe zugrunde liegen: Gehorsam und Liebe.

Die Welt und ihre Prinzipien

Simson hatte seine Frau, die er soeben geheiratet hatte, sofort wieder verlassen. Aus Zorn darüber, dass sie das ihr anvertraute Geheimnis seinen Gefährten weitergegeben hatte, gab er seine Beziehung zu ihr wieder auf. Er hatte zu seinen Gefährten gesagt: „Wenn ihr nicht mit meinem Kalb gepflügt hättet, so hättet ihr mein Rätsel nicht erraten“ (Ri 14,18). Richtiger wäre gewesen, wenn er zugegeben hätte: „Wenn ich nicht mit eurem Kalb gepflügt hätte, so hättet ihr mein Rätsel nicht erraten.“

Suchen nicht auch wir oft die Schuld für unser Versagen bei anderen? Simson war – geistlich gesprochen – eine Beziehung mit der Welt eingegangen. Er hatte sich durch diese Frau mit der Welt verbunden. Musste er sich da wundern, wenn seine Frau nicht nach den Maßstäben des Gesetzes Gottes, sondern nach den Prinzipien dieser Welt handelte? Weder seine Gefährten noch seine Frau waren an dem Desaster schuld: Er selbst hatte den Weg Gottes verlassen, und nicht gemerkt, dass es sein Eigenwille war, der ihn angetrieben hatte – und nicht der Geist des Herrn. So kann es uns auch ergehen, wenn wir nicht mit ganzem Herzen die Nähe zu unserem Herrn suchen.

Nach einiger Zeit kehrte Simson zu seiner Frau zurück. Nun wundert er sich, dass sie einem anderen Mann gegeben worden ist, nachdem er sie verlassen hatte. Genauso geht es auch heute nach den Gesetzen dieser Welt zu. Eheliche Verbindungen werden schnell getrennt und neue wieder eingegangen. Gott nennt so etwas Ehebruch. Sein Wille ist die Ehe auf Lebenszeit.

Der Schwiegervater Simsons ist nicht verlegen. Er bietet Simson seine jüngere Tochter zur Frau an, die seiner Meinung nach sogar noch attraktiver ist. Auch hier finden wir wieder typische Merkmale der Welt. Sie bietet oft auch jede Menge Alternativen an. Wer sich einmal darauf einlässt, mit der Welt gemeinsame Sache zu machen, braucht sich nicht zu wundern, dass ihm die Welt ein Angebot nach dem anderen unterbreitet. Wie leicht kommt ein Christ dadurch auf eine Bahn, die durch nichts anderes als durch Sünde geprägt ist.

Das Handeln Simsons in verletztem Stolz und Zorn

Simson erkennt, dass dies niemals der Weg Gottes für ihn sein kann. Aber statt nach Gottes Gedanken zu fragen, handelt er in verletztem Stolz und Zorn. Er rächt sich. Dabei aber wählt er wieder einen Weg, der nicht in Übereinstimmung mit Gottes Gedanken war. Simson nahm sich unreine Tiere – Schakale oder Füchse –, um durch sie Felder der Philister in Brand zu stecken. Warum entschied er sich gerade für diese Tiere, von denen er wusste, dass sie unrein sind? Darüber hinaus mussten diese Tiere durch diese Feuerfackeln wahrscheinlich elendig zu Grunde gehen. Sicher war das Ziel seines Handelns, die Philister zu überwinden und ihnen eine schwere Niederlage zu bereiten, richtig. Gott aber hatte ihm in der Begebenheit mit dem Löwen gezeigt, dass er schlicht auf Gott vertrauen und nicht eigene Pläne ausdenken sollte.

Hinzu kam, dass er durch diese Art von Rache den Segen des verheißenen Landes, also die Früchte, die für das Volk Israel vorgesehen waren, zerstörte. Gott wollte sicherlich nicht, dass sein eigenes Land verbrannt wurde. Gott will den Feind besiegen. Aber wir lesen an dieser Stelle nicht, dass auch nur ein einziger der Feinde zu Fall kam. So wollen auch wir uns fragen, ob wir zuweilen durch verletzten Stolz möglicherweise mehr dem Zeugnis Gottes auf der Erde schaden, als dass wir einen Glaubenssieg erringen. Stolz und Zorn sind Werke des Fleisches (vgl. Gal 5,19.20), die nicht zu einem Christen passen.

Menschlicher Hass bewirkt neuen Hass

Als Folge des Handelns Simsons töten die Philister seinen Schwiegervater und seine Frau. Der natürliche Mensch, der im Unglauben lebt, wird oftmals durch Unglück nicht dazu geführt, die eigenen Sünden vor Gott einzugestehen und sich zu bekehren, sondern reagiert auf menschlichen Hass mit neuer Wut. Er rächt sich sogar an den eigenen Genossen. Vergessen wir aber nicht, dass wir Christen manchmal zu einem solchen bösen Handeln Anlass geben können.

