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Das Matthäusevangelium - Eine Auslegung

Manuel Seibel

Kapitel 25,31–46

Die Endzeitrede über das Gericht der Nationen (Mt 25,31–46)

Mit Vers 31 nimmt der Herr Jesus wieder den Faden der prophetischen Geschichte von Kapitel 24,30.31 auf. Dort war die Rede davon, dass Er als der Sohn des Menschen mit Macht und großer Herrlichkeit kommt. Er wird seine Auserwählten von den vier Winden der Erde her versammeln. Im Anschluss steht ein ermahnender Teil für die gläubigen Juden (Verse 32–44). In dessen Folge finden wir dann die drei soeben betrachteten Gleichnisse über die christliche Zeit.

In Matthäus 25,31 können wir sofort den Anschluss an Kapitel 24,31 erkennen. Darauf wird Bezug genommen: „Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit“, wie es nämlich in Kapitel 24,30.31 beschrieben worden ist, dann findet das Gericht der Nationen statt (25,31.32).

Die drei Teile der prophetischen Rede

In diesem Zusammenhang möchte ich zum besseren Verständnis gerne noch einmal auf die wichtige Dreiteilung dieser großen Rede des Herrn zurückkommen:

  1. Kapitel 24,1–44: Wir hatten zunächst einen langen Abschnitt über die gläubigen jüdischen Übriggebliebenen vor uns, welche die besonderen christlichen Vorrechte nicht kennen. Der Herr spricht diese Gruppe sozusagen in der Person seiner jüdischen Jünger an. Sie repräsentieren das jüdische Volk bis zum Ende des Zeitalters, also dem Kommen des Messias auf diese Erde. An jenem Tag erscheint Er als Sohn des Menschen. Er befreit nicht nur die gläubigen Juden, sondern alle Auserwählten, die unter die verschiedenen Nationen zerstreut worden sind, damit ganz Israel gerettet werden kann (vgl. Röm 11,26). Diese Befreiung findet sofort nach der beispiellos schrecklichen Drangsalszeit statt.
  2. Kapitel 24,45–25,30: Dann geht es im zweiten großen Abschnitt direkt und ausschließlich um das christliche Bekenntnis. Hier gibt es keinen Bezug auf Judäa, die Stadt Jerusalem, den Tempel, auch keine lokale oder zeitliche Bezugnahme. Das Bekenntnis mag wahr oder falsch sein und wird in drei Gleichnissen behandelt. Hier ist kein einziges Mal vom Sohn des Menschen die Rede. Denn für die Christen ist Er der Christus. Sein Titel „Sohn des Menschen“ hat dagegen besonders mit der Erde und mit Israel sowie den Nationen zu tun, nicht jedoch mit uns Christen.
    Dieser christliche Teil wird nicht als Erstes behandelt, weil der Anlass für die Rede des Herrn der gewaltige Bau des Tempels war. Dieser hat direkt mit dem Volk Israel zu tun. Wir dürfen auch nicht außer Acht lassen, dass das besondere Interesse des Herrn Jesus als Messias (gerade im Matthäusevangelium) seinem eigenen Volk gilt. Daher finden wir ja auch diese Reihenfolge (bei einer der beiden möglichen Deutungen) in den drei letzten Gleichnissen vom Königreich der Himmel in Matthäus 13: Israel (Schatz), Versammlung (christliche Zeit, Perle), Nationen (Fischfang).
    Zudem erläutert der Herr die Einzelheiten dessen, was auf den jüdischen Überrest einmal zukommen sollte, nicht allein vor den Jüngern, die eine besondere Aufgabe in den ersten Tagen der Christenheit haben sollten: Petrus, Johannes, Jakobus. Markus berichtet uns, dass auch Andreas bei den Erläuterungen des Herrn über die jüdischen Drangsale zugegen war. Diese vier Jünger waren die ersten, die der Herr in seine Nachfolge berief (vgl. Mk 1,16–20; Mt 4,18–22). Sie stehen stellvertretend für die jüdischen Übriggebliebenen künftiger Tage. Nach der Beschreibung dieser jüdischen Zeit holt der Herr dann sozusagen nach, was zeitlich am Anfang stand: die zwischenzeitlich stattfindende christliche Zeit.
  3. Kapitel 25,31–46: Im dritten und letzten Abschnitt dieser prophetischen Rede erläutert der Herr schließlich, was mit den Nationen geschieht, die sich nicht zum Christentum bekannt haben (vgl. z.B. 1. Kor 10,32) und nach der Entrückung (1. Thes 4,17) mit dem Evangelium des Königreiches bekannt gemacht werden. In Matthäus 24,14 haben wir gelesen, dass das Evangelium des Königreichs in der ganzen Welt gepredigt wird, als ein Zeugnis den Nationen. Darauf nimmt unser dritter Abschnitt Bezug und zeigt, dass die Menschen aus den Nationen auf zwei verschiedene Arten auf das Evangelium reagieren werden. Danach würde das Ende kommen, das heißt, das Wiederkommen des Herrn Jesus.

Das sichtbare Wiederkommen Christi auf diese Erde finden wir in Vers 31. Es leitet eine Gerichtssitzung des Sohnes des Menschen über die Nationen ein. An anderer Stelle werden die Nationen übrigens Griechen (vgl. z.B. Joh 7,35; 12,20) oder Heiden (vgl. Mt 18,17) genannt.

Wir hatten gesehen, dass der Herr als Sohn des Menschen dem abgefallenen Israel gegenüber, das dem Aas gleicht, wie ein Blitz erscheint: plötzlich, unerwartet, in furchtbarem und schnellem Gericht (Mt 24,27.28). In Bezug auf die Nationen ist von Eile und Heftigkeit keine Rede. Hier kommt Er in geradezu feierlicher Weise, um seinen irdischen Platz in Herrlichkeit einzunehmen. Dieses Kommen wird nicht wie ein Blitz vorübergehen. Der Sohn des Menschen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen (Vers 31). Alle Nationen werden Ihn sehen. Sie werden vor Ihm, der diesen Thron des Gerichts feierlich ernst eingenommen hat, versammelt stehen, um gerichtet zu werden. Das entscheidende Kriterium in diesem Gericht wird sein, wie sie die jüdischen Boten behandelt haben, die ihnen das Reich predigten.

Bevor ich auf die dann stattfindenden Vorgänge weiter eingehe, möchte ich zwei Themen voranstellen, die für das Verständnis dieses Abschnitts von großer Bedeutung sind:

  1. die zeitliche Abfolge der Ereignisse in Verbindung mit dem Kommen des Herrn Jesus auf diese Erde
  2. die verschiedenen Gerichtssitzungen, die wir in der Schrift finden.

Da dieser Abschnitt der Schrift oft missverstanden wurde, erscheint es mir nützlich, diese beiden Themen zunächst zu behandeln. Um es einmal auf den Punkt zu bringen: Jede Schrift ist von Gott und für uns, aber nicht alles ist über uns. Daher ist es wichtig, dass wir zu unterscheiden lernen, was der Geist Gottes uns jeweils an jeder einzelnen Stelle lehren möchte.

