Die symbolische Lehre der Stiftshütte

Das Brandopfer

Dies ist das Opfer, das den Tod Christi in seinem höchsten Sinn darstellt. Das hebräische Wort „Olah“, das mit Brandopfer übersetzt wird, bedeutet „das, was aufsteigt“. Es war ein freiwilliges Opfer, das Christus symbolisch als den Einen darstellt, der sich freiwillig Gott opferte als das Sühnopfer für die Sünde. Es sollte sorgfältig beachtet werden, dass die VERSÖHNUNG damit verbunden ist. Es wurde auf dem ehernen Altar dargebracht und gibt dem Altar den Namen „Brandopferaltar“ (2. Mo 30,28; 40,10). Wir lesen: „An Brandopfern und Opfern für die Sünde hast du kein Wohlgefallen gefunden. Da sprach ich: Siehe, ich komme (in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben), um deinen Willen, o Gott, zu tun“ (Heb 10,6.7). Jener Wille zog Ihn zum Kreuz, zur Versöhnung der Sünde, indem Er Gott in vollstem Maße verherrlichte.

Das Handauflegen 

Das Handauflegen bedeutete, dass der Opfernde sich mit dem Opfertier gleichmachte. Für ihn galten die Worte: „Es wird wohlgefällig für ihn sein, um Sühnung für ihn zu tun.“ Das Auflegen der Hände war in diesem Fall sehr bezeichnend. Es bedeutete: Der ganze Verdienst des Opfers wurde sinnbildlich auf den Opfernden übertragen, sodass er die ganze Wohlgefälligkeit des Opfers in den Augen Gottes empfing. Der Opfernde wurde so in göttliche Gunst gebracht.

Auf diesen Gesichtspunkt des Todes Christi spielte der Apostel Paulus an, als er schrieb: „Zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, worin er uns begnadigt hat in dem GELIEBTEN“ (Eph 1,6). Der Geliebte ist Christus. Aber wir tun gut daran, darüber nachzudenken, warum hier das Wort Geliebter gebraucht wird. Dies ist das einzige Mal, wo unser Herr so genannt wird. Wenn die Schriftstelle gesagt hätte, dass wir in Christus begnadigt worden sind, würde das wahr gewesen sein, aber wohl kaum genügend sein, denn der Geist Gottes wollte die Verse und wunderbare Art der Begnadigung herausstellen, in der unser hochgeliebter Herr vor Gott steht als unser Stellvertreter. So gebraucht der Geist Gottes das zärtliche Wort „Geliebter“.   

Unter diesem Blickwinkel vom Tod Christi lernen wir, wie wunderbar begnadigend und lieblich der Sühnetod unseres Herrn war für den Einen, der Ihn sandte. Alles, was auf dem Brandopferaltar geräuchert wurde, stieg auf als „ein lieblicher Geruch dem Herrn“.

Verschiedene Worte bei den Opfertieren:

  1. vom Rindvieh ein Stier ohne Fehl
  2. vom Kleinvieh ein Schaf oder eine Ziege ohne Fehl
  3. vom Geflügel Turteltauben oder junge Tauben.

Der Stier ist mehr wert als ein Schaf oder eine Ziege; Schaf oder Ziege sind mehr wert als die Turteltauben oder jungen Tauben. Dies zeigt uns die verschiedenen Stufen der Erkenntnis, die der Gläubige von dem Tod Christi hat. Aber Gott sei Dank: Das Opfer der Tauben wurde genauso angenommen wie das Opfer eines Stiers. Wir werden nicht entsprechend dem Maß unserer Wertschätzung vom Tod Christi begnadigt, sondern entsprechend dem Maß von Gottes voller und vollkommener Wertschätzung vom Tod Christi. Niemand von uns kann sich zu dieser Höhe emporheben, aber Gott begnadigt uns auf der Grundlage dessen, was er über den Tod Seines Sohnes denkt. Dies ist eine Stelle großen Trostes für uns, und es sollte uns Zuversicht geben, Gott zu preisen für Seine unaussprechliche Gabe.  

Der Stier ohne Fehl war die höchste Form des Opfers. Aufseiten des Opfernden vertritt dies eine sehr große Erkenntnis vom Tod Christi. Der Opfernde sollte den Stier schlachten. Der Priester sprengte dann das Blut ringsum an den Altar. Nichts Geringeres als Blutvergießen kann Sühnung für Sünden sein. Das Brandopfer wurde dann, nachdem ihm die Haut abgezogen war, in seine Stücke zerlegt. Das versinnbildlicht, dass Gott im Einzelnen alles das wertschätzt, was Christus dazu führte, Sein Leben am Kreuz zu opfern. Feuer wurde auf den Altar gelegt, und das Holz wurde auf dem Feuer zugerichtet.

