Die symbolische Lehre der Stiftshütte

Verschiedenes

Beachtenswerte Dinge in Verbindung mit der Hütte und ihrem Dienst

Es ist viel über die Bedeutung des Wortes „Sühnung“ nachgedacht worden ... Wir müssen unsere Aufmerksamkeit auf das hebräische Wort für „Sühnung“ lenken … Das hebräische Wort, das hier benutzt wird, ist Kaphar, was „bedecken“ bedeutet. Nur durch den Tod Christi, durch sein sühnendes Blut wird Sünde bedeckt und ihre Folgen werden abgewendet. So lesen wir: „Glückselig der, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde zugedeckt ist“ (Ps 32,1). „Zugedeckt“ ist Kasah im Hebräischen. „Du hast vergeben alle Ungerechtigkeit deines Volkes, alle ihre Sünde hast du zugedeckt [hebräisch Kasah]“ (Ps 85,2). Kaphar und Kasah bedeuten beide bedecken. „Das Blut ist es, das Sühnung (hebr. Kaphar) tut durch die Seele“ (3. Mo 17,11). Wie wunderbar entspricht das Neue Testament all diesem: „Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde“ (1. Joh 1,7).

Unsere ersten Eltern bedeckten sich mit Röcken aus Fellen, die durch den Tod unschuldiger Opfer beschafft wurden, durch Blutvergießen als Sinnbild für die Erlösung. Noahs Arche wurde mit Pech innen und außen bedeckt, sodass sie sicher durch die Wasser des Gerichtes glitt. Die Kinder Israel waren in ihren Zelten versteckt, als Bileam nach ihnen ausschaute; und, wenn auch aufgefordert zu fluchen, konnte er nur segnen, ein Sinnbild für das Ergebnis des Sühneopfers Christi, wo der Gläubige als von Gott gesegnet betrachtet wird, welcher Segen für immer auf ihm ruht. Gott kann gerecht sein, wenn er den glaubenden Sünder segnet, und er ist es auch. Nichts möge unsere Auffassung von der großen Sühnung durch unseren Herrn Jesus Christus abschwächen!

Kupfer ist ein reines Metall und ist von den Metallen im höchsten Grad feuerbeständig.

Die folgende Tabelle gibt den Hitzegrad an, den die folgenden Metalle aushalten. Darüber hinaus würden sie schmelzen:

  • Messing:      900–925°C
  • Silber:      961°C
  • Gold:      1064°C
  • Kupfer:      1084°C

Das Wort „Leuchter“ (2. Mo 25,31) sollte richtig mit Lampenständer übersetzt werden. Der Zusammenhang zeigt das, denn er wird mit Öl gespeist. Aber, wie schon bemerkt, wollen wir an dem Wort festhalten, das in unserer Bibel benutzt wird, um Verwirrung zu vermeiden.1

Es muss sorgfältig beachtet werden, dass es nicht nur viele Bilder in Verbindung mit der Hütte gibt, sondern dass es auch Gegensätze gibt. Dies muss so sein, wenn man berücksichtigt, dass das Vorbild auf niemand Geringeres als den Sohn Gottes hinweist. Und was für ein Bild kann ihn angemessen darstellen in seiner herrlichen Fülle oder was kann die wunderbaren Auswirkungen, die aus seinem Tod hervorströmen, angemessen versinnbildlichen?

Ein Beispiel soll dafür ausreichen. In der Hütte durften nur Priester das Heilige betreten, aber in das Allerheiligste durfte keiner außer dem Hohenpriester eingehen, und das nur einmal im Jahr.

Im Christentum ist jeder, der glaubt, ein Priester und hat die Freiheit, in das Allerheiligste durch das Blut Jesu einzugehen, d. h. bewusst in Gottes Gegenwart zu sein, und zwar zu jeder Zeit. Nicht eine Person einmal im Jahr, sondern alle Gläubigen zu allen Zeiten. Wie groß ist der Gegensatz!

