Botschafter des Heils in Christo 1853

Gedanken zu 2. Korinther 5,17

„Alles aber von dem Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat“ (2. Kor 5,18).

Die erste Schöpfung ist durch Satans List unter seine Herrschaft gekommen. Mit Adams Fall ist alles verdorben. Die ganze Schöpfung ist den Folgen der Sünde unterworfen. Nur durch eine vollständige Erneuerung kann die Schöpfung wieder hergestellt und frei gemacht werden von dem Dienst des vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes (vgl. Röm 8,21). Die Himmel werden vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen. „Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt“ (2. Pet 3,13).

Von dem Menschen heißt es: „Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen“ (Joh 3,3). Es ist unmöglich, dass der Mensch als Mensch, als Glied der ersten Schöpfung, als Nachkomme des ersten Adams in die Gemeinschaft Gottes kommen kann. Er muss Christ werden, ein Glied der zweiten Schöpfung und ein Nachkomme des zweiten Adam. Der erste Mensch, Adam, ist von der Erde, irdisch und ist zu einer lebendigen Seele gemacht worden (vgl. 1. Kor 15,45.47). Gott machte ihn zum Herrn der Erde, denn er sollte sich diese untertan machen und über die Fische im Meer, über die Vögel unter dem Himmel und über alles Tier, was auf Erden kriecht, herrschen (vgl. 1. Mo1,28). Er aber blieb nicht in der Abhängigkeit von seinem Schöpfer. Er wollte aus sich selbst etwas machen und fiel in die Gewalt seines Verführers, des Lügners von Anfang und in den Dienst des Geschöpfs. Durch die Sünde ist der Tod in die Welt gekommen und so ist der Tod zu allen Menschen hindurch gedrungen, weil sie alle gesündigt haben. Eine Wiederherstellung der ersten Schöpfung geschieht also nicht anders, als durch Gericht und Erneuerung. Allein die Selbsterhebung Adams ist so tief in sein Geschlecht hineingedrungen, dass der Mensch noch immer denkt, auf die eine oder die andere Weise sich vor Gott behaupten zu können, aber durch alle seine Anstrengungen gibt er zu erkennen, dass er in seinem Hochmut und in seiner Blindheit sich einbildet, mächtiger und weiser zu sein, als Gott selbst. Er spricht: „Wenn ich dies oder das tue, wenn ich mich so oder so zu leben bestrebe, so kann es mir nicht fehlen, ich werde in die Gemeinschaft Gottes kommen. Gott kann seine Geschöpfe nicht verwerfen, usw.“ Dass Gott in seinem Wort gerade das Gegenteil behauptet, darauf lässt er sich nicht ein. Wie tief ist doch der Mensch gefallen, und wie groß ist die Torheit und Blindheit seines Herzens.

Gott sandte den zweiten Adam, Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn. Er ist geworden zu einem lebendig machenden Geist. Er ist der Herr vom Himmel (vgl. 1. Kor 15,45.47). „Der das Bild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Schöpfung. Denn durch ihn sind alle Dinge geschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: Alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen. Und er ist vor allen, und alle Dinge bestehen durch ihn“ (Kol 1,15–17). Und Alles ist durch ihn versöhnt zu ihm selbst, indem er Frieden machte durch das Blut seines Kreuzes durch ihn, es sei im Himmel oder auf Erden (vgl. Kol 1,20). Und Gott hat ihn gesetzt „über jedes Fürstentum und jede Gewalt und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht allein in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen, und hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben“ (Eph 1,21.22).

Durch die Sendung des zweiten Adams, durch die Einführung einer neuen Schöpfung, hat Gott den ersten Adam und die erste Schöpfung für aufgehoben und verwerflich erklärt. Das Erste ist dem Gericht anheim gefallen, obgleich die ganze Schöpfung jetzt noch besteht und dieses Gericht bisher noch nicht zur Ausführung gekommen ist. Gott hat noch Geduld, um alle zu erretten, so viele ihrer zum ewigen Leben verordnet sind, wenn auch die Welt durch diese Geduld sich in ihrer Sicherheit und in ihrem Leichtsinn befestigt.

