Botschafter des Heils in Christo 1857

Das Mitleiden Jesu

„Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch der Christus das Haupt der Versammlung ist; er ist des Leibes Heiland“ (Eph 5,23).

Die Vortrefflichkeit des Hohenpriesteramtes des Christus ist ein beständiger Gegenstand der Erquickung für seine Erkauften. Nur indem wir diesen teuren Erlöser betrachten, können wir in seiner Liebe bleiben. Und es kann nicht ohne den Geist des Gebets und der Sammlung sein, dass wir unsere Blicke auf den richten, der gekommen ist, um uns die Worte des Vaters zu geben, damit seine Freude in uns wohne. Dieser teure Erlöser wolle uns, während wir untereinander sein heiliges Wort betrachten, vor allem Übel bewahren, damit unsere Freude auch völlig sei, indem wir vor allen Dingen wissen, dass wir ohne Ihn nichts tun können.

Weil das Werk der Erlösung vollkommen ist, freut sich der Herr der Gemeinschaft, in die Er seine Erkauften mit dem Vater durch sein fortwährendes Hohenpriestertum versetzt hat. Auf der anderen Seite erfordert die Heiligung der Erkauften eine beständige Tätigkeit der Liebe des Herrn, bis dass der Letzte der Erwählten vollendet ist.

Deshalb müssen wir den Herrn Jesus betrachten, nicht allein als vollkommenen Erretter der Versammlung, welche sein Leib ist, sondern auch als Haupt, als Mann der Versammlung, während der Bildung und der Geburt derselben. Das, was unsere Brüder schon besitzen, ist viel mehr, als alles, was wir ihnen bieten können, denn sie besitzen Jesus, in welchem alle Reichtümer der Liebe des Vaters eingeschlossen sind. Jedoch kann uns dies in der fortwährenden Betrachtung des Wortes nicht aufhalten. Es kann uns ebenso wenig daran hindern, uns mit den Brüdern über alles das zu unterhalten, was darin enthalten ist, und wir vertrauen der Gnade des Herrn, dass Er durch diese Betrachtung die Brüder im Kampf stärken, in der Heiligung ermutigen, und unter ihnen die Tragsamkeit, die Liebe, das Mitleiden und das Mitgefühl vermehren werde. Er wolle uns einen klaren Blick, ein einfältiges und wachsames Auge geben, um Ihn in seiner Eigenschaft als Haupt des Leibes, dessen Heiland Er ist, und besonders noch als Mitträger der Leiden und der Gebrechlichkeiten aller Glieder zusammen und jedes einzelnen, zu betrachten.

Aber bevor wir das Mitleiden Christi mit seinen Erlösten betrachten, müssen wir die Grundlage, worauf wir gegründet sind, darstellen, nämlich, dass Jesus vollständig und vollkommen das Werk vollendet hat, welches der Vater Ihm übertragen hatte (Joh 17,4) 1, d. i. Gott auf der Erde zu verherrlichen.

Ferner ist der Dienst Jesu als Heiland des Leibes ausreichend, vollkommen und vollendet (Röm 8,2), denn durch seinen Tod hat Er die Sünde, die Verdammnis und den Tod auf sich genommen und von uns abgewälzt. Durch seine Auferweckung haben wir die Rechtfertigung und das Leben, und diese Auferweckung selbst ist ein Beweis der Ausreichung Seines Todes (Joh 11,25; 1. Pet 1,3; Röm 4,25; 5,18; 5,5).

Indem Er einmal für die Sünden gelitten, Er, der Gerechte für die Ungerechten (1. Pet 3,18), ist Er gekreuzigt worden in Schwachheit (2. Kor 13,4 2), um uns zu Gott zu führen.

Die Leiden Jesu am Kreuz haben vollständig unser Lösegeld bezahlt 3. Die Gerechtigkeit Gottes ist ganz und gar befriedigt worden. Als Erretter der Versammlung hat Jesus also vollständig und vollkommen unser Heil und unsere Rechtfertigung durch seinen Tod und seine Auferstehung vollbracht. Von diesem köstlichen Gesichtspunkt aus ist das Herz Jesu mit Freude erfüllt, wenn Er die Versammlung betrachtet.

Die Gläubigen der Jetztzeit betrachten das Werk, auf welchem ihr Heil beruht, als eine geschehene Tatsache; während die Gerechten des alten Bundes durch den Glauben es im Voraus gesehen und den Tag Christi begrüßt haben. Doch für jene sowohl, als für diese ist das ewige Leben und die Rechtfertigung aus Gnaden und umsonst durch den Tod Christi und für die Ewigkeit reichlich erworben.

Wir haben also dargestellt, dass Jesus als Heiland des Leibes alles vollbracht hat, was Ihm zu tun oblag, und dass Er als Anführer unserer Errettung durch Leiden Einmal und für immer 4 zur Vollkommenheit gebracht wurde (Heb 2,10).