Simson ist leider nicht besser. Er rächt sich ein zweites Mal. Allerdings lesen wir jetzt zum ersten Mal in diesem Kapitel, dass er tatsächlich dem Feind eine Niederlage zufügt. Sie wird sogar eine „große“ Niederlage genannt.

Sein Motiv ist noch immer fleischlich: Rache. Daher ist auch offensichtlich, dass der geistliche Zustand Simsons nicht gut war. Wundert es da, dass er seinen Wohnort in der Kluft des Felsens Etam einnahm? Dieser Ort heißt übersetzt: Ort der Raubvögel. Gesellte sich Simson hier nicht gewissermaßen zu Raubvögeln, also unreinen Tieren?

Es gibt aber auch eine andere Seite. Denn nach 1. Korinther 10,4 („Der Fels aber war der Christus“, dort bezogen auf die Wüstenreise Israels) können wir in diesem Felsen Etam auch einen Hinweis auf die Fürsorge Gottes sehen. Wenn dieser von seinem eigenen Volk im Stich gelassen wurde, so war doch Gott für ihn da. Er kümmerte sich um seinen Knecht und schenkte ihm einen Moment des Ausruhens und des Schutzes. Auf diese Weise trennte ihn Gott für eine Zeit von seinen Feinden, bevor der nächste Kampf gegen die Feinde begann.

Der Beweggrund des Handelns Simsons in dieser Begebenheit war Rache. Und wie oft haben leider auch wir Christen aus Rache bestimmte Dinge getan, die nicht gut waren. Auf einem solchen Weg werden wir nie Gottes Wohlwollen besitzen.

Gewöhnung an die Knechtschaft der Welt

Leider war der Zustand des Volkes Israel überhaupt nicht besser. Im Gegenteil! Sie ließen den Knecht Gottes ganz allein. Das ist sicherlich auch eine Begründung dafür, dass Gott immer wieder trotz des Versagens Simsons zu ihm stand. Denn in Israel gab es außer ihm niemand, der bereit war, sich gegen die Philister zu stellen.

Die Israeliten, sogar der Königsstamm Juda1, machten Simson schwere Vorwürfe. „Weißt du nicht, dass die Philister über uns herrschen? Und warum hast du uns das getan?“ (Ri 15,11). Die Israeliten hatten sich an die Herrschaft der Philister gewöhnt. Sie hatten sich sogar damit abgefunden. Lebte es sich so vielleicht recht angenehm? Man musste keine Verantwortung mehr für den Gottesdienst oder sonstige Aktivitäten für Gott wahrnehmen.

Ist das nicht auch in unserer Zeit ein Problem? Wir gewöhnen uns daran, dass uns Energie, Zeit, Freude und Hingabe für den Herrn Jesus durch intensive Arbeit, Hobbys, Trägheit, Computer, usw. weggenommen werden. Merken wir noch, dass wir gar keine Zeit mehr haben für den Dienst für den Herrn Jesus? Dass so viele Menschen der Hölle entgegenlaufen? Dass so viele Gläubige Bedürfnisse haben, auf die wir eine Antwort geben könnten, wenn wir uns Zeit für den Herrn und für sie nähmen?

Wer sich an die Herrschaft der Welt gewöhnt, wird zu einem Feind der Diener Gottes. Das sehen wir in dieser Begebenheit. Die 3.000 Mann aus Juda stehen im Dienst der Philister; Sie wollen den Mann Gottes gefangen nehmen und ihn den Philistern ausliefern. Hatten sie denn den Auftrag Gottes an Josua ganz vergessen, alle Völker des Landes auszutreiben, um nicht deren Götzendienst verfallen?

Es gibt keine neutrale Zone. Entweder stehen wir auf der Seite des Herrn, oder wir wählen die Seite dieser Welt. Leider können wir das auch als Volk Gottes tun. Dann aber stehen wir als Gläubige auf einer Seite, die Gott entgegen ist.

Der Glaubenssieg Simsons

Als die Philister Simson gefangen in der Hand der Juden sehen, jauchzen sie (Ri 15,14). Das Triumphgeschrei der Feinde Gottes bekommt jedoch eine Antwort: „Aber der Geist des Herrn geriet über ihn (Simson), und die Stricke, die an seinen Armen waren, wurden wie Flachsfäden, die vom Feuer versengt sind, und seine Fesseln schmolzen weg von seinen Händen“ (Vers 14). Wenn das Volk Gottes den Diener des Herrn im Stich lässt, so stellt sich Gott umso mehr auf die Seite seines Knechtes. Gott steht zu seinen Zusagen und zu denen, die Ihm vertrauen und sich zu Ihm bekennen.

