Simson
Glaubensheld und Versager

Simsons Geburt – beste Voraussetzungen

Simson

Das Leben eines Menschen beginnt mit seiner Geburt, genau genommen mit seiner Zeugung. In der Bibel lässt uns Gott manchmal aber auch einen Blick hinter die Kulissen werfen, bevor ein Menschenleben entstanden ist. So ist es bei Simson. Seine Eltern waren vermutlich schon etwas älter. Nur von seinem Vater kennen wir den Namen: Manoah. Sein Name bedeutet übersetzt: Ruhe, Ruheort. Den Namen der Mutter Simsons kennen wir nicht.

Plötzlich tritt Gott in das Leben dieser beiden Menschen. Vollkommen unerwartet erscheint Er der Frau Manoahs und kündigt ihr an, dass sie einen Sohn zur Welt bringen würde, obwohl sie bislang unfruchtbar war. Das ist aber nicht alles. Manoah und seiner Frau wird auch mitgeteilt, dass ihr Sohn Simson ein Nasir sein sollte. Sogar seine Mutter sollte vom Augenblick der Erscheinung des Herrn an auf Wein und Weintrauben vollständig verzichten. Zudem wurde ihr untersagt, Unreines zu essen. Sie selbst sollte sich also bereits genau wie ein Nasir verhalten, damit das Kind von Beginn an ein solcher sein konnte.

Über die langen Haare, einer dritten Verpflichtung für Nasiräer, wird dieser Frau nichts gesagt, denn Gott ging und geht immer davon aus, dass Frauen langes, frei wachsendes Haar tragen. Das ist ein Gebot auch heute noch für (junge) Frauen (vgl. 1. Kor 11). Darüber hinaus gibt es für das Fehlen dieses Gebotes noch einen „biologischen“ Grund: Haare nehmen keinen Einfluss auf die Leibesfrucht, das Kind im Mutterleib.

Man kann sich die Frage stellen, warum es Gott so wichtig war, dass Simson schon von seiner Zeugung an ein Nasir Gottes war, also ein Mann, der sein Leben getrennt vom Bösen und frei von Verunreinigungen ganz für Gott leben sollte. Die Antwort dafür liegt darin, dass der Herr für diese Zeit des Niedergangs ein ganz besonderes Instrument zum Segen seines Volkes Israel erwecken wollte. Das Volk Israel befand sich in einem derart schlechten Zustand, dass es sich schon damit abgefunden hatte, unter der Herrschaft der Philister zu leben. Sie schrien nicht einmal mehr zu Gott. Aber Gott wollte sein Volk nicht ohne Retter lassen. Daher kam Er dem Volk Israel auf einem außergewöhnlichen Weg zu Hilfe.

Vier herrliche Erlebnisse von Simson und seiner Familie

Den Eltern Simsons offenbarte Gott sich in einer einzigartigen Weise. Und auch Simson erlebte in seiner Jugendzeit das Wirken Gottes in spürbarer Art:

  1. Gott erschien ihnen in der Gestalt des Engels des Herrn und teilte ihnen mit, dass sein Name wunderbar sei (Ri 13,18).
  2. Manoah opferte dem Herrn ein Ziegenböckchen als Brand- bzw. Sündopfer verbunden mit einem Speisopfer (Ri 13,19).
  3. Der Engel des Herrn fuhr in der Flamme des Feuers auf dem Altar in den Himmel (Ri 13,20).
  4. Der Geist des Herrn kam über Simson und nahm in führender, lenkender Weise Besitz von ihm in Machaneh-Dan zwischen Zorha und Eschtaol, seinem Wohnort.

Vier geistliche Segnungen im Leben eines Gläubigen

Aus diesen vier geschichtlichen Begebenheiten können wir vier wesentliche geistliche Belehrungen für unsere Zeit ableiten. Sie alle vier sind Kennzeichen der letzten großen Erweckung, die es in der Christenheit gegeben hat – im 19. Jahrhundert. Sie sind zugleich Voraussetzungen, damit im Leben eines (jungen) Christen genauso wie in einer örtlichen Versammlung (Gemeinde) Belebung möglich ist.

