Die symbolische Lehre der Stiftshütte

Die Materialien

Die Materialsammlung für den Bau der Stiftshütte und ihre bildliche Bedeutung

Nicht weniger als 603.550 Männer, Israeliten von 20 Jahren und darüber, zahlten das Sühnungsgeld, das von den Kindern Israel in der Wüste genommen wurde, als Gott sein Volk zählte. Diese Zahl schloss den Stamm Levi nicht ein (4. Mo 1,46–47), der abgesondert wurde für den Dienst der Hütte. Daraus können wir entnehmen, dass, grob gerechnet, rund 3 Millionen Seelen aus Ägypten gekommen sein müssen, als Gott „mit mächtiger Hand und mit ausgestrecktem Arm“ sein Volk von der bitteren Sklaverei Pharaos befreite.

Was für eine aufregende Geschichte ist das, ein Beweis für Gottes machtvolle Gewalt und überströmende Gnade! Geschützt durch das Blut der Passahnacht und gerettet durch Macht (da Gottes mächtige Hand sie durch das Rote Meer brachte), fand sich diese Gesellschaft ehemaliger Sklaven als Gottes erlöstes Volk auf der Wüstenseite des Roten Meeres. Am anderen Ufer lag Ägypten, das Land ihrer schrecklichen Sklaverei.

Welche Berechtigung – können wir fragen – haben wir, dieses Ereignis des Passahs auf Christus anzuwenden? Der moderne Professor würde sagen, dass wir keine haben. Die Schrift sagt: „auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet worden“ (1. Kor 5,7). „Alle diese Dinge aber widerfuhren jenen als Vorbilder und sind geschrieben worden zu unserer Ermahnung, auf die das Ende der Zeitalter gekommen ist“ (1. Kor 10,11). „Denn alles, was zuvor geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften die Hoffnung haben“ (Röm 15,4).

Das Passah ist die Grundlage der geistlichen Geschichte Israels als Nation. Dadurch erklärte Gott, dass die Erlösung durch das Blut die einzige Grundlage seines Handelns mit dem Menschen ist. Auf dieser Grundlage kündigte Gott an, unter seinem Volk zu wohnen. Zu diesem Zweck gab er Mose Anweisungen in Bezug auf den Bau der Hütte, die Ordnung der Opfer, den Dienst der Priester, das Werk der Leviten und den Lebenswandel eines Volkes, das so in Verbindung mit ihm gebracht wurde. Wenn Gott selbst Mose Anweisungen gab für diese Einzelheiten – wie kann dann gesagt werden, dass es die trockene Darstellung eines rituellen Gottesdienstes einer primitiven Rasse sei, die keine Bedeutung für uns heute habe?

Die Hütte war geteilt in zwei Abschnitte. Der erste und größere war der, wo die Priester ihren heiligen Dienst ausführten. Er wurde das Heilige oder das Heiligtum genannt. Der innere und kleinere Abschnitt wurde das Allerheiligste genannt. Das war dort, wo Gott auf dem Gnadenstuhl wohnte. Im Verhältnis zu seiner Größe war die Stiftshütte vielleicht der teuerste Bau, den es jemals gegeben hat. Zwischen 35 und 45 mio. Euro in Gold und zwischen 1,5 und 2 mio. Euro in Silber wurden bei ihrem Bau verwandt, außerdem bedeutende Mengen an Leinen, kostbaren Steinen, seltenen Gewürzen, Öl, blauem und rotem Purpur, scharlachfarbener Farbe etc. Das Gewicht des Silbers ist auf rund 4 Tonnen geschätzt worden. Der kleine Bau mit der Gesamtlänge von ca. 54 Fuß und der Breite von ca. 16 Fuß wird somit auf rund 40 mio. EUR geschätzt1. Der Hof der Hütte war ca. 180 x 90 Fuß.

