Die symbolische Lehre der Stiftshütte

Die Weihe Aarons und seiner Söhne

Zuerst wird alles, was für die Heiligung notwendig ist, aufgezählt. Da sind junge Stiere, zwei Widder ohne Fehl, ungesäuertes Brot und ungesäuerter Kuchen, gemengt mit Öl, und ungesäuerte Fladen, gesalbt mit Öl. All diese Dinge sprechen in der einen oder anderen Art von Christus. Der Gläubige ist das, was er ist, aufgrund dessen, was Christus ist und was er getan hat. Alles hängt von Christus ab.

Aaron und seine Söhne werden mit Wasser gewaschen

Was ist die Bedeutung davon, dass sie mit Wasser gewaschen wurden? Wie wir in einem späteren Kapitel sehen werden, wuschen die Priester ständig ihre Hände und Füße in dem ehernen Waschbecken, aber hier ging es um ein Bad, ein Waschen des ganzen Körpers als Zeremonie. Dies geschah bei ihrer Weihe und sollte nie wiederholt werden. Offensichtlich bezieht sich Hebräer 10,22 auf die Weihe der Priester. Dort wird uns berichtet, wie das Bild auf Christen in dieser Gnadenzeit passt. „Unsere Herzen besprengt und also gereinigt vom bösen Gewissen“ (sinnbildlich: das Blut des Sündopfers), „und den Leib gewaschen mit reinem Wasser“ (sinnbildlich: Aaron und seine Söhne wurden ganz gewaschen als Zeremonie).

Dass Blut und Wasser beides mit Reinigung zusammenhängt und beides verbunden ist mit dem Tod Christi, wird aus Johannes 19,34 deutlich: „Einer der Soldaten durchbohrte mit einem Speer seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus“. Wenn Blut und Wasser aus der Seite des toten Christus herauskamen, dann ist es klar, dass dies symbolische Bedeutung hat, denn wir lesen in 1. Johannes 5,6: „Dieser ist es, der gekommen ist durch Wasser und Blut.“ Und wiederum: „Denn drei sind, die da zeugen, der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei sind einstimmig“ (1. Joh 5,8).  

Wir wissen, dass das Blut Christi zur Reinigung ist, denn wir haben die Schriftstelle: „Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, reinigt uns von aller Sünde“ (1. Joh 1,7). Um die Dinge klar zu unterscheiden, können wir dies die rechtliche Reinigung nennen. Sie reinigt den Gläubigen ein für alle Mal von der Strafe für die Sünde. Dagegen bezieht sich die Reinigung durch Wasser auf die moralische Reinigung, wenn der Gläubige befreit wird von der Beschmutzung durch die Sünde, und dies entspricht der Wiedergeburt durch die Wirkung des Heiligen Geistes.

Das Blut ist für die rechtliche Reinigung. Das Wasser ist für die moralische Reinigung. Das Blut reinigt von der Strafe der Sünde. Das Wasser reinigt von der Befleckung durch die Sünde. Das Blut ist verbunden mit der Gerechtigkeit und unserem Zustand vor Gott. Das Wasser ist verbunden mit Heiligung und unserem Stand. Das Blut ist allein verbunden mit Christi Sühnetod. Das Wasser ist verbunden mit dem Wirken des Heiligen Geistes. Mögen diese Merksätze beachtet werden.

Um nun unsere Behauptung zu beweisen, dass Wasser zu tun hat mit der Wiedergeburt, ohne die niemand in das Reich der Himmel eingehen kann, lesen wir: „Es sei denn, dass jemand aus Wasser und Geist geboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen. Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist“ (Joh 3,5–6).

Nun sagt vielleicht mancher Leser: Aber bezieht sich das denn nicht auf den Ritus der Taufe? Höchst wahrscheinlich nicht, und wir werden unsere Gründe hierfür angeben. 

1) Es konnte die christliche Taufe nicht sein, aus dem einfachen Grund heraus, dass, als unser Herr sprach, die christliche Taufe nicht bekannt war. Die einzige damals bekannte Taufe war die von Johannes dem Täufer. Die christliche Taufe war bis nach dem Tod Christi unbekannt, denn die Gläubigen werden in den Tod Christi getauft. Die Taufe des Johannes war „die Taufe der Buße für das ganze Volk Israel“ (Apg 13,24).