Jetzt wollen wir untersuchen, wie es nötig ist, dass seine Erkauften, bevor sie zur Herrlichkeit geführt werden, ihrerseits leiden, und zwar während der Bildung des Leibes. Dies wird dazu beitragen, uns zu unserer Freude das Mitgefühl und das unablässige Mitleiden Dessen besser verstehen und begreifen zu lassen, welcher das herrliche Haupt und zu gleicher Zeit der geliebte Heiland der Versammlung ist (Joh 16,33; Apg 14,22). Alles, was die Schrift uns über die Leiden des Leibes Christi sagt, ist in einem Sinne anwendbar auf Jesus selbst, als Haupt dieses Leibes, und wenn die Gemeinschaft des Herrn und die Erforschung Seiner Gedanken der gewöhnliche Zustand der Christen wäre, so würden die Leiden Dessen, der ihr Haupt ist, eine Ursache des Schmerzes und der Gebete, besonders aber der Wachsamkeit und der Demütigung für diese sein, indem sie der Gegenstand dieser Leiden des Herzens Jesu sind.

Wenn wir sagen, dass die Leiden des Leibes in einem Sinne diejenigen des Hauptes sind, so haben wir dabei immer die Teilnahme Christi an unsern Leiden und an unsern Schmerzen durch sein Mitgefühl und sein Mitleiden im Auge, und wir wenden diese Worte an, wie sie die Schrift anwendet, als gleichbedeutend mit den Worten:

„Mitleiden, teilnehmen an den Leiden anderer.“

Die Stunde des Leidens ist für die Versammlung gekommen, seitdem Jesus zu dem zurückgekehrt ist, der Ihn gesandt hatte. Durch Leiden geht die Versammlung ihrer Vollendung in Christo entgegen, und dieser Zustand des Leidens wird dauern, bis wir alle uns in dem Maße des vollen Wuchses des Christus begegnen werden, bis wir alle durch unseren Durchgang durch die Prüfungen dieses Lebens einzeln und allmählich in dem vollendet werden, der das Haupt über alle Dinge ist, für die Versammlung, welche sein Leib ist, damit Er in allen Dingen den Vorgang habe.

Die Auferbauung des Leibes Christi ist also eine Zeit der Schmerzen und das Haupt nimmt Teil an all den vielen und verschiedenen Leiden, welche die Glieder, sei es in dem Kampfe des Geistes gegen die Sünde zu ihrer Heiligung, sei es wegen der Feindschaft einer Welt, aus der die Gnade Gottes sie heraus geführt hat, erdulden müssen. Die Stellung der Versammlung der Erkauften, betrachtet in ihrer Tätigkeit, muss ihr, während ihrer Bildung durch die Jahrhunderte hindurch, notwendiger Weise Verfolgungen zuziehen, wenn sie treu ist – oder einen falschen Frieden und eine gefährliche Ruhe, wenn sie untreu oder geschwächt ist.

In den Augen Gottes ist die Versammlung die Fortsetzung Jesu auf der Erde. Sie soll Ihn gegenüber der Welt vertreten, um den Vater zu verherrlichen. Die Aufgabe der Versammlung ist fortwährend das Andenken Jesu zu erhalten, bis Er kommt seinen Fußstapfen durch die Hilfe des Heiligen Geistes zu folgen, und die Welt, die Ihn gekreuzigt hat, von der Sünde, von der Gerechtigkeit und von dem Gericht zu überführen (Joh 16,8–11; Apg 17,31).

Jesus hat besonders zwei Dinge auf der Erde getan: Er war gehorsam und hat gelitten. Die Versammlung soll diesem Vorbild folgen. Sie wird demnach den Obrigkeiten der Welt in allem gehorchen, soweit deren Befugnisse gehen, und sie gehorcht Gott, indem sie sich von allem trennt, was schon gerichtet ist. Auf diese Weise gibt sie Zeugnis für die Rechte Jesu und gegen die Unrechtmäßigkeit des Besitzes Seines Reiches durch den Feind. Die Versammlung ist also gerade dadurch, dass sie seinem Vorbild folgt, gewiss, auch so zu leiden, wie Er gelitten hat. Ihr einziger Trost und ihre einzige Freude hienieden besteht in der Gemeinschaft mit ihrem Haupt und in der herrlichen Hoffnung, in der sie durch die völlige Gewissheit des Glaubens die künftigen und unsichtbaren Güter genießt. Jesus ist – während seines Wandels auf der Erde als Mensch in der Schwachheit – ein Mensch der Schmerzen gewesen, weil Er in der Gesinnung der göttlichen Reinheit, in Knechtsgestalt ohne Sünde, von der Sünde umgeben, war, und verworfen von der Welt, die zu suchen, um sie zu erretten und zum Vater zu führen, Er gekommen war.

Jesus war durch den Vater geheiligt, d. h. abgesondert worden. Er hatte sich selbst geheiligt in seiner Eigenschaft als Gesandter (Joh 10,36; 17,18.19), und zwar für die Seinigen, damit auch sie Geheiligte seien in Wahrheit. Der besondere Zweck dieser Absonderung von der Welt war, die Gnade des Vaters durch dieses abgesonderte und seinem Namen geweihte Volkes zu verherrlichen (Apg 15,14; Tit 2,14).