Das war eine ansteigende Kurve, was die verwendeten Metalle betrifft, in Verbindung mit der Hütte. Die eingesetzten Metalle waren:

  1. Vorhof: Messing und Silber
  2. Im Heiligen:  Silber und Gold
  3. Im Allerheiligsten: ausschließlich reines Gold

In den Vorhof konnte der gewöhnliche Mensch eintreten.

In das Heilige allein die Priester.

In das Allerheiligste der Hohepriester allein.

Was es in der Hütte nicht gab

Wir können aus dem Schweigen und aus dem Reden der Schrift viel lernen, aus ihren Auslassungen und aus dem, was sie ausdrücklich sagt.

Wenn wir die Hütte betreten, bemerken wir, dass es kein Schloss und keinen Riegel am Eingang gibt. Gott wollte darstellen, dass er immer bereit für das Nahen des Sünders ist.

Es gab keine Cherubim (Symbole für das Gericht) an dem Tor des Vorhofs oder an der Tür des Zeltes mit eingearbeitet. Dagegen wurden Cherubim in den Vorhang eingearbeitet, der das Heilige vom Allerheiligsten trennte.

Gott wollte so seine vollkommene Gnade bei der Begegnung mit dem notleidenden Sünder zeigen.

Es gab keine Stufen zum Altar: „Und du sollst nicht auf Stufen zu meinem Altar hinaufsteigen, damit nicht deine Blöße an ihm aufgedeckt werde“ (2. Mo 20,26). Gott wollte uns so lehren, dass keine Vorbereitung unsererseits uns helfen wird, in seine Gegenwart zu kommen, dass ein neues Blatt aufgeschlagen, sündige Gewohnheiten fallen lassen, religiös werden und das Beste tun, was wir können, nicht die Art ist, wie man ihm naht. Der Opfertod Christi genügt einzig und allein und ist vollgültig. „Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittelst des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme“ (Eph 2,8–9). Mit anderen Worten: keine Stufen zum Altar.

Es gab keine Maßangabe für das eherne Becken. Das mit Wasser gefüllte Becken, das die reinigende Kraft des Wortes Gottes darstellt, zeigt die Heiligkeit, die sich für die schickt, die es mit Gott zu tun haben. Und da ist keine Grenze gesetzt: „Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“ (Mt 5,48).

Es war kein Löschgerät für den goldenen Leuchter vorgesehen. Gott wollte seinem Volk immer das Licht geben, das sie brauchten. Christus ist unser Licht. Wir sind Kinder des Lichts. Das wird niemals entzogen.

Es war kein Fenster für die Hütte vorgesehen. Kein natürliches Licht war nötig, wo Gott selbst das Licht spendete. Was kann der Gläubige davon lernen! Die ganze Fülle der Gottheit wohnt in einem gesegneten Menschen, der auferstanden und erhöht ist, ja, in unserem Herrn Jesus Christus. Wir sind vollkommen in ihm und haben kein Licht der Natur nötig. Uns wird alle geistliche Erkenntnis in der Heiligen Schrift offenbart, und wir haben einen unfehlbaren Lehrer, den Heiligen Geist Gottes.

Es war kein Sitzplatz für die Priester vorgesehen, denn ihr Dienst war wirkungslos [im Blick auf die wirkliche Sühnung der Sünden]. Es waren nur Schatten und Bilder, so wunderschön sie auch waren. So lesen wir: „Und jeder Priester steht täglich da, den Dienst verrichtend und oft dieselben Schlachtopfer darbringend, welche niemals Sünden hinwegnehmen können. Er aber, nachdem er ein Schlachtopfer für Sünden dargebracht hat, hat sich für immer zur Rechten Gottes gesetzt“ (Heb 10,11–12).

So haben wir in diesem Fall den Gegensatz, von dem wir sprachen, zwischen dem unvollständigen Dienst der Priester und dem vollkommenen Werk Christi.