Die Chronologie in Verbindung mit dem Kommen des Herrn

  1. Die Entrückung: Wir finden im Neuen Testament keinen Hinweis darauf, wann die Entrückung stattfinden wird. Der Herr Jesus hat uns zugesagt: „Ich komme bald“ (Off 22,20). Er hat uns versprochen, uns zu entrücken (1. Thes 4,13–18; Joh 14,1–3). An dieser Entrückung werden alle alt- und neutestamentlichen Gläubigen teilhaben, die bis zu diesem Zeitpunkt entschlafen sind. Hinzu kommen die lebenden Gläubigen, die sich bekehrt haben und an den Herrn Jesus glauben. Sie werden bei der Entrückung verwandelt werden, ohne durch den Tod gehen zu müssen.
  2. Stunde der Versuchung: Nach der Entrückung wird sofort oder nach einer gewissen Übergangszeit eine Gerichtsperiode anbrechen. Der Herr Jesus nennt sie in seinem Brief an die Versammlung in Philadelphia „Stunde der Versuchung“. Die gesamte Gerichtsperiode umfasst sieben Jahre. Sie entspricht der sogenannten 70. Jahrwoche Daniels (eine Woche von Jahren = 7 Jahre; vgl. Dan 9,24 ff.).
  3. Die große Drangsalszeit: Sie beginnt mit dem Hinauswerfen Satans aus dem Himmel (Off 12,9) und dauert dreieinhalb Jahre (vgl. Dan 12,7; Off 12,14), 42 Monate (vgl. Off 11,2; 13,5) oder 1.260 Tage (Off 12,6). Ihr Anfang ist genau in der Mitte der zuvor genannten sieben Gerichtsjahre. Diese Zeit, auch „Drangsal für Jakob“ genannt (Jer 30,7), betrifft Israel und besonders die in Jerusalem und Judäa wohnenden Juden. Ihr äußerlich sichtbarer Beginn besteht darin, dass das Bild des Römischen Kaisers vom Antichristen in den Tempel gestellt wird (Off 13,14.15). Der Antichrist, den Paulus den Sohn des Verderbens nennt (2. Thes 2,3), wird sich sogar selbst in diesen Tempel setzen (2. Thes 2,4). Der Herr nennt dieses Bild „Gräuel der Verwüstung“ (Mt 24,15) – er wird für das ungläubige Israel Verwüstung bringen.
  4. Politischer und religiöser Herrscher: Zu diesem Zeitpunkt werden der Römische Kaiser (das erste Tier aus Off 13,1 ff.; Off 14,9.11; 15,2; 16,2.10.13; 17,3.7.8.11 usw.) und der Antichrist (das zweite Tier aus Off 13,11 ff.) ihre ganze Macht entfalten. Sie werden politische (der Römische Kaiser) sowie religiöse (der Antichrist, der falsche Prophet, Off 16,13; 19,20; 20,10) Machtansprüche stellen. Sie werden sich in ihrer ganzen Bosheit offenbaren und sind von Satan inspiriert (vgl. Off 13,2.11.14).
  5. Der Bund Israels mit Europa: Im Nahen Osten braut sich ein großer Krisenherd zusammen. Die Israel umgebenden Nationen sind den Juden feindlich gesonnen und drohen mit einer Invasion. Die Führer Jerusalems beraten daher unter der Herrschaft des Antichristen, wie sie dem Angriff und der Unterdrückung dieser umliegenden Nationen entgehen können. Dabei kommt ihnen zugute, dass der Römische Kaiser zu Beginn der sieben Drangsalsjahre (der 70. Jahrwoche Daniels, vgl. Dan 9,27) einen festen Bund mit dem Land Israel geschlossen hat. Gott nennt diesen Vertrag zwischen Europa und Israel „einen Bund mit dem Tod“ (Jes 28,15). Offenbar sind schon zu diesem Zeitpunkt die bereits heute sichtbaren Kriegskonflikte äußerst brisant und weitreichend. Daher entschließt sich Europa aus strategischen Überlegungen, eine feste Koalition mit Israel zu bilden. Denn der in Daniel 11,40 und anderen Stellen genannte „König des Nordens“ versucht zunehmend, Israel zu destabilisieren und zu vernichten. Dieser Name steht für den im Alten Testament immer wieder herausgehobenen Assyrer (z.B. Nah 1,14; 2,6). Hinter diesem – das Reich umfasste in seiner letzten Blütezeit Teile Ägyptens und der Türkei sowie Israel, Libanon, Syrien und den Irak – steht ein anderer, großer Feind Israels: Russland (Dan 8,24; Hes 38.39). Das ist Gog vom Land Magog, den Fürsten von Rosch, Mesech und Tubal (Hes 38,2), „im äußersten Norden (Hes 38,6.15; 39,2) von Israel aus gesehen. Da Russland für Europa eine große Herausforderung darstellt, versucht der Römische Kaiser, Gegenbündnisse zu schließen, um sein Machtgebiet halten und ausweiten zu können. Israel wiederum sieht in einem solchen Vertrag für sich den Vorteil darin, dass es der Herrschaft des Königs des Nordens entgehen könnte (Jes 28,15; 57,9; Dan 9,27).
  6. Flucht der gläubigen Juden: Das Aufstellen dieses Gräuelbildes ist für die treuen Juden in und um Jerusalem der Hinweis, in die Wüste zu fliehen (vgl. Mt 24,15–20). Man kann davon ausgehen, dass besonders Moab der Zufluchtsort der Juden sein wird (Jes 16,1–5; vgl. das Vorbild in 1. Sam 22,3.4). Nur auf diese Weise entgehen sie den furchtbaren Verfolgungen durch das ungläubige Volk Israel und den Tyrannen, den Antichristen.
  7. Belagerung Jerusalems durch den Assyrer: In dieser Zeit formieren sich die Feinde Israels, die das Land einnehmen und zerstören wollen. Jerusalem wird so für alle umliegenden Nationen zu einer „Taumelschale“ (vgl. Sach 12,2). Anscheinend am Ende der dreieinhalb Drangsalsjahre erfolgt dann ein erster militärischer Angriff sowohl des Königs des Südens (Ägypten) als auch des mit diesem verfeindeten Königs des Nordens (vgl. Dan 11,40). Gott wird ihn als Rute gegen Israel einsetzen (Jes 10,5), um das Volk zu züchtigen (und der Assyrer wird auch Ägypten marginalisieren, Dan 11,40 ff.). Das Heer der Assyrer wird Israel überschwemmen und überfluten (Jes 8,7.8; vgl. Dan 11,40.41) und Jerusalem belagern (Jes 28,18.19), vielleicht fünf Monate lang (vgl. Off 9,5). Das wird für die gläubigen Juden, die nicht aus Jerusalem und Israel fliehen konnten, eine furchtbare Not sein. Das zweite Psalmbuch beschreibt diese Nöte. Auch das Gebet Jonas im Bauch des Fisches (Jona 2) ist ein prophetischer Hinweis auf diese Zeit.
  8. Belagerung Ägyptens durch den Assyrer: Viele ungläubige Juden sind unter dem Druck Assyriens nach Ägypten geflohen (vgl. Jes 30,1–6). Der Assyrer wird sie aber nicht ungestraft gehen lassen. Daher wird er nach Ägypten weiterziehen, um auch Ägypten zu besiegen (Dan 11,42.43) und die Flüchtlinge zu stellen. Um Israel weiter unter Kontrolle zu behalten, hat er eine Besatzungsmacht in Israel zurückgelassen. Vermutlich wird er sich durch eine Koalition mit Nachbarstaaten stärken und einen Bund mit ihnen schließen (vgl. Ps 83,4–10), so dass er nicht isoliert handeln wird, sondern einen Staatenbund anführt. Ägypten selbst scheint in dieser Zeit keine übergeordnete Funktion mehr zu spielen. Denn außer in Daniel 11,40 scheint diese Kriegsmacht an keiner weiteren Stelle prominent im Blick auf die Endzeit genannt zu werden.
  9. Die Flucht des Antichristen nach Europa: Durch das plötzliche Hereinbrechen des Assyrers und vielleicht angesichts der politischen Lage in Europa (zum Teil Demokratie) wird das römische Heer aber nicht sofort eingreifen (können). Aus Angst um sein Leben wird der Antichrist daher fliehen und sein Volk zunächst im Stich lassen. Er wird sozusagen ins Exil gehen und bei seinem starken Partner Europa Unterschlupf finden (vgl. Sach 11,16.17). Zugleich wird er den Herrscher des vereinigten Europa anstacheln, möglichst schnell nach Jerusalem zu kommen, um den Assyrer zu vertreiben und zu vernichten. Satan wird das bewirken („Mund des Drachen“, Off 16,13), weil er Israel vernichten will. Tatsächlich ist es Gott, der die Dinge so lenkt, dass die handelnden Personen: der Römische Kaiser, der Antichrist, die europäische Armee und das ungläubige Israel an einem Ort versammelt sein werden (vgl. Off 16,16; Off 19,17).
  10. Der Römische Kaiser im Krieg um Israel: Der Herrscher des Römischen Reiches wird daraufhin tatsächlich nach Jerusalem kommen, um seine eigene Macht zu verstärken und auszubreiten (vgl. Off 16,12–16; 19,19). Offenbarung 16,12 scheint darauf hinzudeuten, dass noch weitere Heere aus dem Nahen Osten und vielleicht sogar aus China in diesen Krieg mit eingreifen werden. Sie alle werden sich an dem Ort Harmagedon (Berg von Megiddo) versammeln (Off 16,16). Megiddo befindet sich in der Jisreel-Ebene ungefähr in der Mitte des Landes Israel. Eigentlich wollen alle diese Kriegsheere gegen den Assyrer kämpfen, um ihm die Macht über Israel zu entreißen. Dann aber geschieht etwas Eigenartiges.
  11. Der Sieg Christi über den Römischen Kaiser und den Antichristen: Der Herr Jesus kommt mit allen Erlösten, die Er entrückt hat (siehe Punkt 1.) und mit den Engeln aus dem Himmel (Off 19,11–16; 1. Thes 3,13; Jud 14). Wir lesen hier nicht davon, dass der Herr direkt auf die Erde kommt. So hat es den Anschein, dass dieses Kommen seinem späteren, für alle sichtbaren, Wiederkommen auf den Ölberg (Sach 14,4; Off 1,7) vorausgeht. Seine erste Tat wird der Sieg über den Herrscher Europas und den Antichristen mitsamt ihrer Heere sein. Das wird kein längerer Kampf sein, sondern die Erscheinung Christi wird für sie sofort das Ende bedeuten. Diese beiden Anführer werden dann lebendig in den Feuersee, die Hölle, geworfen (Off 19,19.20). Der Antichrist wird durch den Hauch des Mundes des Herrn besiegt (2. Thes 2,8). Dieses Gericht an den beiden Führern der Welt führt nur eine einzige Person aus: der Sohn des Menschen, der Herr der Herren und König der Könige. Wir sind gewürdigt, dabei zu sein, aber handeln wird nur Er! Dass wir, die wir selbst Feinde Gottes waren (Röm 5,10), einmal an der Seite seines Sohnes stehen dürfen im Gericht über seine Feinde, ist letztlich unfassbar.
    Vermutlich enden mit diesem ersten Sieg Christi nach seinem zweiten Kommen die 1.260 Tage (Off 12,6; oder 42 Monate oder dreieinhalb Jahre). Bis zum Beginn des Friedensreichs aber müssen noch 30 bzw. 75 Tage vergehen (vgl. Dan 12,11.12). Das könnte die Zeit sein, in der die im Folgenden beschriebenen Ereignisse stattfinden.
  12. Die Rückkehr der gläubigen Juden aus Moab: Noch immer hält der Assyrer an der Belagerung Israels und besonders von Jerusalem fest. Aber jetzt kommt eine Aufforderung Gottes an die treuen Juden, die nach Moab in die Wüste geflüchtet waren, nach Jerusalem zurückzukehren (Sach 9,11.12). Daraufhin kehren diese gläubigen Juden nach Israel zurück (vgl. Ps 122). Der Ruf Gottes an seine Treuen bedeutet aber, dass Er ihnen jetzt auch im Land helfen wird, so dass sie diese Völker mit seiner Hilfe besiegen (vgl. Ps 144,1.2).
  13. Die zweite Belagerung Jerusalems durch den Assyrer: Dann aber kommt der Assyrer zum zweiten Mal nach Israel. Er hat natürlich mitbekommen, was in und um Palästina passiert ist. Er hört Gerüchte aus dem Osten (die treuen Übriggebliebenen aus den Juden kommen zurück) und aus dem Norden (das wird der Krieg von Europa gegen Christus sein). In großer Eile wird er daher nach Israel zurückkehren (vgl. Dan 11,44.45). Während die erste Belagerung in Jesaja 28 zu finden ist, lesen wir von der zweiten in Jesaja 29. Auch sie wird furchtbar sein („Seufzen und Stöhnen“, Jes 29,2). Auch Psalm 123 gibt uns einen Eindruck, wie schrecklich diese Tage sein müssen.
  14. Die Erscheinung Christi: Plötzlich wird der Herr Jesus auf dem Ölberg stehen, der sich in der Mitte spalten wird (Sach 14,4). Jetzt greift der Herr sichtbar und für jeden ersichtlich (Sach 12,10; Off 1,7) in das Kriegsgeschehen ein. Jeder muss Ihm weichen, und Er wird der anerkannte Herrscher und Messias sein. Christus wird kommen auf den Wolken in großer Macht und Herrlichkeit (Mt 24,29.30) und der Tag des Herrn, der mit Gericht beginnt, fängt an.
  15. Die Niederlage des Assyrers: In Jesaja 29,5 ist daher von einer plötzlichen Wende die Rede. Sie kommt zweifellos durch das Kommen des Herrn. Wenn die Not der Übriggebliebenen am Größten ist, wird die einzige Hoffnung der gläubigen Juden erscheinen. Das erste Opfer des Herrn wird der Assyrer sein (vgl. Jes 30,30–33). Auch hier ist es der Hauch des Mundes Jahwes, der den Assyrer besiegt (wie den Antichristen). Der Herr Jesus wird hier als Verteidiger seines Volkes mit seinem göttlichen Bundesnamen genannt. Er nimmt sich seines Volkes an. Im Blick auf den Herrscher des vierten Weltreichs tritt Er als Sohn des Menschen auf, der die ewige Herrschaft Gottes hier auf der Erde antreten wird (Dan 7,13.14). Dieses Gericht wird dann nicht nur Assur treffen, sondern alle Länder und Völker, die Israel bedrängt und mit dem Assyrer koaliert haben (vgl. Joel 4,1–4).
  16. Die Befreiung Judas und Israels: Damit einher geht die Befreiung Judas in Israel (Sach 12,7–9). Was muss das für ein Augenblick sein, wenn plötzlich, von jetzt auf gleich, die Unterdrückung und die Drangsal vorbei sein werden. Das ist wahrer Friede.
  17. Das Gericht an dem ungläubigen Volk Israel: Auf die Befreiung des gläubigen Überrestes folgt sofort das Gericht an den ungläubigen Juden. Sie werden versuchen zu fliehen (Sach 14,5). Aber sie kommen nicht weit. Sehr schnell ereilt sie das Gericht (vgl. Jes 5,25). Jesaja 66,15–17 zeigt, dass nicht das gesamte ungläubige Volk in Israel, das dem Antichristen folgte, in der Drangsalszeit unter den Gerichten Gottes umkommen wird. Der noch lebende Teil der Ungläubigen wird unmittelbar das Gericht des Herrn Jesus erleben, der zu seinem Volk kommt.
  18. Der Einzug in Jerusalem: Danach wird sich der Einzug Jesu nach Jerusalem (Mt 21,1 ff.) wiederholen. Er wird nach Jesaja 9,9 auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Fohlen, nach Jerusalem kommen. Dort regiert Er dann als Messias, Priester und Prophet (vgl. Sach 6,13).
  19. Die Rückkehr der zehn Stämme: Dann werden auch die zehn Stämme (außer Juda und Benjamin), welche die ganze Zeit noch nicht im Land gewesen sind, zurückkehren. Stellen wie Jesaja 11,12; 66,20.21; Hesekiel 20,34 zeigen, dass sie aus allen Nationen gesammelt werden (vgl. Mt 24,31). Bis heute ist uns nicht bekannt, wo überall sie wohnen und wie diese ethnische Zuordnung zum Volk Israel auf einmal erkennbar werden wird.
  20. Der Sieg über die sonstigen Nachbarvölker: Danach findet der Kampf gegen die Nachbarvölker statt, die bislang von Christus noch verschont worden sind. Das sind vermutlich besonders Ägypten und Edom. Edom hat nach Psalm 83,4 zur Koalition Assyriens gehört. Dennoch scheint es so, dass sich der Herr das Gericht an diesem Volk besonders aufgespart hat (vgl. die Hinweise im Propheten Obadja). Alle Völker, unter die das Volk Israel zerstreut wurde, werden gerichtet werden (vgl. Jer 30,11.16; Ps 93–99).
  21. Das Binden Satans: Bevor das Friedensreich seinen Anfang nehmen kann, muss noch der große Feind Jesu und der Gläubigen gebunden werden. Er wird die gesamte Zeit des Friedensreiches im Abgrund gefangen sein (Off 20,2).
  22. Das Friedensreich: Damit haben wir den lang erwarteten Beginn des 1.000-jährigen Friedensreichs. Nur der Herr sagt uns in der Offenbarung, dass es 1.000 Jahre dauern wird (Off 20,3.7). Das Alte Testament und besonders die Propheten sind voll von Hinweisen über dieses Reich. An dieser Stelle nenne ich nur Jesaja 65,17 ff.; 66,22.23; Ob 21).
  23. Die Niederlage Russlands: Es hat den Anschein, dass es nach Beginn des Friedensreichs noch einen letzten Einfall in Israel geben wird. Nachdem in Hesekiel 36 das Volk Israel geistlich und in Hesekiel 37 auch national wiederhergestellt worden ist, finden wir in Hesekiel 38 auf einmal, dass Gog und Magog, Rosch, Mesech und Tubal in Israel einfallen. Das muss bereits zu Beginn des 1.000-jährigen Friedensreichs sein. Es deutet vieles darauf hin, dass diese Macht für Russland steht, die bislang schon hinter dem König des Nordens bzw. dem Assyrer stand, sich aber nicht offen zu erkennen gegeben hat. Jetzt tritt sie auf, um das Königreich des Herrn zu zerstören. Der Herr wird sie aber vernichtend schlagen (vgl. Hes 38,22.23).
  24. Das Gericht der Nationen: Vermutlich im Anschluss an diese Schlacht müssen wir das Gericht einordnen, dass der Herr Jesus in Matthäus 25,31 ff. dann beschreibt. Es dürfte sich nicht um das Gericht an den Nachbarvölkern Israels handeln, weil es jetzt um ein Richten aller Nationen (Vers 32) geht. Es ist übrigens interessant, dass wir in Psalm 24, der von Gott an die Psalmen 22 und 23 angefügt worden ist, den Herrn Jesus als den „König der Herrlichkeit“ finden. Psalm 22 stellt uns den Herrn Jesus als Sünd- und Schuldopfer vor, als den guten Hirten für sein Volk. In Psalm 23 lernen wir etwas von Ihm als dem großen Hirten für die Seinen, die Ihm auch in Drangsalen vertrauen. Das trifft besonders für den gläubigen Überrest künftiger Tage zu. Und in Psalm 24 ist Er der Erzhirte, der auf diese Erde zurückkommen wird und sein Reich antritt. In den Versen 7–10 wird Er fünfmal „König der Herrlichkeit“ genannt. Es geht dort um seine Herrlichkeit als Herrscher. Der König der Herrlichkeit sitzt auf einem Thron der Herrlichkeit. Und diesen finden wir in unserem Abschnitt.