Jesus hat an keiner einzigen Freude dieser Welt teilgenommen, es sei denn, um dadurch Seine Herrlichkeit zu offenbaren (Joh 2,11), die die Herrlichkeit des Vaters war. Derjenige, der Ihm folgen will, muss bei sich und bei anderen alles, was von der Welt ist, hassen. Er nimmt sein Kreuz auf sich und geht durch die Wüste, wie ein Pilger, der ein besseres Vaterland sucht. Aber das Herz Christi wird hier stets die Quelle sein, woraus wir Sanftmut, Geduld, Tragsamkeit gegen die Kinder dieser Welt schöpfen. Christus hat immer gesegnet, getragen, mit Liebe alle Seelen gerufen, die Er auf Seinem Wege fand. Lasst uns denn demjenigen nachahmen, der nicht gekommen war, um zu richten, sondern um zu erretten, der die Sünde hasste, aber die armen Sünder liebte, diesem Jesus, der sanftmütig und von Herzen demütig war.

Das Mittel, um in unserm Leben die Demut, die Liebe und die Absonderung von den Freuden und den Gütern dieser Welt zu verwirklichen, besteht darin, den Herrn in Seinem Leben und in Seinem Tobe mit Ernst zu betrachten, anstatt unser Vertrauen auf diese Güter zu setzen.

„Allezeit das Sterben Jesu am Leib umhertragend, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar werde“ (2. Kor 4,10; Mk 10,24; Gal 6,17). Wie groß auch zu irgendeiner Zeit die Duldsamkeit der Welt gegen die Versammlung sein möge, so ist sie deshalb doch nicht weniger eine gegen Gott feindlich gesinnte Welt, die Jesus gekreuzigt hat, und welche durch Satan, ihren jetzigen Fürsten, beherrscht wird. Immer wird von Seiten der Welt gegen die Kinder Gottes, wenn sie treu darin sind, ihren Vater zu verherrlichen, Feindschaft sein. Wenn gar kein Widerspruch von Seiten der Welt für die Treue der Christen Zeugnis gibt, so ist es nötig, aufmerksam den Zustand der Versammlung zu untersuchen. Denn wenn die Welt uns liebt, so ist es ein Beweis, dass wir den Menschen dieser Welt ähnlich sind, während, wenn wir den Fußstapfen Jesu folgen, die Welt uns hassen wird, denn die Welt hat das ihrige lieb (Joh 15,18.19; 17,14.16.).

Wenn die Versammlung nichts von der Welt erwartete, wenn sie nichts von ihr annähme, wenn sie – anstatt sich durch einen falschen Frieden mit dem Feinde einzuschläfern, und sich mit ihm zu verbinden – getrennt davon lebte, wenn sie von der schönen Stellung, außer ihr zu stehen, um mit der Macht der Gnade in der Welt und auf sie einzuwirken, und von der bevorstehenden Wiederkunft des wahren Königs in Seiner großen Macht Zeugnis gäbe, dann würde jedes ihrer Glieder sehen, dass es nur Trübsal zu erwarten habe, und dass wir durch viel Leiden in das Reich Gottes eingehen müssen (Joh 16,33; Apg 14,22). Sind wir auch wirklich hienieden wie auf einer Reise durch die Wüste? Ist das Zeugnis der Glieder des Leibes Jesu einstimmig, oder wenigstens mächtig genug, um den Feind zu erschrecken und zu erzürnen? Sind wir nicht mitten in einer christlichen Welt und einem verweltlichten Christentum, und seufzen wir über diese Verwirrung? Nehmen nicht die meisten Brüder aus der Hand dieser Welt an, was sie ihnen, an die Stelle der wirklich evangelischen Gaben und Ämter, bietet? Die Predigt des Evangeliums, die Taufe, die Lehre, der Gottesdienst, die Ämter – sind sie nicht zum sehr großen Teil abhängig von dem Willen und der Ermächtigung der Welt? Und ist dieses Übel nicht das Werk des Widersachers und das Zeichen einer großen Verwirrung?

Jesus, unser Haupt, hat notwendiger Weise von allen diesen Gebrechen jedes einzelnen Gliedes und aller Glieder zusammen, während der allmählichen Bildung seines Leibes tiefes Gefühl, und wenn unser Zeugnis so elend ist, ist das denn nicht für uns immer aufs Neue ein Gegenstand der Demütigung und des Gebetes? Das Gebet und die Gemeinschaft mit dem Herrn sind die einzigen Genüsse, welche das Teil der Gläubigen in dieser Welt sind. Es sind innere und geistliche Segnungen, die sie nur finden können, indem sie sich in die Nähe des Herrn zurückziehen, fern von der Sünde, die uns so leicht umstrickt.

Die Gemeinschaft mit dem Herrn verschafft uns unter anderen Segnungen auch die Gemeinschaft mit den Brüdern und das Verständnis der Bedürfnisse und der Leiden des ganzen Leibes Christi. Je mehr wir also in der Nähe des Herrn sind, desto mehr verstehen wir, dass wir hienieden unsererseits unser Teil der Leiden, die der Leib Christi noch während seiner Bildung erdulden soll, zu tragen haben.