„Daher, wenn jemand in Christus ist, da ist eine neue Schöpfung.“ „Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott geboren“ (1. Joh 5,1). „Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein“ (Röm 8,9). Christus hat uns durch sein Blut für die zweite Schöpfung, für sein Reich, erkauft. In ihr waltet Gott als Vater und Christus als Sohn. Und alle, die durch Ihn in dieselbe versetzt sind, wohnen in ihr als Söhne Gottes. „Und wie wir das Bild dessen von Staub getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen“ (1. Kor 15,49). Satan hat in dem Reich Christi keine Ansprüche mehr. Der Herr hat ihn vernichtet und einen Triumph aus ihm gemacht. Hier herrscht kein Leid, keine Vergänglichkeit und kein Tod, sondern Freude, Friede und ewiges Leben. Wer die Nichtigkeit und das kommende Gericht der ersten Schöpfung, wer seinen eigenen Zustand erkannt hat, flieht aus dieser in das Reich, wo Jesus der Herr ist.

Der Glaube versetzt uns in Christus, und in Ihm sind wir als Glieder der zweiten Schöpfung auch völlig dargestellt und haben mit der ersten, worin der Satan wohnt und die Sünde herrscht, nichts mehr gemein. Wir sind aus ihr geschieden und nicht mehr dem Tod und dem Gericht unterworfen. Ständen wir aber mit dem Wesen der ersten Schöpfung noch in Gemeinschaft, so würde die Furcht des Todes und die Schrecken des Gerichts uns das ganze Leben hindurch begleiten. Gott aber sei Dank! Wir haben erkannt, dass sein Erlösungswerk ein vollkommenes ist, dass wir durch Ihn auch völlig in sein Reich eingegangen sind, und auch ohne Furcht und Schrecken darin leben können. So lange aber die erste Schöpfung, die für uns fühlbar ist, besteht, so lange wir noch in dieser irdischen Hütte wohnen, sind wir auch den vielfachen Versuchungen unterworfen und gehen unter stetem Kampf einher. Aber wir bekennen dennoch durch Wort und Wandel, dass wir Glieder der neuen Schöpfung sind, und halten fest an der Hoffnung des ewigen Lebens. Je völliger wir aber die Nichtigkeit der ersten Schöpfung und unsere gefährliche Stellung in ihr erkennen, desto weniger werden wir uns mit ihr beschäftigen und desto mehr werden wir unsere Stellung in dem Reich Christi vergewissern und befestigen.

„Wer den Sohn hat, hat das Leben“ (1. Joh 5,12). Nicht erst, wenn wir dem Leib nach diese Welt verlassen, gehen wir in das ewige Leben, in das Reich des Christus, ein, sondern wir sind eingegangen, sobald wir durch den Glauben Jesus Christus ergriffen haben. Ja, wir haben Teil an allen Rechten und Beziehungen, die uns Jesus darin erworben hat. Wohl besitzen wir jetzt nur Alles durch den Glauben und sind in Hoffnung selig, aber dieser Glaube und diese Hoffnung fassen all die unsichtbaren Gegenstände so fest und zuversichtlich, dass unser ganzes Leben beweist, dass wir uns im Besitz derselben wissen. Von dem Augenblick an, wo wir Christus angenommen haben, werden wir von Gott als seine Kinder betrachtet und leben in seiner Gemeinschaft. Mit dem uns geschenkten Geist der Kindschaft, der in uns ruft: „Abba, Vater!“ haben wir auch das Unterpfand unseres Erbes, und sind teilhaftig geworden der Gesinnung Jesu Christi, weil es sein Geist ist. Es ist segensreich für uns, wenn wir dies recht verstehen, denn sobald wir durch den Glauben bekennen: „Das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden“, werden wir uns auch in jeder Beziehung, wie es den Kindern der neuen Schöpfung geziemt, betragen. Dabei sehnen wir uns aber auch nach der Erlösung unseres Leibes und nach unserer neuen Behausung, die aus dem Himmel ist. Wir wissen aber, so bald der Herr kommt, wird unser Sehnen, die wir in seiner Gerechtigkeit erfunden werden, gestillt. Darum warten wir auf seine Zukunft unverrückt und wenn Er offenbar werden wird, werden auch wir mit ihm offenbar in seiner Herrlichkeit. So lange wir der Meinung sind, dass wir erst mit dem leiblichen Tod in das ewige Leben, in die neue Schöpfung eingehen, und dass wir erst dann würdig in ihr leben können, so lange werden wir uns immer noch mit dem Sichtbaren und Eitlen der ersten Schöpfung einlassen und beschäftigen, und unser Leben wird unlauter und der Friede Gottes nicht bleibend in uns sein. Wir wissen aber, dass wir aus dem Tod zum Leben hindurchgedrungen sind (vgl. 1. Joh 3,14).