Die verschiedenen Gerichtssitzungen

Bevor wir aus der Chronologie zu dem vor uns liegenden Abschnitt kommen, beleuchten wir noch die verschiedenen Gerichtssitzungen, von denen die Bibel redet. Ich möchte versuchen, die hier vorgestellte Gerichtssitzung einzuordnen und von den anderen Sitzungen abzugrenzen.

Dazu müssen wir zunächst unterscheiden zwischen einem Sitzungsgericht und einem Kriegsgericht. Wir haben gesehen, dass der Herr Jesus aus dem Himmel kommen wird, um den Herrscher des Römischen Reiches zu besiegen. Das ist Gericht, und zwar ein Kriegsgericht. Dasselbe gilt für das Überwinden des Antichristen und des Assyrers. Sie werden nämlich nicht vor einem „Hohen Gericht“ verurteilt werden. Ihr Ende kommt in einem Kriegsgericht unseres Herrn, der diese ungöttlichen Menschen und Funktionsträger mit einem gesprochenen Wort überwinden wird. Dennoch spricht die Schrift auch von anderen Arten von Gerichten, zum Beispiel von Sitzungsgerichten. Die verschiedenen Gerichtssitzungen der Schrift, die im Blick auf die Zukunft von Bedeutung sind, möchte ich im Folgenden kurz skizzieren:

1. Der Richterstuhl des Christus (2. Kor 5,10)

„Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, damit jeder empfange, was er in dem Leib getan hat, nach dem er gehandelt hat, es sei Gutes oder Böses“ (2. Kor 5,10). Zunächst einmal muss man fragen, wer vor diesem Richterstuhl erscheinen wird. Tatsächlich könnte der Gesamtzusammenhang dieses Verses (die vorherigen und die nachfolgenden) darauf hinweisen, dass früher oder später alle Menschen vor diesen Gerichtsstuhl kommen werden. Der Apostel formuliert diese Worte so grundsätzlich, dass sie auf jedes Sitzungsgericht künftiger Tage, das der Herr halten wird, zutreffen.

Andererseits fällt auf, dass das „wir“ zum größten Teil in diesem Kapitel nur auf Gläubige bezogen wird. Jedenfalls bleibt wahr, dass es eine erste Sitzung des Richters geben wird, bei der alle diejenigen erscheinen werden, die an der ersten Auferstehung teilhaben (vgl. Off 20,5.6). Das sind „wir“ – alle Erlösten von Adam an bis zur Entrückung. Diese erste Auferstehung hat mit der Auferstehung des Herrn begonnen. Sie findet ihre Fortsetzung, wenn der Herr Jesus wiederkommen wird, um alle Heiligen und zuerst die Toten in Christus aufzuerwecken (vgl. 1. Thes 4,15–17). Auch die Märtyrer während der großen Drangsal gehören dazu (vgl. Off 20,4.5).

„Wir“ Gläubigen werden nicht gerichtet werden, das hat uns der Herr Jesus versprochen: „Wer an ihn [den Sohn Gottes] glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet“ (Joh 3,18). Ein von neuem geborener Christ wird nicht gerichtet, weil ein anderer, der Herr Jesus, sein Gericht getragen hat.

Aber wir werden vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden. Das heißt, unser ganzes Leben wird zumindest uns persönlich vor diesem Richterstuhl offenbar werden. Der Herr möchte, dass wir erkennen, wie der Herr Jesus uns in allem geführt hat und seine Gnade hat überströmen lassen. Es ist sein Ziel (und wir stimmen darin ein!), dass wir auch in den Punkten, in denen wir noch nicht zu einem konkreten Bekenntnis von Sünden gekommen sind, seine Sicht erhalten. Wir empfangen an diesem Richterstuhl Belohnung, je nachdem, was wir hier getan haben. Wenn wir viel Gutes getan haben, werden wir eine große Belohnung erhalten. Wenn wir jedoch Böses getan haben, das Gott nicht gefallen hat, werden wir dafür keinen Lohn erhalten. Das würde ein großer Verlust sein.
In Römer 14,10 wird dieser Gerichtsstuhl „Richterstuhl Gottes“ genannt, weil das Urteil, das dort gefällt wird, göttlichen Charakter trägt. Es ist nicht menschlich, es ist ein unbestechliches, göttliches Urteil, das dort gefällt wird. Der Richter ist der Herr Jesus. Deshalb nennt Paulus diesen Thron in 2. Korinther 5 „Richterstuhl des Christus“.

2. Das Gericht der Lebendigen (Mt 25,31–46)

„Ich bezeuge ernstlich vor Gott und Christus Jesus, der richten wird Lebende und Tote“ (2. Tim 4,1). „Die dem Rechenschaft geben werden, der bereit ist, Lebende und Tote zu richten“ (1. Pet 4,5; vgl. auch Apg 10,42). Das Wort Gottes unterscheidet deutlich das Gericht an Lebenden und das Gericht an Toten. In Matthäus 25 haben wir es mit einem Sitzungsgericht auf dem Thron der Herrlichkeit über Lebende zu tun. Denn vor dem Sohn des Menschen werden dort keine Toten erscheinen, sondern nur zu der (zukünftigen) Zeit lebende Menschen aus allen Nationen.

3. Das Gericht der Toten (Off 20,11- 15)

„Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden. Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet“ (Off 20,11.12). Vor dem großen weißen Thron werden keine lebenden Menschen mehr stehen. Hier finden wir nur diejenigen, die nicht teilhatten an der ersten Auferstehung. Sie gehören zur Auferstehung des Gerichts (Joh 5,29). Wer vor diesem Thron steht, wird nach Vollendung des 1.000-jährigen Friedensreichs auferweckt werden, um dann in Ewigkeit im Feuersee, der Hölle, leiden zu müssen. Vor diesem Gerichtsthron werden alle ungläubigen Menschen von Kain an erscheinen. Es gibt nur zwei Ausnahmen: Der römische Herrscher künftiger Tage und der Antichrist sind nach Offenbarung 19,20 über 1.000 Jahre zuvor in die Hölle geworfen. Es muss schrecklich sein, an diesem Ort ewig existieren zu müssen. Wir lesen sogar, dass Erde und Himmel entfliehen angesichts der Heiligkeit dessen, der hier auf dem Thron sitzt.

In der Christenheit und auch unter vielen Theologen ist über die Endgerichte eine diffuse Vorstellung verbreitet. Viele meinen, es gebe am Ende der Tage ein gemeinsames Gericht „am jüngsten Tag“ vor dem „jüngsten Gericht“. Das wird dann mit allen möglichen Gerichtsberichten der Schrift verbunden. Das hat zu einer regelrechten Irreleitung vieler Menschen geführt. Manche haben auch gemeint, dieser Text in Matthäus 25 sei ein Gleichnis. Ähnliches wird über die Begebenheit von Lazarus und dem reichen Mann in Lukas 16 gesagt. Aber beide Geschehnisse sind keine Gleichnisse, sondern feierliche Beschreibungen realer Ereignisse und Zustände, auch wenn sie gleichnishaft beschrieben werden.

Vermutlich kommt der Ausdruck „jüngster Tag“ aus der Lutherübersetzung, wo in Johannes 6,39.40.44.54; 11,24; 12,48 – nach richtiger Übersetzung – vom „letzten Tag“ die Rede ist. Damit verbindet sich für viele eine Art Sammelgericht, an dem jeder Mensch gerichtet und freigesprochen oder verurteilt wird. Das aber ist eine Vorstellung, die nicht mit den Aussagen der Bibel übereinstimmt. Wir haben schon die verschiedenen Gerichtsarten und -sitzungen gesehen. Um falschen Schlüssen vorzubauen, möchte ich besonders zur Unterscheidung der zwei letzten Gerichtsetappen noch einige Ergänzungen vornehmen.