Es ist möglich, es ist nach dem, was der Herr oft in seinen Wegen gegen die Kirche offenbart hat, sogar wahrscheinlich, dass der Geist, der jetzt viele Brüder zu der Betrachtung Jesu, wie Er in seiner Liebe handelt, antreibt, und welcher die Braut auf die ganze Macht und List des Feindes aufmerksam macht, auf diese Weise sie auf irgend ein großes Ereignis vorbereiten will. Die Gnade Gottes stärkt immer seine Kinder, wenn es nötig ist, und wenn böse Zeiten nahen, wo könnten wir denn einen mächtigeren Schild in den Prüfungen finden, als die Gemeinschaft mit unserem Haupt, als die brüderliche Liebe, als die Kraft, die in jedem Glied durch das Gefühl seiner Verantwortlichkeit und seiner Solidarität (gegenseitige Verpflichtung) gegen den ganzen Körper, hervorgebracht wird. Keine Betrachtung scheint uns geeigneter, als die des Mitgefühls und des Mitleidens Christi, um die Selbstsucht und die Trägheit, und sogar die Feigheit zu zerstören und zu vertreiben, die die Brüder verhindern, sich in der Gemeinschaft des Herrn und im Gebet zu vereinigen, sich wegen des Übels, welches die Versammlung zertrennt, zu demütigen und selbst, um es zu erkennen. Nichts kann uns mehr antreiben einer des anderen Last zu tragen, als die Beteiligung Christi an allen diesen Nöten.

Das wahre Mittel, um uns nicht in einem leeren Bekenntnis des Christentums einzuschläfern, um nicht tot zu sein, indem wir den Schein des Lebens haben, besteht darin, uns zu der Betrachtung des Herrn Jesus in der Tätigkeit seiner Liebe für uns zu ermahnen. Es war wegen unserer Schwachheit nötig, dass Jesus sich unserem Glauben unter verschiedenen Gestalten offenbarte: dass Er sich uns in seinen verschiedenen Eigenschaften und in Seinen verschiedenen Ämtern zu erkennen gab, indem Er sie uns jedes durch sich selbst erklärte, und uns in allem seine Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist offenbarte. Wir wissen, dass Jesus in der Krippe derselbe ist wie Jesus auf dem Kreuz, dass der Sohn Gottes in der Niedrigkeit derselbe ist wie der Sohn des Menschen in Macht. Wir glauben alle, dass Jesus Gott ist, hochgelobt in Ewigkeit, aber wir bedürfen in diesem Augenblick besonders, den Herrn als verherrlichten Mensch 5 zu betrachten. Der Herr Jesus war Mensch wie auch wir. Er ist der Sohn des Menschen. Als Mensch hat Er die Gerechtigkeit Gottes befriedigt, und hat uns in die Gemeinschaft Gottes gebracht. In Christus werden auch wir verherrlicht, und so wie das Leben Christi schon jetzt auf der Erde in uns ist.

Um das Mitleiden und das Mitgefühl Christi, Seine Teilnahme an dem Zustande der Versammlung richtig zu verstehen, dürfen wir Ihn nicht allein als Heiland in der Herrlichkeit, sondern auch als Haupt der Versammlung in seiner verherrlichten Menschheit betrachten. So ist Er das Haupt des Leibes, den Er errettet hat. Unter diesem für unsere Seelen so köstlichen Gesichtspunkte ist Er der Erstgeborne unter vielen Brüdern, das Haupt der Versammlung, so ist Er tätig und in lebendigen und wirksamen Beziehungen mit Seiner Versammlung.

Vielleicht haben die Erkauften diese Seite Christi etwas aus den Augen verloren. Deshalb ist es nötig, dahin zurückzukehren, weil die Auferstehung und die Verherrlichung des Herrn Jesus die Garantie für unsere eigene Auferstehung in Herrlichkeit und das Unterpfand seiner Tätigkeit, seines Mitgefühls und seiner Fürbitte für seine Brüder, für seine Versammlung vor dem Gnadenthron des Vaters sind.

Paulus wurde bekehrt durch den Anblick des verherrlichten Jesus. Er sah Ihn in seiner Einheit mit der Braut. Dieser Paulus, der vorher die Versammlung zerstörte, der den Leib Christi verfolgte (Gal 1,13), verstand dieses Geheimnis, als Jesus aus der Höhe der Herrlichkeit zu ihm sagte: „Saul, Saul, was verfolgst du mich? ... Ich bin Jesus, den du verfolgst“ (Apg 9,4.5). War es nicht das Haupt der Versammlung, das sich über das Übel, das man seinen ersten Gliedern auf der Erde zufügte, beklagte? Und ist der Leib nicht jetzt noch auf der Erde? Lebt, leidet, bildet er sich nicht auf derselben?

Paulus wurde selbst Glied dieses Leibes. Er wurde von diesem Augenblick an mit ihm verbunden, und die Leiden, die er von da an erduldete, waren nicht ein besonderer und bezeichnender Teil seines Dienstes, sondern er hatte die Gesinnung Christi. Er litt und starb sogar alle Tage, denn die Leiden Christi waren bei ihm in Fülle vorhanden (2. Kor 1,5). Was Paulus unter allen seinen Brüdern auszeichnet, ist nicht, für den ganzen Leib zu leiden, sondern vielmehr das Übermaß seiner Trübsale.