2) Unser Herr sprach von „geboren werden aus Wasser und Geist“. Die christliche Taufe spricht vom Sterben. „Mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod“ (Röm 6,4). Geburt ist Leben am Anfang des Bestehens. Tod bedeutet Auflösung am Ende des Lebens. Unser Herr sprach von Von-Neuem-Geborenwerden. Er sagte zu Nikodemus: „Ihr müsst von neuem geboren werden“ (Joh 3,7). Taufe spricht vom Sterben. Sei dir ganz klar darüber, dass „geboren werden aus Wasser und Geist“ nicht im Entferntesten zu tun hat mit der christlichen Taufe. Es ist eine furchtbare Entstellung der Wahrheit, das Wasser der Wiedergeburt (Leben) mit dem Wasser der Taufe (Tod und Begräbnis) zu verwechseln. Zu behaupten, dass das Sakrament der Taufe unwissende Säuglinge zu Kindern Gottes und Erben des Reiches Gottes mache, ist eine päpstliche Einbildung, die dazu bestimmt ist, eine ungeheure Macht in die Hände einer anmaßenden Priesterschaft zu legen. Die Taufe als bloßer Ritus hat niemals irgendjemand Leben gebracht. Wenn das so wäre, dann würden alle getauften Kinder zu wahren, wiedergeborenen Christen heranwachsen. Doch ach! Wir wissen, dass dies nicht der Fall ist. Kinder werden Christen, wenn sie in das Alter der Verantwortlichkeit kommen und dann ihre Sünden bereuen und auf den Herrn Jesus als ihren Heiland vertrauen – und nicht anders.

Epheser 5,25–26 wirft starkes Licht auf die Bedeutung des Wassers als reinigende Kraft. Wir lesen: „Christus hat die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben, damit er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort“. Obwohl das Bild wechselt vom „Wasser“ zu „Samen“, finden wir denselben Gedanken im Zusammenhang mit 1. Petrus 1,23: „… nicht wiedergeboren aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes“. „Nach seinem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt“ (Jak 1,18). Ein Same hat Leben in sich und bringt Leben hervor.

Aber du fragst vielleicht: Wie kann Wasser die Wiedergeburt bedeuten? Erinnerst du dich nicht an das sehr prägnante Wort unseres Herrn, das wir eben zitiert haben: „Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist“ (Joh 3,6)? Dies bedeutet, dass das Fleisch, die böse Natur, die in der ganzen Rasse Adams steckt, nur Fleisch hervorbringen kann, das ganz Gott entgegensteht. Wie kann es dann irgendetwas geben, was Gott gefällt? Es muss eine Geburt durch den Heiligen Geist erfolgen. „Was aus dem Geist geboren ist, ist Geist“. Dies bedeutet, dass es für die moralische Reinigung eine neue Natur geben muss. Denke darüber nach und du wirst von der Wahrheit davon überzeugt werden.  Eine Illustration mag vielleicht hilfreich sein. Ein Reisender in Italien hatte sich eines Abends verspätet und musste für die Nacht eine Unterkunft in den Bergen suchen. Er fand Aufnahme in einer armseligen Hütte. Der Raum, der ihm zugewiesen wurde, hatte einen sehr schmutzigen Boden. Der Reisende war drauf und dran, die Hausfrau zu bitten, den Boden zu reinigen, als er bemerkte, dass es ein Lehmboden war. Heißes Wasser, Seife und Schrubber hätten den Boden noch schmutziger gemacht. „Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch“. Du kannst durch äußere Mittel die Natur von irgendetwas nicht verändern.  

Was gab es dann für einen Ausweg? Wie konnte der Reisende einen sauberen Boden bekommen? Das einzige Mittel, dies zu erreichen, wäre gewesen, einen neuen Boden zu machen, der aus Materialien bestand, die man sauber halten kann. So kann das Fleisch nicht verbessert werden, nicht einmal bei Nikodemus, einem Lehrer der Juden. Ein NEUER Boden ist notwendig, mit anderen Worten: Ein NEUES Leben ist nötig; und dieses wird durch das Wort Gottes zuwege gebracht, das an dem Einzelnen wirkt in der Kraft des Geistes Gottes und die Wiedergeburt hervorbringt. „Geboren werden aus Wasser und Geist“ – das kündet von einem NEUEN Leben mithilfe des Wassers (Wort Gottes) und der Kraft des Heiligen Geistes.