Gläubige Christen werden nur die „erste Etappe“ der drei genannten erleben: den Richterstuhl des Christus. Sie werden von Christus entrückt werden (1. Thes 4,17) und dann sofort diesen Richterstuhl vor sich haben, um in Ewigkeit in vollkommener Gemeinschaft mit ihrem Retter verbunden zu sein. Wie lange diese Sitzung für uns als Erlöste dauern wird, sagt Gottes Wort nicht. Aus Offenbarung 4 und 5 wissen wir aber, dass sie sicherlich nicht die sieben Jahre der „Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird“ (Off 3,10) andauern wird. Wir werden in dieser „Zeit“ Gott und den Herrn Jesus anbeten.

Christen dagegen, die falsche Bekenner sind und den Herrn Jesus als Retter abgelehnt haben, werden nur das dritte Gericht erleben. Sie werden irgendwann sterben oder durch die Gerichte der sieben Gerichtsjahre, die auf die Entrückung folgen werden, umkommen. Dann werden sie diese schrecklichen Momente vor dem großen weißen Thron vor sich haben – danach eine Ewigkeit in der Gottesferne der Hölle. Sie werden in dieser Zeit „alle gerichtet werden“, weil sie der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit (2. Thes 2,11.12).

Das zeigt deutlich, dass es eine Verdrehung der Belehrung unseres Abschnitts in Matthäus 25 ist, wenn man ihn direkt auf uns Christen angewandt hat. Das mag daran liegen, dass man nicht erkannt hat (oder nicht erkennen will), dass Gott in unserem Evangelium eine grundsätzliche Unterscheidung von Epochen (Haushaltungen, Dispensationen) vornimmt. Die christliche Zeit ist eine besondere Zeit, die man nicht mit der Zeit verwechseln darf, in der Gott mit Juden und Nationen andere Wege geht. Ein Kennzeichen der christlichen Zeit ist, dass Gott durch Glauben erkannt und als Retter angenommen wird. In künftigen Tagen dagegen wird das Gesetz wieder eine wesentliche Rolle spielen. Genau das finden wir in unseren Abschnitten wieder.

Da aber viele Christen der Meinung sind, das Gesetz sei auch unsere Lebensregel, können sie diesen Unterschied nicht erkennen. Sie meinen daher, sich in den Schafen und Böcken erkennen zu können. Sie meinen auch, das Gesetz zur Erlangung der Seligkeit halten zu müssen. Aber es gibt niemanden, der das Gesetz ganz zu halten imstande ist. Solche Menschen lesen von den „Gesegneten des Vaters“ – und meinen, das sei nichts anderes als ihre (christliche) Hoffnung. Sie hören von den Brüdern des Königs und meinen, das beziehe sich auf uns, die Christen. Wir werden im Verlauf der Betrachtung der Verse weiter auf diese Punkte eingehen. Hier sei nur noch einmal bestätigt:

Unterschiede zwischen dem Thron der Herrlichkeit und dem großen weißen Thron

Vor dem in Matthäus 25,31 genannten Thron der Herrlichkeit werden keine Christen stehen, sondern Heiden. Dort werden sich keine Toten befinden, auch keine Auferstandenen, sondern nur Lebende. Dieser Thron wird auf der Erde sein, während der große weiße Thron nicht lokalisiert werden kann, da angesichts seines Richters Himmel und Erde entfliehen. Somit kann der Thron nicht auf der Erde stehen.

Vor dem Thron der Herrlichkeit steht eine gemischte Gruppe von Menschen. Manche werden belohnt und das Königreich erben, andere werden bestraft und in die ewige Pein entlassen. Vor dem großen weißen Thorn steht keine gemischte Gruppe. Jeder, der vor diesem Thron erscheinen muss, ist ein Ungöttlicher, ein Ungläubiger, jemand, der ewig verloren gehen wird. Eines jedoch eint beide Richterstühle:

  • Es wird ein endgültiges Gericht ausgesprochen, auch wenn die Menschen, die nach Matthäus 25 verurteilt werden, mit allen anderen ungläubigen „Toten“ noch vor dem großen weißen Thron stehen werden.
  • Vor beiden Richterstühlen sind die Werke wichtig. Hier wie dort werden die Menschen nach ihren Werken gerichtet.

Vor dem Thron der Herrlichkeit stehen ausschließlich Menschen aus den nicht-christlichen Nationen. Vor dem großen weißen Thron werden sowohl ungläubige Juden als auch ungläubige Christen und ungläubige Heiden stehen. Aber sie erscheinen nicht mehr im Charakter ihrer Herkunft, denn es sind Tote. Im Tod sind alle nationalen und sozialen Unterschiede verschwunden.

Vor dem Thron der Herrlichkeit erscheinen diejenigen Heiden, die in keiner Schlacht ihren Untergang gefunden haben. Vielleicht war ihr Land auch an keinem dieser Endzeitkriege beteiligt. Wir haben schon gesehen, dass es Gerichte gibt, die Christus persönlich unter Verwendung von Kriegsheeren ausüben wird. Ein Beispiel sind die mächtigen Armeen der verschiedenen Könige der Erde, die bei Harmagedon ihren Untergang finden werden. Davon wird der große Teil der Zivilbevölkerung dieser Länder jedoch nicht betroffen sein. Aber alle müssen vor dem prüfenden Blick des Sohnes des Menschen vorübergehen, wenn Er auf dem Thron der Herrlichkeit nach Matthäus 25 sitzen wird. Denn nur Er kann nach seiner unfehlbaren Weisheit unterscheiden und aussondern. Das wird Er gleich dem Hirten tun, der die Schafe von den Böcken scheidet.

Abschließend zu diesem einleitenden Teil möchte ich noch sagen, dass die Intensität des Gerichts in Matthäus 25 nicht verglichen werden kann mit der in Offenbarung 20. Das Gericht der Nationen steht auch nicht auf einer Stufe mit einer solch detaillierten Prüfung, wie man sie in Römer 2 im Blick auf die verborgenen Beweggründe des Menschen lesen kann. So wird es dann aber vor dem großen weißen Thron sein. Dann wird es egal sein, ob jemand ohne Gesetz, unter Gesetz oder unter Gnade gelebt hat. Entscheidend ist, ob er im Buch des Lebens steht (vgl. Off 20,15). Das wird durch die „fehlenden“ Werke bestätigt. Hier in Matthäus 25 jedoch geht es „nur“ um das Verhalten gegenüber den jüdischen Boten des Königs.

Dazu müssen wir bedenken, dass nach Matthäus 25 nur Heiden vor dem Herrn Jesus stehen werden, keine im christlich-biblischen Sinn aufgeklärten Menschen des Volkes Gottes. Manchen dieser Heiden ist vielleicht nie ein Bote mit dem Evangelium begegnet. Gott hat diese Zeit der Unwissenheit in göttlicher Gnade übersehen. Diejenigen, die unter den Nationen als Gerechte bezeichnet werden können, sind zum Teil wenig im Glauben belehrt worden. Aber eines tun sie: die Boten und ihre Botschaften annehmen. Und das offenbart ihr Herz, wie es zu Gott und seiner Botschaft des Königreichs steht.

Es ist im Übrigen nicht ganz leicht zu erkennen, wann genau dieses Sitzungsgericht stattfinden wird. In der Chronologie habe ich versucht, eine Einordnung vorzunehmen. Man kann im Alten Testament, soweit ich das übersehen kann, keinen direkten Hinweis auf dieses Sitzungsgericht der Nationen finden. Daher muss man letztlich offenlassen, ob es sich um eine zeitlich festlegbare Gerichtssitzung handelt, die an einem bestimmten Zeitpunkt nach dem Kommen des Herrn stattfindet. Vielleicht handelt es sich auch um ein Gericht, das über einen längeren Zeitraum hinweg vorgenommen wird.

Offenbarung 20,4 zeigt uns, dass offenbar im Anschluss an das Gericht des Römischen Herrschers und des Antichristen (Off 19,20) am Anfang des 1.000-jährigen Friedensreichs Throne auf der Erde aufgestellt werden. Auf ihnen werden die Nationen gerichtet werden, von denen in Vers 3 die Rede ist. In Jesaja 3,13 ist ebenfalls von dem Gericht der Nationen die Rede: „Der Herr steht da, um zu rechten; und er tritt auf, um die Völker zu richten.“ Manche Bibelausleger denken auch an Joel 4,2.12, wenn sie von dem Gericht aller Nationen sprechen, das wir hier finden. Tatsächlich ist dort in Vers 12 von einem Sitzungsgericht die Rede, das in der Talebene Josaphat stattfinden wird.

Wann und wie man sich diesen Prozess vorstellen soll, der ja die ganze Erde umschließt, bleibt uns heute wohl noch verborgen. Der Herr sagt nicht, wie lange dieses Gericht andauern wird. Es ist auch nicht gesagt, dass alle Nationen zum selben Zeitpunkt vor dem Herrn stehen. Auch die Form des Gerichts ist neu. Aber derartige Unterscheidungsgerichte gibt es schon, seit Menschen auf der Erde leben. Bei Noah gab es Gerechte, die gerettet wurden, und Gottlose, die gerichtet wurden. Dasselbe finden wir bei Sodom und Gomorra und später immer wieder. Auch Johannes der Täufer kündigte den Herrn mit einem solchen unterscheidenden Tennengericht an (Mt 3,12). Daraus schließe ich, dass der Herr in diesen Versen nicht den Prozess vorstellen möchte, in welcher Weise die Nationen kommen und in welcher Zeit sie gerichtet werden, sondern nur, dass auch den Nationen Gerechtigkeit widerfahren wird.

Verse 31–33: Der Sohn des Menschen kommt zum Scheidungsgericht

„Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen; und alle Nationen werden vor ihm versammelt werden, und er wird sie voneinander scheiden, so wie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken“ (Verse 31–33).

Wenn es um das Kommen des Herrn geht, ist in diesen beiden Kapiteln immer vom „Sohn des Menschen“ die Rede, nicht vom Messias. Das gilt übrigens auch in dem Teil, der Israel betrifft (Mt 24,1–44). Der Titel „Messias“ spricht speziell von seiner Beziehung zu Israel. Hier ist jedoch von Ihm als dem Richter und Regenten über die ganze Erde die Rede. Er kommt dazu in der Vollendung des Zeitalters (vgl. Mt 13,39.40.49; 24,3). Dann beginnt das 1.000-jährige Friedensreich.