Wenn es wahr ist, dass wir auch den Geist und die Gesinnung Christi haben (1. Kor 2,16), so müssen wir, während unserer Prüfung hienieden, sorgfältig untersuchen, welches die Leiden und Schmerzen der Glieder seines Leibes sind, damit wir unseren Anteil an diesen Trübsalen tragen und so unser Gestorbensein der Welt mit Christus und unser Leben mit Ihm in Gott verwirklichen. Dann werden wir ausrufen: „Wer ist schwach, und ich bin nicht schwach? Wem wird Anstoß gegeben, und ich brenne nicht?“ (2. Kor 11,29). Wir haben sogar Wohlgefallen an Schwachheiten, an Leiden und an Ängsten für Christum (vgl. 2. Kor 12,10). Wenn ein einziges der Glieder des Leibes in einem Zustande des Zerfallenseins, der Schwachheit, der Weltlichkeit unter einer Prüfung oder unter einem Gericht ist, so leiden alle Glieder, wenigstens wenn der Leib in seinem richtigen Zustand ist, und das Haupt ist nicht abgesondert, noch für diese Unordnungen unempfindlich. Denn wir sind der Leib Christi, und ein Teil seiner Glieder, und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, denn der Leib ist nicht ein einziges Glied, sondern viele Glieder (1. Kor 12,14.26.27), und Christus ist das Haupt jedes Mannes, sodass Er nicht allein an den Leiden aller Glieder, als Versammlung betrachtet, teilnimmt, sondern Er teilt auch besonders die Trübsale eines jeden von uns. So zeigt uns die Schrift unsere unvermeidlichen Leiden und unseren unaufhörlichen Kampf, als Trübsale Christi, unsers Herrn, welcher voll Mitleid und Erbarmen ist (Jak 5,11).

So müssen wir denn das, was von jedem Fall eines unserer Brüder gesagt ist, auf unsere eigenen Fälle anwenden, damit wir, indem wir den schmerzlichen Eindruck betrachten, die sie dem Haupte und dem ganzen Leibe verursachen, in der Heiligung wandeln, Gott in allen Dingen zu verherrlichen suchend. Christus, der treu ist über sein ganzes Haus, reinigt uns immerdar von unsern Befleckungen, und hat als Hoherpriester Mitleiden mit unserer Schwachheit.

Dieser Dienst Christi über sein Haus ist auch ein Dienst der Liebe für seine Versammlung, aber wie sehr wird sein Herz auf tausendfache Art betrübt, während Er ihn ausübt? Unsere Pflicht ist demnach, diese ganze Sache als unsere eigenen Angelegenheiten zu Herzen zu nehmen, vor Gott und in seiner Liebe unseren eigenen elenden Zustand (denjenigen unserer Brüder im Glauben), und den Zustand der Trennung und der Schwachheit, worin sich der ganze Leib befindet, zu betrachten. Dann werden wir, wenn die Liebe Christi uns treibt, auch wie in Geburtswehen sein, bis dass Christus in den Erwähltem gestaltet worden sei, welche in den elenden Elementen der Welt gefangen gehalten werden oder dahin zurückgekehrt sind (Gal 4,19).

Was auch die Art der Leiden unserer Brüder sein mag, wir sollen daran teilnehmen, wie die Hebräer die Banden von Paulus und die Leiden ihrer Brüder mitfühlten (Heb 10,32.37), denn wir sehen, dass der Apostel dieses Mitleiden auf dieselbe Linie stellt (hinsichtlich der Belohnung, die es erhalten sollte) als die Leiden selbst, und als die durch die Hebräer wirklich erduldeten Trübsale. Es war auch die brüderliche Liebe, die bei den Korinthern eine große Geduld hervortreten ließ, um dieselben Leiden wie Paulus zu erdulden (2. Kor 1,3–8). Dieser Letztere lobt sie wegen dieses Mitgefühls, sodass die Trübsale von Paulus den Korinthern Heil und Trost bringen, weil sie an dem Heil und dem Trost teilnehmen werden, nachdem sie an den Trübsalen Teil genommen haben. In dieser letzteren Stelle finden wir immer den Hauptgedanken wieder, der für unsere Herzen so süß ist, nämlich diesen: Wenn die Leiden des Christus reichlich über uns kommen, ebenso auch unser Trost durch Christum reichlich sein wird.

Wir werden auf diese Weise jedes Mal mit Christo leiden, wenn wir mit Ihm an den Leiden teilnehmen, die sich in seiner Versammlung während ihres Kampfes gegen die Weltbeherrscher der Finsternis und gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern zeigen (Eph 6,12), aber wir haben außerdem auch für Christum zu leiden, und wir begegnen gewiss dieser letzteren Art Leiden, wenn wir dem Evangelium treu sind. Wenn wir ein kräftiges und ernstes Zeugnis zur Ehre dessen, der uns erkauft hat, ablegen wollen, so werden wir auch, als gute Streiter Jesu Christi, Leiben zu erdulden haben (2. Tim 2,3) und hier, wie überall, werden wir durch die mächtige Kraft und durch die starke Hand unseres Hauptes getragen.