Augustus Toplady schrieb vor vielen Jahren: „Fels des Heils, geöffnet mir, birg mich, ewger Hort, in dir, Lass das Wasser und das Blut, deiner Seite heilge Flut, mir das Heil sein, das frei macht von der Sünden Schuld und Macht.“  Offensichtlich hatte der Dichter die Bedeutung der rechtlichen Reinigung durch das Blut und der moralischen Reinigung durch die Verleihung eines neuen Lebens erfasst.   

Es gibt eine wohlbekannte Schriftstelle, die klar den Unterschied zeigt zwischen einem Bad, dem „Ganz-Gereinigt-Werden“, und dem täglichen Waschen der Hände und Füße, wie es die Priester zu tun pflegten in dem ehernen Waschbecken. Unser Herr sagte, als er die Füße seiner Jünger in einer symbolischen Handlung wusch: „Wer gebadet ist (im Griechischen louo = „den ganzen Körper waschen“), hat nicht nötig sich zu waschen (im Griechischen nipto = „ein Körperteil waschen“), ausgenommen die Füße, sondern ist ganz rein“ (Joh 13,10). Das Erste (baden), entspricht dem zeremoniellen Waschen der Priester, das den ganzen Körper umfasste und nie wiederholt werden sollte; das Zweite entspricht dem Waschen der Hände und Füße in dem ehernen Waschbecken, das fortlaufend wiederholt wurde.

Es ist interessant und hilfreich zu sehen, wie die Wahrheiten in der Schrift in so exakter Art und Weise übereinstimmen. Wenn wir uns vor Augen halten, dass die Schreiber durch Jahrhunderte voneinander getrennt waren und dass die früheren Schreiber nicht wissen konnten, was die späteren Schreiber sagen würden, ist es ein wunderbares Zeugnis für die Inspiration, dies festzustellen, und ein Zeichen dafür, wie nur ein Geist hinter der ganzen Bibel steht, der Geist Gottes. Wir sehen, dass Blut und Wasser aus der Seite eines toten Christus herauskommen, und dies stellt das dar, was der Urquell von allem ist. Wir finden Blut und Wasser bei der Hütte, Blut auf dem Gnadenstuhl, Wasser in dem ehernen Waschbecken. Wir finden Wasser und Blut bei der Weihe von Aaron und seinen Söhnen, besser, das Waschen des ganzen Körpers; Blut, das Sündopfer, das notwendig ist für ihr Nahen zu Gott. Wir finden Wasser als notwendig für die Wiedergeburt in Johannes 3 und in demselben Kapitel die Notwendigkeit, dass der Sohn des Menschen am Kreuz erhöht würde, sterben müsste und sein kostbares Blut vergießen müsste. In Johannes 13 haben wir gesehen, wie es zwei griechische Wörter für Waschen gibt, eines für das Waschen des ganzen Körpers und eines für das Waschen eines Teiles. Dies entspricht der Ganzwaschung der Priester am Tag ihrer Weihe und ihrer Teilwaschung im ehernen Waschbecken. Außerdem haben wir in Hebräer 10,22 gesehen: „Die Herzen besprengt und also gereinigt vom bösen Gewissen, und den Leib gereinigt mit reinem Wasser“. Wir finden, die Schrift gibt in diesen Dingen ein klares Zeugnis.

Das zeremonielle Waschen von Aaron und seinen Söhnen macht die Wahrheit deutlich, dass es lebenswichtige Notwendigkeit für alle, die Gott nahen, ist, wiedergeboren zu sein und eine Natur zu haben, die für ihn und seine Heiligkeit würdig ist. Wir können zusammenfassen: Es gibt zwei große Ergebnisse des Sterbens Christi; das eine hat zu tun mit der Schuld des Menschen (das Blut), das andere bezieht sich auf seinen Stand (göttliches Leben). Wir lesen: „Hierin ist die Liebe Gottes zu uns offenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als Sühnung für unsere Sünden“ (1. Joh 4,9–10).

