Betrachtung über das Buch Hiob (Synopsis)

Kapitel 2

Betrachtung über das Buch Hiob (Synopsis)

Satan spricht wieder den Gedanken aus, dass der Mensch tatsächlich alles dahingeben wird, wenn er sich selbst bewahren kann. Gott überlässt Satan alles, ausgenommen das Leben seines Knechtes. Satan schlägt Hiob mit einer schrecklichen Krankheit; Hiob beugt sich aber unter die Hand Gottes, indem er seinen unumschränkten Willen völlig anerkennt. Satan hatte nun alle seine Mittel, Hiob zu schädigen, erschöpft, und wir hören nichts mehr von ihm; es ist aber schön zu sehen, dass Gott durch diese Dinge Hiob vollständig von der Anklage Satans gerechtfertigt hat. Hiob war kein Heuchler. Er hatte alles verloren, worauf Satan seine Frömmigkeit zurückführte, und sie leuchtete noch heller als je zuvor. Satan kann den im Fleisch wirkenden Beweggründen nachspüren, dem Bösen im Herzen des Menschen, das er hervorruft, die Gnade in Gott aber, seine durch nichts verursachte Liebe, und die Gnade im Menschen, der ihr vertraut und sich auf sie stützt, kann er weder ermessen noch deren Kraft erkennen.

Aber die Tiefen des Herzens Hiobs waren noch nicht erreicht, und dies zu tun war der Vorsatz Gottes, ungeachtet dessen, was Satan gedacht haben mochte. Hiob kannte sich selbst nicht, und bei all seiner Frömmigkeit war er bis zu diesem Zeitpunkt noch nie in der Gegenwart Gottes gewesen. Wie oft ist das der Fall, dass selbst während eines langen gottseligen Lebens das Gewissen niemals wirklich vor Gott gestellt worden ist! Deshalb sind Friede, ein solcher Friede, der nicht erschüttert werden kann, und wirkliche Freiheit noch unbekannt. Es ist ein Verlangen nach Gott da, die neue Natur ist vorhanden; man hat die Anziehungskraft seiner Gnade gespürt; nichtsdestoweniger kennt man Gott und seine Liebe, wie es wirklich ist, nicht. Wenn Satans Werk auch vereitelt wurde (indem Gott das Herz Hiobs vor dem Murren bewahrt hatte), so hatte Gott noch sein eigenes Werk zu vollbringen.

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