Dann sollten die Priester die Stücke - den Kopf und das Fett - auf dem Altar zurichten, die Eingeweide sollten mit Wasser gewaschen werden, und alles sollte auf dem Altar geräuchert werden. Die Eingeweide und Schenkel, die im Wasser gewaschen wurden, stellen symbolisch Christus dar mit den innersten Triebfedern Seines Seins (die Eingeweide) und den ganzen Einzelheiten und der Kraft Seines Wandels (die Schenkel). Es hat jemand treffend gesagt: „Was das Waschen mit Wasser angeht, so wurde das Opfer symbolisch zu dem gemacht, was Christus im Wesentlichen war, nämlich rein.“ Alles sollte auf dem Altar geräuchert werden.

Der Schlüssel zum Verständnis für dieses wunderschöne Bild vom Tod Christi liegt in zwei Hauptgedanken:

  1. Das Wort für Räuchern bedeutet: die wunderbare Ergebenheit unseres Herrn, die darin bestand, dass Er sich selbst in den Tod gab, um den Willen Gottes zu erfüllen, steigt mit lieblichem Wohlgeruch auf zu Gott. Es ist ein Wort, das für Räuchern von Weihrauch gebraucht wird - “als lieblicher Geruch aufsteigen“.
  2. Damit verbunden war der Gedanke des Opfernden. Wenn niemals ein Sünder durch den Sühnetod unseres Herrn erlöst worden wäre, hätte dieser Tod doch Gott verherrlicht, wie nichts anderes es jemals tun konnte. Christi Ergebenheit in den Willen Gottes war überströmende Freude für das Herz Gottes.  

Das Opfern eines Schafes oder einer Ziege ohne Fehl setzt eine weniger große Erkenntnis vom Tod Christi voraus, ist aber doch sehr kostbar und annehmbar vor Gott - kostbar, weil ER in der ganzen Tragweite den Wert jenes vollkommenen Opfers unseres Herrn am Kreuz kennt. Aber weil es ein Brandopfer war, sollte das Opfertier männlich sein - sinnbildlich für die Würde und den Segen dieser Darstellung vom Werk Christi.

Aber es konnte doch sein, dass ein Opfernder arm war. Der Stier oder sogar das Schaf oder die Ziege würden vielleicht seine Mittel völlig überschreiten. Für solche Fälle war eine Vorkehrung getroffen. Ihm war gestattet, Turteltauben oder junge Tauben zu bringen. Auch das schwächste Verständnis vom Sterben Christi wollte die Gnade achten und Ihm gerecht werden. Es würde nicht im Geringsten die Begnadigung abschwächen, mit der der Opfernde begnadigt wurde, denn diese hing nicht von der Erkenntnis des Opfernden ab, sondern von dem Wert, den GOTT jenem wunderbaren Opfer beimisst.

Der Kropf und Unrat der Vögel wurde weggeworfen, was versinnbildlicht, dass der Anbetende unwürdige und unpassende Gedanken vom Tod Christi mit dem vermischen mag, was würdig und annehmbar ist. Im Fall des Stiers und den Schafen bzw. der Ziege wurde alles auf dem Altar geräuchert. Aber in diesem Fall wurden der Kropf und der Unrat neben den Altar gegen Osten hin geworfen, an den Ort der Fettasche, was zeigt, dass unwürdige Gedanken über Christus vernichtet werden müssen.  

Die Vögel wurden an den Flügeln eingerissen, aber nicht ganz auseinandergetrennt, was wiederum geringe Erkenntnis darstellt, als ob der Anbetende so weit auf dem richtigen Weg gehen konnte, aber nicht die Kraft der Erkenntnis hatte, den ganzen Weg zu gehen.

Und wie ist die Gnade Gottes in solch einem Fall so rührend! Wie froh machend war es für solche, mit denselben Worten gegrüßt zu werden, wie sie für den Opfernden eines Stiers oder eines Schafes oder einer Ziege gebraucht wurden. „Es ist ein Feueropfer lieblichen Geruchs dem Herrn“.

Der Kopf sollte auf dem Altar verbrannt werden, und das Blut sollte ausgedrückt werden an der Wand des Altars. Nichts Geringeres als Blut konnte hier helfen. Wenn wir dieses wunderbare Opfer auch nur sehr dürftig dargestellt haben, so soll es uns doch ermutigen zu wünschen, dass unsere Seele wächst an der Erkenntnis dieses wunderbaren Gesichtspunktes vom Tod Christi.

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