In den vor uns stehenden Versen sehen wir, dass sich vor dem Thron der Herrlichkeit letztlich vier Parteien versammeln:

  1. der Richter: Jesus Christus, der Sohn des Menschen. Heute noch sitzt der Herr Jesus auf dem Thron seines Vaters (vgl. Off 3,21). Das ist ein Thron der Gnade, wo Er jeden annimmt, der in Buße und mit dem Bekenntnis seiner Sünden zu Ihm kommt. Aber wenn Er als Sohn des Menschen auf die Erde kommen wird, richtet Er seinen eigenen Thron auf. Es wird ein Thron der Herrlichkeit sein. Thron ist im Übrigen nicht nur ein Symbol für seine Regierung – das ist er auch. Aber es geht hier wörtlich darum, dass Er einen Richter- und Regententhron auf der Erde besitzen wird. Er wird zusammen mit den Engeln und mit uns erscheinen und von allen Menschen der Erde gesehen werden (Off 1,7). Auch in Matthäus 19,28 spricht der Herr zu Petrus von diesem Thron der Herrlichkeit, wenn Er auf die Wiedergeburt, das 1.000-jährige Friedensreich, hinweist. Dieses beginnt mit dem zweiten, sichtbaren Kommen des Herrn.
    Der Ausdruck, „wenn der Sohn des Menschen kommt“ bezieht sich im Übrigen immer auf die zweite Phase seines zweiten Kommens. Er wird nie verwendet, wenn es um die Entrückung geht. Darüber hinaus zeigt der Titel „Sohn des Menschen“ sofort, dass es um ein Gericht von Menschen geht, die auf der Erde leben. Natürlich kommt der Sohn des Menschen mit den Wolken des Himmels. Aber Er kommt, um diese Welt und die Völker der Erde zu richten.
  2. die Schafe: Das sind diejenigen Menschen aus den Nationen, die das Königreich erben. Sie haben die Boten aus Juda, die das Evangelium des Königreichs verkündigt haben, unterstützt und ihre Botschaft angenommen. Sie haben die Boten aufgenommen und ihnen in ihren Mühen Beistand geleistet und Mitleid erwiesen. Der Herr Jesus stellt sie zu seiner Rechten – Er genießt die Beziehung zu ihnen. Sie werden durch diese Verbindung mit Ihm gesegnet.
  3. die Böcke: Das sind diejenigen Menschen aus den Nationen, die nicht in das Königreich eingehen werden. Denn sie haben die Boten aus Juda, die das Evangelium verkündigt haben, abgelehnt und gingen an ihnen gleichgültig vorüber. Sie haben die Botschaft des Königs verworfen. Der Herr Jesus wird diese Menschen nicht zu seiner Linken stellen, sondern „zur Linken“. Denn Er hat keine Beziehung zu diesen Menschen.
  4. die Brüder: Das sind die Juden, die der Herr nach Matthäus 24,14 in der Drangsalszeit als Boten aussenden wird. Er konnte sie dazu verwenden, während seiner Abwesenheit das Evangelium des Reiches dem ganzen Erdkreis zu predigen. Sie werden manche Ablehnung und dadurch sogar Verfolgung zu erleiden gehabt haben. Aber der Herr hat sie in ihrem Dienst bewahrt. Denn sie sind seine Jünger. Er hat für sie durch die „Schafe“ gesorgt.

Wir können davon ausgehen, dass weder die Schafe noch die Böcke je das Evangelium der Gnade gehört haben. Denn das Neue Testament macht sehr deutlich, dass es für die Menschen, welche die christliche Botschaft gehört haben, keine zweite Chance geben wird. „Deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit“ (2. Thes 2,11.12). Mit anderen Worten: Die Menschen, die hier vom Herrn als „Schafe“ bezeichnet werden, waren in unserer christlichen Zeit noch Kinder, oder das Evangelium ist nie zu ihnen gekommen.

Die Scheidung, die der Sohn des Menschen hier unter den Nationen vornimmt, ist eine sorgfältige und göttliche Trennung. Sie stellt keinen Akt der Rache dar, bei dem Menschen überwältigt und einem gemeinsamen Ruin zugeführt werden sollen. Wir haben gesehen, dass eine solche Trennung am großen weißen Thron nicht mehr vorgenommen werden muss. Aber hier haben wir eine gemischte Masse vor uns. Es geht um Individuen. Denn es handelt sich in Matthäus 25 nicht um ein Völkergericht, auch wenn vermutlich Nation nach Nation vor den Herrn treten muss. Es ist ein Gericht an den Einzelpersonen dieser Nationen. In einem ruhigen, aber sehr ernsten und feierlichen Gericht, das ewige Folgen hat, werden gemäß der Unterscheidung, die der Herr vornimmt, Lohn und Gericht verteilt. So trennt der Herr die Gottesfürchtigen von den Ungöttlichen inmitten der dann lebenden Nationen.

Wir können davon ausgehen, dass der Sohn des Menschen dabei umringt sein wird von Myriaden von Engeln, den Wolken des Himmels (24,30; 26,64). Das sind diejenigen, die den Herrn in seinen Gerichten begleiten (Off 1,7; Jud 15). Sie führen die Gerichtsurteile aus, die gegen die Ungehorsamen und Ungerechten ausgesprochen worden sind (vgl. Mt 13,41.49; 16,27; 2. Thes 1,7).

Es ist im Übrigen interessant, dass der Herr Jesus hier als Richter nicht nur mit seinem Titel als Sohn des Menschen gesehen wird. Er führt zugleich eine Tätigkeit als Hirte aus. So verbinden sich beide Titel im Gericht, auch wenn seine Tätigkeit als Hirte nach wie vor von ihrem Wesen her schwerpunktmäßig Gnade und Liebe beinhaltet. Aber auch die Hirtentätigkeit kann gerichtliche Elemente enthalten (vgl. Hes 34,17; Off 19,15). Die Ähnlichkeit unserer Verse mit dem Gleichnis der guten und schlechten Fische (Mt 13,47 ff.) ist nicht zu übersehen. Auch das Gericht ist von derselben Art.

In Matthäus 25 lesen wir dann, dass der Herr die Schafe zu seiner Rechten stellen wird, die Böcke aber zur Linken. Rechts – das ist der Platz der Ehre und des Schutzes, wie wir ihn in der Schrift immer wieder finden. Es ist der Platz des Glücks – Benjamin, Sohn meiner Rechten, Sohn meines Glücks (1. Mo 35,18). Auch die Psalmen sprechen von diesem Platz: Was den Schutz betrifft: „Denn er stand zur Rechten des Armen, um ihn zu retten von denen, die seine Seele richten“ (Ps 109,31). „Die Königin steht zu deiner Rechten in Gold von Ophir“ (Ps 45,10).

Der Herr Jesus sitzt heute an diesem Ehrenplatz zur Rechten Gottes. Gott hat Ihn für seine Hingabe bis in den Tod damit belohnt: „Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel für deine Füße!“ (Ps 110,1).

Die Linke ist dagegen der Platz des Gerichtes, des geringeren Segens (vgl. Pred 10,2; 1. Mo 48,13). Hier ist es der Platz echten Gerichtes und Fluches. Wir kennen diese Unterscheidung auch noch bis heute in unserer Sprache: Rechte, recht, Linke, link. Das eine ist positiv, das andere oft negativ. Das ist das Bild, das wir in den nächsten Versen vor uns haben.

Verse 34–40: Die Schafe und ihr Segen

„Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an; denn ich war hungrig, und ihr gabt mir zu essen; ich war durstig, und ihr gabt mir zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich auf; nackt, und ihr bekleidetet mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich; ich war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir. Dann werden die Gerechten ihm antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig und speisten dich, oder durstig und gaben dir zu trinken? Wann aber sahen wir dich als Fremdling und nahmen dich auf, oder nackt und bekleideten dich? Wann aber sahen wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es einem der Geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan“ (Verse 33–40).

Jetzt bekommt der Sohn des Menschen einen weiteren Titel. Er ist der König. Auch im Blick auf die Nationen wird Er der König sein, der seine Regierungsmacht, ausgehend von Israel, über die ganze Erde ausdehnen wird. Natürlich kommt Er als Messias zu seinem eigenen Volk. Aber in einem allgemeineren Sinn ist Er König und Herrscher über die ganze Erde.

Seine Worte zu den „Schafen“ sind zu Herzen gehend. „Kommt her“, sagt Er zu diesen Menschen aus den Heiden – es sind Gläubige! Aber sie sind sich dessen gar nicht bewusst, jedenfalls nicht des Wohlwollens des Herrn Jesus. Sie kommen nicht von sich aus auf den König zu, wie wir es im letzten Gleichnis der Talente gesehen haben. Christen sind sich ihrer Stellung vor ihrem Meister bewusst und dürfen kühn auf Ihn zugehen. Diese Menschen hier jedoch haben kaum Einsicht, wie wir an diesen Versen sehen können. Sie haben in der schrecklichen Drangsalszeit auch gar keine Möglichkeit wie wir heute, das Wort Gottes intensiv zu studieren. Aber der Herr Jesus ruft sie voller Zuneigung zu sich.

Sie sind Gesegnete seines Vaters. Ob sie mit einem solchen Segen gerechnet haben? Ihre Worte zeigen, dass dies nicht der Fall war. Aber sie haben wahren Glauben durch Werke bewiesen, der zur Folge hat, dass der himmlische Vater sie segnet und belohnt. Ihre Belohnung ist, dass sie in das Königreich eingehen werden, das ihnen von Grundlegung der Welt an bereitet war. Das ist gewaltig! Das Reich war nicht nur allgemein für Menschen bestimmt. Es war gerade für sie bereitet worden, für jeden Einzelnen von ihnen. Da es kein allgemeines Gericht über Nationen ist, wie wir gesehen haben, wird jeder Einzelne gesegnet oder verflucht. Man kann sich das konkret kaum vorstellen. Wie sollen Milliarden von Menschen nach Israel oder an einen anderen Ort kommen? Es wird ein majestätischer Augenblick sein, wenn wir an der Seite des Herrn stehen und erleben dürfen, dass Er diesen Segen aussprechen wird.

Diese Menschen gehen in ein Reich, das ihnen von Grundlegung der Welt an bereitet worden ist. Es war der Vorsatz Gottes von Schöpfungsbeginn an im Blick auf die Erde: Er hatte stets dieses Königreich im Auge. Das hier erwähnte irdische Reich finden wir schon in Daniel 7,13.14. Es darf nicht mit dem himmlischen Erbe verwechselt werden, das die Gläubigen der heutigen Zeit genießen dürfen. Denn es wird nicht im Himmel, sondern auf dieser Erde durch das zweite Kommen unseres Herrn aufgerichtet werden. Er wird als König der Könige und Herr der Herren offenbart werden (1. Tim 6,15). Sein Welt-Königreich wird alle menschlichen Herrschaften ersetzen (Dan 2,44).

Diese Gläubigen aus den Nationen gehen ins ewige Leben ein (Vers 46). Sie bleiben während des Königreich-Zeitalters auf der Erde und gehen dann in den ewigen Zustand über. Ewiges Leben ist hier der Ausdruck des ewigen Segens für sie, der seinen Beginn im Königreich haben und nie enden wird. Für diese Gläubigen ist das der volle Genuss dessen, was Gott für sie vorgesehen hat. Sie werden zusammen mit dem geretteten Israel eine herrliche Stellung im Königreich einnehmen. Sie sind Gläubige. Daher wissen wir, dass sie den Aufstand am Ende der 1000 Jahre, den Satan anzetteln wird, nicht mitmachen werden (vgl. Off 20,7–10). Das ist die Zeit, in der Satan noch einmal für eine kleine Zeit aus der Gefangenschaft gelöst werden wird. Danach wird er ewig an den Ort kommen, den Gott seinetwegen und für ihn bereitet hat: die Hölle.

