Der Gläubige und die Ehe

Gedanken zum Verhalten des Gläubigen in der Ehe

Der Betrachtung über die Einstellung des Gläubigen zur Ehe möchte ich einige Gedanken über das Verhalten des Gläubigen in der Ehe folgen lassen. Das ist ohne Zweifel ein Thema von gleich großer Wichtigkeit und einschneidender Bedeutung. Doch darf der Leser keine erschöpfende Behandlung dieses so interessanten wie umfangreichen Themas erwarten; im Folgenden sollen nur einigen Gedanken, die dem Schreiber beachtenswert erscheinen, zum Ausdruck gebracht werden, und zwar nur in bezug auf das Verhältnis und die Beziehungen zwischen Mann und Frau.

Werfen wir zunächst einen Blick auf das eheliche Verhältnis überhaupt. Der Mann ist von Gott geschaffen worden, damit er „Gottes Bild und Herrlichkeit“ sei (1. Kor 11, 7); und es heißt von ihm im Anfang: „Und Jehova Gott sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, seines Gleichen“; und nach der Erschaffung der Frau lesen wir: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden ein Fleisch sein“ (1. Mose 2, 18. 24). An die Gläubigen zu Ephesus schreibt dann der Apostel Paulus, nachdem er sie an die eben angeführten Worte erinnert hat: „Dieses Geheimnis ist groß; ich aber sage es in bezug auf Christus und die Versammlung“ (Eph 5, 31. 32). Schließlich heißt es im 1. Brief an die, Korinther: „Ich will aber, dass ihr wisset, dass der Christus das Haupt eines jeden Mannes ist, des Weibes Haupt aber der Mann, des Christus Haupt aber Gott“; und weiter: „Denn der Mann ist nicht vom Weibe, sondern das Weib vom Manne; denn der Mann wurde auch nicht um des Weibes willen geschaffen, sondern das Weib um des Mannes willen“ (1. Kor 11, 3. 8. 9).

Aus diesen Stellen geht klar und deutlich die Stellung des Mannes und der Frau hervor, sowie die innige Beziehung, die zwischen bei den besteht. Der Mann ist das Haupt; die Frau ist seine Gehilfin. Der Mann ist Gottes Bild und Herrlichkeit, die Frau des Mannes Herrlichkeit. Der Mann ist das Bild der Lebenskraft und zielbewussten Tätigkeit, die Frau ist das „schwächere Gefäß“ (1. Petr 3, 7). Der Mann ist mehr der gebende und wirkende, die Frau mehr der empfangende und leidende Teil. Infolgedessen sind auch die Pflichten, die auf beiden ruhen, ganz verschieden. Während die Frau immer wieder an den Gehorsam und an die Unterwürfigkeit erinnert wird, lautet die Ermahnung für den Mann: „Liebe deine Frau gib ihr Ehre sei nicht bitter gegen sie.“ Nirgends wird die Frau ermahnt, ihren Mann zu lieben, außer an einer einzigen Stelle (Tit 2,4), wo es sich um eine besondere Klasse von Frauen handelt; aber auch hier bekommt sie diese Ermahnung nicht unmittelbar von Gott, sondern von ihresgleichen. Es gilt eben als selbstverständlich, dass die Frau ihren Mann liebt; und tatsächlich fehlt sie auch selten in dieser Beziehung. Die Liebe der Frau ist einer Pflanze von zäher, schier unverwüstlicher Lebenskraft vergleichbar, die selbst unter den widrigsten Umständen grünt und blüht und immer wieder aufsprosst, selbst wenn sie mit Füßen getreten wird. Der Mann dagegen, von Natur härter und unbeugsamer veranlagt, im Lebenskampf viel hin und her geworfen, oft gezwungen, mit schwerer Arbeit, unter Anspannung aller seiner Kräfte, den Lebensunterhalt für sich und die Seinigen zu verdienen, neigt weit mehr dazu, seine Liebespflicht zu vergessen und eigen liebig oder gar hart und gefühllos gegen seine Frau zu sein. Daher gilt für ihn die Ermahnung: „Ihr Männer, liebet eure Weiber, gleichwie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat“ (Eph 5, 25).

Diese Worte erinnern uns an das hohe und doch so liebliche Verhältnis, von dem die Ehe ein Bild ist, an die innigen Beziehungen zwischen Christus und Seiner Versammlung. Gott, der die Dinge nur in Verbindung mit Christus betrachtet, hat Sich durch das Blut Seines eigenen Sohnes eine Versammlung oder Gemeinde erworben (Apg 20,28) und sie Seinem Sohn gegeben. Christus, der Sohn, hat die Versammlung geliebt und Sich selbst für sie in den. Tod begeben, ja, Er nährt und pflegt sie mit einer Liebe, die nie ruht, nie aufhört und durch nichts beeinträchtigt werden kann. Die Versammlung wiederum ist Christus unterwürfig, dient Ihm und fürchtet Ihn. Von diesem gesegneten Verhältnis also ist die Ehe, so wie Gott sie eingesetzt hat und wie sie Seinen Gedanken entspricht, ein Bild. Wenn man daher fragt: Wann wird die Ehe das sein, was sie sein soll? , so lautet die Antwort: Wenn sie dem Verhältnis, das zwischen Christus und Seiner Versammlung besteht, entspricht; wenn die Liebe, die sich selbst vergisst und nur an den anderen denkt, sowie die Unterwürfigkeit, die gleichsam in einem anderen leben und aufgehen will, in ihr ihren Abglanz finden. Christus hat die Versammlung geliebt; also sagt die Schrift: „Ihr Männer, liebet eure eigenen Weiber.“ Die Versammlung ist Christus untertan; also sagt die Schrift: „Ihr Weiber, seid euren eigenen Männern unterwürfig, als dem Herrn.“

Doch wir müssen noch etwas näher auf diese beiden Ermahnungen eingehen. Beschäftigen wir uns zunächst ein wenig mit dem, was dem Mann gesagt wird. Wir haben in unserer früheren Betrachtung gesehen, wie wichtig es für den Mann ist, dass er die feste Überzeugung hat: Ich habe meine Frau von dem Herrn empfangen. Nun ist es allerdings möglich, dass man erst, nachdem man sich schon längere Zeit im Ehestand befunden hat, dahin kommt, seine Frau als eine Gabe des Herrn zu betrachten. Wenn man bei der Eheschließung nicht mit Gott gehandelt hat, so kommt man vielleicht erst lange nachher, und zuweilen auf einem Weg tiefer Demütigung, zu der Überzeugung, dass es wirklich auch von uns persönlich wahr ist, dass Gott uns zusammengeführt hat. Es sollte nicht so sein, aber die Erfahrung lehrt, dass es oft so ist. Doch ob nun diese Überzeugung von Vornherein da ist oder erst später kommt, jedenfalls ist da, wo sie vorhanden ist, die göttliche Grundlage gegeben, auf der sich die Verwirklichung der Berufung des Mannes aufbauen kann, der Berufung nämlich, seine Frau zu lieben nicht um seines Vorteils willen, sondern um ihret-, des schwächeren Gefäßes, willen, mit dem er ein Fleisch geworden ist.

Solange alles nach den Wünschen des Mannes geht, solange keine allzu großen Ansprüche an seine selbstverleugnende Liebe gestellt werden, mag es ihm nicht so schwer fallen, seiner Berufung zu entsprechen. Aber wenn er allmählich die Erfahrung machen muss, dass seine Frau wirklich ein schwaches Gefäß ist, wenn sich die Aussage der Schrift, dass die, die heiraten, „Trübsal im Fleische haben werden“, in reicherem Maße erfüllt, als er sich hat träumen lassen, wenn er vielleicht obendrein noch die eine oder andere unliebenswürdige Eigenschaft bei seiner Frau entdecken muss, von der er früher keine Ahnung hatte, wenn das Alltagskleid von dem Sonntagskleid, in dem er sie früher nur gesehen hatte, gar zu sehr absticht dann kommt seine Liebe in das Feuer der Erprobung. Dieses Feuer wird um so heißer werden, je weniger dem Mann ein gewisses Maß von natürlicher Geduld oder natürlichem Mitgefühl zu Hilfe kommt. Ist er etwas gleichgültig oder gar rau und gefühllos veranlagt, so ist die Gefahr für ihn doppelt groß, seiner Berufung untreu zu werden. Solange die „Trübsal im Fleische“, die naturgemäß die Frau am meisten trifft, durch die Güte Gottes nicht allzu schwer war, achtete er sie gering und hatte kein Verständnis dafür; und nun, nachdem sie schwerer geworden ist, beginnt er unwillig und verdrießlich zu werden. Ein Gefühl der Enttäuschung und des Unbehagens kommt über ihn. Vielleicht gibt er sich zunächst keine Rechenschaft über das, was in seinem Innern vorgeht; aber wenn er es tut, so wird er entdecken, dass es ihm schwer fällt, seine Frau wirklich zu lieben, ihr Liebe zu beweisen. Er sucht vielleicht diese bittere Wahrheit vor sich und anderen, besonders vor seiner Frau, zu verbergen, indem er von der Zukunft Besserung erhofft. Doch die Besserung kommt nicht. Die Trübsal bleibt; andere unliebsame Erfahrungen, wie die oben angedeuteten, kommen hinzu, und siehe da, zu dem Gefühl der Enttäuschung und des Unbehagens gesellen sich Ungeduld, Reizbarkeit, Härte usw. Das herzliche Einvernehmen zwischen den beiden Ehegatten ist gestört; der Mann ist mürrisch und unzufrieden, die Frau seufzt und ist unglücklich. Vielleicht bringt ein Nachlassen der äußeren Schwierigkeiten für einen Augenblick Erleichterung, aber das Übel kehrt wieder, sobald es Gott gefällt, ein neues Stück Holz in den Trübsalsofen zu schieben.

Worin hat diese betrübliche Erscheinung ihre Ursache? Wir haben es bereits angedeutet. Der Mann hat vergessen oder noch nie daran gedacht, dass er seine Frau vom Herrn empfangen hat, und dass geschrieben steht: „Ihr Männer, liebet eure Weiber, gleichwie auch der Christus die Versammlung geliebt hat.“ An diesem erhabenen Maßstab hat er seine Liebe noch nie gemessen. Mit dieser Liebe, die uns liebt um ihrer selbst willen und uns als eine Gabe von unaussprechlichem Wert vom Vater empfing; die nicht nur alles, was sie hatte, sondern sich selbst für uns dahingab; die nur ein Ziel kannte und kennt: unser Glück, unsere Freude, unseren Frieden, unsere Herrlichkeit; die langmütig und gütig ist, die nie das Ihrige sucht, sich nie erbittern lässt, die alles erträgt, glaubt, hofft und erduldet (vgl. 1. Kor 13) mit dieser Liebe hat er die seinige noch nie verglichen. Hätte er das getan, so wäre er wahrscheinlich vor Gott zusammengebrochen, hätte Ihm sein Fehlen bekannt und bei ihm Gnade gesucht, um seine Frau nach Gottes Gedanken zu lieben; und Gott hätte sicherlich sein Flehen erhört und ihm die nötige Gnade dargereicht.

Ach! wie schwer wird es dem Mann oft, zu verstehen, dass Gott ihn, das Bild der Kraft, gerade deshalb mit der Schwachheit verbunden hat, damit er mitfühlen und mitleiden lernt. Der Mann hat gewiss auch seine Probleme (ich rede jetzt nicht von Krankheiten, das ist eine Sache für sich), wie z.B. Schwierigkeiten bei der Arbeit oder im Geschäft, Enttäuschungen und Verdrießlichkeiten aller Art, Mühen und Sorgen von früh bis spät; es erfüllt sich an ihm das Wort, dass er im Schweiß seines Angesichts sein Brot essen soll. Aber das Leiden einer Schwachen, das Leiden, wie eine Frau es allein trägt und allein tragen kann, das kennt er nicht; und so hat ihn Gott, wie gesagt, gerade deshalb mit einer Frau verbunden, damit er an dieser Art von Leiden teilnehmen lernt und ein Gefühl dafür bekommt, so wie Gott Selbst daran teilnimmt und ein Gefühl dafür hat; ja, damit er an dem Vorbild Christi lernt, seine Frau zu lieben, sie in ihrer Schwachheit zu tragen, sie zu hegen und zu pflegen, so wie Christus uns liebt, hegt und pflegt. Je mehr ein Mann in dieser Schule seine Abhängigkeit von Gott fühlt und sich von Ihm belehren lässt, je beständiger sein Blick auf Christus gerichtet ist, desto mehr wird das „Bild Gottes“ in ihm zur Darstellung kommen, Seine Liebe wird ausdauernd sein, wird in den Proben, auf die sie gestellt wird, nur um so mehr erstarken und unermüdlich das Glück und Wohlergehen des schwächeren Partners suchen.