Die folgenden Maße und Gewichte sind vielleicht dem Leser nützlich:

  • 1 Elle: 0,55 m
  • 1 Silbersekel: 14,55 g
  • 1 Talent Silber: 4.000,00 Euro
  • 1 Talent Gold: 70.000,00 Euro

Es gab zwei Laden

5. Mose 10,1–5 berichtet, wie der Herr Mose unterwies, eine Lade aus Holz zu machen und sie mit zwei steinernen Tafeln auf den Heiligen Berg zu bringen, als er zum zweiten Mal in die Gegenwart Gottes trat, unmittelbar nach dem schrecklichen Zwischenfall der Abgötterei mit dem goldenen Kalb. So machte Mose eine Lade von Akazienholz und legte die zwei steinernen Tafeln hinein, indem so gezeigt wurde, dass das Gesetz in seiner reinen und einfachen Art nie direkt mitten unter das Volk Israel gebracht wurde, sondern, dass Gott Christus und den Ratschluss, in souveräner Gnade durch den Sühnetod Christi zu segnen, schon immer vor sich sah, sogar für den Sünder, der das Gesetz gebrochen hatte. Als Gott Mose zum ersten Mal auf den heiligen Berg rief mit all den Zeichen und Geräuschen, die dabei waren, wo der ganze Berg bebte, wo es donnerte und blitzte und eine dicke Wolke den Berg bedeckte und eine Posaune laut erschallte und immer lauter wurde, da wird uns gesagt, dass Mose sagte: „Ich bin voll Furcht und Zittern“ (Heb 12,21). Und was war das erste der zehn Gebote? Wir lesen: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. – Du sollst dir kein geschnitztes Bild machen, noch irgendein Gleichnis dessen, was oben im Himmel und was unten auf der Erde und was in den Wassern unter der Erde ist. Du sollst dich nicht vor ihnen niederbeugen und ihnen nicht dienen; denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Ungerechtigkeit der Väter an den Kindern heimsucht, am dritten und am vierten Glied derer, die mich hassen“ (2. Mo 20,3–5).

Als Mose mit den beiden steinernen Tafeln in seinen Händen von dem Berg herabkam, hörte er den Schall von Reigentanz. Als das Lager in Sicht kam, sah man das goldene Kalb und das Volk, wie es nach dem abscheulichen abgöttischen Brauch heidnischer Länder nackt darum herum tanzte.

Das erste Gebot wurde so in sehr betrübender Weise gebrochen. Der Zorn Moses entbrannte, und er warf die Tafeln aus seinen Händen und zerbrach sie unten am Berg. Was für eine Feuerprobe für Mose! Er konnte sich gut vorstellen, dass, wenn er die Gesetzestafeln so in das Lager hineingebracht hätte, das die Vernichtung des ganzen Lagers bedeutet hätte, denn alle, von Aaron abwärts, waren an dieser schrecklichen Abgötterei beteiligt.

Was sollte er tun? Er musste schnell und entschlossen handeln. Die steinernen Tafeln waren von Gott selbst, und die zehn Gebote waren mit seinen eigenen Fingern geschrieben worden. Es war etwas Ungeheuerliches, sie am Fuß des Berges zu zerschmettern. Das zeigte die geistliche Eingebung und den großen moralischen Mut dieses großen Diener Gottes.

So sehen wir jetzt die Vorkehrung Gottes, indem er Mose aufforderte, eine Lade aus Akazienholz zu bringen, damit nicht das Gesetz in das Lager getragen werden müsste. Die beiden Tafeln, die Tafeln des Zeugnisses, wurden in die Lade hineingelegt, was symbolisiert, dass Einer kommen würde, der das Gesetz vollkommen halten und es in seinem Herzen verbergen würde. Gott würde jemanden haben, den er gebrauchen könnte, um Segen für diejenigen zu bewirken, die das Gesetz gebrochen haben und Buße tun.

Nicht nur die zehn Gebote wurden Mose gegeben, sondern gleichzeitig auch die vollständigen Anordnungen für die Hütte und die Opfer. Das zeigt, dass das reine und alleinige Gesetz niemals dem Menschen gegeben wurde, sondern dass in Schatten, Bildern und Prophezeiungen aufgezeigt wurde, wie sündige Menschen Gott durch das Sühnopfer unseres Herrn nahen könnten.