Wenn wir überlegen, wer das Material lieferte, vertieft sich unser Erstaunen. Die Israeliten waren gerade der bitteren Knechtschaft entkommen. Ihr Los war hart gewesen. „Ziegel ohne Stroh“ hatten die Tiefen des Elends ihrer schrecklichen Plackerei gemessen. Doch das waren die Leute, die so willig aus ihrem Hab und Gut opferten, dass Mose ihre Flut von Großzügigkeit stoppen musste. Wir lesen von den Opfernden, dass „ein jeder, den sein Herz trieb, und ein jeder, der willigen Geistes war“, freudig zum Werk des Herrn beitrug (2. Mo 35,21). Männer und Frauen brachten ihre Nasenringe, Ohrringe, Fingerringe, Spangen und goldene Kleinode; die „weisen“ Frauen spannen Leinen und Ziegenhaar; die Fürsten brachten kostbare Steine, Gewürze und Öl. Welch eine Lehre für uns! „Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten, und wer segensreich sät, wird auch segensreich ernten. … denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“ (2. Kor 9,6–7). Die Witwe, die ihre zwei Scherflein – ihren ganzen Lebensunterhalt – in den Gotteskasten im Tempel einwarf, als jenes System sich zum Ende neigte und als schon niedergeschrieben war, dass „die Herrlichkeit gewichen sei“ (Ikabod), könnte uns wohl am Ende dieser Zeit ermutigen, dem Herr mit Kraft und Macht zu dienen. Er wird niemandes Schuldner sein, auch ist er nicht ungerecht, die Arbeit und Mühe der Liebe zu vergessen, die in seinem Namen getan wird.

Bei dem Bestreben, den verschiedenen Teilen beim Bau der Hütte, der Einsetzung der Opfer etc. die sinnbildliche Bedeutung zu geben, ist es gut, uns daran zu erinnern, dass wir nicht bestimmt behaupten können, sondern dass wir unsere Erklärungen dem geistlichen Urteil des Lesers anbieten. Bei vielen Dingen in der Schrift können und müssen wir dogmatisch sein – Lehren beispielsweise, die lebenswichtig und grundsätzlich sind, so wie die Gottheit, die Menschheit, die Versöhnung und Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, die Gegenwart und das Wirken von Gottes Heiligem Geist, die Versammlung Gottes, ihr Ursprung, Segen und ihre Bestimmung, die Berufung und letztliche Segnung Israels, Gottes irdischen Volkes. Diese Wahrheiten werden direkt in der Schrift versichert.

Und sogar bei den Bildern gibt es Dinge, bei denen wir dogmatisch sein können. Das Passah steht sinnbildlich für Christi Sühnetod am Kreuz. Unsere Berechtigung dafür ist die Schriftstelle: „unser Passah, Christus, ist geschlachtet“ (1. Kor 5,7). Wiederum ist der Gnadenstuhl ein Sinnbild für Christus in seinem Sühnetod, der Gott in all seiner Heiligkeit fähig macht, auch den schlechtesten Sünder zu begegnen und ihn zu segnen. Unsere Garantie dafür findet sich in der folgenden Schriftstelle: „Gott hat Christus dargestellt zu einem Gnadenstuhl [oder als ein Sühnmittel] durch den Glauben an sein Blut“ (Röm 3,25). Indem wir uns all dies vor Augen halten, lasst uns fortfahren mit unseren Erklärungen:

Gold: Ein Symbol der Gottheit, wenn es in Bezug auf Christus steht; ein Symbol für göttliche Gerechtigkeit, wenn es in Beziehung zu den Menschen gesehen wird. Immer, wenn in 2. Mose Gold symbolisch für Gottheit steht, heißt es „reines Gold“, wenn es göttliche Gerechtigkeit symbolisiert, wird das Wort Gold ohne das Adjektiv „rein“ gebraucht.

Silber: Symbol der Erlösung. Die Hälfte eines Sekels Silber, das von den Männern von 20 Jahren und darüber verlangt wurde (bei der Zählung Israels), wird beschrieben als „Sühngeld“ (2. Mo 30,16).

Kupfer (Erz, Bronze): Symbol für die Versöhnung im Blick auf die Gerechtigkeit Gottes, der am Kreuz Christi in Bezug auf die Verantwortlichkeit des Menschen Genüge geleistet wurde.

Blauer Purpur: Symbolisch für das, was himmlisch ist. Der Hinduname für Himmel ist einfach ihr Wort für „blau“. Es ist die Farbe des wolkenlosen Himmels.

Roter Purpur: Symbolisch für die Herrlichkeit Christi als König der Könige und Herr der Herren. Ein Kaiser ist genau genommen ein König der Könige. Roter Purpur war die bestimmte Farbe, die von dem römischen Kaisern benutzt wurde. „Den Purpur anlegen“ bedeutete, den Kaiserthron besteigen.

Scharlachfarbig: Symbolisch für die Herrlichkeit Christi als König Israels. Scharlachfarbe ist die königliche Farbe. Als die Soldaten den Anspruch des Herrn, König Israels zu sein, verspotteten, legten sie ihm „einen scharlachfarbenen Mantel“ an.