Die Verachtung einer Welt, die sich christlich nennt, die Beschuldigungen vieler Brüder, die selbst die Beweggründe nicht lernten, die uns von jeder Einrichtung, die von der Welt herkommt, trennen, sind gewiss genügend, um uns zu veranlassen, unser Kreuz auf uns zu nehmen und uns als Teilnehmer an den Leiden des Leibes Christi zu betrachten. Wenn auch die Zeiten offener Verfolgung zurzeit nicht unser Teil nicht sind, so sind wir doch glücklich, wenn wir auf irgendeine Art um des Namens Christi willen geschmäht werden, weil der Geist der Herrlichkeit und der Geist Gottes auf uns ruht. Lasst uns denn fest im Glauben sein, wissend, dass dieselben Leiden über alle unsere Brüder, welche in der Welt sind, ergehen, und wenn wir ungerecht leiden, indem wir das Gute tun, so ist das eine Gnade von Gott, denn hierzu sind wir berufen, weil auch Christus, der Gerechte für Ungerechte, gelitten hat, uns ein Beispiel hinterlassend, damit wir Seinen Fußstapfen nachfolgen (1. Pet 4,4; 2. Kor 4,17; Apg 7, 54.56; Röm 8,18; 1. Pet 3,18; 4,1.2.6).

Christus, als Heiland des Leibes, freut sich seines vollkommenen Werkes (Eph 5,23), aber als Bräutigam der Versammlung und als Haupt des Leibes nimmt Er genauso an den Trübsalen dieses Leibes, während seiner Bildung, als an dem Elend und den Schwachheiten jedes seiner Glieder, tätigen Anteil.

Wenn wir diese so ermutigende Wahrheit verstanden haben, werden wir dahin gedrängt werden, sowohl das Ziel dieses Zustandes der Dinge, als die Belohnung, die denen verheißen ist, die an aller dieser Arbeit und an allen diesen Mühseligkeiten teilgenommen haben, zu untersuchen. Dieses Ziel wird uns in 1. Thessalonicher 4 und 5 vorgestellt. Der Augenblick der Freude wird kommen, wenn der Bräutigam wiederkommen wird auf den Wolken, um all die Seinen mit sich in der Luft durch die herrliche Auferweckung der Heiligen zu vereinigen. Danach wird jeder seine Belohnung empfangen, der Bräutigam wird vor den Augen der ganzen Schöpfung offenbart werden, bekleidet mit der Herrlichkeit und der Macht des Sohnes Gottes. Lasst uns denn unserseits in unserem Fleisch unseren Teil der Leiden Christi tragen und dadurch unser Gestorbensein der Welt mit Christo und unser Leben in Gott durch Christum verwirklichen; aber lasst uns auch durch unser Sehnen und unsere Gebete diesen gesegneten Augenblick, nämlich der Wiederkunft des Herrn, was immer unseren Herzen durch den Glauben nahe sein soll, beschleunigen.

Nicht allein die ganze Schöpfung und die leblosen Dinge seufzen, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlinge des Geistes haben, seufzen und sind beschwert, erwartend die Sohnschaft, die Erlösung unseres Leibes (Röm 8,19.23). Sollten wir weniger verständig sein, als die ganze Schöpfung, welche seufzt und seit so vielen Jahrhunderten in Geburtswehen ist bis jetzt, und den Augenblick der Wiederkunft Christi mit seinen Heiligen erwartet, um von der Knechtschaft, der Eitelkeit und des Verderbens befreit zu werden? Sollten wir, die erwählten Glieder des Leibes Christi, während unseres Durchgangs durch dieses Übel, das die Sünde Adams hervorgebracht hat, nicht auch seufzen? Denn wir sind Erben Gottes, Miterben Christi, wenn wir anders mit Ihm leiden, mit Christo, welcher wegen Seiner Liebe für uns und seiner innigen Verbindung mit uns, leidet.

Es darf uns nicht einfallen, daran zu denken, mit Christo seine ausgestandenen Leiden, sowohl während seines Wandels, als auf dem Kreuz zu tragen. Diese Leiden des Heilandes sind immer für Ihn allein gewesen, denn Er allein war fähig, sie zu erdulden, und wir können daran nicht anders teilnehmen, als indem wir Anbetung, Ehre und Lob dem darbringen, der sie erduldet hat. Aber wenn wir mit Ausharren leiden, so werden wir auch mit Ihm herrschen, und Ausharren tut uns in den Trübsalen not, damit wir, nachdem wir den Willen Gottes getan haben, die Verheißung erlangen (2. Tim 2,11.12; Heb 10,36).

„Insoweit ihr der Leiden des Christus teilhaftig seid, freut euch, damit ihr auch in der Offenbarung seiner Herrlichkeit mit Frohlocken euch freut“ (1. Pet 4,13). „Der Ackerbauer muss, um die Früchte zu genießen, zuerst arbeiten“ (2. Tim 2,6). Eine der köstlichsten Früchte unserer Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus in seiner Gesinnung und in seinen Leiden voll Liebe ist gewiss die bessere Auferstehung (Heb 11,35), denn Paulus rief aus: „Um ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinem Tod gleichgestaltet werde, ob ich auf irgendeine Weise hingelangen möge zur Auferstehung aus den Toten“ (Phil 3,10.11).