Die Lade aus Akazienholz, die Mose machte, bestand nur eine kurze Zeit, denn wir lesen in 2. Mose 37, wie der weise Bezaleel eine Lade aus Akazienholz machte und sie mit „reinem Gold“ überzog, und in diese Lade wurden die Tafeln des Zeugnisses schließlich hineingelegt. Der Zwischenraum, während Mose das Gesetz empfing und die Hütte errichtet wurde, wurde so in gnädiger Weise überbrückt.

Die Lage nach Osten

Die Hütte wurde immer nach Osten hin aufgebaut, so dass der Gnadenstuhl in diese Richtung weisen sollte. Das Tor des Vorhofs (2. Mo 27,13–14) zeigte nach Osten. Das Blut wurde beim Sündopfer auf den Gnadenstuhl nach Osten hin gesprengt (3. Mo 16,14). Was war der Grund dafür? So wie die Sonne im Osten aufgeht, so wurde die Hütte in jene Richtung weisend aufgebaut, symbolisch für die Zeit, wenn „die Sonne der Gerechtigkeit“ (nämlich unser Herr Jesus Christus) „aufgehen wird mit Heilung in ihren Flügeln“ (Mal 3,18), die Frieden und Sicherheit  Gottes „neue Ordnung“ für diese unruhige Welt bringen würde. Wir lesen: „Und die Kinder Israel brachen auf … und lagerten sich … gegen Sonnenaufgang“ (4. Mo 21,10–11). „Aber der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Morgenlicht, das stets heller leuchtet bis zur Tageshöhe“ (Spr 4,18).

Der Ritualist, der die östliche Lage gern hat [anscheinend denkt der Autor an die Positionierung der Altäre in bestimmten Kirchen], drückt nur durch sein sklavisches und unschriftgemäßes Hängen an den „Schatten“ aus, dass er wenig oder nichts von den herrlichen Wesen, den Erfüller dieser Bilder, unseren Herrn und Heiland, versteht. Ritualismus, moralische Leere, geistliche Finsternis, Aberglaube, Frömmelei und Bekämpfung dessen, was wahr und richtig ist, gehen oft zusammen. Es muss befürchtet werden, dass die östliche Lage, wie sie von dem Ritualisten praktiziert wird, eines der Mittel ist, durch die eine arrogante Priesterschaft versucht, die Laien zu versklaven.

Göttliche Führung

„… der HERR euer Gott, der auf dem Weg vor euch herzog, um euch einen Ort zu erkunden, dass ihr euch lagern konntet: des Nachts im Feuer, dass ihr auf dem Weg sehen konntet, auf welchem ihr zogt, und des Tages in der Wolke“ (5. Mo 1,33). Als Mose den Bau der Hütte fertig stellte, bedeckte eine Wolke das Zelt der Zusammenkunft, und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Hütte. So wurde für göttliche Führung für das Volk auf seiner Wanderung gesorgt. Wenn die Wolke stand, ruhte das Volk; wenn sie sich erhob, zogen sie und folgten der Richtung, die sie nahm. Wenn sie nachts zogen, war das Feuer ihr ausreichender Führer. „Er breitete eine Wolke aus zur Decke, und ein Feuer, die Nacht zu erleuchten“ (Ps 105,39). So wollte Gott uns lehren, dass wir von ihm vollständig abhängig sind sowie seine Führung immer suchen sollen und dürfen. Wir sind nicht selbst dazu in der Lage unsere Wege zu bahnen, weder als Einzelpersonen, noch in Verbindung mit der Versammlung Gottes. Wie reich an Fürsorge sind alle Wege Gottes! Wir können ihm wohl zutrauen, dass er weit besser für uns sorgt, als wir es für uns selbst können.

Fußnoten

  • 1 Anm. d. Red.: Im Englischen steht hier „candlestick“ – Kerzenleuchter.
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