Botschafter des Heils in Christo 1853

Gott, der eindringlich Bittende

„Nämlich dass Gott in Christus war, die Welt mit sich selbst versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend, und er hat in uns das Wort der Versöhnung niedergelegt. So sind wir nun Gesandte für Christus, als ob Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.“ (2. Kor 5,19–21).

Was für eine Stellung des großen Gottes, Ihn als den inständig bittenden zu erblicken! Den lebendigen Gott, den allgewaltigen, den ewigen Gott – nicht befehlend, wie es ihm zukommt – nein, inständig bittend, erblicken wir Ihn. Und wen bittet er? Sünder, rebellische Sünder bittet er, sich mit Ihm versöhnen zu lassen. Keine Feindschaft ist in seinem Herzen, auch nicht gegen seine Ihm feindseligen rebellischen Verbrecher. Nichts als Mitleid, Erbarmen und Liebe ist in Ihm. Sehr inständig sogar bittet Er diese Menschen, sich mit Ihm sich versöhnen zu lassen. Wahrhaftig, zum Bewundern groß ist die Gnade, in welcher Er Jesus sandte, dass Er suche und errette, was verloren war (vgl. Lk 19,10). Äußerst bewunderungswürdig groß war seine Gnade, dass Er unsere Sünde auf den makellosen Jesus legte und das Gericht des höchsten Rechts für unsere Vergehungen über Ihn, seinen Geliebten, ergehen ließ (vgl. 2. Kor 5,21). Höchst bewunderungswürdige Gnade war es, dass unser Jesus sich selbst zum vollgültigen Sühnopfer für unsere Sünde hingab und so sein kostbares Blut vergoss (vgl. Eph 5,2). Aber diese bestaunens-, höchst bewunderungs- und anbetungswürdige Gnade – noch höher steigt sie. Nachdem Gott Jesus von den Toten auferweckt hat – als Beweis dafür, dass durch sein Blut eine völlige Sühnung für die Sünde geschehen ist – sendet Er jetzt auch noch seine Boten an die Rebellen mit einer solchen Gnadenbotschaft, wie: „[Es gibt] Vergebung der Sünden durch Jesus“ (vgl. Apg 13,38) oder wie: „Glaube an den Herrn Jesus und du wirst errettet werden“ (Apg 16,31). Unzweifelhaft: es ist eine Gnade, die höchste Bewunderung und tiefste Anbetung wert ist, eine Gnade, die alle Begriffe der größten Geister weit übersteigt! Aber auch hier sind ihre Grenzen noch nicht. Seine Liebestriebe gehen noch weiter hinaus, noch höher steigt seine Gnadengröße. Damit es ja an keinem fehle, wodurch uns das unbegrenzte Mitleid und Erbarmen erkennbar wird, das er für uns armselige Sünder in seinem Harzen trägt, lässt Gott sich auch über alle dem, was er getan hat, noch zur Stellung eines Bittenden herab. Als ein solcher wendet der Höchste, der Allgewaltige, sich an seine Ihm abgeneigten, feindseligen Missetäter und bittet sie inständig, sich mit Ihm versöhnen zu lassen.

So sagt uns sein Wort: „Nämlich dass Gott in Christus war, die Welt mit sich selbst versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend, und er hat in uns das Wort der Versöhnung niedergelegt. So sind wir nun Gesandte für Christus, als ob Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2. Kor 5,19.20).

Siehst du nun, mein Freund, dass Gott keinen Gefallen an deinem Tod, keinen Gefallen an dem Tod der Gottlosen hat? – Das ist seine Gesinnung, sein Verhalten gegen dich und das selbst bei der größten Abneigung, die du gegen Gott haben magst und die du in deiner Zuneigung zur Sünde und in deiner Selbstsucht tausendfach gezeigt hast. „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist“ (Röm 5,8). Feindselige Sünder sind mit Gott versöhnt! – Durch einen so sehr hohen Preis, durch den Tod des Sohnes Gottes, des Geliebten! Das Wort der Versöhnung, das dir in diesem Augenblick verkündet wird, ergeht an dich, o Sünder! Von Christus aus, der vom Thron seiner Herrlichkeit im Himmel dir zusieht, von Ihm aus ergeht sie an dich, als die Botschaft des Herrn des Weltalls. Ja, durch die Gesandten dieses Herrn tritt Gott selbst dir ans Herz mit der inständigsten Bitte, die wir dir zurufen: „Lass dich versöhnen mit Gott!“ – Und dabei sehen die Bewohner des ganzen Himmels aufmerksam zu und geben darauf Acht, ob du der Bitte ihres Herrn und Gottes Gehör gibst. Wenn ja, so freut sich der ganze Himmel, dass ein Sünder für ewig gerettet ist. Welch eine Liebe, welch eine Gnade!

O, Sünder, armer betörter Sünder, welch einen Gott der Güte hast du vernachlässigt, geringgeschätzt, außer Acht gelassen und ihm widerstrebt! Kannst du, o, kannst du dem mächtigen Gnadendrang eines solchen Gottes dich noch länger widersetzen, eines Gottes, der, obwohl Er der Allgewaltige ist, nach solchen Proben der Liebe und Gnade gegen dich, dem Ihm wohlbekannten Sünder, noch so inständig bittet: „Lass dich versöhnen mit Gott!“

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