Der Apostel Johannes sagt in Offenbarung 1,9: „Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse in der Drangsal und dem Königtum und dem Ausharren 6 in Jesus“. Hier ist das Königtum allein etwas Zukünftiges, was durch die Teilnahme an der gegenwärtigen Drangsal und dem Ausharren Jesu Christi während des Lebens des geliebten Jüngers erlangt wird. Diese Drangsale, wie wir sie bis jetzt entwickelt haben, sind diejenigen des Herrn, wegen seiner Verbindung mit der Versammlung und wegen seiner mitleidigen Barmherzigkeit für seine Erkauften, und diese sowie das Ausharren Christi sind auch das Teil der treuen Glieder Seiner Versammlung. Es sind ihre kostbarsten Titel.

Viele Christen geben die Folgerungen dieser Lehre zu. Sie wollen wohl die Gegenseitigkeit anerkennen, die alle Glieder des Leibes Jesu zusammen verbindet, und auch die Verantwortlichkeit jedes einzelnen Gliedes für das Übel, das in allen und in der Mitte aller ist. Sie leiden über die Verfolgungen, die die Versammlung an mehreren Orten auf der Erde erduldet, sie seufzen über das Übel, das sie mehr und mehr zertrennt, sie beklagen in ihrem Herzen die Sünden, die Untreue und das Elend jedes Bruders, aber sie nehmen die Lehre nicht an, welche uns dieses Mitgefühl zur Pflicht macht, weil sie uns Christum als Haupt zeigt, als Mittel- und Vereinigungspunkt aller der allgemeinen und besonderen Leiden. Diese Brüder folgen so dem Triebe eines guten natürlichen Herzens, aber sie nehmen den einzigen Grundsatz, der dieses Mitleiden heiligen kann, nicht an, nämlich die Gemeinschaft mit Christus, als die Quelle und die Triebfeder dieser christlichen Gesinnungen.

Andere, die nur die herrlichen und unaussprechlichen Vorrechte unserer schon vollendeten Einheit mit dem Haupt des Leibes begreifen, scheinen nur zu oft sich allein ihrer Hoffnung zu rühmen, aber sie scheinen andererseits zu vergessen, sich der Niedrigkeit zu rühmen und sich mit dem verfolgten Christus, mit dem leidenden Haupt seines eigenen Leibes eins zu wissen.

Es ist wahr, dass die Lehre von den gegenwärtigen Leiden Christi unter den Christen vielfach durch den Missbrauch, den andere Gemeinschaften damit getrieben haben, vernachlässigt worden ist. Was uns betrifft, die wir den Herrn von allen Seiten zu betrachten wünschen, wir sind versichert, dass die Lehre von dem Mitgefühl Christi für die Versammlung während ihrer Bildung, der Lehre von der voll- ständigen Befriedigung Gottes durch den Tod Jesu keinen Abbruch tun kann.

Außer der Betrachtung der Liebe des Vaters und des Sohnes, der Sein Leben für Seine Feinde gelassen hat, finden wir nichts Rührenderes, als dieses Mitleiden des Herrn Jesus, welcher an allen unsern Schmerzen teilnimmt, der uns ohne Unterbrechung mit einer ewigen Liebe liebt, der leidet, indem Er uns noch mit unserem Kreuze beladen sieht, Er, der alle Sünden seiner Erkauften getragen, die Verdammnis und den Tod für sie und an ihrer Stelle auf sich genommen hat.

Wie groß ist die Liebe Christi! Übersteigt sie nicht alle Erkenntnis? Sind wir nicht eben durch die immer tätige Macht dieser Liebe mehr als Überwinder in allem durch den, der uns geliebt hat, und der jetzt noch für uns bittet (Röm 8,26.33.38)?

Und doch wird die Auferbauung dessen, was von dem Leibe Christi noch zu bauen übrig ist, immer mühsamer und schwieriger, denn der Mangel an Liebe, die Trägheit, die Selbstsucht bei jedem von uns, der Mangel an Zuneigung und der Gemeinschaft unter den Brüdern, aber besonders unser Widerwille, mit Christo zu leiden, vermehren sehr die Schwierigkeiten der letzten Zeiten, in denen wir leben.

Die Liebe und die Zuneigung des Herrn und der Brüder sind das letzte Mittel, das uns bleibt. Aber wie wenden wir es an? Wenn wir Jesus unaufhörlich betrachtete, wenn wir Ihn unablässig im Worte durch den Geist suchten, so würden wir einigermaßen seine Liebe und sein göttliches Mitleiden verwirklichen können. Nur dadurch, und nicht indem wir die Liebe betrachten, die in uns oder in irgendeinem anderen Menschen ist, werden wir in der Liebe des Vaters und im Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi bleiben (2. Kor 4,6).

Die Liebe findet sich nur in Christus. Es ist uns unmöglich, sie anders zu verwirklichen, als in der Gemeinschaft mit Ihm durch den Geist, welcher von dem, was Christus ist, nimmt, um es uns zu geben. Wenn wir an der Quelle trinken, so werden Ströme des lebendigen Wassers von uns fließen. Wenn wir von Christo genährt werden, so verstehen wir alles, was uns mangelt, und alles, was in der Versammlung mangelt. Möge der Herr Selbst die Härte unserer Herzen brechen und unsere strafbare Selbstsucht überwinden, damit wir auch unsererseits an Seinen Gedanken und an den Leiden unserer geliebten Brüder auf der ganzen Erde teilnehmen und mit Vertrauen dem Ziele entgegen gehen können, indem wir wissen, dass unser Herr Jesus, der Sohn Gottes, unser großer Hoherpriester ist, der, nachdem Er in allem versucht worden ist, gleichwie wir, doch ohne Sünde, mit unserer Schwachheit Mitleiden haben kann.