Wenn das der Fall ist, wird es dem Mann auch nicht schwer werden, die Ermahnung des Apostels Petrus zu befolgen: „Ihr Männer, wohnet bei ihnen nach Erkenntnis, als bei einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen, ihnen Ehre gebend, als die auch Miterben der Gnade des Lebens sind, auf dass eure Gebete nicht verhindert werden“ (1. Petr 3, 7). Er wird von dem schwächeren Gefäß nicht fordern, ihm nicht Last auf Last auflegen, sondern im Gegenteil auf die nach Leib und Seele zartere Natur der Frau möglichst Rücksicht nehmen, wird ihre Lasten zu erleichtern suchen und sie in Ehren halten. Die Frau, als das schwächere Gefäß, hat Anspruch auf eine besonnene, liebevolle Behandlung seitens des Mannes. Auch darf der Mann nie vergessen, dass seine Frau eine „Miterbin der Gnade des Lebens“ ist, dass es also in geistlicher Beziehung, was ihre Stellung in Christus betrifft, keinen Unterschied zwischen ihm und ihr gibt. Wie berechtigt in natürlichen, irdischen Dingen der Anspruch des Mannes auf Unterordnung seitens seiner Frau auch sein mag, so hat dies doch gar keinen Bezug auf die himmlische Berufung. Beide sind, wenn sie bekehrt sind, „Erben Gottes und Miterben Christi.“ In Christus „ist nicht Mann und Weib; denn ihr alle seid einer in Christo Jesu“ (Gal 3, 28).

Vor allen Dingen wird ein Mann, der seine Frau ehrt, sie nicht behandeln, als wäre sie seine Dienerin oder gar Sklavin, die nur dazu geschaffen ist, alle seine Wünsche zu befriedigen, seine Launen zu ertragen oder seinen scharfen Bemerkungen als Zielscheibe zu dienen, wenn er niemanden anders hat; an dem er seinen Ärger auslassen kann. Ach! in einem solchen Fall und leider, leider ist er selbst unter Christen nicht ausgeschlossen ist die Frau schlimmer daran als eine Hausgehilfin; denn diese kann jederzeit das Haus verlassen, wenn ihr der Dienst zu schwer wird, aber die Frau ist gebunden. Nein, der Mann muss sich vor jener Gefühllosigkeit und Härte sehr hüten, die Gefallen daran findet, stets in barschem Ton zu fordern und zu befehlen, die auf die kleine Kraft nicht Rücksicht nimmt und in dem guten Willen nicht einen Ersatz zu finden weiß für die vielleicht mangelhafte Tat!

Ein Mann, der seine Frau als das schwächere, weibliche Gefäß in der oben beschriebenen Weise in Ehren hält, wird auch „nach Erkenntnis“ bei ihr zu wohnen vermögen. Sein Verkehr mit ihr wird durch christliche Erkenntnis und nicht durch seine leidenschaftliche Natur bestimmt sein. „Aber“, möchte der Leser einwenden, „es gibt doch auch sehr launische, verkehrte Frauen.“ Allerdings; aber ein verständiger Mann wird wohl zu unterscheiden wissen zwischen dem, was einem schwachen Gefäß eigen ist, und jener übertriebenen Empfindlichkeit und Reizbarkeit, durch die eine Frau schließlich dahin kommt, dass sie nur noch seufzt und klagt und für ihre Umgebung eine wirkliche Plage wird. In einem solchen Fall liegt allerdings die Gefahr für den Mann sehr nahe, hart und bitter gegen seine Frau zu werden, in unbewachten Augenblicken heftige Worte gegen sie zu gebrauchen und die Ermahnung zu vergessen: „Ihr Männer, liebet eure Weiber und seid nicht bitter gegen sie“ (Kol 3, 19). Aber gerade das Bewusstsein ihrer Schwachheit wird ihn dann vor Härte und Bitterkeit bewahren.. Nicht dass er allen törichten Launen und Grillen, die sich vielleicht bei ihr zeigen, nachgibt; das wäre nicht Liebe. Nein, bei aller Nachsicht und Langmut wird er vielmehr das, was bei seiner Frau wirklich verkehrt ist und ihr und anderen zum. Schaden gereicht, nicht unbeachtet vorübergehen lassen, sondern es ihr vorstellen und sie davon zu befreien suchen. Doch wird er in der Weise, wie er das tut, alles vermeiden, was eine unnötige Erbitterung hervorrufen oder auch nur den Schein erwecken könnte, als wolle er seiner Frau nicht die ihr zukommende Ehre geben. Niemals wird er z.B. seiner Frau in Gegenwart von Hausangestellten oder Kindern, wenn solche vorhanden sind, Vorstellungen machen, die sie in deren Augen herabsetzen könnten. Gerade in diesem letzten Punkt wird bekanntlich oft gefehlt, zum Schaden nicht nur für das Verhältnis zwischen Mann und Frau, sondern auch für die ganze Familie.

Wie überall, so ist auch in dieser Beziehung Christus unser hohes und liebliches Vorbild. Er wohnt bei uns „nach Erkenntnis“, unter voller Berücksichtigung dessen; was wir sind, wo wir sind und was wir nötig haben. Er verbindet mit einem zärtlichen, liebenden Herzen eine vollkommene Erkenntnis, die unsere Fehler nicht gutheißt, uns aber auch nicht gefühllos verurteilt oder rücksichtslos vor anderen bloßstellt, sondern unermüdlich beschäftigt ist, uns zu belehren, zurechtzuhelfen und von allem zu befreien, was uns auf dem Weg und in unserem Dienst hinderlich sein will. Möchten deshalb alle Männer von Ihm lernen!

Sehr beachtenswert ist dann noch der Zusatz, den der Apostel Petrus macht: „auf dass eure Gebete nicht verhindert werden.“ Diese Worte setzen voraus, dass Mann und Frau die Gewohnheit haben, miteinander ihre Knie zu beugen und sich im Gebet vor dem Herrn zu vereinigen. 1 Eine solche Vereinigung aber wird unmöglich gemacht, ja selbst das Gebet des Einzelnen wird gehindert, wenn die Harmonie zwischen zwei Eheleuten gestört ist; und Satan triumphiert, wenn es ihm gelingt, uns ein solches Hindernis in den Weg zu legen, und er wird alles aufbieten, um es möglichst fortbestehen zu lassen. Und doch, wie wichtig ist das gemeinschaftliche Gebet, vor allem in diesen letzten, schweren Tagen, wo die Gefahren nach allen Seiten hin zunehmen und die Verführung für die heranwachsenden Kinder immer größer wird! Wie viel Gelegenheiten und Anlässe gibt es da für gläubige Eheleute, vor den Herrn zu treten mit Bitten, Flehen und Danksagung; wie viel Ursache zu ernster Fürbitte und anhaltendem Gebet! Wie groß ist andererseits die Gefahr gerade in dem rastlosen, geschäftigen Treiben unserer Zeit, das gemeinschaftliche Gebet zu vernachlässigen! Lasst uns deshalb acht haben, dass wir dem Feind keine Handhabe bieten! Möchten alle Eheleute darauf bedacht sein, wenn wirklich einmal ein Misston die bisherige Harmonie gestört haben sollte, dass er so bald wie möglich ausklingt und die Herzen wieder frei werden, um mit Freimütigkeit vor den Gnadenthron hintreten zu können! Es gibt ja so viele Dinge im täglichen Familienleben, die vor Gott gebracht werden sollten, und welch ein unersetzlicher Verlust ist es, wenn Mann und Frau nicht in jeder Schwierigkeit oder Verlegenheit eines Sinnes Gott nahen!

Am Schluss der wiederholt angeführten Stelle aus dem 5. Kapitel des Epheserbriefes lesen wir die ernsten und beherzigenswerten Worte: „Also sind auch die Männer schuldig, ihre Weiber zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer sein Weib liebt, liebt sich selbst. Denn niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, gleichwie auch der Christus die Versammlung. Denn wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinen Gebeinen. Deswegen wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dieses Geheimnis ist groß; ich aber sage es in bezug auf Christus und auf die Versammlung. Doch auch ihr, ein jeder von euch liebe sein Weib also wie sich selbst“ (V. 28-33).

Aus diesen Worten geht hervor, dass auf dem Mann eine Schuld ruht, an der er sein ganzes Leben lang bezahlen soll. Soll? nein, das ist nicht das richtige Wort; sagen wir lieber: bezahlen darf. Es ist eine Schuld, die nicht schwer drückt, die im Gegenteil lieb und willkommen ist, wenn es richtig steht in einer Ehe eine Schuld, von der man abträgt, obwohl man weiß, dass man sie nie ganz bezahlen kann. Sie bleibt, so lange das Verhältnis besteht, das die Schuld bedingt. „Also sind auch die Männer schuldig, ihre Weiber zu lieben wie ihre eigenen Leiber.“

„Wie ihre eigenen Leiber“, oder wie es nachher heißt: „wie sich selbst“ das ist also der Maßstab für die Liebe des Mannes. So hat Christus die Versammlung geliebt. Er hat Sich Selbst für sie in den Tod gegeben; und Er hat dies getan, als sie noch fern von Ihm, in ihren Sünden, unrein und verderbt war. Zugleich werden wir in den Garten Eden zurückgeführt, wo in der Erschaffung Evas und ihrer Darstellung vor Adam uns gerade ein so deutliches und schönes Vorbild von dem Geheimnis der Kirche gegeben wird. Sie ist eins mit Christus, aus Ihm gleichsam herausgebildet, von Seinem Fleisch und von Seinen Gebeinen; wie Adam sagt: „Diese ist einmal Gebein von meinen Gebeinen und Fleisch von meinem Fleische. Diese soll Männin heißen, denn vom Manne ist diese genommen. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden ein Fleisch sein“ (1. Mose 2, 23. 24). Dieses völlige Einssein der Frau mit dem Mann, dieses gänzliche Aufgehen des einen Teils in dem anderen lässt die Ermahnung „Ein jeder von euch liebe sein Weib also wie sich selbst“, und die Erklärung des Apostels „wer sein Weib liebt, liebt sich selbst“ als ganz selbstverständlich erscheinen. So selbstverständlich jene Ermahnung ist, so umfassend und weitgehend ist sie aber auch. Die Selbstliebe, dieser tiefgewurzelte, mächtige Trieb, der unserer Natur eigen ist, soll das Maß der Liebe des Mannes zu seiner Frau bilden. Eine tiefer und weitergehende Weisung wäre gar nicht denkbar. Sie gestattet kein Ausweichen, kein Entrinnen. „Wie sich selbst“ „wie ihre eigenen Leiber“ möchten sich diese Worte tief und unauslöschlich in jedes Mannes Herz einprägen! Hat ein Mann ihre Bedeutung erfasst und verwirklicht er sie in seinem Verhalten seiner Frau gegenüber, so wird sie sich sicher nie über Härte und Lieblosigkeit zu beklagen haben. „Niemand“, sagt die Schrift, „hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es.“ Darum, wer seine Frau liebt wie sich selbst, wie seinen eigenen Leib, der wird ihr nicht unnötig schwere Lasten auflegen, sie nicht hochfahrend oder gleichgültig behandeln und links liegen lassen, sondern ihr dieselbe Sorge und Pflege angedeihen lassen wie sich selbst. Er wird sie ebenso wenig hart anfahren, wie er sich selbst hart anfährt. Was er für sich selbst wünscht, wird er auch für sie wünschen, und was er von sich fernhalten möchte, davor wird er auch sie zu bewahren suchen. Mit einem Wort: so weit es in seinen Kräften steht, wird er ihr Wohl suchen, d.h. alles Gute, das er für sich begehrt, ihr zuteil werden lassen, und alles Böse, das er im Blick auf sich zu vermeiden sucht, auch von ihr fernhalten.

„Niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es.“ Darum, wer gelernt hat, seine Frau als einen Teil seiner selbst, als sein anderes Ich zu betrachten, wird sie nähren und pflegen, wie er sich selbst nährt und pflegt. „Nähren und pflegen“ nicht wie er seine Hausangestellten, ja, nicht einmal wie er seine Kinder nährt und pflegt. Den Angestellten gibt er ihren Lohn, den Kindern ein Kindesteil; aber gegenüber seiner Frau hat er nichts, was sein alleiniges Eigentum wäre: das Seine ist das Ihre, und das Ihre das Seine. Seine Frau hat nicht einen Teil, und er das Übrige, oder umgekehrt. Er besitzt nichts ohne seine Frau oder getrennt von ihr. So wie den Gläubigen gesagt wird: „Alles ist euer, ihr aber seid Christi“, so besitzt die Frau alles gemeinsam mit ihrem Mann, und sie selbst gehört ihm. Das ist die schöne göttliche Ordnung, und wo es anders gehandhabt wird, da fehlt die Übereinstimmung mit den Gedanken und Bestimmungen Gottes. Der Mann mag der Erwerber, Erhalter und Verwalter des Vermögens sein, sei es nun klein oder groß; aber die Frau besitzt trotzdem alles mit ihm, weil sie nicht von ihm zu trennen ist. „Die zwei werden ein Fleisch sein, so dass sie nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch“ (Matth 19, 5.6).