Der Unterschied zwischen den Christen und den Gläubigen aus den Nationen

Ein aufmerksames Lesen dieser Verse zeigt auch, dass es sich bei diesen Gesegneten nicht um Christen handeln kann. Ich möchte das kurz begründen:

  1. Christen sind längst entrückt: Die Christen sind längst im Himmel und vom Herrn Jesus entrückt worden (vgl. 1. Thes 4,13–17). In der Begebenheit in Matthäus 25,31 ff. finden wir Menschen, die während und nach der Drangsalszeit auf der Erde leben. Die Versammlung ist dagegen vor der Stunde der Versuchung bewahrt worden (vgl. Off 3,11).
  2. kein König für Christen: Wir lesen an keiner Stelle des Neuen Testaments, dass der Herr Jesus für uns König genannt wird. Er ist König, und wir sind heute in seinem Königreich der Himmel. Aber Er wird immer unser Herr (oder Retter, Hirte usw.) genannt, nie jedoch König. Für sie aber ist Er (auch) der König.
  3. Christen sind Kinder des Vaters, nicht nur Gesegnete: Der Herr Jesus nennt diese Gläubigen künftiger Tage „Gesegnete meines Vaters“. Er kann sie nicht Gesegnete ihres Vaters nennen, weil sie Gott nicht als Vater kennen. Für uns ist das anders. Viele Stellen im Neuen Testament zeigen, dass Gott unser Vater ist (vgl. z.B. Eph 1,2). Diese Gläubigen sind Gesegnete des Vaters. Wir sind Kinder dieses Vaters.
  4. Christen haben sogar Gemeinschaft mit dem Vater: Diese Menschen werden den Segen des Vaters geschenkt bekommen. Gläubige Christen dagegen haben sogar Gemeinschaft mit diesem himmlischen Vater (vgl. 1. Joh 1,3).
  5. Christen sind Erben Gottes: Diese Gläubigen erben das Reich. Wir Christen dagegen sind Erben Gottes und Miterben Christi in einem viel umfangreicheren Sinn, der auch himmlische Beziehungen mit einschließt (Röm 8,17).
  6. Christen sind auserwählt vor Grundlegung der Welt: Diese Gläubigen werden ein Reich erben, das von Grundlegung der Welt an bereitet ist. Wir dagegen sind auserwählt vor Grundlegung der Welt (Eph 1,4).
  7. Christen kommen aus dem Himmel auf die Erde: Diese Gläubigen werden das Reich von der irdischen Seite aus erben. Wir dagegen werden mit dem Herrn Jesus aus dem Himmel kommen (Off 19,11 ff.). Wir werden auch nicht als in dem Königreich auf der Erde lebend beschrieben. Das Teil der Versammlung wird beschrieben als herniederkommend aus dem Himmel (Off 21,10). Wir lesen an keiner Stelle, dass wir auf der Erde leben werden.
  8. Christen bekommen himmlischen Segen geschenkt: Diese Menschen werden einen irdischen Segen erleben. Das wird für sie wunderbar sein. Wir aber sind sogar mit himmlischem und geistlichem Segen gesegnet (vgl. Eph 1,3 ff.).
  9. Christen werden über das Reich regieren: Diese Gläubigen werden in dem Königreich leben. Wir aber werden sogar über dieses Königreich regieren und herrschen (vgl. 1. Kor 6,2.3; Off 22,5.6).
  10. Christen besitzen den Heiligen Geist: Wir lesen nicht davon, dass diese Gläubigen den Heiligen Geist besäßen. Auch von Öl als Symbol für den Geist ist hier keine Rede. In dem gläubigen Christen dagegen wohnt der Heilige Geist (1. Kor 6,19).
  11. Christen sind durch Gottes Gnade Wissende: Die Einsicht dieser Gläubigen ist sehr begrenzt. Sie fragen sich sogar, inwiefern sie dem Herrn Jesus zur Verfügung standen und geholfen haben. Das ist nicht nur Demut, das ist auch ihr wahres Verständnis. Sie wissen es nicht. Das ist im Blick auf Christen anders. „Wir wissen“ heißt es verschiedentlich im Neuen Testament über uns. Es ist nur die Gnade Gottes und die Belehrung seiner Diener über die neutestamentliche Wahrheit, die uns wissen lässt. Aber dieses Bewusstsein macht einen gewaltigen Unterschied. Das darf uns nicht hochmütig, sondern sollte uns dankbar machen! Angesichts dieser Kontraste wäre aber die Antwort eines Christen im Sinne der Verse 37–39 unmöglich – oder er hätte seine christliche Stellung nicht begriffen.

Wir halten also fest: Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Segen und der Stellung von uns Christen und dem dieser Gläubigen aus den Nationen. Nichtsdestoweniger werden auch sie einen gewaltigen Segen erhalten. Sie werden in das ewige Leben eingehen. Denn das Wort Gottes haben sie durch Gnade in ihren Herzen aufgenommen. Als solche, die ewiges Leben besitzen, werden sie in einer Welt gesegnet sein, die gleich ihnen gesegnet werden wird. Das Seufzen der Schöpfung, das wir heute kennen, wird dann ein Ende haben (Röm 8,22.23).

Verse 35–40: Die Begründung der Belohnung

In den Versen 35 und 36 begründet der Herr Jesus, warum diese „Schafe“ aus den Nationen so reich gesegnet werden. Wenn der König ein Urteil fällt, ist Er souverän. Aber Er ist zugleich gerecht und in seinem Urteil transparent. Daher erklärt und begründet Er dieses auch. Diese Gläubigen haben den Herrn Jesus, als Er hungrig und durstig war, unterstützt. Sie haben Ihn aufgenommen, bekleidet und besucht. Das ruft die verwunderte Frage dieser Gläubigen hervor, wann sie den Herrn so gesehen haben, um diese Dienste an Ihm verrichten zu können.

Die Antwort des Königs ist wunderbar: Wann immer dieser Dienst einem der Geringsten seiner Brüder getan worden ist, wurde er damit zugleich und sogar in erster Linie für Ihn selbst vollbracht. Ob der Gläubige aus den Nationen sich dessen bewusst war, ist nicht wichtig. Der Herr schätzt diese Zuwendung an seine Brüder so hoch ein, dass Er ihnen diese großartige Belohnung gibt.

Die Brüder des Königs

Damit stellt sich zunächst die Frage: Wer sind seine Brüder?

  1. Zunächst einmal gibt uns dieses Evangelium selbst dazu eine Antwort. In Kapitel 12,49 hatte der Herr Jesus gesagt: „Siehe da, meine Mutter und meine Brüder; denn wer irgend den Willen meines Vater tut, der in den Himmeln ist, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“ Das war seine Antwort auf den Hinweis, seine irdische Familie würde Ihn suchen. Der Herr Jesus deutet am Ende von Kapitel 12 bereits den Wechsel seiner Beziehungen an. Nicht einfach der, der mit Ihm blutsverwandt war, gehörte von nun an zu Ihm. Nein, Er könnte nur den als Bruder anerkennen, der auch seinen Willen tut. Daher fallen diejenigen seines Volkes weg, die wie die Pharisäer und Schriftgelehrten nicht bereit waren, sich Ihm unterzuordnen.
  2. Mit solchen Gläubigen aus den Juden, die Ihm gehorsam sein wollen, verbindet sich der Herr Jesus in besonderer Weise. In Psalm 22 spricht der Herr beispielsweise davon, dass Er seinen Brüdern den Namen seines Gottes verkündigen würde (Vers 23). Sie würden seine Versammlung bilden, heißt es dort. Das ist nicht die christliche Versammlung, sondern sein irdisches, in der Zukunft gläubig gewordenes Volk, in deren Mitte Er den Lobgesang anstimmt, zur Ehre Gottes.
  3. In Matthäus 23,8 weist der Herr Jesus darauf hin, dass seine Jünger „alle Brüder“ sind. Daher sollte sich keiner von ihnen Rabbi oder ähnlich nennen lassen.
  4. In Kapitel 24,14 spricht der Herr davon, dass das Evangelium des Reiches auf dem ganzen Erdkreis gepredigt werden würde, allen Nationen zum Zeugnis. Danach würde das Ende kommen. Wer würde es verkündigen? Es sind seine Brüder, also solche, die als gläubige Juden bereit sind, seine gute Botschaft weiterzutragen.

Wenn wir diese vier Punkte zusammennehmen, können wir sagen, dass der Herr diejenigen Juden seine Brüder nennt, die in der Drangsalszeit das Evangelium des Königreichs auf der ganzen Erde verkündigen werden. Denn nur durch diesen Kraftakt verfolgter Juden sind die Nationen überhaupt mit dem Evangelium in Berührung gekommen. Es geht nicht um die Juden im Allgemeinen, sondern um diejenigen, die sich in besonderer Weise für ihren Meister engagieren. Sie müssen dafür Verfolgungen und Drangsale auf sich nehmen.

Wer diese Missionare nun aufnehmen und ihnen in ihren Schwierigkeiten helfen würde, hätte nicht nur einen guten Dienst getan. Das ist so! Aber der Herr sieht es so an, dass diese Aufnahme persönlichen Glauben unter Beweis stellt. Ja Er nimmt es so an, als ob Er selbst aufgenommen worden wäre. Immer wieder geht das, was der Herr Jesus einem solchen Gläubigen zurechnet, weit über das hinaus, was derjenige selbst wirklich empfunden und getan haben mag. Nur wenige Verse später lesen wir, dass der Herr Jesus von Maria sagt, dass sie seinen Leib zu seinem Begräbnis gesalbt hat (Mt 26,12). Hat sie das so bis ins Letzte empfunden? Wahrscheinlich nicht. Das aber ist nicht entscheidend. Der Herr sieht das so, weil Er ein Herz voller Hingabe erkennt.

Auch Paulus spricht von der scheinbar geringen Gabe der Philipper als von einem großartigen Opfer des Wohlgeruchs (Phil 4,18.19). So gütig ist unser großer Gott zu denen, die sich Ihm zur Verfügung stellen. Und sei es nur mit einem Becher voll Wasser.

Segen auf der Basis von Werken?

Wenn man diesen Segen für die gläubigen Menschen aus den Nationen liest, könnte man meinen, dass es Segen auf der Grundlage von Werken gibt. Aber das ist nicht so. Die Werke sind hier der Beweis, dass Glauben in den Herzen dieser Menschen vorhanden ist.

Der Herr spricht nicht von philanthropischen (menschenliebenden) Beweggründen. Er hat auch keine sozialen Handlungen vor Augen, wie sie im Rahmen von Krankenpflege, Gefängnisarbeit, Hungerhilfe oder Bekleiden der Nackten vorkommen. Es geht ohnehin nicht um die heutige Zeit und dass jemand diese Dinge tut, um dadurch für das Königreich gerettet zu werden. Heute lautet die Botschaft: „Glaube an den Herrn Jesus und du wirst gerettet werden, du und dein Haus“ (Apg 16, 31). Wenn jemand meint, durch solche Werke gerettet zu werden, hat er auf Sand gebaut – heute wie in der Zukunft. Wie im Alten Testament (siehe Abraham) wird es auch in künftigen Tagen sein: Nur echter, aufrichtiger Glaube zählt vor Gott.

Wir müssen dennoch berücksichtigen, dass Jesus auch hier noch von Handlungen innerhalb der Drangsalszeit spricht. Was tun denn diese Menschen? Es kommen jüdische Prediger in die ganze Welt. Wir können uns heute schon gut vorstellen, wie sie aufgenommen werden: Sie werden meistens gehasst und verfolgt werden, bekommen von vielen die Tür gewiesen und haben daher nichts zu essen. Wir müssen bedenken, dass es sich um eine sehr spezielle Zeit handelt. Nur derjenige wird einkaufen können, der das Zeichen des Römischen Kaisers annimmt und sich daher vor diesem Herrscher niederwerfen wird (Off 13,15–17). Gläubige Menschen, besonders gläubige Juden, werden keine Chance haben, auch nur das Nötigste noch für sich einzukaufen. Viele von ihnen werden daher hungrig sowie durstig sein und ins Gefängnis kommen.

