Eine Auslegung des Markusevangeliums

Vorwort

Vorwort zur englischen Buchausgabe

Das zweite Evangelium unterscheidet sich von den übrigen darin, dass der Herr Jesus, der Sohn Gottes, als der Eine geschildert wird, welcher sich den Juden nach der Prophetie als der Knecht Jahwes und Prophet Israels vorstellt. Er war ausgesandt, um das Evangelium zu predigen.

In seiner zweiten Ansprache nach Pfingsten in Jerusalem beschuldigte der Apostel Petrus die Juden, die „Männer von Israel“, der Sünde, ihren Messias, dem er den doppelten Charakter eines gerechten Knechtes und eines Propheten zuwies, verworfen zu haben (Apg 3,12–26). Sie waren schuldig, Ihn dem Tod überliefert zu haben. Auf diese Weise hatten sie Gottes Knecht, Jesus, den Er gesandt hatte, um sie zu segnen, indem Er einen jeden von ihnen von seinen Bosheiten abwenden sollte, verleugnet. Darüber hinaus war Jesus Christus, der Heilige und Gerechte, der Prophet, den Gott „gleich“ Mose erweckt hatte, wie in 5. Mose 18,15 vorhergesagt war.

Was für ein würdiger Knecht wurde der Sohn Gottes! Die einzelnen Vollkommenheiten seines demütigen Dienstes werden vor allem im Markusevangelium ausführlich entfaltet. Die Gewissenhaftigkeit seiner Tätigkeit wird durch das Wort „sogleich“ und seine sinnverwandten Worte, welche ungefähr vierzig Mal in dem Bericht vorkommen, angezeigt. Diese Bereitwilligkeit lässt seine Freude erkennen, auf dem Weg der Gebote Jahwes zu eilen (Ps 119,60).

Der ausdauernde Eifer des Knechtes in seinem Dienst der Liebe wird besonders, wenn wir nur ein Beispiel nehmen, durch die Aufzählung seiner Arbeit an einem einzigen Sabbattag in Kapernaum illustriert (Mk 1,21–34). Dieser jüdische Ruhetag wurde von Ihm ausgefüllt mit dem Lehren in der Synagoge, dem Austreiben eines Dämons, dem Besuch im Haus Simons und der Heilung seiner Schwiegermutter und zuletzt mit der Heilung einer grossen Anzahl Kranker, die vor dem Nachteinbruch zu Ihm kamen. Das war ein Beispiel von den täglichen Aufgaben des gerechten Knechtes Jahwes in einer Welt der Sünde und des Leides. Die Sünden der Nation machten Ihm zu schaffen (Jes 43,24).

Als der Prophet Israels offenbarte der Herr Jesus neben vielen anderen Worten der Weisheit und Wahrheit, die Geheimnisse des Reiches Gottes (Mk 4) und die Umstände seines zukünftigen Kommens, um Israel wiederherzustellen und die Welt zu richten (Mk 13).

Diese Auslegung des Markusevangeliums durch William Kelly wurde zuerst in der englischen christlichen Zeitschrift „The Bible Treasury“ der Jahre 1864–66 (Bände 5 und 6) abgedruckt. Die „Remarks“, wie die Zeitschriftenfolgen damals betitelt waren, beruhen anscheinend auf Vorträgen des Autors über die Evangelien. Das erklärt, warum die verschiedenen Abschnitte des Evangeliums zum größten Teil mehr von allgemeinen Gesichtspunkten aus betrachtet werden und nicht Vers für Vers, wie es Kommentatoren gewöhnlich tun.

... Der Text wird hier in der ursprünglichen Form veröffentlicht und folgt nicht der Ausgabe von 1907. Kurze Ergänzungen zum Text werden gegebenfalls in Fußnoten wiedergegeben.

... Einen allgemeinen Überblick über das Markusevangelium findet man auch in Kellys „Lectures Introductory to the Study of the Gospels“1, der allerdings nicht so ausführlich ist wie in der vorliegenden Auslegung.

März 1934,  W.J. Hocking

Fußnoten

  • 1 dt. „Einführende Vorträge zu den Evangelien“; Band 4 in dieser Serie.
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