Der Charakter der Frau macht es dem Mann vielleicht oft schwer, sie so zu lieben, zu nähren und zu pflegen, wie wir es eben besprochen haben. Aber nichts kann ihn von seiner Verpflichtung entbinden, nichts ihn von seiner Frau scheiden, den einzigen Fall ausgenommen, den der Herr Jesus in Matthäus 19, 9 nennt. Die Liebe zu Seiner Braut hört nie auf, trotz all ihrer Unwürdigkeit, ihrer Fehler, ja selbst ihrer Untreue.. Er beschäftigt Sich mit ihr in unermüdlicher Geduld und Güte, um sie von ihren Fehlern zu befreien und sie Sich heilig und tadellos darzustellen. Und wenn nun auch das vollkommene Vorbild von uns nie erreicht werden wird, so sollte dennoch der Mann danach streben, ihm näher zu kommen. Die Liebe Christi sollte ihm allezeit vor Augen stehen. Dann wird es ihm auch leichter werden, Verkehrtheiten und Torheiten zu ertragen, und der Herr wird ihm die nötige Weisheit, Geduld und Langmut darreichen, um mit seiner Frau in der rechten Weise verkehren zu können.

Besonders schwierig wird in dem eben beschriebenen Fall die Lage des Mannes, wenn er erst nach der Verheiratung gläubig geworden ist, während seine Frau den Herrn noch nicht kennt und sie nun einerseits, gemäß der Feindschaft des natürlichen Herzens gegen Christus, ihrem Mann Abneigung entgegenbringt, und andererseits, auf Grund seines Bekenntnisses, weit mehr Liebe, Langmut usw. von ihm erwartet als früher. In einem solchen Fall hat ein Mann besondere Gnade von oben nötig; aber sie wird ihm zuteil werden, wenn er aufrichtig darum bittet. „Wenn aber jemandem von euch Weisheit mangelt, so bitte er von Gott, der allen willig gibt... , und sie wird ihm gegeben werden“ (Jak 1, 5). Seine Liebespflicht bleibt dieselbe, ja, sie erscheint noch um so größer, weil das ewige Wohl seiner unbekehrten Frau ihm jetzt Tag und Nacht am Herzen liegen sollte. Seine Sorge darf sich nicht auf ihr äußeres Wohlergehen beschränken, sondern muss sich auch auf ihre ewige Glückseligkeit richten. Das ist gewiss immer (auch bei gläubigen Frauen) wahr, aber doch ganz besonders in dem Fall, den wir gerade besprechen. Während es sich bei einer gläubigen Frau mehr um die Pflege des bereits vorhandenen geistlichen Lebens handelt, kommt es bei einer unbekehrten Frau in erster Linie darauf an, sie in verständiger und liebevoller Weise mit dem Wort des Heils bekannt zumachen und Bedürfnisse nach den höheren, ewigen Dingen in ihrer Seele zu wecken; und dazu ist, wie gesagt, viel Gnade und Weisheit von oben nötig, verbunden mit einem treuen, tadellosen Wandel in den Wegen des Herrn.

Ich möchte noch einen Augenblick bei der Stellung des Mannes als Haupt seiner Frau verweilen. „Ich will aber, dass ihr wisset, dass der Christus das Haupt eines jeden Mannes ist, des Weibes Haupt aber der Mann“ (1. Kor 11, 3). „Denn der Mann ist das Haupt des Weibes, wie auch der Christus das Haupt der Versammlung ist“ (Eph 5,23). Das Wort Gottes spricht also sehr deutlich und unmissverständlich über diesen Punkt. Der Mann ist das Haupt, und deshalb wird die Frau immer wieder zur Unterwürfigkeit ermahnt; wobei der Mann jedoch nicht vergessen darf, dass er nicht etwa unumschränkter Herr und Gebieter ist, sondern dass er wiederum Christus als Haupt über sich hat, und dass er alles, was er tut und anordnet, in Beziehung zu Gott bringen muss, damit nicht am Ende nur sein eigener Wille ihn und sein Haus regiert. Wie begründet diese Warnung ist, das beweist der Zustand mancher Familien leider nur zu deutlich.

Als Haupt hat der Mann die Pflicht, seine Frau und sein Haus zu versorgen, zu beschirmen und vor allen schädlichen Einflüssen zu bewahren. Hierher gehört auch das ernste Wort des Apostels: „Wenn aber jemand für die Seinigen, und besonders für die Hausgenossen, nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger“ (1. Tim 5, 8). Diese Sorge erstreckt sich nicht nur auf die leiblichen Bedürfnisse von Frau und Kindern, obwohl diese zunächst gemeint sind, sondern auch auf das, was sie in geistlicher Beziehung nötig haben. Doch ach! wie mancher Mann ist in dieser Beziehung gleichgültig und nachlässig. Vielleicht macht er seine Rechte als Haupt geltend (und das geschieht dann gewöhnlich in einer Weise, die der göttlichen Ordnung und dem Vorbild Christi sehr wenig entspricht), aber er vergisst seine Pflichten und ist, wie der Apostel sagt, schlechter als ein Ungläubiger. Wie traurig ist das Bild eines gläubigen Familienhauptes, das aus Trägheit, Bequemlichkeit oder aus einem anderen ähnlichen Grund nicht für den nötigen Unterhalt seiner Familie sorgt und sie nach Leib und Seele darben lässt! Welch eine Unehre ist das zugleich für den heiligen Namen Gottes und für das Zeugnis unseres Herrn Jesu Christi! Denn gerade für die Familienverhältnisse der Kinder Gottes hat die Welt ein scharfes Auge.

Ich brauche wohl kaum hervorzuheben, wie wichtig es für das Haupt einer Familie ist, dem ganzen Haus ein Vorbild zu sein in Gottesfurcht und wahrer, aufrichtiger Frömmigkeit! Naturgemäß richten sich aller Blicke auf den Gatten und Vater, und fast immer (Ausnahmen bestätigen auch in diesem Fall nur die Regel) wird der Einfluss und das Vorbild des Hauptes bestimmend sein für die ganze Familie. Nimmt das Haupt seinen Platz treu ein, geht es im Aufblick zu Gott und in Abhängigkeit von Gott seinen Weg, führt es ein Leben des Gebets, der verborgenen Gemeinschaft mit Gott und der Absonderung von der Welt und ihrem Geist, so werden sich die gesegneten Folgen bei den Gliedern der Familie unfehlbar zeigen: alles wird sich ganz von selbst nach diesem Vorbild richten und bilden. In Kleidung und Wesen, in Worten und Gebärden, ja in allem Tun und Lassen wird der gute Einfluss bemerkbar sein.

Diese Erwägungen führen uns ganz von selbst zu einer zweiten Pflicht (die wir aber ebenso gut ein Vorrecht nennen dürfen); die mit der Eigenschaft des Mannes als Haupt in Verbindung steht. Ich meine seine priesterliche Stellung in der Familie. Paulus schreibt in dieser Beziehung an Timotheus: „Ich will nun, dass die Männer an jedem Orte beten, indem sie heilige Hände aufheben, ohne Zorn und zweifelnde Überlegung“ (1. Tim 2, 8). Der Mann naht Gott und redet zu Gott, und er soll dies tun mit unbedecktem Kopf; denn er ist Gottes Bild und Herrlichkeit. „Jeder Mann, der betet oder weissagt, indem er etwas auf dem Haupte hat, entehrt sein Haupt“ (1. Kor 11, 4. 7). Diese Worte, wie die ganze Belehrung des Alten und Neuen Testamentes, beweisen, dass es das besondere Vorrecht des Mannes ist, Gott priesterlich zu nahen, ja, dass es vielfach ihm allein zukommt, seinen Mund zum Gebet und zum Lob Gottes zu öffnen. Letzteres ist nicht nur in einer öffentlichen Versammlung der Fall, sondern auch überall da, wo Brüder und Schwestern miteinander vor Gott hin treten. Es würde dann durchaus unpassend sein und den Engeln gegenüber eine Verkehrung der göttlichen Ordnung bedeuten, wenn eine Frau ihre Lippen in der Öffentlichkeit auftun und zu Gott beten wollte.

Wenn schon das Reden mit Gott das hohe und besondere Vorrecht des Mannes ist und der Apostel ihn ermahnt, an jedem Ort zu beten, dann ist es gewiss gut, wenn er dieser Aufforderung zu allernächst in seinem Hause nachkommt. Nicht als ob die Frau von der persönlichen Gemeinschaft mit Gott ausgeschlossen wäre. Absolut nicht. Aber überall, wo es sich um gemeinschaftliches Beten handelt und ein Mann anwesend ist, soll dieser nach der Ordnung Gottes den Mund der Versammelten bilden, sei es nun, dass nur Mann und Frau, oder dass eine ganze Familie mit Kindern und Haushilfen versammelt sind. Wenn der Mann das aus irgendeinem Grunde versäumt, so entspricht er seiner Berufung nicht. Ein sogenanntes stilles gemeinschaftliches Gebet, wie es in manchen christlichen Familien üblich ist, entspricht nicht. den Gedanken Gottes. Der betreffende Bruder lässt sich dann nicht nur ein Vorrecht rauben, sondern kommt auch seiner Pflicht Gott und den Seinen gegenüber nicht nach. Ist eine gewisse persönliche Schüchternheit die Ursache des Schweigens des Mannes, so sollte er sich von Gott Gnade erbitten, diese Schüchternheit zu überwinden; sind es andere Dinge, liegen Hindernisse in seinem praktischen Leben und Wandel, so sollte er keine Minute säumen, sondern ins Kämmerlein eilen und sich in aufrichtigem Selbstgericht vor Gott niederwerfen.

Der Ermahnung an die Männer, an jedem Ort zu beten, fügt der Apostel noch die Worte hinzu: „indem sie heilige Hände aufheben, ohne Zorn und zweifelnde Überlegung“. O wie treu sorgt Gott stets dafür, dass jeder Überhebung und Einbildung, zu der unsere armen Herzen so neigen, von vornherein ein wirksamer Damm entgegengesetzt wird! Sein Name sei dafür gepriesen! Er kennt uns durch und durch und weiß, wie Er mit uns reden muss. Das sehen wir auch hier wieder so deutlich. „Ich will nun, dass die Männer an jedem Orte beten“ darin könnte das eitle Herz (ach, so töricht und erbärmlich sind wir!) einen Anlass zur Selbsterhebung finden; aber darum heißt es weiter: „indem sie heilige Hände aufheben, ohne Zorn und zweifelnde Überlegung“ eine heilsame Schranke für alle jene törichten Regungen. Heilige Hände, d.h. reine, unbefleckte Hände, an denen kein Unrecht klebt, die im Dienst des Herrn stehen, aber mit dem verunreinigenden Dienst der Welt nichts zu tun haben. Ohne Zorn, d.h. in der Gesinnung Jesu Christi, des Sanftmütigen und von Herzen Demütigen. Ohne zweifelnde Überlegung, d.h. im Glauben, ohne unnützes menschliches Grübeln, im Vertrauen auf eine höhere Kraft und höhere Weisheit. Nicht wahr? mein lieber Leser, mit einem solchen Herzenszustand sind Stolz und zweifelnde Überlegung unvereinbar.

Zugleich erinnert uns das Wort „ohne Zorn“ an eine Ermahnung, die wir bereits besprochen haben, nämlich, dass der Mann nicht bitter gegen seine Frau sein soll. Welch ein Widerspruch wäre es und welch eine Verunehrung des Heiligen Gottes, wenn ein Mann sich mit seiner Frau im Gebet vor Ihm vereinigen wollte, während er eben erst im Zorn mit ihr geredet, oder doch einen sogenannten ehelichen Zwist, sei er nun groß oder klein, mit ihr gehabt hat! Würde ein solches Gebet wohl nach oben dringen? Gewiss nicht. Es geht, wie einmal jemand bemerkt hat, nicht über die Zimmerdecke hinaus und dient in doppelter Beziehung zum Unsegen: Die Ehrfurcht vor Gott wird dadurch geschwächt, und das eigene Gewissen wird verhärtet. Nein, in einem solchen Fall gehe der Mann zuvor hin und versöhne sich mit seiner Frau, bekenne, wenn es nötig ist, seine Verkehrtheit, und dann trete er mit ihr vor Gott hin. Vergessen wir nicht, dass auch das Gebet uns zur Sünde werden kann!