Da aber gibt es auf einmal Menschen in dieser Welt, welche die Botschaft des Evangeliums des Königreichs nicht ablehnen, sondern annehmen. Sie tun also Buße und bekennen ihre Sünden. Sie nehmen den Messias als Herrn und König an. Mit anderen Worten: Sie glauben diesen Boten. Diesen Glauben zeigen sie dadurch, dass sie den jüdischen Boten zu essen geben, sie bekleiden, sie im Gefängnis besuchen und ihnen ihre Liebe zeigen.

Woher haben sie Nahrungsmittel? Vielleicht haben sie die Zeit „genutzt“, als sie noch ungläubig waren, um genügend Lebensmittel zu horten. Durch die Gerichts-Katastrophen ist man vermutlich aufgeschreckt worden und wird Sorge haben, ob man künftig noch etwas einkaufen kann. Es ist aber auch sehr wahrscheinlich, dass sich der Einfluss des Römischen Kaisers nicht auf alle Länder weltweit erstreckt. Das, was sie besitzen, ist vielleicht nur sehr wenig. Aber sie teilen diese Vorräte mit den jüdischen Boten. Nicht die Werke sind der Glaube, aber Werke unter solchen Umständen zeigen, dass eine Veränderung in ihrem Inneren erfolgt ist. Sie ist durch das Werk der Erlösung in ihren Herzen bewirkt worden. Das ist nichts anderen als ein Werk Gottes.

Der Fall von Rahab ist hierfür ein Vorbild. Sie glaubte (Jos 2). Zu einer Zeit, als das Gericht über Jericho kommen sollte, nahm sie unter Lebensgefahr die Boten der Juden auf. Sie gab ihnen Speise sowie Wasser und beschützte sie vor deren Feinden, den Kanaanitern. Sie wurde durch ihre Werke gerechtfertigt (Jak 2,25). Aber was stand hinter diesen Werken? Ihr Glaube (Heb 11,31). Sie zeigte diesen durch ihre Werke. Gnade bekleidete sie, weil sie glaubte. Aber vor den Augen der Menschen wurde sie in ihrem Glauben durch diese Werke gerechtfertigt. Genauso wird es ihren künftigen, „Brüdern und Schwestern“ ergehen, die aus dem Heidentum stammen.

Es geht also nicht einfach um Wohlwollen, soziales Handeln oder moralische Ehrbarkeit. Hinter diesen Werken steht echte, göttliche Liebe. Sie äußert sich auf verschiedenartige Weise Dienern gegenüber, die im Namen des Königs das Evangelium gepredigt haben. Das ist übrigens die gleiche Botschaft, die Christus zu Beginn seines öffentlichen Dienstes gepredigt hat.

Es ist Glaube, der diese Liebe inmitten der Heiden bewirken wird. Sie nehmen die Botschaft als von Gott kommend und nicht einfach als von Menschen stammend an. Sie werden dafür gerettet werden. Zugleich wird ihr Handeln reichlich belohnt werden. Sie haben sich den Brüdern des Herrn gegenüber so verhalten, und der Herr sagt, dass sie Ihm selbst damit auf diese Weise gedient haben. Sie selbst mögen das nicht erkannt haben. Sogar in diesem Augenblick des Gerichts erkennen sie das noch nicht. Denn der Herr muss es ihnen da offenbaren. In seiner Liebe und Barmherzigkeit tut Er es.

Glaube – dann Werke

Wir dürfen also nicht meinen, dass die Errettung dieser Nationen auf der Grundlage von Werken stattfindet. Dass Werke Glauben beweisen, ist ein biblischer Grundsatz. Das erkennen wir zum Beispiel aus den Worte Jesu, die wir in Johannes 5,28.29 lesen. „Es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts.“ Auch dort stehen nicht die Werke im Mittelpunkt, aber sie demonstrieren den Zustand der Herzen der Gläubigen. So muss es auch bei uns sein. Der Glaube ist die Grundlage. Aber ohne Werke ist der Glaube tot, wie Jakobus sehr deutlich macht.

Wir haben gesehen, dass sich die Gerechten (Vers 46) solcher „Dienstleistungen“ gegenüber dem König nicht bewusst sind. Wenn der Herr sie Gerechte nennt, dann deutet das an, dass sie eine neue Geburt durch Glauben erlebt haben. Denn unabhängig von dieser gibt es keine Gerechten (vgl. Röm 3,10.22; Joh 3,15.16). Sie haben nicht im Blick auf eine Belohnung gehandelt. Sie wissen, dass sie aus sich selbst nichts für Gott tun können. Aber die Gnade hat diese wunderbaren Handlungen hervorgerufen. Sie haben nicht an die Tragweite ihrer Handlungen gegenüber den Brüdern des Königs gedacht. Aber der Herr vergisst in seiner Güte nichts von dem, was – in welcher Zeit auch immer – für Ihn getan worden ist. Das mag oft unbeachtet von der Welt und im Verborgenen getan werden. Aber Er registriert das alles.

Die Wertschätzung des Meisters für seine Brüder

Wir sind vielleicht erstaunt über die Wertschätzung und die Empfindungen des Herrn seinem Volk Israel gegenüber, wie sie in diesem Kapitel deutlich werden. Er nennt sie hier „meine Brüder“. Zudem finden wir in diesen beiden Kapiteln keinen direkten Hinweis auf das Gericht über das ungläubige Volk. In Lukas, wo es nicht in erster Linie um Israel und die Juden geht, zeigt der Herr das Gericht, das über die Nation kommt. Das aber ist nicht das künftige Gericht, sondern das, was mit der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 nach Christus in Verbindung steht. Er selbst ist dort der Richtende (Lk 19,27; 21,24).

Die Wahrheit des Gerichtes als solche wird als Warnung in unserem Evangelium bereits in Kapitel 21,44 vorgestellt. In der prophetischen Rede in Kapitel 24 und 25 jedoch spricht der Herr mehr von Drangsalen als von Gericht. Wenn Er die Auserwählten sammelt, gibt es Züchtigung, und die Drangsal ist eine furchtbare Züchtigung für sein Volk. Aber sie endet in Segen. Denn das Herz des Königs ist beschäftigt mit den Übriggebliebenen seines Volkes. Natürlich, auch hier finden wir das Gericht angedeutet, zum Beispiel in Kapitel 24,28. Auch in Kapitel 24,30 finden wir letztlich das Gericht am ungläubigen Israel. Aber selbst diese Verse sprechen doch in besonderer Weise von seiner Liebe den Seinen in Juda gegenüber.

Wir erkennen auch, dass die Liebe des Herrn zu seinen treuen Knechten sehr groß sein muss. Ihr Wert ist in seinen Augen so hoch, dass Er diejenigen, denen seine Brüder das Evangelium verkündigen werden, nach ihrem Verhalten seinen Knechten gegenüber richtet. Er identifiziert sich sogar mit diesen Boten. Was für eine Ermutigung für seine treuen Zeugen in dieser drangsalsvollen Zeit, in der ihr Glaube im Dienst in großer Weise erprobt wird.

Wir dürfen auch erkennen, dass der Herr sieht, wer hungrig und durstig ist. Ihm entgeht nichts. Die Seinen leiden, nicht nur jetzt, sondern zu jeder Zeit seiner Abwesenheit. Deshalb wacht derjenige, dem der Vater das ganze Gericht übergeben hat (Joh 5,22), über „seine Brüder“. Wir finden übrigens eine Anspielung auf diese „Regelung“, die der Herr hier deutlich anspricht, bereits bei der ersten Aussendung der Jünger (Mt 10,40–42). Damals wurden die Juden noch nach Israel ausgesandt – in Zukunft jedoch werden sie in die ganze Welt ausströmen.

Die „Brüder“ und die Nationen in Offenbarung 7 und 14

Wir finden die beiden Gruppen, von denen der Herr in den Versen 34 bis 40 spricht, übrigens auch in Offenbarung 7 und 14. In Offenbarung 7,9–17 finden wir die Gläubigen aus den Nationen, die in Matthäus 25 gerichtet werden. Es sind die „Schafe“, die mit weißen Gewänder der göttlichen Gerechtigkeit und Reinheit bekleidet sind. Sie tragen Palmen in ihren Händen (ein Hinweis auf die Freude nach dem Erringen eines Sieges, vgl. 2. Mo 15,27; 3. Mo 23,40). Sie kommen nach Vers 14 aus der großen Drangsal und haben ihre Gewänder gewaschen und weiß gemacht in dem Blut des Lammes. Wie ist das geschehen? Indem sie das Evangelium des Reiches angenommen haben, das ihnen von den gläubigen Juden verkündigt worden ist.

Diese gläubigen Juden findet man dann in Offenbarung 14,1–5. Natürlich umfassen diese 144.000 weit mehr als nur die Boten. Durch den Hinweis auf den Berg Zion wird jedenfalls deutlich, dass es sich um jüdische Gläubige handeln muss. Der Herr spricht hier nicht von Gesamt-Israel. Sie waren treu, weil sie rein und für Gott abgesondert gelebt haben (nicht mit Frauen befleckt; Jungfrauen). Und sie sind Erstlinge für Gott und das Lamm. Gerade die Juden werden die Erstlinge für das gesamte irdische Volk Gottes sei, bevor zu Beginn des 1.000-jährigen Friedensreichs dann auch die 12 Stämme von ganz Israel ins Land zurückgeführt werden. Aus diesen treuen Juden werden die Missionare kommen, die durch die Verkündigung des Evangeliums Menschen aus den Nationen zum Glauben führen werden.

Die Identifikation des Herrn mit den Seinen

Zum Schluss dieses Abschnitts möchte ich noch auf einen Punkt aufmerksam machen. Wir haben gesehen, dass sich der Herr Jesus mit seinen Boten identifiziert. Das ist die letzte Lektion, welche die Gläubigen aus den Nationen lernen werden, bevor sie in die Freude des Reiches eingehen werden (Vers 40).

Für Paulus, gewissermaßen den Prototypen der christlichen Zeitepoche, war es dagegen die erste Lektion, die Er lernen durfte. Er war noch nicht bekehrt, da stellt sich ihm der Herr mit den Worten in den Weg: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ Saulus hatte die gläubigen Christen verfolgt. Aber damit verfolgte er zugleich und zuallererst den Herrn Jesus Christus. Paulus hat das sehr schnell gelernt. Er war dann derjenige, der die unauflösbare Verbindung zwischen Christus, dem Haupt, und der Versammlung, seinem Leib, verkünden durfte.

Die Beziehung des Hauptes, Christus, zu seiner Versammlung ist einzigartig. Und obwohl wir hier eine niedrigere Beziehung haben, bleibt doch zu allen Zeiten wahr: Der Herr macht sich mit den Seinen eins, die sich auf seine Seite stellen und in seinem Namen das Evangelium verkündigen. Und wer das tut, stellt sich auf die Seite des Herrn, die Seite Gottes. Das hatte auch Rahab getan und damit gezeigt, dass sie neues Leben besaß.

Letztendlich lernen wir also durch diese Verse noch einmal: Alles hängt davon ab, wie man zu Christus steht. Das ist auch für unsere Tage eine sehr aktuelle Botschaft.