Weiße Leinwand: Symbolisch für die makellose, reine und heilige Menschheit unseres Herrn; oder für das, was das Ergebnis des Heiligen Geistes Gottes ist in dem Leben der Gläubigen. „Die feine Leinwand sind die Gerechtigkeiten der Heiligen“ (Off 19,8).

Ziegenhaar: Symbolisch für Christus als Prophet. Sacharja 13,4–5 zeigt, dass ein rauer oder härener Mantel das Merkmal eines Propheten war. Als der kranke Ahasja fragte, was für ein Mann es war, der seinen Boten entgegenkam, antworteten sie, „dass es ein Mann war im härenen Gewand und dass er an seinen Lenden gegürtet war mit einem ledernen Gürtel“ (2. Kö 1,8). Der König erkannte sofort die Beschreibung als die des Propheten Elia. Auch Johannes der Täufer wird so beschrieben, dass er „eine Kleidung von Kamelhaaren hatte und einen ledernen Gürtel um seine Lenden“ (Mt 3,4).

Rotgefärbte Widderfelle: Symbolisch für Christi Ergebenheit für die Herrlichkeit Gottes bis zum Tod. Der „Widder“ wird der „Einweihungswidder“ genannt (2. Mo 29,26). „Rotgefärbt“ kennzeichnete das Ausmaß, bis zu dem die Weihung gehen kann (bis zum Tod).

Dachsfelle: Symbolisch für Christus, wie er von der Welt gesehen wird. Diese bildeten die äußere Abdeckung der Stiftshütte. Jesaja 53,2 zeigt: „Er hatte keine Gestalt und keine Pracht. Und als wir ihn sahen, da hatte er kein Ansehen, dass wir seiner begehrt hätten“.

Akazienholz: Symbolisch für die Menschheit unseres Herrn und auch für den Gläubigen, wie es bei den Brettern der Hütte gesehen wird.

Öl: Symbolisch für Gottes Heiligen Geist. Der Heilige Geist wird im Neuen Testament „die Salbung“ (1. Joh 2,27) genannt. Zu alttestamentlichen Zeiten wurden Könige, Propheten und Priester mit Öl gesalbt.

Gewürze: Symbolisch für den Wohlgeruch Christi für Gott.

Onyxsteine und kostbare Steine: Symbolisch für den Wert der Gläubigen in Gottes Augen, das Ergebnis ihrer Verbindung mit Christus.

Heiligtum: Symbolisch für Gottes Wohnung unter seinem Volk; ein heiliger Ort, der für Gottes Wohlgefallen abgesondert wird. „Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, dass ich in ihrer Mitte wohne“ (2. Mo 25,8).

„Nach dem Muster“ – Menschlicher Geist und menschliche Vorstellungskraft wurden nicht allein gelassen, das auszuarbeiten, was für Gott würdig ist. Mose wurde zum Gipfel des Berges Sinai gerufen. Die Ältesten von Israel sahen ihn in der Herrlichkeit des Herrn – wie ein verzehrendes Feuer auf der Spitze des Berges – verschwinden. Dort wurde er von Gott selbst unterwiesen und ermahnt: „Und sieh zu, dass du sie nach ihrem Muster machst, das dir auf dem Berg gezeigt worden ist“ (2. Mo 25,46). In Anbetracht dessen, dass all diese Einzelheiten durch Gott selbst bestimmt worden sind, um sein Volk Lektionen himmlischer Dinge zu lehren, werden diese Bilder und Schatten äußerst interessant, und ihr Studium kann ohne wirklichen Verlust für die Seele nicht vernachlässigt werden. 

Gerade so, wie die Strahlenbrechung farbloses Licht in seine sieben Prismafarben bricht, so reißen die Bilder sozusagen die großen Wahrheiten in Bezug auf Christus in lehrreiche Einzelheiten auf (seine Gottheit, seine Menschheit, sein Sühnungswerk, der Segen und die Stellung seines Volkes). Und wenn wir diese Einzelheiten lernen und wenn ein Gesichtspunkt nach dem anderen, eine Einzelheit, die zu der anderen passt, vor uns gebracht wird, bildet sich stufenweise in unseren Seelen die richtige Einschätzung des Ganzen, bis die Wahrheit in das feine Gewebe unseres geistlichen Seins, das uns zur Herrlichkeit Gottes erfüllt, verwoben ist. Der Schreiber kann nie dankbar genug sein für die wunderbare Lehre, was die Person und den Tod Christi angeht, die herausgelesen werden kann aus den Bildern – eine Lehre, die man anders nicht erlangen kann.

Fußnoten

  • 1 An angegebenen Werte sind Schätzwerte der heutigen Gold- und Silberpreise (Dez. 2015).
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