Wenn der Mann gemäß der Ermahnung des Apostels wachsam ist und sich ehrlich prüft, ehe er allein oder in Gemeinschaft mit seiner Frau seine Hände betend zu Gott erhebt, so wird er einerseits bestimmt erfahren, wie viel Gelegenheit der tägliche Verkehr mit seiner Frau bietet, sich in Liebe zu dem „Schwachen“ zu üben, andererseits aber wird es ihm auch immer mehr zum Bewusstsein kommen, welch einen Einfluss sein eigener geistlicher Zustand auf seine Frau und auf sein ganzes Haus ausüben kann. Kommt ein Mann seiner priesterlichen Berufung nicht oder doch nur mangelhaft nach, so leidet die Frau darunter; und umgekehrt: sie wird ermuntert, gefördert und gestärkt, wenn ihr Mann in seinem Verkehr mit Gott einfältig und innig ist. Möchte deshalb jeder Mann darauf achten, dass dieser Verkehr weder durch eigene sündige und ungerichtete Zustände behindert wird, noch durch Zorn und Erbitterung gegen seine Frau, noch durch Launenhaftigkeit und Verdrießlichkeit, weil sie in der Erfüllung ihrer häuslichen Pflichten seinen Wünschen vielleicht nicht ganz entsprochen hat. Jede Verhinderung oder Unterbrechung dieses Verkehrs zieht nicht nur ernste Folgen für den Mann nach sich, sondern auch ganz naturgemäß für seine Frau und sein ganzes Haus. Denn Mann und Frau sind eins, und weder die Frau ist ohne den Mann, noch der Mann ohne die Frau im Herrn (1. Kor 11, 11).

An dieser Stelle darf auch das Wort des Apostels, das er bezüglich der Frauen an die Korinther richtete, nicht unerwähnt bleiben: „Eure Weiber sollen schweigen in den Versammlungen, denn es ist ihnen nicht erlaubt zu reden, sondern unterworfen zu sein, wie auch das Gesetz sagt: Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen“ (1. Kor 14,34.35). Einer Frau steht es also nicht zu, in der Versammlung der Gläubigen zu reden oder auch nur Fragen zu stellen. Wie nun, wenn sie etwas lernen will und über diesen oder jenen Punkt der christlichen Wahrheit Auskunft wünscht, aber ihr Mann ist nicht geistlich genug, um auf ihre Fragen einzugehen und den Bedürfnissen ihrer Seele zu entsprechen? Wird das nicht ein Schaden oder ein Verlust für sie sein? Gewiss, kann Gott eine Schwester auch auf anderem Wege belehren, und Er tut es; aber es ist das schöne Vorrecht des Mannes und zugleich seine heilige Pflicht, die Fragen seiner Frau, soweit er selbst Gabe und Licht dafür empfangen hat, zu beantworten. Es ist also auch in dieser Beziehung zum Nachteil für die Frau, wenn der Mann nicht treu im Licht wandelt und deshalb die Gabe, die ihm von Gott geschenkt ist, nicht zum Segen für andere und zu aller erst für seine Frau zu benutzen weiß.

Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, obwohl es eigentlich selbstverständlich ist, dass der Mann auch diese seine Stellung als Haupt in Liebe einnehmen und bewahren muss. „Die Liebe ist das Band der Vollkommenheit.“ Das ist in bezug auf jedes Verhältnis wahr. Der Mann sollte deshalb seiner Frau, wenn sie sich mit ihren Fragen und Schwierigkeiten an ihn wendet, mit herzlichem Wohlwollen entgegenkommen; über seiner Tätigkeit als Mann, die ihn vielleicht über die Maßen in Anspruch nimmt, sollte er nicht vergessen, dass seine Frau Rechte an ihn hat; möchte er nicht gefühllos sein für die mancherlei Bedürfnisse seiner schwachen und vielleicht schüchternen Gehilfin, auch nicht unnahbar für ihre in seinen Augen vielleicht törichten Fragen und eingebildeten Schwierigkeiten. Er höre sie an mit aller Geduld und Liebe und mache ihr den Platz der Unterwerfung nicht unnötig schwer. Im Gegenteil, die unterwürfige Frau sollte stets erfahren, dass ihr Mann nicht den ihm von Gott gegebenen Platz als Haupt dazu benutzt, um sie niederzubeugen, zu demütigen und zu vernachlässigen, sondern vielmehr um sie zu erheben, sie aufzurichten, wenn sie niedergedrückt ist, sie zu nähren und zu pflegen, zu heben und zu tragen mit einem Wort: sie zu lieben, gleichwie auch der Christus die Versammlung geliebt hat (Eph 5, 25).

Wir haben im Anfang unserer Betrachtung gesagt, dass die Ehe dann das ist, was sie sein sollte, wenn sie dem Verhältnis entspricht, das zwischen Christus und Seiner Versammlung oder Gemeinde besteht; d.h. wenn die Liebe, die sich selbst vergisst und nur an den anderen denkt, sowie die Unterwürfigkeit, die für einen anderen da sein und in ihm aufgehen will, sich in ihr spiegelt.

Diese Worte weisen uns, wenn wir jetzt zur Besprechung der Stellung der Frau übergehen, sofort auf das erste und wichtigste Kennzeichen dieser Stellung hin. Wenn der Mann immer wieder aufgefordert wird, seine Frau zu lieben, so richtet sich an die Frau immer wieder die Mahnung, dem Mann unterwürfig zu sein, ja, ihn zu fürchten, d.h. selbstverständlich nicht in knechtischer Furcht, sondern in der Furcht der Liebe, so wie die Versammlung Christus fürchtet. Schon im 3. Kapitel des 1. Buches Mose, unmittelbar in Verbindung mit dem Sündenfall, in dem Eva ihrem Mann voranging, wird der Frau gesagt: „Nach deinem Manne wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen“ (V. 16). In der bekannten Stelle des Epheserbriefes, die wir schon wiederholt anführten, lesen wir: „Ihr Weiber, seid unterwürfig euren eigenen Männern, als dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt des Weibes, wie auch der Christus das Haupt der Versammlung ist; Er ist des Leibes Heiland. Aber gleichwie die Versammlung dem Christus unterworfen ist, also auch die Weiber ihren Männern in allem.“ Und nachher: „Das Weib aber, dass sie den Mann fürchte“ (Kap. 5, 22-24. 33). Ebenso heißt es in Kolosser 3, 18: „Ihr Weiber, seid euren Männern unterwürfig, wie es sich geziemt in dem Herrn“, und in 1. Petrus 3, 1: „Gleicherweise ihr Weiber, seid euren eigenen Männern unterwürfig“ usw. (Vergl. auch Tit 2, 5; 1. Tim 2, 11; 1. Kor 14, 34 ).

Woher kommt es nun wohl, dass Gott in Seinem Wort jene Ermahnungen so oft wiederholt, dass Er dem Mann immer wieder sagen lässt, dass er seine Frau lieben soll, und der Frau, dass sie ihrem Manne unterworfen sein soll? Weil die Sünde alles verdorben und in Unordnung gebracht hat, und weil unsere gefallene, verderbte Natur immer gerade das tun will, was der göttlichen Ordnung zuwider, ja, was selbst unnatürlich ist. Und da nun Gott weiß, wo unsere besonderen Gefahren und Versuchungen liegen, so lässt Er uns in Seiner Treue gerade das sagen, was uns vor diesen Gefahren warnt. Darum, O Frau, prüfe dich., inwieweit du den Gedanken Gottes entsprechend deinen Platz einnimmst, und inwieweit andere das in deinem Reden und Tun wahrnehmen können! Wie wir schon früher bemerkten, besteht für die Frau weit weniger die Gefahr, ihre Liebespflicht zu vergessen, als aus der Stellung der Unterordnung und Verborgenheit, in die sie Gott gestellt hat, herauszutreten und zu vergessen, dass sie berufen ist, unterwürfig und still zu sein. Wie grell tritt dieser unnatürliche Drang der Frau in der sogenannten Gleichberechtigung unserer Tage ans Licht!

Unterwürfigkeit ist ja überhaupt das Wesen des Christentums, Eigenwille und Unabhängigkeit das Wesen des Antichristentums. Der Eigenwille des Menschen ist die böse Quelle aller Übel in dieser armen Welt und beweist seine völlige Entfremdung von Gott, seinem Schöpfer, dem er Gehorsam schuldet. Wir haben deshalb alle die Ermahnung zur Unterwürfigkeit und Demut nötig, sowohl Gott als auch unseren Mitmenschen gegenüber (Vergl. 1. Petr 5, 5. 6; Eph 5, 21  und andere Stellen). Doch die Mahnung Gottes richtet sich in erster Linie an die gläubige Frau in dem besonderen Verhältnis, in dem sie steht.. Die Pflicht, gehorsam und unterwürfig zu sein, ist die natürliche Folge dieses Verhältnisses, sie ist unauflöslich damit verbunden; und wenn schon der Mangel an Unterwürfigkeit im allgemeinen üble Folgen hat, so doch ganz besonders im ehelichen Verhältnis. Wenn hier die eben genannte Pflicht nicht beachtet und erfüllt wird, so sind Unfriede, Zwietracht und Verunehrung des heiligen Namens Gottes das unausbleibliche Ergebnis.

Wie freundlich hat Gott aber dafür gesorgt, der Frau diese Unterwürfigkeit, dieses Sichunterordnen leicht zu machen! So wie Er dem Mann ein hohes, erhabenes Vorbild von seiner Stellung und der Erfüllung seiner Pflichten (als Haupt) in Christus Selbst gegeben hat, so zeigt Er der Frau in der Versammlung (oder Gemeinde) und deren Verhältnis zu Christus ein überaus schönes Bild von ihrem Platz und ihren Pflichten. „Gleichwie die Versammlung dem Christus unterworfen ist, also auch die Weiber ihren Männern in allem.“ Die Versammlung besteht nicht aus sich und für sich, sie hat kein Leben in sich selbst und außer Christus; sie ist geschaffen „in Christo Jesu“, ist aus Ihm entsprossen und lebt nur in Ihm und für Ihn. Darum handelt die Versammlung auch nicht nach Grundsätzen oder Bestimmungen, die sie selbst aufstellt (die untreue Kirche maßt sich dies allerdings an und wird dann eine Hure, eine Ehebrecherin, genannt), sondern ihre einzige Richtschnur ist Christus und Sein Wort.

Ebenso ist es mit der Frau; sie nimmt ihrem Mann, gegenüber den gleichen Platz ein, wie die Versammlung Christus gegenüber. Sie ist aus ihm entsprossen, Fleisch von seinem Fleisch, Gebein von seinen Gebeinen (1. Mose 2), und indem sie sich mit ihm verbindet, gibt sie nicht nur ihren eigenen Namen, sondern auch im gewissen Sinn ihre eigene Persönlichkeit auf, um künftig nur in ihm, dem Mann zu zählen. Sie geht ganz in ihrem Mann auf. Die beiden werden ein Fleisch. Sie lebt fortan nur noch in ihm und für ihn, als sein zweites Ich. Sie hat keinen eigenen Willen, kein Selbstbestimmungsrecht mehr, sondern ist ihrem Mann unterworfen in allem. Sie handelt nicht nach eigenem Ermessen, nach eigenem Gutdünken, sondern fragt in allem nach dem Willen ihres Mannes.

„In allem?“ wendet hier vielleicht unwillkürlich die eine oder andere meiner Leserinnen fragend ein. Ja, in allem, denn so steht es geschrieben. Die einzige Ausnahme, auf die wir noch zurückkommen, ist dann gegeben, wenn der Mann Forderungen an seine Gehilfin stellt, die diese um ihres Gewissens vor Gott willen nicht erfüllen könnte. Sonst ist keine Ausnahme gestattet. Aber, höre ich fragen, wenn nun der Mann einen harten, eigenliebigen oder gar einen wenig schätzenswerten Charakter hat und seiner Frau mehr auferlegt, als ihm zusteht? Oder wenn er eigensinnig und wunderlich ist, wenn er sie lieblos behandelt, kein freundliches Wort für sie hat, sondern eher einem Gebieter als einem liebenden Ehemann gleicht? In solchen Fällen ist es gewiss für eine Frau schwierig, in allem unterwürfig zu sein und still und demütig ihren Weg zu gehen, besonders wenn sie selbst von Natur wenig beugsam veranlagt ist; aber der Herr kann und will auch in solchen Lagen die nötige Gnade darreichen.