  1. Alles beginnt mit Gott, wir können auch sagen: mit der Person des Herrn Jesus Christus. Gott hat sich in dem Herrn Jesus Christus vollkommen offenbart (Joh 1,18). Dieser Offenbarung gibt es nichts hinzuzufügen. Sie hat am Kreuz von Golgatha ihren Höhepunkt gefunden, als Jesus Christus in vollkommener Weise sichtbar gemacht hat, dass Gott Licht und Liebe ist.
    Dennoch ist es erforderlich, auch ganz persönlich eine Begegnung mit dem Herrn Jesus zu haben. Diese ist natürlich geistlicher und nicht körperlicher Art. Aber nur dann, wenn der Herr Jesus sich mir persönlich bzw. uns als Gläubigen an einem Ort gemeinsam offenbart, wird es eine neue Entschiedenheit in unserem Leben für Gott geben können.
    Wir haben das Bewusstsein nötig, es mit einer wunderbaren Person zu tun zu haben. Sie muss uns ständig neu beeindrucken. Das geht einher mit dem Lesen und Bewahren des Wortes Gottes. Dort finden wir Ihn und alles, was mit Ihm in Verbindung steht. Nur dann, wenn wir sein Wort bewahren und seinen Namen nicht verleugnen (vgl. Off 3,8), kann der Herr eine Erweckung in unserem Leben bewirken.
    Das Wort Gottes und die Person des Herrn Jesus müssen einen zentralen Platz in unserem Leben einnehmen.
  2. Wenn uns der Herr Jesus wichtig wird in unserem Leben, werden wir Ihm auch gern Ehre und Anbetung geben. Dieser Gedanke wird dadurch ausgedrückt, dass Manoah dem Herrn ein Opfer bringt. Eine Belebung inmitten von Christen führt immer dazu, dass man seine priesterliche Stellung erkennt und wahrnimmt1.
    Die verschiedenen Opfer des Alten Testaments sprechen in bildlicher Weise von der Person, dem Leben und dem Sühnungstod des Herrn Jesus. Wenn nun Christen Gott geistlicherweise Opfer darbringen wollen, beten sie Ihn an und sagen Ihm mit dankbaren Herzen etwas von der Schönheit und Herrlichkeit, die sie – genauso wie Gott, der Vater – in der Person, dem Leben und dem Sühnungstod Jesu erkennen. Durch Ihn – und nur durch Ihn – können wir Gott nahen und Gemeinschaft mit Gott, dem Vater, pflegen. Das ist im tiefsten Sinn Anbetung in Geist und Wahrheit.
    Gott kann diese Anbetung auch von uns erwarten. Unsere Anbetung ist geistlicher Art und geschieht in Übereinstimmung mit der Offenbarung Gottes in Jesus Christus (Joh 4,24). Wer meint, auf diesen zentralen Aspekt des christlichen Lebens verzichten zu können, wird letzten Endes keine wahre Erweckung erleben.
  3. Aus der Geschichte von Gideon wissen wir, dass der Engel des Herrn niemand anderes ist als der Herr selbst, Jahwe (Ri 6,12.14). Gott ist sozusagen sein eigener Bote – Engel heißt nichts anderes als Gesandter, Bote. Aus dem Neuen Testament wissen wir, dass der Sohn, das ewige Wort, die Offenbarung Gottes ist (vgl. Joh 1,1–3.14).
    So kann man den aufsteigenden Engel des Herrn als einen Hinweis auf die Person des Herrn Jesus verstehen. Er ist nach vollbrachtem Werk am Kreuz von Golgatha (Manoah hatte zuerst die Opfer gebracht) nicht nur gestorben, sondern auch aus den Toten auferstanden.
    Eins der Hauptkennzeichen für die christliche Epoche ist der auferstandene Christus, der verherrlicht zur Rechten Gottes im Himmel thront. Mit Ihm, Christus, dem Haupt des Leibes, der Versammlung (Gemeinde), sind wir heute schon aufs engste verbunden (Kol 1,18). Eine wichtige Frage lautet: Kennen wir den Herrn Jesus nur als unseren Retter, oder auch als denjenigen, der jetzt im Himmel thront und dort Gemeinschaft mit uns pflegen möchte? Ist der Himmel für uns nur das Ziel, dass wir am Ende unseres Lebens erreichen werden, wenn der Herr Jesus wieder gekommen ist? Oder halten wir uns heute schon geistlicherweise in den himmlischen Örtern2 auf?
  4. Im Alten Testament kam Gott, der Heilige Geist, einige Male auf einzelne Männer Gottes, sogar vereinzelt auf Ungläubige. In unserer christlichen Zeit dagegen wohnt der Heilige Geist in jedem Erlösten (1. Kor 6,19; Röm 5,5). Das ist viel mehr, als je ein Gläubiger in der Zeit des Alten Testaments erleben konnte. Gott selbst wohnt in der Person des Heiligen Geistes in Menschen. Ist uns das immer bewusst? Neben der Verherrlichung des Herrn Jesus ist die Sendung des Heiligen Geistes auf dieser Erde die zweite große Segnung für Christen.
    Da der Heilige Geist Gott ist, kann es niemand anderes als Ihn geben, der die Führung im Leben eines Gläubigen übernimmt. In diesem Sinn ist Er der Eigentümer, der Führende, der Steuermann, der Segnende. Andererseits kann man den Heiligen Geist auch als unseren erhabenen „Dauerbewohner“ bezeichnen. Denn Er drängt sich nicht auf; wenn wir unser eigenes Leben in Unabhängigkeit von Gott führen wollen, lässt der Geist Gottes dies zu. Es ist zu unserem Schaden, ohne jede Frage. Und wenn ein Christ sein Leben ohne die Leitung des Heiligen Geistes führen möchte oder wenn wir gegen Gott sündigen, wird der Geist Gottes dadurch betrübt (vgl. Eph 4,30). Sind wir mit dem Geist Gottes erfüllt? Er will nicht nur „Gast“ sein, sondern frei wirken können – in guten und in schweren Zeiten. Es ist eine wunderbare Tatsache und ein gewaltiger Segen, für die wir nicht genug danken können, dass Gott, der Heilige Geist, in uns wohnt. Wer offene Ohren des Herzens hat und sein Leben in Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus führt, wird erleben, wie ihn der Heilige Geist an die Hand nimmt und wie Christus das Herz erfüllt.

