Die symbolische Lehre der Stiftshütte

Die Vorhänge

Wir kommen jetzt zu dem Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten trennte. Er stellte Christus dar. Er wurde aus blauem und rotem Purpur gefertigt und aus Karmesin und gezwirntem Byssus in Kunstweberarbeit, mit Cherubim, gemacht. Wir brauchen bei der Erklärung der Bedeutung dieser Farben nicht verweilen, da wir das schon im Zusammenhang mit den Teppichen der Hütte betrachtet haben. Aber wir können einen Unterschied in der Reihenfolge feststellen, in der die Punkte aufgezählt werden. Hier wird nämlich das Blaue zuerst erwähnt, und der gezwirnte Byssus kommt zuletzt mit der Hinzufügung, dass es sich um Kunstweberarbeit handelt. Dass das Blaue zuerst erwähnt wird, versinnbildlicht die Tatsache besonders deutlich, dass Christus der Himmlische ist, der sein Volk in die himmlischen Dinge führt, während der gezwirnte Byssus von der makellosen Menschheit unseres Herrn spricht - die  „Kunstweberarbeit“, d. h. alle kleinsten Einzelheiten jenes Lebens werden dem ehrfurchtsvollen Gläubigen nur Freude und Entzücken bereiten. Die Cherubim, die in den Vorhang eingearbeitet wurden, zeigen symbolisch, dass alles Gericht dem Sohn übergeben ist, der gerechtes Gericht ausüben wird. Und auch das Gericht ist für den Gläubigen nicht maßgebend, weil Christus die Strafe für die Sünde in vollem Maß getragen hat.

Wenn das Gericht ausgeübt wird, werden die Heiligen Gottes sich freuen. Dies wird sichtbar, wenn die große Hure, die abgefallene Christenheit, gerichtet wird, wie wir es in Offenbarung 19,2-4 finden. Der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit, und wir finden, dass die 24 Ältesten, die die Heiligen darstellen, die an der ersten Auferstehung teilhaben, anbeten und sagen: „Amen, Halleluja!“ Nur diejenigen, die in der Herrlichkeit sind, frei von allem Gericht, aufgrund des Sühnungswerkes Christi, können gerecht eingehen zu solch feierlichen Szenen.

Der Vorhang wurde auf vier Säulen von Akazienholz, die mit Gold überzogen wurden, aufgehängt. Die Zahl vier spricht von dem, was umfassend ist. Gott hat den Segen aller im Sinn, die durch Christus kommen werden.  

Die Haken der Säulen waren aus Gold und die Füße aus Silber. Das zeigt, dass Gott nur auf dem Boden der Erlösung (Silber) und Gerechtigkeit (Gold) mit dem Menschen umgehen kann.

Hebräer 10,19-22 berichtet uns auf sehr schöne Weise, was der Vorhang symbolisch darstellte: „Da wir nun, Brüder, Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum durch das Blut Jesu, auf dem neuen und lebendigen Weg, den er uns eingeweiht hat durch den Vorhang hin, das ist sein Fleisch, und einen großen Priester über das Haus Gottes, so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und also gereinigt vom bösen Gewissen, und den Leib gewaschen mit reinem Wasser.“ Der Hohepriester konnte nur am großen Versöhnungstag mit viel Weihe in das Allerheiligste eingehen. Er ging hinein mit dem Blut von Rindern und Ziegen, das niemals Sünde hinwegtun konnte, denn diese Handlung war nur symbolisch. Da dies so war, blieb der Vorhang. Kein Schritt wurde im Allerheiligsten hörbar für ein ganzes volles Jahr, bis wieder der Versöhnungstag kam und dasselbe Ritual durchgeführt wurde - und der Vorhang immer noch dort blieb.

In das Allerheiligste durfte nur einmal im Jahr allein der Hohepriester hinein, und das nicht ohne Blut, welches er für sich selbst und für die Verirrungen des Volkes darbringt; wodurch der Heilige Geist dieses anzeigt, dass der Weg zum Heiligtum {o. zu dem Allerheiligsten} noch nicht offenbart ist, solange die vordere Hütte noch Bestand hat (siehe Heb 9,7-8).

Aber in diesem Bild ist Christus sowohl das Opfer als auch der opfernde Priester. Wenn er auch auf der Erde kein Priester sein konnte, weil er nicht zum Stamm Levi gehörte, vollbrachte er doch eine priesterliche Handlung, als er sein Leben am Kreuz als Sündopfer niederlegte. So muss der Augenblick aller Augenblicke gewesen sein, als er mit lauter Stimme rief: „Es ist vollbracht“, das wunderbare, staunenerregende Werk der Versöhnung, die einzige Hoffnung auf die Erlösung der Welt, es war vollbracht. Sogar die Natur selbst bezeugte das in jenem Augenblick, denn die Erde erbebte und die Felsen zerrissen. Sogar die Kräfte der materiellen Welt wurden in Bewegung gesetzt, und über allem und vor allem: Der Vorhang zerriss in zwei Stücke von oben bis unten, von Gott her, von Gottes Hand. Welch ein Zeugnis davon, dass der Tag der Schatten vorbei war und dass der Tag der „zukünftigen Güter“ gekommen war. Nur der Hohepriester durfte in das Allerheiligste eingehen, und das nur einmal im Jahr. Heute haben die Gläubigen jederzeit Freimütigkeit zum Eintritt in das Heiligtum.

Der Vorhang zum Eingang ins Heiligtum

Die Decke für den Eingang des Zeltes war von blauem und rotem Purpur und Karmesin und gezwirntem Byssus, in Buntwirkerarbeit. Darüber braucht nichts gesagt zu werden, denn dies ist schon erklärt worden. Aber hier ist etwas weggelassen, was sorgfältig beachtet werden sollte. Es gab Cherubim auf dem Vorhang zwischen dem Allerheiligsten und dem Heiligen, aber auf der Decke für den Eingang des Zeltes waren keine Cherubim eingearbeitet. Durch diese Auslassung wollte Gott bezeugen, dass er sich dem Menschen in reiner, souveräner Gnade nahe. Keine Cherubim, die von Gerechtigkeit und Gericht zeugen, waren nach außen hin sichtbar, die den zaghaft nach Gott Suchenden erschrecken würden.   Wenn Gottes Langmut zu Ende sein wird, wird das Gericht seinen Lauf nehmen, und das ganze Volk Gottes wird ihn wegen der Gerechtigkeit seiner Wege im Gericht anbeten. Aber in der Zwischenzeit bildet die reinste Gnade die Haltung Gottes dem Menschen gegenüber.   Die Decke wurde durch fünf Säulen getragen. Die Säulen waren aus Akazienholz, das mit Gold überzogen war. Die Haken waren aus Gold, die Füße aus Kupfer. Die Decke symbolisierte dem Menschen, wie er in die Gegenwart Gottes naht. Es war der Eingang für die Priester, wenn sie zum Dienst im Heiligtum eintraten. „Fünf“ spricht davon, dass der Verantwortung Genüge geleistet worden ist durch das Opfer unseres Herrn (die Füße aus Kupfer) und in Übereinstimmung mit der Gerechtigkeit (goldene Haken).

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