Der Charakter des Mannes ändert nichts an der Verpflichtung der Frau, gehorsam zu sein, ebenso wenig wie die Unberechenbarkeit und Verkehrtheit eines Herrn einen Untergebenen von seiner Verpflichtung entbindet, mit aller Treue und Gutwilligkeit zu dienen (1. Petr 2, 18), oder wie der persönliche Charakter eines Regenten oder die Ungerechtigkeit einer Regierung uns das Recht geben, uns gegen die Obrigkeit aufzulehnen und ihr den Gehorsam zu verweigern. Die Stellung der Frau bleibt immer dieselbe, und je schwieriger der Mann sie ihr macht, desto eifriger sollte sie darauf bedacht sein, ihren Platz in einer Gott wohlgefälligen Weise und in Treue gegen den Herrn auszufüllen.

In Treue gegen den Herrn sieh da, meine liebe Leserin, den Weg, auf dem es dir möglich ist, auch in den eben beschriebenen Fällen, ja selbst unter noch schwierigeren Verhältnissen, treu deinen Weg zu gehen und den Herrn zu verherrlichen. Es heißt in unserer Stelle: „Ihr Weiber, seid unterwürfig euren eigenen Männern, als dem Herrn.“ Das ist ein kostbares Wort. Gerade so wie den Sklaven einst zugerufen wurde: „Was irgend ihr tut, arbeitet von Herzen, als dem Herrn und nicht den Menschen, da ihr wisset, dass ihr vom Herrn die Vergeltung des Erbes empfangen werdet; ihr dienet dem Herrn Christo“ (Kol 3, 23. 24), ebenso wird auch den Frauen gesagt, dass sie ihren Männern unterwürfig sein sollen, als dem Herrn. Gott lenkt auf diese Weise den Blick von den sichtbaren Gegenständen, die oft gar wenig liebenswürdig und schätzenswert sind, ab und richtet ihn auf den Herrn. Welch eine Gnade war es für die armen Sklaven in jenen Tagen, dass sie in ihrer verachteten Stellung, ja, in allem was sie taten, sogar in den niedrigsten Tätigkeiten, dem Herrn Christus dienen durften; und welch ein Vorrecht ist es für eine Frau, in ihrer Stellung sagen zu können, in allem was ich tue, diene ich dem Herrn; bin ich unterwürfig, so bin ich es dem Herrn; leide ich, so leide ich dem Herrn; finde ich keine Anerkennung bei meinem Mann, so finde ich sie beim Herrn usw. Wie erträglich wird alles, auch das Schwerste und Widerwärtigste, sobald wir es vom Herrn annehmen und Ihm tun können! Mag es sich dann selbst um die Ausführung törichter und unvernünftiger Befehle handeln, der Gehorsam wird nicht schwer werden, weil man den Herrn vor Augen hat und um Seinetwillen bereit ist, die eigene, vielleicht bessere und richtigere Meinung preiszugeben und still zu sein. Der Blick ruht dann nicht auf dem Menschen und seiner Verkehrtheit, sondern auf dem Herrn und Seinem heiligen Willen.

Äußerst schwierig ist die Stellung der Frau, deren Mann ungläubig ist, vor allem, wenn er den Kindern Gottes feindlich gegenübersteht. Aber auch für einen solchen Fall hat das Wort Gottes Vorsorge getroffen. Nicht als ob es die eheliche Verbindung zwischen Gläubigen und Ungläubigen gutheißt; wir wissen, dass das Gegenteil der Fall ist. Aber wie oft wird es in den ersten Tagen der Christenheit vorgekommen sein, und wie oft kommt es auch heute noch vor, dass der eine von zwei Eheleuten nach der Verheiratung bekehrt wird, während der andere auf dem breiten Weg bleibt! Wir haben im ersten Teil unserer Betrachtung diese Möglichkeit schon im Blick auf den Mann besprochen und gesehen, wie viel Weisheit von oben, wie viel Liebe und Geduld ein gläubiger Mann nötig hat, um seiner noch nicht bekehrten Frau in der richtigen Weise zu begegnen und ihr zu dienen; ungleich schwerer aber ist es im umgekehrten Fall für eine gläubige Frau, die Pflichten gegen ihren Mann mit der Treue gegen Christus zu vereinigen. Da mag es dann wohl unmöglich werden, dem Mann in allem unterwürfig zu sein. Wenn dieser z.B. Forderungen an seine Frau stellen würde, die dem Wort und Willen Gottes zuwiderlaufen, so dass ihr Gehorsam dem Mann gegenüber Ungehorsam gegen Gott würde, dann würde auch für sie das Wort der Apostel zur Geltung kommen: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5, 29). Denn wenn eine Frau ihrem Mann „als dem Herrn“ gehorchen soll, so ist es offenbar, dass die Forderung, etwas direkt Sündhaftes zu tun, davon ausgenommen ist. Wie könnte sie irgendwelche Sünde mit dem heiligen Namen des Herrn in Verbindung bringen? Doch sollte eine Frau, die sich in einer solchen Lage befindet, sehr wachsam sein und sich im konkreten Fall genau prüfen, aus welchem Grund sie den Gehorsam verweigert. Unsere Herzen sind äußerst trügerisch, und Unterwürfigkeit liegt unserer Natur nicht. Darum muss die gläubige Ehefrau aufpassen, dass sie nicht etwa das Wort Gottes zur Rechtfertigung ihres Eigenwillens benutzt! So wahr es ist, dass der Herr die ersten und höchsten Rechte an die Seinigen hat, und so völlig Er es anerkennen wird, wenn eine Frau aus Gehorsam gegen Seinen bestimmt ausgesprochenen Willen sich weigert, etwas Sündhaftes zu tun, so wenig wird Er eine Handlung rechtfertigen, die nicht im Glauben und in der Treue gegen Ihn, sondern im eigenen Willen ihren Ursprung hat. Er mag es für gut finden, die Seele in einer Weise zu prüfen und zu üben, die sie nicht versteht, die ihr fast unerträglich erscheint und deren Nützlichkeit und Notwendigkeit sie nicht einsehen kann. Wenn aber der Glaube wirksam ist, so wird eine solche Schwester still auf den Herrn harren und, im Vertrauen auf Seine Güte und Weisheit, auf Seine Führung warten; und mag dann die Schule auch ernst sein und die Prüfungszeit lange dauern, so wird das Ende gesegnet sein, und das Ausharren wird reich belohnt werden.

Ich möchte an dieser Stelle einige Gedanken eines anderen inzwischen heimgegangenen Schreibers 2 anführen, die das Thema, das uns hier beschäftigt, sehr schön und klar beleuchten. Er sagt:  

„Wie sehr steht die Berufung der Frau zur Unterwürfigkeit in Übereinstimmung mit ihrem ganzen Wesen! Es kann keine Erniedrigung für sie sein, den Platz einzunehmen, auf den sie durch die Eigenart ihrer Natur hingewiesen wird: Sie wird fühlen, dass selbst dann, wenn die erforderliche Selbstverleugnung groß ist, so dass ihr die Unterwürfigkeit zuweilen schwer wird, sie doch ihrem Wesen gemäß nicht befriedigt sein kann, wenn sie ihre Berufung nicht beachtet. Denn seitdem die Sünde in der Welt ist, gibt es keine Berufung, die ohne Selbstverleugnung zu erfüllen ist.

O wie viel hat die christliche Frau hier anderen Frauen voraus! Sie hat gelernt, dass durch die Sünde alles verderbt und in Unordnung gebracht worden ist, so dass die Frau von Natur ebenso wenig ihrem Mann Gehorsam und Unterwürfigkeit entgegenzubringen vermag, wie der Mann imstande ist, seine Frau zu lieben. Doch durch den Glauben an Christus ist jetzt ein neues Leben in ihr, und in der Freiheit der Gemeinschaft mit Gott kann sie Kraft finden, um Gott durch Unterwürfigkeit gegen ihren Mann zu verherrlichen. Ihre Unterwürfigkeit ist, wie die der Versammlung, freiwillig, eine Unterwürfigkeit der Liebe; sie ist aus Gott. Die Grundsätze des Mannes sind ihre Grundsätze; seine Bestimmungen und Anordnungen sind ihre Richtschnur. Ihr Mann ist das Haupt, das leitet und regiert; sie folgt und ist gehorsam. Sie ist eine Tochter Saras, indem sie ihren Mann „Herr“ nennt (1. Petr 3, 6). In Familie und Haus gibt es also nicht zwei leitende Grundsätze, von denen heute der des Mannes, morgen der der Frau die Oberhand hat; in allem herrscht Einheit, eine Einheit, der die Frau sich fügt und die sie nicht willkürlich auf die eine oder andere Art bricht. Sie fordert nicht Rechenschaft von ihrem Mann, warum er im einen Fall so und im anderen Fall anders entscheidet, geradeso wenig wie die Versammlung sich anmaßt, von Christus Rechenschaft zu fordern bezüglich dessen, was Er für die Haushaltung Gottes bestimmt hat und zulässt. Und dass sie so handelt, ist ihre Ehre; sie findet darin ihre Befriedigung und fühlt, dass sie an ihrem Platz ist; ja, sie würde, wenn sie über diese Grenzen hinausginge, viel mehr sich selbst benachteiligen als ihren Mann. Der, vor dessen Auge sie ihren Weg geht, ist nicht ihr Mann, sondern der Herr; und darum ist sie unterwürfig, auch wenn ihr Mann sie nicht sieht, da sie weiß, dass das Auge des Herrn allezeit auf sie gerichtet ist.

Dieses Bewusstsein versetzt sie auch in die Lage, selbst dann Unterwürfigkeit zu beweisen, wenn große Selbstverleugnung damit verbunden ist. Es gibt ja leider Männer, auch Männer gläubiger Frauen, die „dem Worte nicht gehorchen.“ In diesem Fall ist die Unterwürfigkeit oft keine leichte Sache. Wenn z.B. der Mann (der übrigens nicht über den Geist seiner Frau zu verfügen mag, sondern nur Macht hat über ihren Leib) die Frau daran hindert, den mancherlei geistlichen Bedürfnissen und Wünschen ihres Herzens zu folgen, so hat sie sehr nötig, das Bewusstsein ihrer Berufung vor Gott festzuhalten, damit sie die Stellung der Unterwürfigkeit nicht verlässt. Ihr Mann kann und darf sie nicht hindern, ihr Herz dem Herrn zu übergeben, Ihm zu dienen und in Gemeinschaft mit Ihm zu leben; aber er kann ihr z.B. verbieten, Witwen und Waisen zu besuchen, und doch würde sie so gern zu diesem Zweck zuweilen ihr Haus verlassen; er kann ihr untersagen, Kinder Gottes bei sich zu empfangen und sie zu beherbergen, und doch möchte sie diesen am liebsten ihr Haus öffnen. Sie würde gern mehr an Armen und Kranken tun, gern mehr Hungrige speisen und Bedürftige kleiden, aber ihr Mann erlaubt ihr es nicht. Stünde nun der Herr nicht vor ihren Augen, so könnte sie leicht dem Gedanken Raum geben, sie habe in diesen Dingen Freiheit, den Platz des Gehorsams zu verlassen und gegen den Willen ihres Mannes zu handeln.

Oder aber ihr Mann ist nicht ein Hindernis für sie in dem eben angedeuteten Sinn, aber seine Wege bereiten ihr viel Kummer, da es Wege der Sünde und des Todes sind. Wie leicht kann sie sich da verleiten lassen, anstatt unterwürfig zu bleiben, durch Vorwürfe und Strafpredigten die Rolle einer Sittenlehrerin zu spielen, so dass zu all dem Verkehrten, das sich bei ihrem Mann zeigt, auch noch Verbitterung hinzukommt. Oder ihr Mann findet Freude daran, sie zu ärgern und zu quälen, vielleicht gar zu misshandeln wie groß ist dann die Gefahr für sie, Schimpfwort mit Schimpfwort zu beantworten und, anstatt sich noch mehr und noch tiefer zu beugen und zum Herrn zu rufen, gegen ihren Mann aufzutreten in Widerspenstigkeit und Zorn. Ist sie aber unterwürfig, nicht deshalb weil ihr Mann ihr die Unterwürfigkeit so leicht macht, sondern weil es der Wille des Herrn ist und sie danach verlangt, Ihm zu gefallen, so wird sie in der Kraft des Herrn vermögen, „Frau“ zu bleiben. Mag auch ihr Mann die Liebe, die er ihr schuldet, ihr nicht erweisen und so seiner Berufung nicht entsprechen, sie hat sich einmal ihm gegeben, und sie bewahrt in Demut ihren Platz, denn sie weiß, dass sie sein ist und sein bleibt, so lange er lebt. Das ist dann der „in Furcht keusche Wandel“, durch dessen Anschauen der Mann gewonnen werden kann (1. Petr 3,1.2).