Aaron wurde bekleidet und gesalbt

Aaron wird zuerst bekleidet mit den Kleidern der Herrlichkeit und des Schmucks, was sicherlich sinnbildlich ist für Christus als Vertreter seines Volkes in dessen Beziehung als Priester zu ihm, der der Hohepriester ist. Das Salböl wurde auf sein Haupt gegossen, was sinnbildlich ist für Christus, wie „er die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfangen hat“ (Apg 2,33) und so seinen Dienst vor Gott beginnt.

Dann wurden die Söhne Aarons mit Leibröcken, Gürteln und hohen Mützen bekleidet und so in Beziehung gebracht zu Aaron als dem Hohenpriester. Sie sind sinnbildlich dafür, wie alle Gläubigen heute Priester sind in Verbindung mit Christus, dem Hohenpriester.  

Das Sündopfer

Dann wurde ein Stier herausgebracht vor das Zelt der Zusammenkunft. Aaron und seine Söhne legten ihre Hände auf den Kopf des Stieres. Dies war symbolisch dafür, dass sie das Opfer annahmen als das, was notwendig war, um ihre Schuld zu tilgen. Das ganze sündige Wesen von Aaron und seinen Söhnen wurde so bildlich auf das Opfertier übertragen. Der Stier wurde dann geschlachtet. Sie würden seinen Tod fühlen, wenn der schicksalhafte Schlag das Tier traf. Sie würden sein Zucken im Todeskampf sehen und daraus schwach und im Bild erfahren, was für eine ernste Sache die Sünde ist und wie nur der Tod ihr gerecht werden kann. Ein Teil des Blutes wurde an die Hörner des Altars getan und der Rest wurde an den Fuß des Altars gegossen. Das Leben ist in dem Blut, und diese Handlung bezeugt, dass der Tod allein der Strafe für die Sünde gerecht wird, nur der Tod, und zwar ein Sühnetod – und kein anderer konnte ihn erdulden als der Sohn Gottes.

Die Fett-Teile des Stieres, d. h. das Fett, das die Eingeweide bedeckt, das Netz über der Leber, die beiden Nieren und das Fett, das an ihnen ist, wurden auf dem Brandopferaltar geräuchert. Dies stieg auf als „ein lieblicher Geruch dem Herrn“, denn nichts wurde auf dem ehernen Altar verbrannt als das, was der Herr ganz annehmen konnte.

Das Fett, das auf dem Altar verbrannt wurde, stellte sinnbildlich dar, dass bei diesem sehr ernsten Bild vom Sterben Christi sogar etwas in den innersten Tiefen der Ergebenheit Christi gegenüber dem Willen des Vaters war, was für das Herz Gottes eine Freude war. In der Tat kommt das Verbrennen des Fettes zuerst, als ob dieser Aspekt vom Tod Christi immer vor Gott lebendig sei. Niemals konnte dies in der ganzen Fülle und Tiefe so geoffenbart werden wie am Kreuz von Golgatha.

Der Rest des Stieres – und sein Fleisch, seine Haut und sein Mist – wurde außerhalb des Lagers verbrannt. Es war ein Sündopfer, das immer außerhalb des Lagers verbrannt wurde. Außerhalb des Lagers war ein Ort der Schande. Wir lesen: „Denn von den Tieren, deren Blut für die Sünde in das Heiligtum hineingetragen wird durch den Hohenpriester, werden die Leiber außerhalb des Lagers verbrannt. Darum hat auch Jesus, damit er durch sein eigenes Blut das Volk heiligte, außerhalb des Tores gelitten“ (Heb 13,11–12).

Das Lager war ein großer Platz. Rund drei Millionen Menschen scharten sich um die Hütte. Der jüdischen Geschichtsschreibung nach hatte das Lager einen Umkreis von zwölf Meilen. Es muss ein ernstes und furchterregendes Schauspiel gewesen sein zu sehen, wie das Sündopfer aus dem Lager herausgetragen wurde, um dort verbrannt zu werden. Das war symbolisch für Gottes äußerste Abscheu vor der Sünde und dafür, dass der Tod unseres Herrn allein das Gericht Gottes gerecht wurde.