Es ist schön, bei Simson zu sehen, dass er sich zu Beginn seines Lebens unter der Leitung des Heiligen Geistes befindet. Ein guter Anfang ist eine gute Basis für ein gesegnetes Leben. Er allein reicht zwar nicht aus. Und doch stellt er eine gute Ausgangssituation dar.

Darüber hinaus lernen wir von Simson, dass jeder Dienst zu Hause und in der Umgebung des eigenen Heims beginnt. Man kann seinen Dienst nicht in der Mission beginnen, wenn man nicht zuvor vor der eigenen Haustür angefangen hat, dem Herrn Jesus treu nachzufolgen (vgl. Mk 5,19.20), und zwar mit Ausharren.

Fußnoten

  • 1 Der Priester im Volk Israel brachte die verschiedenen Opfer dar, die das Volk Israel wegen begangener Sünden oder einfach aus freiwilliger Dankbarkeit (Brandopfer, Friedensopfer) Gott darbringen wollte. Wenn wir heute von einer priesterlichen Stellung sprechen, dann ist das gemeint: Dass Christen Gott „Opfer des Lobes“ darbringen (Heb 13,15), also als Anbeter Gott und den Herrn Jesus preisen und loben.
  • 2 Den Ausdruck „himmlische Örter“ findet man nur im Epheserbrief (Eph 1,3.20; 2,6; 3,10; 6,12). Er bezieht sich auf den Himmel, wie er heute für uns im Glauben geistlicherweise erlebbar ist. Die „himmlischen Örter“ (eigentlich: die Himmlischen) sind ein Bereich, der einen Gegensatz zum Irdischen und Sichtbaren bildet. Es geht um die unsichtbare Welt Gottes, wo der Herr Jesus heute schon zur Rechten Gottes thront (Eph 1,20). Wenn wir uns also mit den himmlischen Segnungen, wie sie uns im Epheser- und Kolosserbrief gezeigt werden, beschäftigen, mit dem verherrlichten Herrn Jesus, dann befinden wir uns in diesen himmlischen Örtern.
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