Je mehr eine Frau „Frau“ ist, d.h. je mehr sie in Schwachheit den ihr beschiedenen Weg des Gehorchens, des Duldens und Tragens geht, eine um so größere Kraft übt sie aus, geradeso wie auch die leidende Kirche manches trotzige Herz, das für Worte unzugänglich war, durch ihr stilles Dulden und Ausharren zur Erkenntnis der Wahrheit geführt hat. Ja, eine Kraft geht von einer solchen Frau 3 aus, die stärker ist als das Wort. Darum, ihr Frauen, wenn ihr nur die schwachen, unterwürfigen Frauen bleiben wollt, wie Gott es bestimmt hat, so braucht ihr nicht zu meinen, dass euch keine Kraft zugeteilt ist; und ihr habt wirklich nicht nötig, euch eine Kraft anzueignen, die außerhalb der Grenzen eurer Berufung liegt. Der Herr sei mit euch, dass ihr stets die siegende Kraft der duldenden Liebe offenbaren könnt!“

Wir kommen jetzt. zu den einzelnen Ermahnungen, die das Wort Gottes der Frau gibt. Wir werden wieder sehen, wie genau Gott die Gefahren und Versuchungen kennt, die auf dem Weg einer gläubigen Frau liegen, und wie Er in Gnade und Treue ihnen zu begegnen sucht.

„Das Weib aber, dass sie den Mann fürchte“, mit diesen Worten schließt der Apostel seine kostbaren Unterweisungen in Epheser 5. Es ist gleichsam das Fazit, das er aus seiner ganzen Belehrung zieht. Der Mann soll seine Frau so wie sich selbst lieben, und die Frau soll ihren Mann fürchten. Ein schönes und ernstes Ergebnis! Es ist schon darauf hingewiesen worden, dass hier von keiner sklavischen Furcht die Rede sein kann; denn die Frau ist nicht die Sklavin des Mannes, sondern seine Gehilfin. Aber nie sollte sie vergessen, dass ihr nicht die Berufung von Gott zuteil geworden ist, zu herrschen, vor allem nicht über ihren Mann zu herrschen, sondern ihn zu ehren und zu achten, ihm zu gehorchen, wie einst Sara dem Abraham gehorchte und ihn „Herr“ nannte (1. Petr 3, 6), ja, ihn zu fürchten, wie die Versammlung Christus, ihren Herrn, fürchtet. So schreibt Paulus auch an Timotheus: „ich erlaube aber einem Weibe nicht..., über den Mann zu herrschen, sondern stille zu sein“ (1. Tim 2, 12). Die Begründung dieses Ausspruches ist einfach und ernst: „Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva“; und weiter: „Adam wurde nicht betrogen, das Weib aber wurde betrogen und fiel in Übertretung.“ Bei der Erschaffung stand sie also erst an zweiter Stelle, ja, sie wurde von Adam genommen; aber im Sündenfall nahm sie den ersten Platz ein. Zwei wichtige Tatsachen, die eindringlich reden! In unseren Tagen; wo so viel von den allgemeinen menschlichen Rechten und von der Gleichberechtigung und Ebenbürtigkeit der Frau mit dem Mann geredet wird, ist es gut und heilsam, sich an das ewig bleibende, unveränderliche Wort Gottes zu erinnern. „Das Weib aber, dass sie den Mann fürchte“ so spricht die göttliche Weisheit, so hat Gott es angeordnet; und darum sieh zu, liebe gläubige Frau, dass du dem Gebot Gottes nachkommst und in keiner Beziehung Seine Ordnung ins Gegenteil zu verkehren suchst!

Auch in der bereits, angeführten Stelle aus dem ersten Petrusbrief ist von einem in Furcht keuschen Wandel die Rede, und zwar handelt es sich dort, wie wir wissen, um Frauen, deren Männer „dem Worte nicht gehorchen.“ Also auch da ist Wandel „in Furcht“ geboten. Zugleich „in Keuschheit“. Das führt uns zu einer großen Gefahr, der das weibliche Geschlecht in besonderer Weise ausgesetzt ist; diese Gefahr heißt Gefallsucht. Wie zeigt sich diese böse Neigung schon bei einem Kind, wie tief ist sie eingewurzelt und wie reißend schnell wächst sie mit den Jahren! Wie verunziert sie so manches junge Mädchen und, wir müssen leider hinzufügen, auch so manche Frau! Welche großen Gefahren birgt sie zugleich in sich für die Reinheit und Keuschheit des Herzens!

Hören wir, was Gottes Wort in dieser Beziehung den Frauen zu sagen hat: „Desgleichen auch, dass die Weiber in bescheidenem Äußeren, mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit sich schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung, sondern was Weibern geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen, durch gute Werke“ (1. Tim 2, 8-10). „Gleicherweise ihr Weiber, seid euren eigenen Männern unterwürfig, auf dass, wenn auch etliche dem Worte nicht gehorchen, sie durch den Wandel der Weiber ohne Wort mögen gewonnen werden...; deren Schmuck sei nicht der auswendige durch Flechten der Haare und Umhängen von Gold oder Anziehen von Kleidern, sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unverweslichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, welcher vor Gott sehr köstlich ist“ (1. Petr 3, 1-4).

Es gehört nicht zu unserem eigentlichen Thema, diese Ermahnungen in ihrer allgemeinen Anwendung zu besprechen; wir haben es nur mit der verheirateten Frau zu tun. Doch was für die Frauen im allgemeinen wahr ist, gilt auch im besonderen der verheirateten Frau, ja ihr um so mehr, als ihr Einfluss naturgemäß größer ist, als der einer alleinstehenden Schwester. Ihr Verhalten ist meist tonangebend für die übrigen weiblichen Glieder der Familie oder des Haushalts; ja, es drückt dem ganzen Haus, dem besonderen Wirkungskreis der Frau, seinen Stempel auf. Sie kann deshalb viel Gutes, aber auch viel Böses tun. Ist sie eitel, liebt sie Prunk und äußeren Schein, so werden Kinder und Angestellte, ja, die Einrichtung des ganzen Hauses dementsprechend erscheinen. Ist sie einfach und anspruchslos, liebt sie ein bescheidenes Äußeres, so wird das ganze Haus denselben wohltuenden Eindruck auf den Beschauer machen, selbst wenn Gott dem Mann viel Hab und Gut geschenkt hat. Dass zwischen den Häusern der Gläubigen, je nach deren irdischen Verhältnissen, ein Unterschied besteht, ist selbstverständlich; aber ob reich oder arm an irdischen Gütern jeder Mann und jede Frau sollten überlegen, wie sie in ihrer besonderen Lage und Stellung dem Herrn gefallen und anderen zum Nutzen und zur Erbauung sein können (Röm 15,2).

„In bescheidenem Äußeren“, was will das sagen? Beziehen sich diese Worte nur auf die Kleidung der Frau? Oder gelten sie auch für ihr ganzes Benehmen? Sie nehmen sicherlich Bezug auf beides. Darum wird auch sogleich hinzugefügt: „mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit.“ So schmückt euch also, ihr Frauen, in dieser lieblichen Weise! Schmückt euch für eure Männer, eure Kinder, eure Häuser, ja, vor allem für den Herrn! Der Hang, sich zu schmücken, liegt ja in der weiblichen Natur. Gott verurteilt ihn nicht, aber Er möchte ihn gern in die rechten Bahnen lenken. Darum schmückt euch: nur nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung, sondern „was Weibern geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen, durch gute Werke.“ Wie schön und lieblich ist es, eine Frau zu sehen, die sich in dieser Weise schmückt; die einfach und bescheiden auftritt, sich nicht in den Vordergrund drängt, nicht aufzufallen und sich bemerkbar zu machen sucht, sondern still und anspruchslos ihre wichtige Arbeit tut; die sich freut, dienen, hören und lernen zu dürfen, und die schon in ihrer äußeren Kleidung zu erkennen gibt, dass sie einen anderen Schmuck kennt als den, der aus Perlen, Ringen und kostbaren, neumodischen Kleidern besteht. Eine solche Frau ist sicherlich nicht nachlässig in ihrer Kleidung, oder gar unordentlich und unsauber im Blick auf sich selbst oder ihr Hauswesen. Das wäre kein Schmuck, nicht Anziehendes für Gott und Menschen. Nein, sie ist sich ihrer Verantwortlichkeit in dieser Beziehung wohl bewusst und ist besorgt, „dass sie ihrem Manne gefallen möge.“ Sie weiß ganz gut, wie sie durch ihr stilles, freundliches Walten, durch Ordnung und Sauberkeit im Haus ihrem Mann sein Heim lieb und wert machen kann; und sie weiß auch, wie das Gegenteil schon manchem Mann das Haus verleidet und ihn auf verkehrte Wege getrieben hat. Das Bild einer unordentlichen schwatzhaften Frau, wie es in 1. Timotheus 5, 13 entworfen wird, ist ihr ein Gräuel: „müßig, in den Häusern umherlaufend,. nicht allein müßig, sondern auch geschwätzig, vorwitzig, redend was sich nicht geziemt.“ Sie beherzigt das Wort: „Ein Weib lerne in der Stille in aller Unterwürfigkeit“; und sie weiß, dass der Bereich ihrer Tätigkeit in erster Linie das Haus ist, obwohl sie jedem guten Werk nachgehen darf und soll (1. Tim 5, 10).

O möchte Gott geben, dass alle gläubigen Frauen diesem Bild mehr nachstreben! Die „heiligen Weiber, die ihre Hoffnung auf Gott setzten“ (1. Petr 3, 5), schmückten sich einst in dieser Weise, und Gott hat es nicht übersehen. Ihre Geschichte steht aufgezeichnet auf den Blättern des Wortes Gottes, und was sie in der Stille getan und wie sie sich mit diesem vor Gott so köstlichen, „unverweslichen Schmuck“ geschmückt haben, das wird in Ewigkeit nicht vergessen werden. Ach dass so viele christliche Frauen solchen Wert auf ein auffallend schönes Kleid legen! Frage dich selbst, liebe Leserin: Ist es einer Jüngerin des demütigen und niedrigen Jesus von Nazareth würdig, so viel Wert auf Kleidung und Schmuck zu legen? Würdest du wohl so viel von Mode und neuestem Schnitt reden, wenn der Herr Jesus neben dir stünde? Würdest du in deinem modischen Kleid und mit deinem sonstigen Schmuck gern an der Seite deines Herrn und Heilandes über die Straße gehen?

Sage nicht, man dürfe die Sache nicht übertreiben; das sei nicht so schlimm. Sage auch nicht, man müsse diese Dinge dem Gewissen jedes einzelnen überlassen; man könne auch mit einem kostbaren Kleid ein demütiges Herz haben, und umgekehrt, mit einem einfachen ein stolzes. Das ist gewiss wahr, aber deshalb bleiben die ernsten und klaren Weisungen des Wortes Gottes doch zu Recht bestehen. Hüte dich davor, dass du die Schärfe dieses zweischneidigen Schwertes nicht abzustumpfen suchst. Ein ernster, vorurteilsfreier Blick in unsere Sonntagsversammlungen (besonders in den größeren Städten) genügt, um uns zu zeigen, dass es in unserer Mitte viel Hang zur Eitelkeit und zu „auswendigem“ Schmuck gibt. Wie betrübend und demütigend ist diese Tatsache, besonders wenn wir an unser Zusammenkommen am Tisch des Herrn denken! Wir verkündigen da den Tod unseres Herrn, des von der Welt verworfenen und gekreuzigten Heilandes, mit dem wir ebenfalls verworfen und gekreuzigt zu sein bekennen. Wir sagen, dass wir hinausgegangen sind außerhalb des Lagers und die Schmach Christi tragen. Wir versammeln uns als Kinder des heiligen Gottes, als Seine von der Welt und ihrem Wesen abgesonderte Familie. Der Herr Selbst ist in unserer Mitte, und des Vaters Auge schaut vom Himmel auf uns herab. Wir sind gewaschen, gereinigt und geheiligt; die Schmach Ägyptens (der Welt) ist von uns abgewälzt. Und bei alledem beweisen so viele von uns durch ihr ganzes Äußeres, dass sie praktisch „noch in der Welt leben“. Ihre Kleidung, ihr Schmuck, ja ihr ganzes Benehmen trägt die deutlichen Spuren Ägyptens, die hässlichen Flecken der Welt. O ihr Frauen und Mütter, hört auf die ernsten, eindringlichen Worte Gottes! Wachet auf, wenn ihr eingeschlafen seid, zu einem tiefen, lebendigen Bewusstsein eurer Verantwortlichkeit sowohl dem Herrn, als auch euren Häusern und nicht zuletzt auch euren Kindern gegenüber! Erbittet euch viel Gnade von Gott, um dieser Verantwortlichkeit entsprechen zu können, indem ihr selbst ein gutes Vorbild seid „in dem unverweslichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, welcher vor Gott sehr köstlich ist.“

