Die symbolische Lehre der Stiftshütte

Die Bretter der Hütte

Es ist immer Gottes Wunsch gewesen, unter Seinem Volk zu wohnen. Bis jetzt haben wir in der Hütte Christus persönlich als Mittler gehabt, und Sein Werk stand im Bild vor uns. „Denn Gott ist einer, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gab als Lösegeld für alle, wovon das Zeugnis zu seiner Zeit verkündigt werden sollte“ (1. Tim 2,5–6). „Denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe“ (1. Pet 3,18). Wir brauchen weder die Jungfrau Maria noch den Papst oder einen Priester, sei er römisch-katholisch oder anglikanisch, um Mittler für uns zu sein. Der Gläubige ist zu Gott gebracht und hat Freimütigkeit zum Eintritt in das Heiligtum durch das Blut Jesu.

Wir werden finden, wie die Lektion von den Brettern uns im Bild lehrt, wie die Gläubigen zu Gott gebracht und aufgebaut werden zu einer Behausung Gottes im Geist (vgl. Eph 2,22). Wenn der Leser auf das Brett als etwas schaut, was ihn selbst darstellt, und er den Einzelheiten nachgeht, die mit den Brettern geschahen, als eine Illustration dessen, was mit ihm geschah, als er sich bekehrte, wird er viel darüber lernen, wie wir als Gläubige gesegnet sind.

Die aufrecht stehenden Bretter

Die Bretter wurden aus Akazienholz gemacht, aufrecht stehend. Akazienholz ist ein Bild vom Menschentum. Im Fall des hoch gelobten Herrn war Sein Menschentum makellos und sündlos, sonst hätte Er nicht unseren Platz am Kreuz einnehmen können. Was uns betrifft, wir sind gefallen und sündig. Wie kann denn in unserem Fall das Brett aufrecht stehend sein? Mit anderen Worten: Wie kann ein schuldiger Sünder vor einem heiligen Gott stehen?

Die Bretter waren 10 Ellen hoch und 1½ Ellen breit, das ist 5,00m Länge und ca. 0,75m Breite. Sie wurden aus Akazienholz gemacht, dem groben, unverwüstlichen Holz der Wüste, das sehr wenig wert, aber außerordentlich schwer ist. Wie sollten die Bretter auf dem nachgiebigen Sand aufrecht stehen? Ach! Wie viele Sünder versuchen, aufrecht vor Gott zu stehen, und das auf dem nachgiebigen Sand guter Werke und Selbstverbesserung, als ob der Mensch sein eigener Erlöser sein könnte!

Die Bretter waren 10 Ellen lang. Fünf ist die Zahl menschlicher Verantwortung; zehn (2 x 5) verstärkt den Gedanken der Verantwortung gegenüber Gott, der Verantwortung gegenüber des Mitmenschen. Heutzutage lieben die Menschen diesen Gedanken nicht, aber er ist da, unabhängig von dem, was die Menschen denken mögen. „So wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben“ (Röm 14,12).

Die Füße von Silber

Wenn der Leser sich zu der Stelle von 2. Mose 30,11–16 wendet, wird er finden, dass, als Israel gezählt wurde, es notwendig war, ein Sühnegeld für ihre Seelen zu geben. Wenn sie es nicht täten, würde irgendeine Plage über sie hereinbrechen. Der König David zählte einst das Volk, aber es steht dort nichts von dem Geben eines Sühnegeldes. Der Bericht schreibt: „Da sandte der HERR eine Pest unter Israel, vom Morgen an bis zur bestimmten Zeit; und es starben vom Volk, von Dan bis Beerseba, 70 000 Mann“ (2. Sam 24,15). Gott kann den sündigen Menschen im Fleisch nicht begegnen, außer mit Gericht. Wenn der Mensch in Gnade vor Gott sein soll, kann das nur durch ein angenommenes Sühnegeld geschehen.

Alle Männer in Israel von 20 Jahren und darüber mussten die Hälfte eines Sekels Silber bringen. Dies enthielt dem Gewicht nach 10 Geras, als ob dadurch versinnbildlicht werden sollte, dass die Buße dafür war, dass die Zehn Gebote gebrochen worden waren, denn wer„aber in einem straucheln wird, ist aller Gebote schuldig geworden“ (Jak 2,10). ½ Sekel Silber war ungefähr 0,30 €1 wert. Wie reich ein Israelit auch immer sein mochte, er durfte nicht mehr geben; wie arm er auch immer sein mochte, er durfte nicht weniger geben. Stellt dies nicht die Wahrheit dar, dass es nur einen Weg zum Segen für Arm und Reich, für Edle und Schlechte gibt, und zwar durch das Versöhnungswerk Christi am Kreuz?