Verse 41–46: Die Böcke und ihre Verfluchung

„Dann wird er auch zu denen zur Linken sagen: Geht von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist; denn ich war hungrig, und ihr gabt mir nicht zu essen; ich war durstig, und ihr gabt mir nicht zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich nicht auf; nackt, und ihr bekleidetet mich nicht; krank und im Gefängnis, und ihr besuchtet mich nicht. Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig oder durstig oder als Fremdling oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr es auch mir nicht getan. Und diese werden hingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben“ (Verse 41–46).

In den letzten Versen dieses Kapitels lesen wir, dass die „Böcke“ zur Linken des Herrn gestellt und dort verflucht werden. Es sind diejenigen, welche die Boten nicht angenommen und die Botschaft des Evangeliums abgelehnt haben. Sie haben den Boten jede Hilfeleistung versagt.

Vers 41: Der Fluch über die ungläubigen Nationen

Was für eine Torheit ist es, die Ewigkeit und das ewige Gericht der Ungerechten und Ungöttlichen zu ignorieren oder hinwegerklären zu wollen. Es gibt dieses ewige Gericht. Gerade Matthäus spricht immer wieder davon. Und er ist bei weitem nicht der Einzige!

Für die Ungerechten heißt es nicht: „Kommt her“, sondern: „Geht von mir.“ Mit ihnen kann und will der König nichts zu tun haben. Mit ihnen kann Er sich nicht identifizieren. Hier heißt es allerdings nicht: „Verfluchte von meinem Vater.“ Denn Gott hat mit diesen Menschen nie eine Beziehung gehabt. Der Titel „Vater“ steht oft für Liebe. Hier aber bleibt nur Gericht übrig. Wenn das furchtbare Gericht unausweichlich ist, muss es ausgesprochen werden. Aber es gibt keine Verbindung zu dem Vater. „Weicht von mir!“ Mehr hat der Herr hier nicht zu sagen. Es ist – menschlich ausgedrückt – die schlimmste Trauer für Gott, Menschen verfluchen zu müssen. Er wirft alle Verantwortung auf diejenigen, deren eigene Sünde es war, seine Liebe, Heiligkeit und Herrlichkeit abgelehnt zu haben.

Wir sehen noch einen zweiten, wichtigen Unterschied zum Urteil über die Schafe. In deren Fall war das Königreich schon immer und gerade für sie bestimmt worden. Deshalb heißt es: von Grundlegung der Welt an. Wir wissen, dass es auch für andere bestimmt ist. Aber der Herr hat es für jede seiner Familien (vgl. Eph 3,15) ganz persönlich bestimmt.

Das ewige Feuer dagegen ist nie für Menschen und schon gar nicht für diese Menschen bestimmt gewesen, sondern für Satan und seine Engel. Gott hat die Hölle nicht gemacht, um Menschen zu verurteilen und zu verdammen. Er ist der Retter-Gott, der will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1. Tim 2,4). Die Hölle war nicht für schuldige Menschen gemacht worden. Das war nie das Ansinnen Gottes. Gott ist sogar so groß, dass Er „mit vieler Langmut die Gefäße des Zorns“ erträgt (vgl. Röm 9,22). Nicht Er hat sie zum Verderben zubereitet. Das haben sie selbst getan. Und daher verdienen sie nun die Hölle, die eigentlich gar nicht für sie bereitet worden war. Weil sie nicht Gott, sondern dem Teufel gehorcht und gedient haben, kommen sie an den Ort, der für diesen bereitet ist. Sie hören das Urteil: „Geht von mir“, und kommen damit an ihren ewigen Bestimmungsort.

Das heißt nicht, dass sie sofort an diesen ewigen Bestimmungsort gebracht werden. Wir haben es hier eher mit einer Zusammenfassung des Urteils zu tun. Ähnlich war es in Vers 30, wo der falsche Bekenner hinausgeworfen wird in die äußerster Finsternis. Tatsächlich wird er erst noch vor dem großen weißen Thron (Off 20,11 ff.) erscheinen müssen. Aber um das ganze Bild zu zeigen, wird das Urteil sofort genannt. So auch hier. Ein Vergleich mit Jesaja 24,21.22 bestätigt das. Dort wird von diesen Nationen gesagt, dass sie „in die Grube eingesperrt werden“ und „nach vielen Tagen heimgesucht werden“. Auch die „Böcke“, die Ungläubigen aus den Nationen in der Gerichtsperiode, werden zunächst 1.000 Jahre in dem Hades sein. Danach werden sie vor dem großen weißen Thron ihr endgültiges Urteil erhalten, das dann auch vollstreckt werden wird. Wir dürfen das also nicht so verstehen, als ob es zwei grundsätzlich verschiedene Gerichtsurteile über sie geben wird, die dann auch nacheinander oder in anderer Weise vollstreckt werden. Wir müssen letztlich sogar offenlassen, wie genau dieses Nationengericht vonstatten gehen wird. Diese Menschen werden aber noch vor das Endgericht, den großen weißen Thron, kommen. Dann beginnt für sie die endlose Ewigkeit – im Feuersee.

Diesen Weg wird es nie für uns Gläubige geben, Gott sei Dank! Aber auch uns Gläubigen gilt die prüfende Frage: „Was denkt ihr von Christus? Glaubt ihr praktisch an Ihn? Ziehe ich Christus der Welt vor? Ziehe ich Christus in meinem täglichen Leben dem eigenen Ich und der Welt vor?“ Davon hängt nicht unser ewiger Aufenthaltsort ab. Der ist im Himmel, wenn wir Jesus Christus als Retter angenommen haben. Aber unser Lohn hängt von unserem Verhalten und unseren Beweggründen ab.

Verse 42–45: Die Begründung des Fluches

Am Richterstuhl des Christus wird unser Herr auch „das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen und die Überlegungen der Herzen offenbaren“ (vgl. 1. Kor 4,5). Das gilt uns Erlösten. Davon ist an dieser Stelle bei den Nationen vor dem Thron der Herrlichkeit keine Rede. Hier offenbaren sie ihren Glauben oder Unglauben durch Taten. Der Herr spricht nicht von ihrem allgemeinen Leben. Zentraler Prüfstein ist ihr Verhalten gegen den Boten des Königs.

Diese Menschen werden also danach beurteilt, wie sie sich zu dem Zeugnis des Königs in der Drangsalszeit gestellt haben. Gerade in der Zeit drastischer Verführungen durch Satan und seine Agenten benötigt man das lebensspendende Werk des Heiligen Geistes, um nicht den Verführungen zu erliegen. Das ist nicht die Innewohnung des Geistes Gottes, die es nur in der christlichen Zeit gibt. Aber ohne eine neue Geburt wird niemand die verachteten und äußerlich unbedeutenden Herolde anerkennen. Das gilt natürlich für die Annahme eines jeden Zeugnisses Gottes.

Es geht also bei den Nationen nicht um positiv Böses. Entscheidend für die Verurteilung sind nicht notwendigerweise direkt böse Handlungen oder eine Auflehnung gegen Gott. Aber diese „Böcke“ haben es unterlassen, etwas Notwendiges und Gutes zu tun: die Boten und ihre Botschaft anzunehmen und die Boten mit Hilfsbereitschaft zu behandeln. Etwas sehr Ähnliches finden wir in der Geschichte des schon angeführten reichen Mannes und Lazarus in Lukas 16. Es gibt bei diesem Mann keinen Hinweis darauf, dass er etwas direkt Böses getan hätte. Es ist von keiner Gewalttat oder keiner Ausschweifung die Rede. Aber eines hat er versäumt: sich des Lazarus zu erbarmen.

Auch bei den Nationen muss man daher nicht notwendigerweise eine Auflehnung gegen Gott annehmen. Aber sie sind geprägt durch eine gelebte Gleichgültigkeit, die einen persönlichen Egoismus offenbart. Damit einher geht natürlich, dass man nicht bereit ist, die Botschaft des Evangeliums anzunehmen. An anderer Stelle vergleicht der Herr Jesus das mit der Zeit Noahs und Lots (24,38.39; Lk 17,26–29). Man interessierte sich einfach nicht für das Zeugnis Gottes und lehnte es dadurch ab.

Der König legt also den Verurteilten nicht zur Last, dass sie seine Diener verfolgt und ins Gefängnis gebracht haben. Das haben andere getan, die zu dieser Zeit bereits gerichtet worden sind. Aber sie haben die Diener des Königs nicht beachtet bzw. geringschätzig behandelt. Zu jeder Zeit gilt: Menschen, die Christus nachlässig begegnen und das zeigen, indem sie seine Diener unbeachtet lassen, werden – wenn sie nicht noch Buße tun – der ewigen Verdammnis anheimfallen. Das zeigt den großen Ernst, der auf dem Verhalten den Dienern des Herrn gegenüber liegt.

Heute wie damals findet das natürliche Herz nichts Anziehendes an der Verkündigung des Evangeliums. Die Welt und ihre irdischen Vorteile veranlassen die Menschen, der guten Botschaft des Heils und ihren Verkündigern aus dem Weg zu gehen. Aber der Tag des Herrn naht heran, wo alles ans Licht kommen wird. Es spricht niemanden frei, dass er sich dieser Gleichgültigkeit nicht bewusst gewesen ist. Denn es gab im Leben jedes Menschen genug Gelegenheiten, zu denen sein Herz und Gewissen von Christus angesprochen wurde. Wer darauf nicht reagiert, muss mit den ewigen Folgen seines Handelns leben.

Es ist im Übrigen erstaunlich, dass wir in diesen Versen von einer Unterhaltung dieser Ungläubigen mit dem Herrn lesen. Denn aus Hiob 9,2.3 wissen wir, dass diese Menschen Gott auf 1.000 Fragen nicht eine einzige Antwort geben können. Letztlich müssen sie stumm vor diesem Richter stehen. Dennoch lässt sich der Herr herab, ihren Einwand zu beantworten. Es sind die letzten Worte, die sie von dem Richter hören werden, bis sie Ihn noch einmal vor dem großen weißen Thron sehen werden. Dort werden sie nach Offenbarung 20 als Tote erscheinen, um ewig gerichtet zu werden.

Vers 46: Die Zusammenfassung des Urteils des Königs

Der König hat sein Urteil gesprochen und fasst es abschließend noch einmal zusammen. Es gibt eine Unterscheidung zwischen

  • den Schafen und den Böcken,
  • den Gerechten und Ungerechten,
  • gläubigen Menschen aus den Nationen und Ungläubigen.

Der ewige Zielort ist zwischen diesen beiden Gruppen so getrennt, wie sich Christus von Satan unterscheidet. Es handelt sich hier sogar um ein endgültiges Gericht, auch wenn die „Böcke“ noch einmal vor dem großen weißen Thron erscheinen müssen.

Damit sind wir am Ende dieses großartigen prophetischen Überblicks über mehr als 3.000 Jahre Geschichte, die zur Zeit des Herrn auf der Erde noch vollständig zukünftig war. Jeder – er sei Jude, Christ oder Heide – wird gemäß der Position gerichtet werden, in welcher der Herr ihn finden wird, wenn Er kommt. Herrlich ist das Teil der wahren Christen, auch wenn dies hier nicht behandelt wird: Sie müssen nicht warten, bis der Herr auf diese Erde wiederkommen wird. Sie werden Ihm in der Luft begegnen, von wo aus Er sie mit zu sich in den Himmel nehmen wird.

Wir selbst gehören zu der christlichen Zeit und müssen uns dem Licht der drei christlichen Gleichnisse aussetzen. Ob der Herr uns wachend finden wird, wenn Er kommt? Es kann heute schon so weit sein.

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