In unseren Tagen ist die Erkenntnis des Werkes Christi sehr mangelhaft und darum ist auch das Bekenntnis und das Leben vieler Christen sehr unklar und der hohen Berufung nicht gemäß. Man spricht immer von der Stellung, die wir als Nachkommen Adams in der ersten Schöpfung als „arme Sünder“ einnehmen, und sehr wenig von der gesegneten Stellung, die wir als Glieder Christi in der zweiten Schöpfung als „Kinder Gottes“ eingenommen haben. Das ist jedenfalls sehr betrübend und ein Betrug Satans, der immer danach getrachtet hat, das Werk Christi zu verstümmeln und zu verdunkeln. Eben so sehr ist es gegen Gottes Wort, wenn man der Meinung lebt und auch dahin arbeitet, als sollte die ganze Welt, die doch als solche dem Gericht übergeben ist, durch das Evangelium bekehrt werden. Nur solche werden in das Reich Christi eingehen, die zum ewigen Leben verordnet und berufen sind, und dennoch soll das Evangelium der ganzen Schöpfung gepredigt werden, damit sie keine Entschuldigung haben. Man sieht, dass so Wenige auch das Wesen des Reiches Christi annehmen, aber leider begnügt man sich schon damit, sie unter die leeren Formen eines Scheinchristentums gebracht zu haben, und auf diese Weise betrügt man sich und andere.

„Denn die Erde wird voll Erkenntnis des HERRN sein“ (Jes 11,9). Das ist eine köstliche Verheißung, deren Erfüllung aber nicht für unser jetziges Zeitalter aufbewahrt ist, sondern erst, wenn der Kreis des Erdbodens durch den Menschensohn mit Gerechtigkeit gerichtet ist, werden wir die Verheißung in ihrer ganzen Fülle verwirklicht sehen.

Der Herr wolle seine Gemeinde doch recht durch seinen Geist erleuchten, damit sie erkenne, dass sie mittelst des Glaubens in Jesus aus der ersten Schöpfung herausgenommen und in die zweite versetzt worden ist, damit sie sich auch als eine neue Kreatur in ihrem ganzen Leben beweise, zur Ehre und zum Preise unseres Gottes. 1

Fußnoten

  • 1 Anmerkung der Redaktion: Der Sohn Gottes, der Schöpfer der ersten Schöpfung, ist Mensch geworden und in die erste Schöpfung eingetreten, jedoch ohne Sünde. Durch seinen Tod und seine Auferstehung begann die neue Schöpfung. Der Stellung nach gehören die Gläubigen der neuen Schöpfung an, so lange wir aber noch auf der Erde sind gehören wir mit unserem Leib der alten Schöpfung an.
Nächstes Kapitel »« Vorheriges Kapitel

Ihre Nachricht