Die symbolische Lehre der Stiftshütte

Der große Versöhnungstag

Der große Versöhnungstag wurde jährlich am zehnten Tag des siebenten Monats gefeiert. Er war symbolisch dazu bestimmt, das ganze Volk Israel mit Gott auf dem Boden der Erlösung in Verbindung zu bringen. In Wahrheit wurde durch das Blut von Stieren und Ziegen keine Sünde hinweggetan. Er wurde immer und immer wiederholt, aus dem einfachen Grund, dass der Schatten nichts vollbringen konnte, außer den Weg zu dem zu weisen, was wirksam sein würde, bis die Zeit kam, in der Christus ein für allemal in das Heiligtum einging, als Er eine ewige Erlösung erfunden hatte (Heb 9,12).

Der Vorhang zerriss niemals in der Zeit der Schatten. Aber jetzt – gelobt sei Gott -, seit Christus gestorben ist, ist das der Fall.

Das frühe Versagen des Priestertums im Fall der Söhne Aarons, Nadab und Abihu, die fremdes Feuer gegen Gottes Befehl opferten, als Feuer vom Herrn herabkam und sie verzehrte und sie vor dem Herrn starben, hatte eine besondere Reaktion, wie wir jetzt sehen werden.

In 3. Mose 16,2 lesen wir, dass Gott wegen dieses Versagens Aaron verbot, zu aller Zeit in das Heiligtum vor den Gnadenstuhl hineinzugehen, damit er nicht sterbe. Sehr klare Anweisungen wurden gegeben, wann und wie er hineingehen sollte - und zwar nur am großen Versöhnungstag.

„[…]in die zweite (d. h. in das Allerheiligste) aber einmal im Jahr allein der Hohepriester, nicht ohne Blut, das er für sich selbst und für die Verirrungen des Volkes darbringt; wodurch der Heilige Geist dieses anzeigt, dass der Weg zum Heiligtum noch nicht offenbart ist, solange die vordere Hütte noch Bestand hat“ (Hebräer 9,7–8).

Während dieses feierliche Ritual in einer allgemeinen Art die Wahrheit und Notwendigkeit der Versöhnung darstellt, wird es bei Israel in der Zukunft eine besondere Erfüllung davon geben. Dies werden wir sehen, wenn wir die Feste des HERRN in einem späteren Kapitel betrachten.

Es war Aaron nicht mehr erlaubt, die Kleider der Herrlichkeit und Schönheit zu dieser Gelegenheit anzulegen. Bekleidet mit dem inneren Gewand aus Linnen, das die Heiligkeit darstellte, und gewaschen mit reinem Wasser, was ein Sinnbild für das moralische Würdigsein ist, brachte Aaron am großen Versöhnungstag sein feierliches Opfer dar.

Ihm wurde aufgetragen, sich einen jungen Stier zum Sündopfer und einen Bock zum Brandopfer zu beschaffen. Dieser Stier wurde als Sündopfer für ihn selbst und sein Haus geopfert. Hierin ist er kein Vorbild von unserem geliebten Herrn, sondern ein Gegensatz zu Ihm. Aaron und sein Haus brauchten ein Sündopfer, denn sie waren Sünder. Christus brauchte kein Sündopfer, im Gegenteil. Er Selbst war das Sündopfer, das vollkommene Opfer, Er, der Gott am Kreuz verherrlicht hat.

Aaron nahm zwei Ziegenböcke zum Sündopfer und einen Bock zum Brandopfer von der Gemeinde der Kinder Israel. Er nahm dann die zwei Ziegenböcke und stellte sie vor den HERRN an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft. Er warf dann das Los über die zwei Böcke, ein Los für den HERRN und ein Los für den Sündenbock.

Und wir finden, dass gerade an dieser Stelle Aaron angewiesen wurde, den Stier als Sündopfer für sich selbst und sein Haus zu schlachten, indem er eine Pfanne voll Feuerkohlen vom Altar nehmen sollte. Seine Hände waren gefüllt mit wohlriechendem, klein gestoßenem Räucherwerk, und er legte das Räucherwerk auf das Feuer vor den Herrn, sodass die Wolke des Räucherwerkes den Deckel bedeckte, der auf dem Zeugnis war, damit er nicht sterben musste.