In diesen Gesinnungen, die von oben sind, werden wir freudig unsere Schritte dem himmlischen Vaterland zuwenden, indem wir unterwegs immer auf die Ruhe und die Befreiung warten, und beständig in der lebendigen Erwartung seiner Ankunft dem Herrn entgegen gehen.

Dann, meine Brüder, wenn Christus, der unser Leben ist, offenbart sein wird, werden wir in wahrer unvermischter Liebe verbunden sein. Dann werden wir uns wahrhaft in dem Herrn freuen und nicht mehr in Hoffnung. Indem wir warten, lasst uns suchen, was droben ist, wo unser Leben mit Ihm in Gott verborgen ist. „Denn noch eine ganz kleine Zeit, und „der Kommende wird kommen und nicht ausbleiben“ (Heb 10,37).

Fußnoten

  • 1 Das Opfer Christi ist ein für alle Mal dargebracht. „Er aber, nachdem er ein Schlachtopfer für Sünden dargebracht hat, hat sich auf immerdar gesetzt zur Rechten Gottes … Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar die vollkommen gemacht, die geheiligt werden“ (Heb 10,12–14). Der verherrlichte Jesus hat sich in seiner Eigenschaft als Hoherpriester und als Opfer, welches die Sünden für immer wegnimmt, gesetzt, und so wartet Er, bis seine Feinde unter Seine Füße gelegt werden (Heb 10,12; 1,13).
  • 2 Die Stelle in 2. Kor 13,4 ist übereinstimmend mit Röm 1,3.4; Röm 9,5. „Denn er ist wohl in Schwachheit gekreuzigt worden [oder in Folge der Schwachheit des Fleisches], aber er lebt durch Gottes Kraft“. Es ist der Gegensatz zwischen dem Samen Davids und dem Sohne Gottes, zwischen dem Sohn des Menschen in Niedrigkeit und dem Sohn des Menschen in Herrlichkeit. Hinsichtlich des Wortes Schwachheit (Gal 4,13; Heb 4,15; 5,2; 7,28; 1. Kor 15,43; 2. Kor 12,9) sehen wir, dass die Macht Gottes sich in der Schwachheit des Fleisches verherrlicht, sei es durch die Auferweckung des Sohnes des Menschen in Herrlichkeit, des Christus, der unser Haupt ist, oder sei es indem dasselbe durch dieselbe Macht an uns, die wir seine Glieder sind, geschieht. So hat Christus in Schwachheit sein müssen, zuerst als Diener, um sich selbst zu erniedrigen. Er ist eine Zeitlang unter die Engel erniedrigt worden, aber durch die Macht Gottes, die in Ihm war (Joh 10,18), hat Er sein Leben wiedergenommen, um dadurch der Erstgeborene unter vielen Brüdern zu sein.
  • 3 Ursprünglich: „Die Leiden Jesu in der Niedrigkeit und unter dem Fluch, der unseren Sünden zukam, haben vollständig unser Lösegeld bezahlt“.
  • 4 Joh 19,30: Als unser Heiland noch lebend am Kreuze war, sagte Er: „Es ist vollbracht!" So lange der Herr sein Leben nicht gelassen hatte, war aber noch nicht alles vollbracht, was unsere Errettung betrifft. Es war sogar nach seinem Tod noch nötig, dass Er auferstand. Ohne seine Auferstehung wäre unser Glaube eitel, und wir wären noch in unseren Sünden. Jesus musste noch, in dem Augenblick, wo Er die oben genannten Worte aussprach, erst sterben, dann verherrlicht und in den Himmel aufgenommen werden, und danach war es nötig, dass Er seinen Jüngern den Sachwalter, den Heiligen Geist, sandte. Jetzt sind die verheißenen Dinge noch nicht erfüllt, da wir nur in Hoffnung selig sind (Röm 8,21), bis dass diese Errettung in der letzten Zeit durch unsere Wiederkunft mit Christo nach der ersten Auferstehung offenbart wird. Der Herr hat also nicht gesagt: „Alles ist vollbracht!", son­dern: „Es ist vollbracht!“. Das, was die Schrift von dem Messias in der Niedrigkeit vorhergesagt hatte, war erfüllt. In Wirklichkeit, wenn alle Dinge dem Lamm, welches auf dem Thron wartet, unterworfen sein werden (Heb 2,9; Off 5,6–12) und der letzte Feind, der Tod, in den Feuersee, der mit Feuer und Schwefel brennt, geworfen sein wird, dann wird das Alte vergangen und alles neu gemacht worden sein. Dann wird Christus, das Alpha, sich als das Omega offenbaren. Derjenige, welcher unser Haupt gewesen ist, und der Erste aller Dinge, wird auch der Letzte sein. Er wird alle Dinge in sich selbst zusammenfassen.
  • 5 Ursprünglich: „seine verherrlichte Menschheit“. Dieser Abschnitt wurde sprachlich überarbeitet.
  • 6 Off 13,10; 14,12; Jak 5,11; Luk 21,19; Heb 10,36.
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