Aber wir meinen, wir hören jemand sagen: „Wenn die Hälfte eine Sekels Silber ‚Sühnegeld’ genannt wird, kommt das nicht einem Bezahlen für die Erlösung gleich? Uns wird im Neuen Testament gelehrt, dass das ewige Leben die Gabe Gottes ist und dass wir durch Glauben und dass es die Gabe Gottes ist, gerettet werden.“

Es ist vollkommen wahr, dass die Erlösung nicht durch Geld oder irgendeine Anstrengung vonseiten des Sünders erkauft werden kann. Sie wird wirklich durch die Versöhnung Christi geschaffen, die Er am Kreuz vollbrachte, und das „nicht aus Werken, damit niemand sich rühme“ (Eph 2,9).

Die Erlösung konnte nicht durch eine erbärmliche Erhebung einer Summe, die ein wenig mehr ausmacht als 30 Cent, vollbracht werden. Diese kleine Summe war einfach aufseiten dessen, der sie darbrachte, eine Anerkennung dessen, wie er in Gottes Gegenwart stand, nämlich als einer, der Gnade und Vergebung braucht.

Ein Beispiel mag uns helfen. Vor ein paar Jahren suchten wir ein Grundstück zum Mieten, um ein Evangeliumszelt zu errichten. Ein geeigneter Platz bat sich uns. Auf Anfrage wurde uns mitgeteilt, dass er Eigentum der Stadt sei. Wir begaben uns zum Rathaus und waren bereit, sogar 30 DM wöchentliche Miete für die Benutzung zu zahlen. Wir fanden die Beamten sehr sympathisch, und nach einer kleinen Beratung sagten sie: „Wir sind bereit, Ihnen das Grundstück zur Benutzung für 6 Wochen zu überlassen, und zwar kostenlos, aber weil wir irgendetwas über diese Angelegenheit erwähnen müssen, müssen wir Sie um den Betrag von 1 DM bitten.“ Wir freuten uns über unser Glück, aber es kam uns gar nicht in den Sinn, anzunehmen, dass wir eine Miete bezahlten, sondern für uns war das einfach eine Quittung. So war es auch bei den Kindern Israel.

Diese jämmerlichen halben Sekel wuchsen zu einer beträchtlichen Menge Silber an, wenn jeder männliche Israelit von 20 Jahren und älter diese Erhebung bezahlte. 2. Mose 38,25–28 teilt uns mit, dass der Gesamterlös 100 Talente und 1775 Sekel betrug. Die 100 Talente lieferten 100 Füße von Silber, während die 1775 das Silber für die Haken der Säulen des Vorhofs lieferten.

Zwei Silberfüße gehörten zu jedem Brett, fünfzig Bretter waren es im Ganzen. Ein Talent Silber wog 43, 65 kg, was einen Wert von 1.904 € bedeutete, sodass die beiden Füße, die für jedes Brett vorgesehen waren, Silber im Wert von 3.808 € bedeuten würden. Die 100 Füße für die fünfzig Bretter summierten sich zu ca. 190.400 €.

Gab es jemals im Verhältnis zu seiner Größe ein teureres Fundament? Ja, in der Tat, wenn das Bild schon sehr kostbar war, so verblasst es doch zur Belanglosigkeit, wenn wir das Erlösungswerk unseres Herrn Jesus Christus, des Sohnes Gottes, bedenken, Der an dem Kreuz der Schmach für uns die gerechte Grundlage für den Stand und Segen des Gläubigen  vor Gott starb. Es ist kein Wunder, dass wir lesen: „Ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken“ (1. Pet 1,18–19).

Das Bild war erstaunlich kostbar, das wirkliche Gegenbild noch unendlich kostbarer. Alle Bretter der Hütte standen auf kostbaren Füßen von Silber; der Gläubige steht auf dem Boden der Erlösung.“

Die Bedeutung der beiden Zapfen

Wir lesen: „zwei Zapfen an einem Brett, einer dem anderen gegenüber eingefügt“ (2. Mo 26,17). Ist dies nicht die Darstellung der Hand des Glaubens, die den Segen ergreift? Betont das nicht, dass die Erlösung nicht aus Werken geschieht, sondern durch den Glauben an das Sühnopfer Christi? Wir haben die Hände am Werk in Hebräer 6,18, wo die Rede von denen ist, die „Zuflucht genommen haben zum Ergreifen der vor uns liegenden Hoffnung“.