„Dass er nicht sterbe“ – das zeigt, wie ernst es mit dem ganzen Nahen zu Gott war. Nicht Geringeres als das Sühnewerk unseres Herrn kann uns die Berechtigung geben, in der Gegenwart Gottes zu sein. Es ist erleichternd, sich von sich selbst zu Christus zu wenden und in Ihm unsere Gerechtigkeit in der Gegenwart Gottes zu finden.

Dann nahm Aaron von dem Blut des Stieres und sprengte es mit dem Finger auf den Gnadenstuhl siebenmal gegen Osten vor den Gnadenstuhl.

Danach schlachtete er den Bock des Sündopfers, der für das Volk bestimmt war, und tat mit dem Blut des Bockes dasselbe, was er mit dem Blut des Stieres getan hatte: Er sprengte das Blut auf den Gnadenstuhl. So tat er Sühnung für das Heiligtum wegen der Unreinigkeiten der Kinder Israel und für das Zelt der Zusammenkunft, das inmitten ihrer Unreinigkeiten weilte. Niemand begleitete ihn bei dieser Handlung. Er kam dann heraus und ging zu dem ehernen Altar, nahm das Blut des Stieres und das Blut des Bockes und sprengte es siebenmal an den Altar und heiligte sich von der Unreinigkeit. So sollten die Kinder Israel Jahr für Jahr an die Herrlichkeit Gottes und an die Notwendigkeit eines würdigen und anerkannten Opfers erinnert werden.

Wir können hier die Verbindung zwischen dem Thron und dem Altar sehen: Der Altar leistete den Forderungen des Thrones Genüge. Im allerhöchsten Sinn befriedigte das Blut Christi jede Forderung Gottes zur vollkommenen Zufriedenheit; ja, es verherrlichte Ihn, wo die Sünde Schmach gebracht hatte; es verherrlichte Ihn, wie nichts anderes es tun konnte. Lasst uns immer bedenken: Der Gläubige kann soweit gehen, wie das Blut gegangen ist. Das Blut konnte nicht weiter gehen. Es ging bis vor das Angesicht Gottes und verwandelte einen Thron unbeugsamer Gerechtigkeit (der auf ewig so bleibt) in einen Gnadenstuhl. „Denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe“ (1. Pet 3,18). 

Das Blut wurde einmal auf den Gnadenstuhl und siebenmal davor gesprengt; einmal für Gott, was vollauf genügte, zumal Er allein die wunderbare Kraft des kostbaren Sühnewerkes unseres Herrn am Kreuz ganz ermessen kann; siebenmal für uns, die wir immer und immer wieder dieser Dinge vergewissert werden müssen. Wir erfassen die volle Bedeutung des kostbaren Blutes Christi nicht ganz auf einmal, sondern im Laufe der Zeit erlangen wir eine vollere und wachsende Erkenntnis jenes Werkes, bis wir uns selbst vor dem Angesicht des Herrn befinden, wo unser Preis und Lob ewiglich erschallen wird.

„Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blut und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“ (Off 1,5–6).

Dank sei Gott, dass wir vor Ihm stehen nach dem Maß, wie Er das Werk Christi am Kreuz schätzt, nicht wie wir es schätzen.

Und was war nun mit den beiden Böcken, die Aaron für das Volk nehmen sollte? Wir haben gesehen, wie der Bock, auf welchen das Los für den HERRN gefallen war, geschlachtet wurde. Aber wir sehen auch, dass der lebende Bock dem geschlachteten Bock, dessen Blut auf den Gnadenstuhl gesprengt wurde, gleichgestellt wird. Wir zitieren zwei Verse, um das klar zu machen:

„Und Aaron soll den Bock herzubringen, auf den das Los für den HERRN gefallen ist, und ihn opfern als Sündopfer. Und der Bock, auf den das Los für Asasel gefallen ist, soll lebend vor den HERRN gestellt werden, um auf ihm Sühnung zu tun, um ihn als Asasel fortzuschicken in die Wüste“ (3. Mo 16, 9–10).

