Botschafter des Heils in Christo 1853

Wenn der Christus, unser Leben, offenbart werden wird

Jesus Christus sitzt zur Rechten Gottes bis alle Feinde zum Schemel seiner Füße liegen. Während Er dort sitzt, ist seine Versammlung noch kämpfend und wartend auf der Erde. Sie ist selig, aber nur in Hoffnung, sie weiß, dass sie durch Christus Jesus passend gemacht ist zum Anteil am Erbe der Heiligen im Licht. Sie weiß, dass sie den Geist als Erstlingsgabe hat, aber dennoch sehnt sie sich nach der Sohnschaft, das ist die Erlösung des Leibes (vgl. Röm 8,23).

Sie erkennt ihre hohe Berufung, die nicht hier auf der Erde, sondern im Himmel, zur Rechten des Hauptes, ihr Ziel hat. Ein ewiges, unverwelkliches und unbeflecktes Erbe wartet im Himmel. Christus wird wiederkommen. Er wird sich mit seiner Braut, der Versammlung, vereinigen und sie wird Ihn sehen, wie Er ist und wird Ihm gleich sein. Das ist es, was ihre Hoffnung so belebt und ihr Herz mit tiefer Freude erfüllt.

Schon hier erkennt sie den Reichtum der göttlichen Gnade und Liebe in Christus Jesus, zwar nicht völlig, aber doch erfährt sie, dass er überschwänglich ist, und so überschwänglich wird auch der Reichtum der Herrlichkeit sein. „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz aufgekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“ (1. Kor 2,9).

Auf dem Berg der Verklärung, als die drei Jünger einen Blick in diese Herrlichkeit tun durften, ruft Petrus aus: „Meister, es ist gut, dass wir hier sind; und wir wollen drei Hütten machen“ (Luk 9,33). Ja, unsere Hütten sind in der Herrlichkeit des Vaters, darum lasst uns keine mehr auf dieser Erde bauen, d.h. lasst uns das Herz nicht mit den irdischen Dingen erfüllen.

So verborgen auch Christus ist, ebenso verborgen ist jetzt unser Leben. Wie Er, das Haupt, in seiner Niedrigkeit verachtet und verworfen wurde, ebenso seine Glieder, wenn sie in seiner Gesinnung leben. Wie bei Ihm, als Er auf dieser Erde war, sich äußerlich nur ein armer Nazarener offenbarte, der weder Gestalt noch Pracht hatte und dessen verborgene Herrlichkeit nicht erkannt, dessen häufig durch Gott bestätigte Macht und Kraft, Liebe und Gnade für nichts geachtet wurde, ebenso verborgen ist noch die Herrlichkeit und Schönheit seiner Versammlung, deren Gesinnung die Welt nicht versteht. Narren und Toren gleichgeachtet, geht das Häuflein wie unbekannt, arm und verlassen einher und wartet auf die Offenbarung Jesu Christi. Wenn Er sich offenbaren wird, werden wir mit Ihm offenbart werden in Herrlichkeit. Wenn Er sich der Welt zeigen wird in vollem Glanz und großer Macht, um den Kreis des Erdbodens zu richten und sein Volk zu regieren mit Gerechtigkeit, dann werden auch wir, seine Versammlung, seine Braut, mit Ihm erscheinen, um an Seinem Glanz und Seiner Herrlichkeit Teil zu nehmen.

Wenn Er sich mit den Seinen vereint hat und mit allen seinen Heiligen erscheinen wird, dann wird die Welt erkennen, wer Er ist und wie Er die Seinen geliebt hat. Dann werden wir erst recht verstehen, wie sehr wir in Ihm geliebt sind und was es heißt, dass wir Miterben Jesu Christi geworden sind. Gott hat Ihn hoch erhoben über alles, was genannt wird, im Himmel und auf Erden (vgl. Eph 1,21–23) und seine Braut nimmt an all seiner Herrlichkeit Teil. Darum sehnt sich die Versammlung nach der Vereinigung mit Jesus und erwartet Ihn mit Sehnsucht und Geduld. Diese Erwartung hält sie wach, damit sie nicht überrascht und beschämt werde, sondern Freimütigkeit hat, wenn Er kommt (1. Joh 2,28). Sie richtet ihren Blick unverrückt auf den, den ihre Seele liebt, dessen Gerechtigkeit ihr Schmuck und dessen Liebe ihre Seligkeit ist. Sie freut sich der Leiden und Trübsal um seines Namens willen, denn sie sieht, wie sie Ihm jetzt schon gleichgeachtet ist und dass sie es auch dort sein wird (Röm 8,17). Täglich erfährt sie seine Gnade und seine unsichtbare Macht, und durch den Glauben merkt sie, dass alle Feinde schon überwunden sind. Schon jetzt ruft der kindliche Geist in Ihr mit Freimütigkeit: „Abba, Vater!“, und naht sich in freudiger Zuversicht zum Gnadenthron, da ihr Geliebter, ihr Erlöser und Fürsprecher immerdar zur Rechten des Vaters sitzt und sie vertritt. Sie naht sich, gereinigt vom bösen Gewissen, besprengt mit dem Blut Jesu und gewaschen mit reinem Wasser.

Selige Gewissheit und herrliche Erwartung! „Noch eine ganz kleine Zeit, und 'der Kommende wird kommen und nicht ausbleiben‘“ (Heb 10,37). Darum macht euch auf, geliebte Brüder, und seid nicht lässig in dem Werk des Herrn, sondern nehmt beständig zu an Erkenntnis Gottes und Christus Jesus. In Ihm ist uns alles geschenkt, was zum Leben und zur Gottseligkeit dient. Darum seid allezeit mutig und steht fest in der Hoffnung der Herrlichkeit.

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