Weiterhin waren da zwei Zapfen oder Hände, die zwei Füße von Silber fassen sollten, der Zapfen und das Zapfenloch des Zimmermanns. Ein Zapfen und ein Fuß wäre nicht so stabil gewesen wie zwei Zapfen an dem einen Brett mit zwei Füßen, die für gleiche Spannung sorgen und so Standfestigkeit und Haltbarkeit geben. So werden uns in dem Sühnewerk Christi zwei große grundsätzliche Wahrheiten zur Annahme vorgelegt:

  1. das vollbrachte Werk Christi am Kreuz
  2. Seine Glorreiche Auferstehung, die die Anerkennung des Erlösungswerkes durch Gott beweist

Der Glaube kann triumphierend und fröhlich sagen: Christus ist „unserer Übertretungen wegen hingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden […]. Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Röm 4,25; 5,1).

Die Auferstehung beweist, dass die Versöhnung zu Gottes voller Zufriedenheit vollendet worden war. Sie ist die göttliche Bestätigung für das Werk der Erlösung, das am Kreuz errungen worden war. Was für eine Grundlage für den Gläubigen: Das vollbrachte Werk Christi! Ein auferstandener, triumphierender, lebendiger Erlöser!

Es ist kein Wunder, dass die großen, schweren Bretter der Hütte bei solch sicheren Grundlagen aufrecht standen wie die doppelten Füße von Silber. Kein Wunder, dass der Gläubige vor Gott aufgrund des Werkes und der Kraft des Werkes unseres Herrn am Kreuz, das durch den Triumph der Auferstehung bestätigt wurde, stehen kann.

Es gab auch noch zwei Bretter für die Winkel, die mit einem Ring verbunden wurden. Sie ruhten auf 4 Füßen von Silber, zwei für jedes Brett, und betonten den Gedanken der Festigkeit.

Eine Erläuterung aus der Schrift her kann vielleicht zum Verständnis der beiden Füße weiterhelfen. Zwei Jünger gingen von Jerusalem zurück nach Emmaus. Sie hatten ihre Hoffnung auf Christus gesetzt, und jetzt war Er gekreuzigt worden, war gestorben, und dies war der dritte Tag, seit Er begraben worden war. Es waren Gerüchte entstanden, dass Er auferstanden sei, aber es gab keinen überzeugenden Beweis, dass dies der Fall war, und diese beiden Jünger waren allein mit ihren schmerzlichen Zweifeln und ihrer Trauer.

Unser Herr, von den Toten auferstanden, gesellte Sich zu ihnen, ihre Augen wurden gehalten, damit sie Ihn nicht erkannten. Er fragte sie nach dem Grund ihrer Traurigkeit. In ihrem Zweifel und ihrer Betrübnis antworteten sie: „Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen sollte. Doch auch bei alledem ist dies heute der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist“ (Lk 24,21). Dann folgte eine wundervolle Auslegung der Schrift von den Lippen des unbekannten Fremden, als Er die Frage stellte: „Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ (Lk 24,26), wodurch das Herz in ihnen entbrannte und was sie veranlasste, Ihn zu nötigen, indem sie sagten: „Bleibe bei uns, denn es ist gegen Abend, und der Tag hat sich schon geneigt“ (Lk 24,29).

Er gab gnädig ihren Wünschen nach, und siehe! – sie entdeckten zu ihrer größten Freude, dass der Fremde, der sie durch Seine unübertreffliche Auslegung der Schrift entzückt hatte, kein anderer war als der auferstandene Erlöser, der Überwinder von Sünde, Tod und Hölle. Es fiel ihnen wie Schuppen von den Augen, als sie den auferstandenen Christus betrachteten, der vor ihnen stand. Sahen sie die Nägelmale in Seinen hochgelobten Händen, als Er das Brot bei jenem geheiligten Abendessen brach? Vielleicht.

Nun bedenke, wie haltlos diese Jünger waren, als sie nur von dem Tod Christi wussten. Es bedurfte des auferstandenen Christus, um sie von dem Wert jenes wunderbaren Werkes am Kreuz zu überzeugen. Sein Tod erlangte im Licht Seiner Auferstehung eine weit höhere und vollere Bedeutung, wie sie da mit Entzücken und staunender Freude direkt in Seiner Gegenwart standen.