Bezüglich dieses sanften und stillen Geistes bemerkt der weiter oben schon einmal angeführte Schreiber: „Die Schrift nennt dies den Schmuck der Frau. Der Herr erlaubt also der Frau, sich zu schmücken. So wie Er, indem Er sie zur Keuschheit und Unterwürfigkeit ermahnte, damit zugleich ihrem eigenen Bedürfnis Ausdruck gab, erkennt Er hier in der Frau den Zug an, den Er Selbst in sie gelegt hat, nämlich sich gern zu schmücken. Doch dürfen wir nicht vergessen, dass durch die Sünde die Gestalt und das Verhalten von allem verdorben und verkehrt worden ist; so ist es auch den Frauen seit jener Zeit mit ihrem Hang, sich zu schmücken, ergangen. Die Kleider, die an und für sich schon eine Folge der Sünde sind (1. Mose 3, 7. 21), sind für die Frau das geworden, was ihr eine hübsche, angenehme Erscheinung geben soll. Das Flechten der Haare und das Umhängen von Gold und Perlen hat sie zu einem Gegenstand ihres eifrigen Bemühens gemacht. Aber ach! Er, der sie erschaffen hat, und der am besten weiß, was sie nötig hat, hält sie noch keineswegs für geschmückt, wenn sie auch mit den kostbarsten Schmucksachen und schönsten Kleidern angetan wäre. Er versagt ihr weder Kleider noch guten Geschmack; aber wenn sie nichts anderes aufweisen kann als das, so muss Er über sie urteilen, dass ihr der einzig wahre Schmuck fehlt. Und dieser in Gottes Augen so kostbare Schmuck ist „ein sanfter und stiller Geist.“ Glücklich die Frau, die das verstanden hat! Sie, „die Stille“, scheut allen unnötigen Lärm, und selbst in der Verrichtung ihrer häuslichen Arbeiten geht sie still ihren Weg. Vor allem hält sie sich fern von aller Schwatzhaftigkeit. Sie spricht nicht viel, und darum hat sie Zeit, über ihre Worte nachzudenken. Sie gleicht in keiner Weise jenen geschwätzigen Frauen, die durch ihre scharfe Zunge sowohl in ihrem eigenen Haushalt als auch in anderen Familien oft so großes Unheil anrichten. Sie trägt deshalb auch keine Schuld daran, wenn so viel Sturm und Unfrieden geerntet wird infolge der Klatschereien und Verleumdungen solcher Frauen, die reden, was sich nicht geziemt (1. Tim 5,13).“

Auch ist sie „sanftmütig“. Heftigkeit und Härte sind ihr fremd. Sie kann viel ertragen, nicht nur die großen Beschwerden, die das Leben mit sich bringt, sondern vor allem auch jene kleinen Mühen, die in einem Haushalt, besonders wenn er etwas zahlreich ist, täglich und stündlich vorkommen. Und während sie selbst sich nicht aufregen lässt, weiß sie durch ihre Sanftmut einen beruhigenden Einfluss auf andere auszuüben, sodass mancher Anlass zu Zorn und Streit weggetan wird. Sie ist eine wahre Friedensstifterin (Mt 5, 9), so recht geeignet, Zwistigkeiten aus dem Weg zu räumen, Erzürnte miteinander zu versöhnen und ein liebliches Einvernehmen zu fördern. Auch ist sie nicht nur zum Schein, nur äußerlich, sanft und still; nein, alles gelingt ihr, weil sie sanften und stillen Geistes ist. Es steht innerlich so bei ihr, und darum kommt dieselbe Gesinnung auch nach außen zum Ausdruck. Und es ist deshalb so bei ihr, weil Gott es in ihr gewirkt hat. Sie hat durch die Belehrung des Geistes Gottes gelernt, so zu sein, und vielleicht auf dem Weg vieler Demütigung. Deshalb hat sie auch den Wunsch, immer noch mehr auf diesem Weg zu lernen.

Die Frau, die so geschmückt ist, wird wenig Verlangen nach anderem Schmuck haben. Um auf andere einen angenehmen Eindruck zu machen und dazu dient ja der Schmuck braucht sie nicht zu kostbaren Kleidern, Gold oder Perlen ihre Zuflucht zu nehmen. Überall wo sie sich zeigt, lässt sie ein liebliches Bild zurück, das Bild der Stille und der Sanftmut. Darum kleidet sie sich einfach, und ihr Schmuck ist die „Schamhaftigkeit und Sittsamkeit“, der „sanfte und stille Geist“, verbunden mit „guten Werken“... Denn obwohl sie in ihrer Familie zurückgezogen lebt und im öffentlichen Leben, dem Bereich der Tätigkeit des Mannes, nicht in Erscheinung tritt, ist es ihr keineswegs zu verwehrt, gute Werke zu tun... Im Gegenteil, manches schöne Werk kann durch die Frau verrichtet werden. Der Mann mag stolze Bauten, herrliche Kunstwerke und dergleichen zustandebringen, Dinge die die Menschen preisen; aber die Frau ist dazu bestimmt, Werke zu tun, die nicht ins Auge fallen, die aber der Herr preist, und die einen lieblichen Wohlgeruch um sich her verbreiten. Ihr häusliches Leben, fern von dem Gewühl der Öffentlichkeit, erlaubt es ihr, viel zu den Füßen des Herrn zu sitzen und Worte von Ihm zu hören, die ihr einen weit höheren Genuss bereiten, als das laute Lob, das dem Mann in seinem Wirkungskreise vielleicht zuteil wird. Möchten alle gläubigen Frauen fühlen, dass wir hier eine Saite berühren, die in ihrem Innersten nachklingen sollte! Die Frau, die hierfür kein Verständnis hat, ist tief zu beklagen.

Eine besondere Verheißung wird der sittsamen, gläubigen Frau noch in 1. Timotheus 2, 15 gegeben, die sehr tröstlich ist. Die Frau war es, durch die die Sünde in die Welt kam, und mit ihr der Fluch, ja mit ihr auch das besondere Gericht, das der Herr in 1. Mose 3, 16 über Eva ausspricht. Welch ein Trost ist es nun für eine gläubige Frau, hier zu hören, dass gerade das, was als Strafe für ihre Schuld über sie gekommen ist, zu einer Veranlassung für Gott wird, ihr Seine Barmherzigkeit und gnädige Hilfe in besonderer Weise zu offenbaren! Sie wird in ihrer schweren Stunde gerettet werden, wenn sie in allem wandelt, was das weibliche Geschlecht fähig macht, die wichtigsten Pflichten, die ihm auferlegt sind, zur Ehre Gottes und mit glücklichem Herzen zu erfüllen, d.h. wenn sie bleibt „in Glauben und Liebe und Sittsamkeit.“

Im Lauf unserer Betrachtung ist wiederholt von „guten Werken“ die Rede gewesen, die die Frau tun kann, und es ist wohl angebracht, hier kurz auf einige hinzuweisen. Wir werden dabei auch Gelegenheit haben, uns an einige „heilige Weiber“ zu erinnern, deren Namen uns das Wort Gottes aufbewahrt hat. Dass sich die guten Werke der Frau fast durchweg auf einem anderen Gebiet bewegen als die des Mannes, liegt in der Natur der Sache.

Die Worte des Apostels Paulus in 1. Timotheus 5, 10 geben uns einen guten Leitfaden für diesen Teil unserer Betrachtung an die Hand; sie beschreiben das Tun einer wahrhaft christlichen Frau. Der Apostel sagt dort von den Witwen, die in die Liste der Versammlung als unterstützungsberechtigt eingetragen werden sollten: „Eine Witwe werde verzeichnet, wenn sie... ein Zeugnis hat in guten Werken, wenn sie Kinder auferzogen, wenn sie Fremde beherbergt, wenn sie der Heiligen Füße gewaschen, wenn sie Bedrängten Hilfe geleistet hat, wenn sie jedem guten Werke nachgegangen ist.“ Eine schöne Reihe begehrenswerter Dinge, nicht wahr? Betrachten wir sie kurz der Reihe nach. Der Apostel beginnt mit dem, was einer Frau und Mutter stets am nächsten liegen wird, wenn er sagt: „wenn sie Kinder auferzogen hat.“ Es ist wohl nicht nötig, darauf hinzuweisen, dass der Apostel nicht meint: „Wenn sie Kinder gehabt und diese großgezogen hat, ganz gleich, wie sie aufgewachsen sind, und was aus ihnen geworden ist.“ Nein, auf christlichen Eltern ruht die heilige Pflicht, ihre Kinder aufzuziehen „in der Zucht und Ermahnung des Herrn.“ Mag in dieser Beziehung nun auch der Mann der am meisten verantwortliche Teil sein, so kann sich die Frau doch ihrer Verantwortlichkeit nicht entziehen. Im Gegenteil, in den ersten Jahren liegt die Erziehung der Kinder größtenteils in den Händen der Mutter, und selbst bei zunehmendem Alter der Kinder ist der Vater infolge der heutigen Erwerbsverhältnisse in sehr vielen Fällen zu selten zu Hause, um seiner Pflicht entsprechen zu können, wie es nötig und gut wäre.

Da liegt also ganz von selbst die Erziehung mehr auf der Frau; und jeder weiß auch, wie wichtig und heilsam der Einfluss der Mutter auf das Gemüt der Kinder ist, ja, wie er vielfach für das ganze Leben entscheidend wirkt. Wer kann auch so liebevoll bitten und ermahnen, wer so herzlich warnen und zureden wie eine Mutter? Wer versteht es so, dem Kind die Liebe des großen Kinderfreundes vorzustellen und mit ihm zu beten, wie die Mutter; wer so herzlich und innig mit ihm zu fühlen, an seinen Freuden und Kümmernissen teilzunehmen, wie das Mutterherz? Darum, ihr Frauen und Mütter, seid eifrig und fleißig auf diesem Gebiet eurer Tätigkeit! Es ist so weit und groß und so viel versprechend, und es wird so häufig vernachlässigt! Ein Diener des Herrn unterhielt sich mit einem kleinen Mädchen in Abwesenheit der Mutter über diese ewigen Dinge. Nachdem er ihr einiges aus dem Alten Testament und dann aus dem Leben Jesu erzählt hatte, sagte er zu ihr: „Deine Mutter erzählt dir gewiss auch viel von dem Herrn Jesus, nicht wahr?“ „Nein“, erwiderte sie, „meine Mutter hat keine Zeit, mir zu erzählen.“

Geht es nicht mancher vielbeschäftigten Mutter auch so? Die Kleidchen, die sie machen, das Kochen, Backen, Putzen nehmen sie so völlig in Anspruch, dass ihnen „keine Zeit“ übrigbleibt, um ihre Kinder um sich zu sammeln und ihnen von dem Herrn Jesus zu erzählen; keine Zeit, um ein Lied zu Seinem Preise mit ihnen anzustimmen. Und doch hören und singen und fragen die Kleinen so gern. O ihr lieben fleißigen Mütter, vergesst über den täglichen Sorgen und Mühen nicht das, was am meisten Not tut. Redet mit euren Kindern von dem Herrn Jesus, erzählt ihnen aus dem reichen Schatz der biblischen Erzählungen das, was zu ihrer Belehrung und Förderung dienen kann. Ihr werdet vielleicht die Freude erleben, dass eure Kinder schon früh den Heiland kennen lernen; jedenfalls werden die gesegneten Früchte einer solchen Arbeit nicht ausbleiben. Wie beneidenswert ist ein Mensch, der, wie einst Timotheus, „von Kind auf die heiligen Schriften kennt, die vermögend sind, weise zu machen zur Seligkeit“! Wie nachahmenswert ist das Beispiel solcher Mütter und Großmütter wie Eunike und Lois! (2. Tim 1, 5; 3, 15).

Hier noch ein anderer Gedanke, der sich mir aufdrängt. Manche Mutter ist verdrießlich über die Zahl ihrer Kinder und hadert in der Stille mit Gott und Menschen, dass ihr eine so schwere Last aufgelegt wurde. Bei allem Mitgefühl mit der schwierigen Lage einer kinderreichen, vielgeplagten Mutter muss ich doch sagen, dass sie Unrecht tut und sich versündigt, wenn sie anfängt zu murren und in ihrem Herzen gegen Gott aufbegehrt. Denn Kinder sind eine kostbare Gabe Gottes, und eine gläubige Mutter sollte sie als solche betrachten und sie mit dankbarem Herzen, so weit es an ihr liegt, für den Himmel erziehen. Betrachtet sie die Sache von diesem Gesichtspunkt aus, so wird ihr jede Mühe leichter werden, und sie wird erfahren, dass der Herr ihr nicht mehr auflegt, als sie tragen kann, und dass Er mit ihr ist, mit ihr fühlt und ihre Gebete hört und erhört (Ps 115, 13. 14).