Die beiden Böcke wurden einander gleichgestellt und vereinen eine große Lehre in sich.

Der Hohepriester legte seine Hände auf den Bock des lebenden Bockes kraft dessen, was durch den Bock sinnbildlich dargestellt wurde, auf den das Los für den HERRN gefallen war. Und er bekannte auf ihm alle Ungerechtigkeiten der Kinder Israel und alle ihre Übertretungen. Und er legte symbolisch die Übertretungen auf den Kopf des Bockes und schickte ihn dann durch einen bereit stehenden Mann fort in die Wüste. Auf diese sehr auffällige Art wurde dargestellt, wie vollständig die Sünde weggetan wird – rein geworden, niemals soll sie wieder auftauchen. Das erinnert an Schriftstellen, die zeigen, wie vollständig Gott mit der Sünde fertig wird. Wir lesen: „so weit der Osten ist vom Westen, hat er von uns entfernt unsere Übertretungen“ (Ps 103,12). „[…] du wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen“ (Mich 7,19). „[…] alle meine Sünden hast du hinter deinen Rücken geworfen“ (Jes 38,17). „Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nie mehr gedenken“ (Heb 10,17).

Während all dies für den einzelnen Gläubigen ein Trost und eine Zuversicht sein kann und sein soll, stellte der Bock, der mit der Sünde des Volkes, die auf seinen Kopf bekannt worden war, in die Wüste geschickt wurde, besonders dar, was in Zukunft mit Israel geschehen wird. Als Ergebnis der Reue, die der Geist der Gnade und des Flehens, der über die jüdische Nation ausgegossen werden wird, bewirken wird, werden sie an jenem Tag, wenn sie Den erblicken werden, den sie durchbohrt haben (Sach 12,10) einen großen Versöhnungstag feiern, wie sie ihn in ihrer langen Geschichte niemals abgehalten haben, und sie werden in diesem lebendigen Ritual erkennen, wo sie dann ja Christus als Schlüssel zu allem haben, wie die Sünde wirklich weggetan ist. Gerade so, wie der zweite Bock in der Wüste auf Nimmerwiedersehen verschwand, so werden sie sehen, dass das Blut des Sündopfers, ja, das kostbare Blut des Christus, den sie verachtet und ausgestoßen haben, Kraft vor Gott zur vollen und allumfassenden Erlösung hat. „Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nie mehr gedenken“ (Heb 10,17) – das wird die Versicherung des Herrn für sie sein, entsprechend des Bundes der Gnade, den Er mit Israel gemacht.

Wenn Aaron aus dem Heiligtum herauskam, wurde der Sündenbock in die Wüste geschickt; wenn Christus auf die Erde wiederkommen wird und Israel durch die große Trübsal gereinigt sein wird und Reue empfindet und seinen Messias willkommen heißt, dann wird dieses kostbare Bild seine Erfüllung finden. In der Zwischenzeit ist Christus verborgen, und Sein Volk aus dieser Gnadenzeit hat seinen Teil mit Ihm, „gesegnet […] mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christo“ (Eph 1,3).

Nachdem Aaron den lebendigen Bock durch den bereitstehenden Mann in die Wüste geschickt hatte, ging er hinein in das Zelt der Zusammenkunft, zog seine Kleider von Linnen aus, badete sein Fleisch im Wasser am heiligen Ort, legte seine Kleider der Herrlichkeit und des Schmuckes an, kam heraus und opferte sein Brandopfer und das Brandopfer des Volkes. Dann der Stier Aarons und der Bock, auf den das Los für den HERRN gefallen war, die ja schon geschlachtet waren, außerhalb des Lagers hinausgeschafft und mit Feuer verbrannt. Häute, Fleisch und Mist – ein Bild für Gottes schonungsloses Gericht über die Sünde am Kreuz. Aber sogar bei jenem ernsten Bild wurde das Fett auf dem Brandopferaltar verbrannt – das war immer das, was das Herz Gottes an der segensvollen Erlösung erfreute, die Sein Sohn für die Sünde vollbrachte.

Dies bildete den Abschluss des Rituals am großen Versöhnungstag, ein sehr kostbares Bild von dem Sühnetod unseres Herrn Jesus Christus.

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