So darf Simson einen neuen Glaubenssieg über die Philister erringen. 1.000 Mann von ihnen fallen im Kampf gegen diesen einen, diesen einzigen, der Gott letztlich treu sein möchte. Was für ein Glaubenssieg, was für ein Triumph der Macht Gottes!2

Leider können wir auch an dieser Stelle das Handeln Simsons nicht uneingeschränkt gutheißen. Das Ziel war gut, auch sein Ansinnen, den Feind zu überwinden. Warum aber nimmt er einen Esels-Kinnbacken? War der Esel nicht genauso wie die Schakale oder Füchse ein unreines Tier? Und was hatte der Nasir Gottes mit einem soeben gestorbenen, unreinen Aas zu tun? Wollte Gott wirklich mit sozusagen „unreinen Mitteln“ einen Sieg über die Feinde erringen? Wohl dachte Simson, dass die Feinde genauso unrein sind wie ein Esel (vgl. das Wortspiel in V. 16). Aber Gott erwartet von den Seinen, dass sie sich nicht auf die Stufe der Feinde Gottes herabziehen lassen, sondern in Reinheit und mit reinen Motiven nach göttlicher Art und Weise handeln.

Es könnte die Frage aufkommen: Wenn „der Geist des Herrn“ über Simson geriet (Ri 15,14), muss dann sein Handeln nicht richtig gewesen sein, auch das Benutzen des Esels-Kinnbackens? Zunächst einmal muss man bedenken, dass der Geist Jahwes über ihn kam, als er durch Stricke gebunden wurde und diese zerriss (Vers 14). Die Begebenheit mit dem Esels-Kinnbacken dagegen scheint erst danach stattgefunden zu haben, wenn auch unmittelbar danach (Vers 15). Zudem ist es möglich, dass der Geist Gottes unser Antrieb ist, wir aber seine Führung dennoch in falscher Weise ausüben. Jephta ist dafür ein tragisches Beispiel. Auch bei ihm lesen wir, dass der Geist des Herrn über ihn kam (Ri 11,29). Unmittelbar danach aber heißt es, dass er dem Herrn ein törichtes Gelübde gelobt hat (Vers 30). Dennoch gab es in beiden Fällen „militärische Erfolge“ für Simson und Jephta. So gab es in beiden Fällen ein Wirken des Geistes, und leider doch zugleich oder kurz danach ein Wirken des Fleisches.

Wir lernen für uns, dass Gott uns selbst dann Glaubenssiege schenken kann, wenn wir auf eine unbiblische Weise und vielleicht sogar mit zum Teil eigennützigen Motiven im Glaubens- und Dienstleben handeln. Aber Gott wird uns dann deutlich machen müssen, wie Er es bei Simson tat, dass sein Segen nur dann uneingeschränkt geschenkt wird, wenn unsere Ziele und Wege durch sein Wort und Gehorsam geprägt sind. Wenn wir andere Beweggründe und Handlungsweisen zulassen, kann es früher oder später, wie bei Simson, zu einem Glaubenszusammenbruch führen.

Die Quelle des Rufenden – ein Glaubenshöhepunkt

Der Schluss dieses Kapitels führt uns zu einem Höhepunkt in dem Leben Simsons. Der Kampf gegen die Philister hat ihm alles abverlangt. Anders können wir seine Bitte am Ende von Vers 12 kaum deuten, dass der Stamm Juda nicht über ihn herfallen möge.

Wenn auch seine Beweggründe immer wieder zweifelhaft waren, so setzte er sich doch mit der ganzen Kraft seines Lebens gegen die Feinde ein. Deshalb war Simson überaus durstig, wie es die meisten von uns wohl kaum je in ihrem Leben erlebt haben.

Das bringt Simson dazu, zum ersten Mal in seinem Leben – soweit wir davon lesen – zu Gott zu beten. Er erkennt an, dass der Sieg allein Gottes ist. Gott hatte durch die Hand seines Knechtes eine große Rettung geschaffen. Konnte es da Gottes Wille sein, dass Simson durch die Hand der Feinde wegen seines großen Durstes umkam?

Nein, Gott vollbringt seinem Knecht zugute ein Wunder. Er zeigt Simson auf eindrucksvolle Weise, dass Er da ist. Er spaltet den Felsen bei Lechi, so dass Wasser aus diesem hervorkommt. Simson kann trinken und seinen Durst löschen.