„Da ist weit draußen ein grüner Hügel, ohne eine Stadtmauer, wo unser lieber Herr gekreuzigt wurde, der starb, um uns alle zu erlösen.“

Das Fleisch des Sündopfers wurde verbrannt, was das darstellt, was allgemein ist. Das Fleisch ist durch und durch schlecht. Auch der Mist wurde verbrannt. Der Mist, die Absonderungen des Tieres, vertreten das, was auch unter den Menschen als schlecht anerkannt wird. Die Auswüchse der Sünde, wie Trunkenheit, Unredlichkeit, Gotteslästerung, Unreinheit und dergleichen. Alle können verstehen, dass der Mist verbrannt wird.

Aber die Haut, die Schönheit des Tieres, wurde ebenfalls verbrannt. Hier haben wir eine ganz andere Belehrung. Nicht nur das Schlechteste des Menschen kommt am Kreuz unter Gottes Gericht, sondern auch sein Bestes. Diese Lektion ist schwer zu lernen, aber sie ist doch sehr nötig.

Hiob hatte sozusagen eine schöne Haut. Rechtschaffen, aufrichtig, wohltätig, gutmütig, freundlich – und doch musste er lernen, dass sein Bestes schlecht in Gottes Augen war. Seinen drei Freunden gegenüber bewahrte er stark seine eigene Gerechtigkeit. Aber als er sich selbst in der Gegenwart Gottes fand, rief er aus: „Mit dem Gehör des Ohres hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum verabscheue ich mich und bereue in Staub und Asche“ (Hiob 42,5–6). Die Haut des Stieres wurde verbrannt.

Saulus von Tarsus hatte bildlich gesprochen eine schöne Haut. Er konnte sich rühmen: „Wenn irgendein anderer meint, auf Fleisch zu vertrauen – ich noch mehr. … was die Gerechtigkeit betrifft, … untadelig befunden“ (Phil 3,4–6). In dem Licht, das heller strahlte als die Sonne, erkannte er die demütigende Wahrheit über sich selbst. Der stolze Pharisäer wurde dahin gebracht zu erkennen, was er in Gottes heiliger Gegenwart wirklich war. Er schreibt: „Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, um Sünder zu erretten, von denen ich der erste bin“ (1. Tim 1,15). Bei ihm zeigte Gott seine ganze Langmut. Die Haut des Stieres wurde verbrannt.

Wir tun gut daran, diese Lektion zu lernen, dass die Haut genauso verbrannt wurde wie der Mist. Das Beste, was das Fleisch Gott opfern kann, kann nicht mehr angenommen werden als das Schlechteste. „Was unter den Menschen hoch ist, ist ein Gräuel vor Gott“ (Lk 16,15) – dies ist hart zu lernen.  Im Zusammenhang mit den Opfern ist es beachtenswert, dass es im Hebräischen für Brennen zwei Wörter gibt. Das Wort, das im Zusammenhang mit dem ehernen Altar für Verbrennen gebraucht wird, ist gater, ein Wort, das für das Brennen von Weihrauch gebraucht wird, was ein süßer Duft ist, der zu Gottes Freude aufsteigt. Das Wort, das in Verbindung mit dem Sündopfer gebraucht ist, das außerhalb des Lagers verbrannt wird, ist saraph, was soviel bedeutet wie „mit großer Hitze verzehren“. Es ist ein Wort von einer schrecklichen Bedeutung, das nur von der angemessenen Bestrafung spricht, ein furchtbares Wort, das den Zorn eines dreimal heiligen Gottes widerspiegelt, der herabkommt in schonungslosem Gericht. Gott wollte uns durch dieses letztere Wort die grässliche Verruchtheit der Sünde lehren, und so die Bedeutung von Golgatha zeigen.   

Andererseits ist es eine überraschende Tatsache, dass es im Hebräischen nur ein einziges Wort (ehattath) für Sünde und Sündopfer gibt. So lesen wir von unserem Herrn, dass er so mit den Sünden, für die er am Kreuz sühnte, identifiziert wurde, dass gesagt werden konnte: „Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm“ (2. Kor 5,21). Konnte die schreckliche Bedeutung des Kreuzes mächtiger hervortreten als durch die Tatsache, dass unser Herr, der Sünde nicht kannte, zur Sünde gemacht wurde, die er verabscheute, wie er nur allein sie verabscheuen konnte? Sicher ist der Gläubige durch die zärtlichsten Bindungen göttlicher Liebe mit dem Herrn verbunden, der solch einen Pfad einschlug und solch ein Werk vollbrachte, das ihn selbst so viel kostete. Hier fehlen uns völlig die richtigen Worte.