In dem einen Augenblick stand Er geoffenbart vor ihnen, im nächsten Augenblick war Er ihren Augen entschwunden. Aber jetzt gab es keinen Zweifel mehr. Die Bretter waren sicher mit den zwei Füßen von Silber für jedes Brett. Die Hände des Glaubens ergriffen wie die beiden Zapfen mit festem Griff das großartige Fundament. So wollte Gott unsere armen, ungläubigen Herzen festigen.

Die völlig aneinander seienden Bretter

Wir haben bis jetzt jedes Brett als Einzelnes betrachtet. Wir werden jedoch nicht richtig verstehen, was Gott wollte, wenn wir nicht sehen, dass das Brett ein Teil der ganzen Hütte sein sollte. Es sollte niemals ein einzelnes, „aufrecht stehendes“ Brett bleiben. Es sollte in Verbindung mit den anderen Brettern gebracht werden: 20 Bretter auf der Südseite, 20 auf der Nordseite, 2 Bretter für die Winkel der Hütte, 6 Bretter gegen Westen (2. Mo 26,22–25) und 4 Säulen auf 4 Füßen zum Anbringen des Vorhanges zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten. Das macht zusammen 100 Füße, die als Grundlage notwendig waren.

Wenn wir zum Neuen Testament kommen, finden wir das Gegenbild zu diesem. Die Bretter waren völlig aneinander. Wir lesen: „Also seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und ohne Bürgerrecht, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, indem Christus selbst Eckstein ist“ (Eph 2,19–20). Wiederum: „in dem auch ihr mitaufgebaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist“ (Eph 2,22). Wiederum: „werdet auch ihr selbst als lebendige  Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, zu einer heiligen Priesterschaft, um darzubringen geistliches Schlachtopfer, Gott wohlangenehm durch Jesus Christus“ (1. Pet 2,5).

Gott hat ein Haus hier auf Erden, das sich zusammensetzt oder aufgebaut ist aus Seinem eigenen, erlösten Volk, unter dem Er wohnen möchte. Wie gut ist es, dass die Gläubigen nicht erlöst werden, um Einzelpersonen zu bleiben, sondern dass es eine wunderbare, christliche Gemeinschaft gibt, die einem Bau ähnlich ist, welcher durch den Heiligen Geist errichtet ist. Wie sehr sollten wir eine solche Gemeinschaft preisen! Es ist wirklich eine Quelle der Kraft und der Ermutigung, wenn Gottes Volk sich durch den Heiligen Geist zu Gott hin versammelt. So lesen wir von der Ursprungsgemeinde: „Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten“ (Apg 2,42).

Die fünf Riegel

Als die Bretter aufgebaut wurden, wurden auf jeder Seite der Hütte fünf waagerechte Riegel angebracht. Am unterem Ende der Bretter verliefen zwei Riegel und am oberen Ende zwei Riegel, während die Anbringung des mittleren Riegels etwas ungewöhnlich war. Wir lesen: „Und zum mittleren Riegel in der Mitte der Bretter … laufend von einem Ende zum anderen“ (2. Mo 26,28), d. h. er wurde von außen nicht gesehen. Nichts hätte die Bretter enger aneinander binden und miteinander befestigen können. So wurde ein fester Bau gewährleistet. 

Was versinnbildlichen die vier sichtbaren Riegel? Wir glauben, dass sie die Gaben darstellen, die den gen Himmel gefahrenen Herrn Seiner Versammlung dargereicht werden. Was stellten im Einzelnen die beiden Riegel am unteren Ende der Bretter dar? Wir glauben, dass die Antwort darauf ist, dass die Versammlung „aufgebaut ist auf die Grundlage der Apostel und Propheten, indem Jesus Christus selbst Eckstein ist“ (Eph 2,20). Wir erfahren in symbolischer Sprache: „Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundlagen, und auf denselben zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes“ (Off 21,14). Wie dankbar sind wir den Aposteln und Propheten für die Einführung des Christentums in dieser Welt, für ihre Mühen, Versammlungen zu bilden, und für ihre geistgewirkten Schriften.

Der Apostel Johannes schrieb, und dabei schloss er die übrigen Apostel ein: „Was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habet; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohne Jesus Christus. Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude völlig sei“ (1. Joh 1,3–4).

Wie wunderbar war jene Gemeinschaft, zuerst ihr ganzes Vertrautsein mit Christus, das jeden Apostel zu dem anderen drängte, und dann der Übergang davon auf uns, die die Gläubige zu Christus und zu ihren Mitgläubigen zog.