Dieses Eingreifen Gottes zu Gunsten seines Dieners war noch einmal eine Botschaft an Simson: „Ich stehe auf deiner Seite! Ich helfe dir, wenn Du mir vertraust und in Abhängigkeit und Gehorsam zu mir kommst. Aber ich erwarte, dass Du mir gehorsam bist. Dem, der in Aufrichtigkeit zu mir ruft, werde ich in Gnade antworten.“

Anderseits ist der Spruch, den Simson nach seinem Sieg über die 1.000 Feinde von sich gibt, auch ein Hinweis, dass er sich seiner Stärke bewusst war (Vers 16). So kann ein Glaubenssieg sehr leicht zu Hochmut führen („jugendliche Begierden“, 2. Tim 2,22). Und da, wo das eigene Ich groß wird, trocknet letztlich die Seele aus. Ist es da verwunderlich, dass ein großer Durst bei Simson entsteht? Wie dankbar dürfen wir sein, dass Gott die Seinen auch dann nicht ohne Hilfe lässt, wenn sie vielleicht aus eigenem Verschulden in Not kommen. Er schenkt Wasser – die „Nahrung“ durch das Wort Gottes, das dem eigenen Ich seinen rechten Platz gibt und die Seele zugleich mit dem Herrn Jesus beschäftigt.

Das Resümee Gottes

Am Ende dieses Kapitels lesen wir ein Resümee Gottes über das Leben von Simson: „Und er richtete Israel in den Tagen der Philister 20 Jahre.“ Es hat den Anschein, als ob Gott damit die Geschichte Simsons als Richter gewissermaßen abschließt. Wäre es doch tatsächlich das Ende des Lebens von Simson gewesen! Denn wie bei Eli liegt – bei allem Versagen – eine Wertschätzung und Anerkennung in diesen Worten Gottes.

Auch bei dem gottesfürchtigen König Hiskia (2. Kön 19.20) finden wir ein solches Ende, als Gott ihm mitteilen ließ, dass er sein Haus bestellen solle, weil er sterben würde. Aber Eli und Hiskia machten beide weiter, zu ihrem persönlichen Schaden. Denn sie nutzten die ihnen gegebene Gunst Gottes nicht dafür, Ihm aus Dankbarkeit und Liebe Ehre zu erweisen. Durch Egoismus und Eigenwillen kamen sie von einem guten Weg ab und lebten zu Ihrem persönlichen Schaden, aber auch zu dem des Volkes Gottes. Dass der Name des Herrn dabei besonders verunehrt wurde, macht die Sache äußerst ernst.

Das sollten auch wir bedenken, wenn Gott uns in einer Phase unseres Lebens einmal in besonderer Weise Gnade geschenkt hat. Dann lasst uns das im Folgenden nicht vergessen. Denn nach dem Höhepunkt eines Glaubensweges ist die Gefahr groß, dass es bergab geht. Und wenn ein Diener des Herrn fällt, dann fällt nicht nur er selbst oft tief, sondern er reißt auch andere mit hinab.

Fußnoten

  • 1 Offenbar haben die Weissagungen Jakobs (1. Mo 49,8–10) und Anordnungen Gottes wie die Vorrangstellung Judas bei den ersten Kämpfen in der Zeit nach Josua (vgl. Ri 1,1.2) dazu geführt, dass dieser Stamm relativ früh eine führende Position in Israel erhielt.
  • 2 Atheisten und Bibelkritiker haben den Gott der Bibel angeklagt, dass Er seinem Volk Israel Anweisungen gegeben habe, ganze Völker auszurotten. Auch Christen, die Gott als den Gott der Liebe kennen, haben hier manche Fragen. Es ist wichtig festzuhalten, dass Gott vollkommen gerecht ist. (vgl. Röm 1,17; 9,14). Wenn Gott also solche Anordnungen im Alten Testament gab, dann waren sie vollkommen gerecht. Gott lässt sich auch zu uns Menschen herab, indem Er uns erklärt, wann Er im Gericht handelt und anordnen, Völker zu erschlagen: „Und in der vierten Generation werden sie hierher zurückkehren; denn die Ungerechtigkeit der Amoriter ist bis hierher noch nicht voll“ (1. Mo 15,16), sagt Er Abraham. Erst dann, wenn die Amoriter jede Zurechtweisung vonseiten Gottes abgelehnt hätten und sich dem Götzendienst und der Hurerei in einem vollen Ausmaß hingegeben hätten, würde Gott eingreifen. Wie man in Ninive (Jona 3) sieht, ist Gott auch den heidnischen Völkern gegenüber barmherzig, wenn sie bereit sind, sich vor Ihm zu beugen.
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