Die beiden Widder und ihre sinnbildliche Bedeutung

Zwei Widder wurden bei der Weihe Aarons und seiner Söhne geopfert. Der erste Widder war ein Brandopfer, der zweite war ein „Widder der Einweihung“.

Aaron und seine Söhne legten ihre Hände auf den Kopf des ersten Widders. Er wurde geschlachtet und sein Blut wurde ringsum an den Altar gesprengt. Er wurde in Stücke zerlegt und das Ganze wurde auf dem Altar als Brandopfer verbrannt.   Dies zeigt uns einen Aspekt des Sterbens Christi, der sich von dem des Sündopfers unterscheidet, den wir gerade betrachtet haben. Der Unterschied zwischen beiden sollte erfasst werden.  

Das Sündopfer spricht von Gottes schonungslosem Gericht über die Sünde. Das Gericht kommt auf das Opfer herab.

Das Brandopfer betonte Christi Ergebenheit in den Willen Gottes, was ihn dazu führte, sein Leben am Kreuz als Sühne für die Sünde niederzulegen. Der liebliche Geruch des Brandes steigt auf als Weihrauch zu Gott.  Im Sündopfer wurde die ganze Unwürdigkeit des Opfernden symbolisch in dem Handauflegen auf das Opfer übertragen, und das Opfer wurde mit der ganzen Schuld des Opfernden beladen. „… welcher selbst unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat“ (1. Pet 2,24).   Im Brandopfer wurde das ganze Verdienst des Opfers im Handauflegen auf den Opfernden übertragen, der dadurch genauso angenommen wurde wie das Opfer: „… begnadigt in dem Geliebten“ (Eph 1,6). Wenn niemals ein Sünder dadurch gesegnet würde, würde jenes Opfer Christi durch den ewigen Geist doch immer noch vollkommen angenehm sein vor Gott. Das Auflegen der Hände spricht von voller Einsmachung.

„Ein Widder der Einweihung“

Aaron und seine Söhne legten ihre Hände auf den Kopf des „zweiten Widders“. Er wurde geschlachtet und sein Blut wurde „auf das rechte Ohrläppchen Aarons getan und auf den Daumen ihrer rechten Hand und auf die große Zehe ihres rechten Fußes“ (2. Mo 29,30).

Dieser zweite Widder wurde „ein Widder der Einweihung“ genannt. Durch dieses bezeichnende Ritual lernen wir im Bild, dass Gott die Gläubigen aufruft, sich ihm zu weihen. Er fordert ihre Ohren, damit sie seine Worte und Aufträge hören. Er fordert ihre Hände, damit sie ihm willig zur Verfügung stehen. Er fordert ihre Füße, damit ihr Wandel vor ihm völlig nach seinem Willen sei. Unser Leben war verwirkt durch die Sünde und wir empfangen Leben und Vergebung durch den Tod unseres Herrn. Und dies gibt Gott im vollen Maß einen Anspruch auf alles, was wir sind und haben.

„Wenn das ganze Reich der Natur mein wäre, wäre es als Opfer viel zu klein; so überwältigende, so göttliche Liebe fordert seine Seele, mein Leben, mein Ein und alles“.

„Denn die Liebe des Christus drängt uns, indem wir so geurteilt haben, dass einer für alle gestorben ist und somit alle gestorben sind. Und er ist für alle gestorben, damit die, die leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist“ (2. Kor 5,14–15).

Das Sprengen von Blut und Salböl

Mose wurde dann angewiesen, von dem Blut zu nehmen, das auf dem Altar war, und von dem Salböl und Aaron und seine Söhne und deren Kleider damit zu besprengen. So wurden die Priester und ihre Kleider geheiligt.

Durch die Kraft des Sühnetodes Christi (Blut) und durch das Wirken des Heiligen Geistes (Öl) wurden Gläubige zu Priestern eingesetzt. Der Gläubige wird so in Verbindung gebracht mit Christus, der durch sein Sterben für uns den Platz der Nähe und des Nahens zu Gott erwarb. Und der Heilige Geist ist die Kraft, durch die wir uns diesen begünstigten Platz aneignen können. Der eine, der auf Golgatha starb, gab den Heiligen Geist vom Himmel, um die Gläubigen mit sich selbst in der Herrlichkeit zu verbinden.

