Bekehrung, Wiedergeburt, Versiegelung, Befreiung

Bekehrung spricht von der verantwortlichen Seite des Menschen. Er muss sich bekehren, d.h. Umkehr halten auf seinem bisherigen Weg und sich zu Gott hinwenden. Die Geschichte des verlorenen Sohnes in Lukas 15 gibt ein deutliches Bild und zeigt das Wesen der Bekehrung. Das Stillestehen („als er aber zu sich selbst kam“), der Blick für die hoffnungslose Lage („ich aber komme hier um“), die Sündenerkenntnis („ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir“), das Sichverurteilen („ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen“), das sind die notwendigen Voraussetzungen für die innere Umkehr. Das Entscheidende ist jedoch der Vollzug dieser Umkehr: „Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater.“

Warum hat das Wort „Bekehrung“ solch unangenehmen Klang in den Ohren der Menschen, besonders der religiösen und selbstgerechten? Stolz, Selbstbetrug und Eigenwille lehnen sich auf, Beugung, Demütigung und Buße zu bezeugen. Und doch gibt es keinen anderen Weg, um die Seligkeit zu erlangen.

Wiedergeburt bringt das Werk Gottes in einer also zubereiteten Seele zum Ausdruck, denn „von neuem geboren“ heißt „von oben her“ oder „aus Gott geboren“. Geburt vermittelt Leben und führt zur Kindschaft. Das lebendige und bleibende Wort Gottes ist der Same der Wiedergeburt. (1. Pet 1,23) Es zeigt dem Menschen seine völlige Verderbtheit und damit die Notwendigkeit der Erneuerung, und es bringt ihm Christus, der das Leben ist. „So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, welche nicht aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“ Gott schenkt dem Bußfertigen den Glauben an Seinen Sohn, über Den Er gezeugt hat in Seinem Wort. „Und dies ist das Zeugnis: dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.“ Mit dem Glauben an das untrügliche Wort Gottes und an den Namen Seines Sohnes ist also der Empfang des göttlichen Lebens aufs engste verbunden.

Doch noch mehr. Das Wort bezeugt: „In welchem ihr auch, nachdem ihr geglaubt habt, versiegelt worden seid mit dem Heiligen Geiste der Verheißung“ (Eph 1,13). In der Wiedergeburt empfangen wir auch die Gabe des Heiligen Geistes. Dies ist nicht dasselbe wie das neue Leben, das uns zuteilwird. Der Heilige Geist ist die göttliche Person, die am Pfingsttag auf diese Erde kam und nun in jedem Wohnung nimmt, der Leben aus Gott besitzt. Er ist gleichsam das Siegel der Vollkommenheit. Nachdem das Werk von Golgatha geschehen ist, wird jedem Glaubenden in Christus eine Stellung der Vollkommenheit gegeben. „Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden.“ Wer diese Vollkommenheit besitzt, kann jetzt die Versiegelung empfangen.

Die Innewohnung des Heiligen Geistes ist das Merkmal, das die Gläubigen von der Welt unterscheidet, das Kennzeichen des wahren Christen. Die Schrift bezeugt klar, dass nur die Gläubigen Ihn empfangen. „Dies aber sagte er von dem Geist, den die an ihn Glaubenden empfangen sollten.“ „Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Sachwalter geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht, noch ihn kennt. Ihr aber kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein“ (Joh 7,39; 14,16. 17).

Das aufgedrückte Siegel ist in der symbolischen Sprache der Heiligen Schrift der Ausdruck des Eigentumsanspruches, der völligen Sicherheit. Der Gläubige ist von Gott aus durch den Heiligen Geist als Sein Eigentum bestätigt.

Wie reich ist der Gläubige gemacht! Von Gottes Seite aus ist alles vollkommen und völlig gesichert, denn „Gott ist es, welcher rechtfertigt; wer ist, der verdamme?“ Doch wie steht es um den Genuss dieses Glücks? Wir wissen, dass manches Kind Gottes gedrückt seinen Weg geht. Woran liegt das? Es ist oft der Mangel an Belehrung, der keine völlige Freude aufkommen lässt. Dazu kommt das Erkennen der eigenen Unvollkommenheit und das Bemühen, eine Vollkommenheit zu erlangen.

Es ist gut, dass der Mangel an Erkenntnis nichts an der ewigen Sicherheit des Gläubigen ändert. Doch hat uns Gott alles gegeben, um schon auf dem Weg zur Herrlichkeit Frieden und völlige Freude genießen zu können. Sein untrügliches Wort teilt uns Seine Gedanken mit, und der Geist, den Er uns gegeben hat, möchte uns in die ganze Wahrheit leiten. Setzen wir alle eigenen Meinungen beiseite und ehren wir Gott durch unser völliges Vertrauen auf Sein Wort, so sind wir in Frieden.

Dieses Wort belehrt uns, dass auf Seiten des Menschen nichts ist, was vor Gott Wert hat und worauf er vertrauen könnte, dass aber in dem Erlösungswerk Christi alles verankert ist, was unsere Annahme bei Gott verbürgt. Dieses Werk ist einmal auf Golgatha geschehen, es wird nie wiederholt, weil Gott durch dasselbe völlig verherrlicht und befriedigt ist. In dem Augenblick, da heute jemand glaubt, wird ihm der volle Wert dieses Werkes angerechnet, ob er ihn erfasst oder nicht. Und er wird im Anfang seines Glaubenslebens nur wenig erfassen, doch möchte der Geist Gottes ihn weiterführen.

Zwei Fragen stehen vor unseren Augen: unsere Schuld, das, was wir getan haben, und unser Zustand, das, was wir sind.