Wir müssen berücksichtigen, dass diese Propheten neutestamentliche Propheten waren und dass sie die einzigartige Stellung innehatten, den Willen Gottes den Christen in der Zeit der frühen Kirche zu offenbaren. Dies wird deutlich in dem denkwürdigen Kapitel von der Errichtung oder dem Aufbau der Versammlung, wie man es liest in 1. Korinther 14,29–31.

Was war die Bedeutung der beiden Riegel am oberen Ende der Bretter? Wir glauben, sie stellen jene wunderbaren Gaben an die Versammlung dar, nämlich Hirten und Lehrer. Diese wurden gegeben „zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes“ (Eph 4,12). Der Evangelist als solcher kommt hier nicht vor. Seine Gabe richtet sich an die weite Welt und an die Sünder, und sein Dienst in dieser Art ist sehr gesegnet. Aber diejenigen, die durch ihn zur Bekehrung gekommen sind, müssen durch den Hirten in den Lehren des Herrn geweidet werden. Dann kommt der Lehrer, der die tiefen Gründe des Wortes Gottes offenbaren soll. Der Hirte ist wie eine Amme. Schrieb nicht der Apostel Paulus: „Sondern wir sind in eurer Mitte gewesen, wie eine nährende Frau ihre eigenen Kinder pflegt“ (1. Thes 2,7). Der Lehrer entspricht mehr dem Schulmeister.

Aber was ist die Bedeutung des langen Riegels außer Sicht, des Binderiegels, der von einem Ende zum anderen der Bretter vermutet war? Welche sinnbildliche Bedeutung hat dieser Riegel? Wir haben keinen Zweifel, dass dieser Riegel den Heiligen Geist Gottes darstellt in Seiner unsichtbaren Macht und Seinem Einfluss. Ohne den Einfluss von Gottes Heiligem Geist, der aktiv am Werk ist unter den Gläubigen, würde es keine Verbindung geben, kein Zusammenstehen. Wo jene Kraft und jener Einfluss nur schwach oder gar nicht vorhanden ist, wird es Uneinigkeit geben, Abspaltungen, Parteien und Sekten. Aber wo der Geist Gottes gegenwärtig ist in Kraft, da wird man finden, dass Gottes Volk in Frieden und Einheit wandelt. Der Leib Christi wurde am Pfingsttag gebildet, als der Heilige Geist herabkam, um in jedem Gläubigen zu wohnen. Er band sie zuallererst aneinander auf der Erde als Glieder des einen Leibes. „Da ist ein Leib und ein Geist“, und wir sind berufen, „uns zu befleißigen, die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens“ (Eph 4,3–4).

Die mit Gold überzogenen Bretter

Zuletzt werden Anweisungen gegeben, die Bretter mit Gold zu überziehen, Ringe aus Gold für die Riegel zu fertigen und die Riegel mit Gold zu überziehen. Da die Bretter die Gläubigen versinnbildlichen, kann hier das Gold nicht die Gottheit darstellen. Es stellt die göttliche Gerechtigkeit dar, in der der Gläubige vor Gott steht.

Dass dies keine eigenmächtige und willkürliche Interpretation ist, wird aus der Tatsache deutlich, dass Akazienholz und reines Gold die Menschheit und die Gottheit unseres Herrn darstellen, wogegen in diesem Fall, wo im Symbold auf Gläubige Bezug genommen wird, von Akazienholz die Rede ist und von Gold, aber ohne das Adjektiv  „rein“. Weiterhin folgen im Fall des Akazienholzes und des reinen Goldes in Verbindung mit der Lade und dem Schaubrotetisch die Anweisungen zum Überziehen des Akazienholzes mit reinem Gold unmittelbar. Dagegen fangen im vorliegenden Fall die Anweisungen zum Fertigen der Bretter vom Akazienholz in 2. Mose 26,15 an. Und erst in Vers 29 folgen die Anweisungen zum Überziehen der Bretter mit Gold. Zwischen diesen beiden Stellen – im ganzen 14 Verse lang – werden die Angaben für die Füße aus Silber (Erlösung) gemacht.