Wir kommen jetzt zu dem zweiten Punkt in der schönen Reihe guter Werke; er lautet: „wenn sie Fremde beherbergt, wenn sie der Heiligen Füße gewaschen hat.“ Schon im Alten Testament hören wir viel von Gastfreundschaft. Gott ermahnt Sein Volk Israel an vielen Stellen, dem Fremdling Gutes zu tun, ihn zu bewirten und zu beherbergen. Hiob sagt von sich: „Der Fremdling übernachtet nicht draußen, ich öffnete dem Wanderer meine Tür“ (Kap. 31, 32). Ja wir finden, dass schon in den frühesten Zeiten die Gastfreundschaft in hohen Ehren stand, und dass Männern, wie Abraham, Lot und Manoah auf diese Weise die Auszeichnung zuteil wurde, Engel zu bewirten und zu beherbergen. Bei Abraham und selbst bei Lot sehen wir, wie die unbekannten Fremdlinge zum Einkehren freundlich eingeladen und durch Fußwaschung und reichliche Bewirtung erquickt werden (Vergl. 1. Mose 18, 1-8; 19, 1-3; 24, 17-25; 2. Kön 4, 8-10  und andere Stellen). In 5. Mose 10, 17-19 lesen wird, dass „Gott den Fremdling liebt, so dass er ihm Brot und Kleider gibt“; und damit wird die Ermahnung verbunden: „Und ihr sollt den Fremdling lieben, denn Fremdlinge seid ihr gewesen im Lande Ägypten.“

Noch viel mehr aber ist die Gastfreundschaft eine christliche Tugend, und zahlreich sind die Stellen im Neuen Testament, in denen wir zu ihrer Ausübung dringend ermahnt werden. So lesen wir in Römer 12, 13: „Nach Gastfreundschaft trachtet“; in 1. Petrus 4, 9: „Seid gastfrei gegeneinander ohne Murren“, und in Hebräer 13, 2: „Der Gastfreundschaft vergesset nicht, denn durch dieselbe haben etliche ohne ihr Wissen Engel beherbergt“ (Vergl. auch 3. Joh 5; 1. Tim 3, 2; Tit 1, 8; Mt 25, 35-40; Apg 16, 15  usw.). Naturgemäß fällt der Frau bei Ausübung der Gastfreundschaft die meiste Mühe zu, und so liegt bei ihr auch die Gefahr nahe, müde zu werden oder zu murren, besonders wenn die Gäste unscheinbar sind oder ihrer Mühe wenig Anerkennung zollen. Auch mag es zuweilen unangenehme Arbeiten geben, wie z.B. das Waschen der Füße der Heiligen eine niedrige, für die Natur wenig angenehme Arbeit war. Aber je unangenehmer und niedriger der Dienst ist, je mehr er Verleugnung des eigenen Ichs erfordert, desto wohlgefälliger ist er vor dem Herrn. Ja, lass uns nicht vergessen, liebe Leserin, dass der Herr in Matthäus 25, 40 denen zu Seiner Rechten antwortet: „Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es einem der Geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan.“

Als drittes in der Reihe folgt dann: „...wenn sie Bedrängten Hilfe geleistet hat.“ Auch hier eröffnet sich der Liebestätigkeit der Frau ein weites Feld. Arme und Kranke, Schwache und Bedrängte gibt es immer um uns her. Weißt du, liebe Schwester, dass diesen gegenüber eine besondere Liebespflicht auf dir ruht, die den Mann nicht in derselben Weise angeht wie dich? Suchst du ein wenig von deiner Schuld abzutragen? Auch in dieser Hinsicht bietet dir das Wort Gottes viele ermunternde Beispiele. Der Name „Dorkas“ ist dir bekannt; aber du tust gut, Apostelgeschichte 9, 36-39 ab und zu wieder zu lesen. Wir sind ja leider so vergessliche Hörer! Den Namen „Phöbe“ kennst du ebenfalls; von ihr sagt der große Apostel: „Sie ist vielen ein Beistand gewesen, auch mir selbst“ (Röm 16, 1. 2). Welch eine Ehre für diese Schwester! „Abigail“ im Alten Testament ist ein weiteres schönes Beispiel von einer Frau, die bereit war, Bedrängten Hilfe zu leisten. Zugleich sehen wir bei ihr, wie sie durch ihre Sanftmut und ihren Verstand das Verderben von dem Haupt ihres bösen Mannes abwandte und selbst David von einer Tat zurückhielt, die ihm später „zum Anstoß und zum Herzensvorwurf gereicht hätte“ (1. Sam 25).

Wir könnten noch manche anderen Beispiele anführen, aber diese genügen. Die Schlussworte in unserer Stelle: „wenn sie jedem gute Werke nachgegangen ist“ lassen Raum für noch manche andere gesegnete Tätigkeit der Frau; und in der Tat finden wir in der Schrift noch andere beherzigenswerte Winke in dieser Beziehung. Von welch großem Nutzen kann z.B. die Frau eines Dieners des Herrn sein, sowohl für ihren Mann, als auch für das Werk selbst! Wie wichtig ist ihr Platz an der Seite ihres Mannes, mag dieser nun in der Heimat oder im Ausland seinen Dienst tun! In Römer 16 hören wir von einer Maria, die sehr für die Gläubigen gearbeitet hatte; ferner von zwei Frauen namens Tryphäna und Tryphosa, die „im Herrn arbeiteten“; endlich von Persis, der Geliebten, die „viel gearbeitet hatte im Herrn.“ In Philipper 4, 3 wird von zwei Frauen gesagt, dass sie mit dem Apostel am Evangelium mitgekämpft haben, und in Römer 16, 3 nennt der Apostel Priska (oder Priscilla) und Aquila, ihren Mann, seine Mitarbeiter in Christo Jesu, wobei er die Frau sogar vor dem Mann nennt, was sicherlich nicht ohne Bedeutung ist. Sie hatten beide für das Leben des Apostels ihren eigenen Hals preisgegeben, und sich nicht nur seinen Dank, sondern auch den aller Versammlungen erworben. Auch in der Apostelgeschichte werden die Namen dieses würdigen Ehepaares wiederholt genannt, und einmal (Kap. 18, 26) lesen wir sogar: „Als aber Aquila und Priscilla ihn (d.i. den Apollos) hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten (also beide) ihm den Weg Gottes genauer aus.“

Im Alten Testament hörten wir von Frauen, „die weisen Herzens waren“, sodass sie an dem Werk für die Stiftshütte nach ihren Kräften und Fähigkeiten teilnahmen. Alle verständigen Frauen, die ihr Herz trieb, „spannen mit ihren Händen und brachten das Gespinst.“ Das eherne Waschbecken und sein Gestell wurde von den Spiegeln der Frauen hergestellt, die sich am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft aufhielten. So nahmen sie auf ihre Weise mittelbar oder unmittelbar teil am Werk des Herrn. Im Neuen Testament begegnen wir heiligen Frauen, die dem Herrn Jesus nachfolgten und Ihm mir ihrer Habe dienten. Eine Frau war es auch, die den Herrn Jesus salbte, und wir wissen, wie sehr Sein Herz dadurch erquickt wurde. „Was machet ihr dem Weibe Mühe?“ sagt Er zu Seinen unverständigen Jüngern, „denn sie hat ein gutes Werk an mir getan“ (Mt 26, 10).

Es ist genug gesagt, um zu zeigen, dass eine Frau, die das schönste Bild, das das Wort Gottes von der gläubigen Frau entwirft, praktisch darstellen möchte, genug Raum und Gelegenheit hat für ihre Tätigkeit. Möchte der Herr nur dieses aufrichtige Verlangen in vielen Schwestern wachrufen zu Seinem Preis und zum Wohl der Seinigen!’“

Den „alten“ Frauen wird in Titus 2,3-5 noch ein besonders wichtiger Dienst angewiesen. Nachdem der Apostel sie daran erinnert hat, dass sie in ihrem Betragen so sein sollten, wie es dem heiligen Stande geziemt, nicht verleumderisch, sondern Lehrerinnen des Guten, fährt er fort: „auf dass sie die jungen Frauen unterweisen, ihre Männer zu lieben, ihre Kinder zu lieben, besonnen, keusch, mit häuslichen Arbeiten beschäftigt, gütig, den eigenen Männern unterwürfig zu sein, auf dass das Wort Gottes nicht verlästert werde.“ Gott gebe uns viele solcher „alten“ Frauen! Ihr Dienst ist von hoher Bedeutung und reichem Segen!

Wir haben weiter oben gesagt: Eine Frau kann viel Gutes, aber auch viel Böses tun. Ihr Einfluss ist weit größer, als sie vielleicht selbst denkt. Wenn man die vielen betrüblichen Erscheinungen in Haus und Familie bis zu ihrem ersten Ursprung hin verfolgen könnte oder wollte, so würde man sicher in sehr vielen Fällen den verkehrten Einfluss der Frau als die eigentliche Quelle erkennen müssen. Ja, selbst auf den Gang der Geschichte des Christentums ist der Einfluss der Frau von großer Bedeutung gewesen. Wenn die Frau nicht wirklich das ist, wozu Gott sie bestimmt hat, die Gehilfin ihres Mannes, so ist sie ein Hindernis für ihn. Ein „unleidliches Weib“ gehört sogar zu den vier Dingen, unter denen die Erde erzittert und es nicht aushalten kann (Spr 30,21-23). Der Wert einer tüchtigen, tugendhaften Frau aber „steht weit über Korallen. Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie, und an Ausbeute wird es ihm nicht fehlen. Sie erweist ihm Gutes und nichts Böses alle Tage ihres Lebens... Sie tut ihren Mund auf mit Weisheit, und liebreiche Lehre ist auf ihrer Zunge. Sie überwacht die Vorgänge in ihrem Hause“ auch das ist eine sehr wichtige Sache, die oft zu wenig beachtet wird - „und isst nicht das Brot der Faulheit. Ihre Söhne stehen auf und preisen sie glücklich, ihr Mann steht auf und rühmt sie: Viele Töchter haben wacker gehandelt, du aber hast sie alle übertroffen!“ (Vergl. Spr 31,10-29).

Das ist das Lob der wackeren Frau. Wohlan, ihr Frauen, ringt danach, es zu verdienen! Lasst in eurem ganzen Verhalten die stille, liebliche Schönheit eines Lebens zur Darstellung kommen, in dem die Milde, Sanftmut und Demut Christi sichtbar werden. Schauet fleißig in den untrüglichen Spiegel des Wortes Gottes, um so nicht nur Hörerinnen, sondern auch Täterinnen des Wortes zu sein. Füllt euren wichtigen Platz aus im Bewusstsein eurer Schwachheit, aber im Vertrauen auf den Herrn und im Gehorsam gegen Sein Wort. Tut alles „als dem Herrn“, und Er wird mit euch sein.

„Die Anmut ist Trug, und die Schönheit Eitelkeit; ein Weib, das Jehova fürchtet, sie wird gepriesen werden“ (Spr 31,30).

Fußnoten

  • 1 Dass es christliche Eheleute gibt, die diese Angewohnheit nicht haben, ist überaus traurig. Wo müssen zwei gläubige Herzen, die aufs innigste miteinander verbunden sind, stehen, wenn sie sich nicht gedrängt fühlen, gemeinschaftlich dem Herrn für Seine Güte, Treue und Langmut zu danken und von Ihm Gnade und Kraft für die Arbeit des Tages zu erflehen, zu Ihm zu rufen in guten wie in bösen Tagen! Fast ist es nicht zu glauben, dass es solche gebetslose Ehen geben sollte; aber wer sich irgendwie schon mit Seelsorge innerhalb der Familien und Häuser der Gläubigen beschäftigt hat, wird auch zu seinem tiefen Schmerz erfahren haben, dass es mehr solcher Ehen gibt als man gewöhnlich denkt.
  • 2 H. J. Lemkes: Drie brieven over de verhouding des christens tot het huwelijk.
  • 3 Wenn allerdings die Frau durch eigene Verkehrtheiten und Fehler, vielleicht aus ihrem früheren unbekehrten Leben, Anlass zu der lieblosen Behandlung seitens ihres Mannes gegeben hat, wird sie ohne Kraft sein, es sei denn, dass sie sich selbst im Licht Gottes erkannt hat und ihre Fehler gerichtet hat.
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