Die Frage der Schuld steht gewöhnlich zuerst vor der Seele, wenn sie ins Licht Gottes kommt. Die Schuld muss vergeben, und wir müssen von unseren Sünden gereinigt werden. „Ohne Blutvergießung gibt es keine Vergebung.“ Darum musste das reine, fleckenlose Lamm Gottes Sein Leben hingeben, Sein Blut musste fließen. „Er ist die Sühnung für unsere Sünden“, schreibt Johannes, und „das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller (jeder) Sünde“ (1. Joh 2,2; 1,7).

Dies ist das Zeugnis Gottes. Indem der Glaube ihm beistimmt, dankt er Dem, „der selbst unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat“ (1. Pet 2,24). Freudig stimmt er in die Worte ein: „Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blut.“

Da es ein Geschenk bedingungsloser Gnade ist, mögen wir uns hüten, dass wir nicht „aus der Gnade fallen“, wie es bei den Galatern war, d.h. dass wir nicht den Boden der Gnade verlassen, wo aller Ruhm auf Gottes Seite ist, und den des Gesetzes betreten, wo man durch sein Tun erst völlige Sicherheit zu erlangen glaubt. Wir würden uns unter ein schweres Joch begeben, das uns in Knechtschaft bringt und nicht Frieden, sondern Seufzen bewirkt.

Solche Christen kennen nicht die „ewige Erlösung“ (Heb 9,12), die gesegnete Stellung „in Christo“, in die wir gebracht sind. Sie glauben, dass ihnen die Sünden bis zum Augenblick ihrer Bekehrung vergeben sind, aber die Behauptung, dass alle Sünden des Gläubigen vom Anfang bis zum Ende seines Lebens aufgrund des Opfers Christi ein für alle Mal vergeben sind, scheint ihnen zu kühn. So kommen sie statt zum Frieden zur Unsicherheit, und anstatt sich der Vollgültigkeit des Opfers Christi zu freuen und darin zu ruhen, wollen sie sich täglich neu bekehren, also im Grunde alles von sich abhängig machen.

Wenn der Apostel in Römer 3,25 von dem „Hingehenlassen der vorher geschehenen Sünden“ redet, so hat dies nichts mit uns zu tun; es bezeugt die Sühnung für die Sünden der Gläubigen des Alten Testamentes. Auch sie konnten nur durch das fleckenlose Opfer Christi gerettet werden. Sie schauten vorwärts, wir rückwärts nach Golgatha und wissen unsere ganze Schuld dort gesühnt. Wie groß und herrlich ist das Werk Christi! Wir können ihm nichts hinzutun.

Es könnte scheinen, dass wir der Gleichgültigkeit das Wort reden. Keineswegs! Sicherlich haben wir die Fußwaschung nötig, wenn wir als Kinder Gottes gesündigt haben; stets muss ein ernstes Selbstgericht und Bekenntnis stattfinden, wenn die Gemeinschaft mit dem Vater und mit Seinem Sohn Jesus Christus wiederhergestellt werden soll. Doch dies hat nichts mit der Sühnung dieser Sünden zu tun. Der „aus Gott Geborene“ hat ein vollkommen gemachtes Gewissen, ihm werden die Sünden nicht mehr zugerechnet.

Wenn mancher nicht völlig klar ist im Blick auf seine Schuld, wie viel mehr Not macht ihm die Frage seines Zustands, also dessen, was er ist! Wie verzweifelt klingt die Klage der Seele in Römer 7, die nur sich selbst betrachtet und zu dem Ergebnis kommt: „Ich elender Mensch!“ Verliere ich den Blick für das Opfer Christi, so ist alles dunkel, ich sehe mich als Kind Adams, in Sünde geboren, zu nichts Gutem fähig. Mache ich mir jedoch die Gedanken Gottes über das Werk von Golgatha zu eigen, wird alles licht. Wer im Glauben dieses Werk annimmt, in Christus seinen Stellvertreter im Gericht erkennt, den betrachtet Gott als „mit Ihm einsgemacht“. Was Ihm dort geschah, wird mir völlig angerechnet als mit mir geschehen. Wird gesagt, „dass unser alter Mensch mitgekreuzigt ist“, so darf ich wissen, dass meinem alten Zustand als Kind Adams ein Ende bereitet, dass er vor Gott hinweggetan ist. Er schaut mich in Christus. Es hat also ein Stellungswechsel stattgefunden: einst ein Kind Adams, jetzt „in Christus Jesus“.

Dies ist eine Sache des Glaubens. Ebenso wie ich glaube, dass Christi Blut meine Sünden gesühnt hat, darf ich glauben, dass Sein Tod mein Tod war und Sein Leben mein Leben ist. Wenn ein Herz dies erfasst, atmet es befreit auf und weiß: „Also ist jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christo Jesu sind“ (Röm 8,1). Ja, „wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden“.

Wie groß ist doch das Werk Gottes in und für uns! Das Entdecken der noch in uns wohnenden Sünde braucht keine Befürchtungen hervorzurufen, es ändert nichts an dem Wert und an den Folgen des Opfers Christi für uns. Solange wir den Leib der Niedrigkeit tragen, wohnt die Sünde noch in uns, aber sie hat keine Macht mehr über uns. Der Gläubige kann wohl sündigen, doch muss er nicht sündigen, „denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christo Jesu hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“.

Lasst uns nicht bei uns selbst stehen bleiben! Wir können Gott nur ehren, indem wir Seinem Zeugnis über Seinen Sohn und Sein Werk völlig vertrauen. Das gibt der Seele tiefen Frieden und lässt uns als Befreite gehen.

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