Das Web- und Hebopfer

Das Fett von dem Widder der Einweihung nahm Mose zusammen mit dem rechten Schenkel, einem Leib Brot und einem Kuchen geölten Brotes und einem Fladen aus dem Korb des Ungesäuerten und legte das alles auf die Hände Aarons und auf die Hände seiner Söhne, und sie sollten es vor dem HERRN weben als Webopfer. Mose sollte es dann auf dem Altar als Brandopfer räuchern, zum lieblichen Geruch vor dem HERRN. Die hebräischen Worte für Einweihung mata yad bedeuten „die Hände füllen“.

Was diesem im Christentum entspricht, ist, dass das Herz erfüllt ist von Christus, das Überströmen eines Herzens, das mit Christus beschäftigt ist, das sich zu Gott in Anbetung emporschwingt. Das Fett des Widders spricht von der Größe der Ergebenheit unseres Herrn gegenüber dem Willen seines Vaters, ja, bis zum Tod.

Der rechte Schenkel verstärkt noch die Vorstellung von der Ergebenheit unseres Herrn unter den Willen Gottes bis zum Tod. Der Schenkel steht symbolisch für Kraft. Der Laib Brot spricht im Allgemeinen von der Vollkommenheit des Lebens unseres Herrn. Der Kuchen geölten Brotes zeigt, dass, gerade so wie der Kuchen mit Öl vermengt wurde, Gott  „den Geist nicht nach Maß“ gibt (Joh 3,34). Unser Herr war von seiner Geburt als Mensch in dieser Welt mit dem Heiligen Geist erfüllt. Der eine Fladen wurde sicherlich mit Öl getränkt, denn bei anderen Schriftstellen ist es so. Und er sollte darstellen, wie unser Herr bei seiner Taufe, als der Heilige Geist wie eine Taube auf ihn herabkam, zu seinem Dienst gesalbt wurde. Der rechte Schenkel sollte auf das Sühnopfer am Kreuz hinweisen. Alles, was er im Leben war, entsprach dem, was er im Sterben war, das vollkommen willige Opfer, das so Gott verherrlichte und uns Segen brachte.

Wir haben gesehen, wie der rechte Schenkel vor dem Herrn gewoben wurde. Jetzt finden wir, dass die Brust des Webopfers zusammen mit dem Schenkel des Hebopfers geheiligt wurde als Anteil zum Essen für Aaron und seine Söhne. Dies zeigt den Gläubigen, der die Kraft (Schenkel) und die Wirksamkeit des Sühnetodes Christi und die göttliche Liebe (Brust) unseres Herrn empfängt, die ihn durch die schreckliche Prüfung am Kreuz hindurchbrachte.

Das Web- und Hebopfer trug den Charakter eines Friedensopfers. Wie süß ist es für die Heiligen, die gleichen Gedanken über Christus zu haben wie Gott und sich zu laben an den wunderbaren Gedanken an seine Liebe, die aus seinem Opfer hervorströmen.

Aaron und seine Söhne sollten das Fleisch des Widders der Einweihung an heiligem Ort kochen und es mit dem Brot der Einweihung essen. Zwei Bedingungen wurden gestellt:

  1. Nur die geweihten Priester dürfen davon essen.
  2. Sie sollten es an einem Tag essen. Nichts durfte davon bis zum nächsten Tag übrig bleiben.  

Dies lehrt uns, dass nur Gläubige berechtigt sind, als Anbetende in der Gegenwart Gottes zu sein. Und in der Kraft augenblicklicher Gemeinschaft können diese wunderbaren geistlichen Dinge genossen werden.

Als Letztes wird noch mitgeteilt, dass die Zeremonie der Einweihung und die Entsündigung des Altars sieben Tage wiederholt werden sollten. Das zeigt die Vollkommenheit (sieben) an, die immer das kennzeichnen muss, mit dem Gott zu tun hat. Sicherlich würden die Priester niemals die Belehrungen des Opfers und die Heiligung ihr ganzes Leben lang vergessen. Mögen wir als Christen diese Lektionen auch tiefer und tiefer in uns aufnehmen in dem Maß, wie wir ihre Wahrheit erfassen.

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