Spiegelt dies nicht den Gedanken wider, dass der Gläubige zuerst die Erkenntnis von der Vergebung der Sünden (Silber) erfasst und dass er erst die Gerechtigkeit (Gold), mit der die Rechtfertigung so offensichtlich zusammenhängt, erfasst, wenn er die volle Bedeutung des Sterbens Christi begreift? Gleichzeitig – das soll klar herausgestellt werden – empfängt der Sünder in dem Augenblick, wo er glaubt, die Vergebung der Sünden, die Rechtfertigung und die Gerechtigkeit Gottes in Ihm, in ein und demselben Augenblick, dann, wenn er seinen Glauben auf den Herrn Jesus als Erlöser richtet. Aber wenn dies auch so ist, so brauchen wir doch etwas Zeit, um diese Dinge zu verstehen und entsprechend zu schätzen.

Du, der du noch nicht gläubig bist, schaue auf die aufrecht stehenden Bretter und erfasse im Bild, was Gott gerne hätte, wenn du es wüsstest und dich daran erfreutest. Sie stehen 10 Ellen hoch. Das spricht von der Verantwortung Gott gegenüber. Aber sie stehen in Füßen aus Silber (Erlösung), die beiden Zapfen oder Hände ergreifen fast die Grundlage – mit anderen Worten: Die Erlösung geschieht allein durch Glauben: sie werden mit Gold überzogen (göttliche Gerechtigkeit, die Antwort auf den Sühnetod unseres Herrn). Das stellt die Rechtfertigung dar, die der Gläubige in dem Augenblick empfängt, wo er im kindlichen Glauben an den Herrn Jesus Christus als seinen Heiland und Herrn glaubt. So lesen wir von „Gottes Gerechtigkeit, durch Glauben an Jesus Christus gegen alle und auf alle, die da glauben“ (im Sinnbild die mit Gold überzogenen Bretter; Römer 3,22). „Christus Jesus, der uns geworden ist … von Gott ... Gerechtigkeit“ (1. Kor 1,30).

Wir erinnern an den Fall eines englischen Adeligen, der bekehrt worden war. Er las mit großem Eifer das Wort Gottes. An einem Wintertag, mitten in den Schneemassen Kanadas, als er an der Spitze seiner Truppen ritt, kam ihm folgender Vers in den Sinn: „Und deine Gerechtigkeit, o Gott,reicht bis zur Höhe: du, der du große Dinge getan hast, o Gott, wer ist wie du?“ (Ps 71,19). Diese Schriftstelle ergriff seine Seele mit großer Macht. Er sprach mit großer Freude zu sich selbst: „Dann bin ICH so hoch wie Gottes Gerechtigkeit“.

Wenn Christus unsere Gerechtigkeit als Gläubige ist, können wir das verbessern? Nein, der gestern erst Bekehrte ist genauso gerecht in Gottes Augen wie der Apostel Paulus in der Herrlichkeit. Der jüngste Gläubige hat diese Gabe in ihrer ganzen Fülle, und der beste Heilige kann sie nicht in größerem Maß haben. Freue dich, du, der du gerade erst bekehrt worden bist. Gottes Gerechtigkeit ruht auf dir aufgrund des Werkes der Erlösung, das Christus am Kreuz vollbracht hat.

Für menschliche Gerichtshöfe ist es bei ordnungsgemäßer Rechtspflege unmöglich, den Schuldigen zu rechtfertigen. Aber das ist die Kraft des Werkes Christi am Kreuz, so vollständig hat Er unseren Platz im Gericht dort eingenommen, dass Gott jetzt in der Lage ist, den Gottlosen zu rechtfertigen. Wir lesen: „Dem aber, der nicht wirkt, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet“ (Röm 4,5).

Die Tatsache, dass Gottes Gerechtigkeit auf dem glaubenden Sünder ruht, wird in der Sprache des Gleichnisses in Lukas 15 dargestellt, wo wir lesen, dass, als der verlorene Sohn in seinen Lumpen und seinem Elend zu dem Vater zurückkehrte, dieser in der Freude seines Herzens ausrief: „Bringt das beste Kleid her und zieht es ihm an und tut einen Ring an seine Hand und Sandalen an seine Füße: und bringt das gemästete Kalb her und schlachtet es, und lasst uns essen und fröhlich sein“ (Lk 15,22–23). Die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus für alle Gläubigen ist sicherlich „das beste Kleid“.

Rechtfertigung heißt, dass der Gläubige in der Gegenwart Gottes tadellos gesehen wird, als ob er nie gesündigt hätte. Leser, erfreust du dich an diesen wunderbaren Dingen? Nichts Geringeres als das ist passend für Gottes Gegenwart und für Sein Wohlgefallen.

Fußnoten

  • 1 Die Umrechnung bezieht sich auf den heutigen Wechselkurs.
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