Betrachtung über 1.Timotheus (Synopsis)

Einleitung

Betrachtung über 1.Timotheus (Synopsis)

Da die Briefe an Timotheus und Titus an Personen gerichtet sind, die durch den Apostel beauftragt waren, in seinem Namen zu handeln, oder während seiner Abwesenheit für die Versammlungen Sorge zu tragen, so verfolgen sie naturgemäß besondere Ziele und besitzen einen besonderen Charakter. Sie richten sich aber deshalb nicht weniger unmittelbar an uns; denn sie unterrichten uns nicht nur über den Zustand der Kirche und die treue Sorgfalt, die der Apostel auf sie verwandte, sondern das Verhalten, zu dem Timotheus im Auftrag des Apostels die Gläubigen veranlassen sollte, ist auch jetzt noch für die Gläubigen maßgebend. Würde man indes die dem Timotheus und Titus gegebenen Anweisungen mit dem, was unmittelbar den Gläubigen gesagt ist, vermengen, so würde man dadurch in den christlichen Dienst in seinem besten Sinn Verwirrung bringen.

Ein großer Teil des ersten Briefes an Timotheus erfordert nicht viel Auseinandersetzung; nicht weil er ohne Wichtigkeit wäre, sondern weil die darin enthaltenen klaren und einfachen Anweisungen eine Erklärung überflüssig machen, und die praktischen Ermahnungen durch den Versuch einer Auseinandersetzung nur verdunkelt und ihrer Kraft und Schärfe beraubt werden würden. Andererseits enthält dieser Brief einige allgemeine Grundsätze von großer Wichtigkeit für die Stellung der Kirche oder Versammlung im Allgemeinen.

Gott nimmt in diesen Briefen in ganz besonderer Weise den Charakter eines Heiland-Gottes in Bezug auf die Welt an – ein Grundsatz, der hinsichtlich unseres Verkehrs in der Welt und unseres Umgangs mit den Menschen hochbedeutsam ist. Wir vertreten in unserem religiösen Charakter einen Gott der Liebe. Das war im Judentum nicht der Fall. Er war zwar immer derselbe Gott, aber unter Israel offenbarte Er sich in dem Charakter eines Gesetzgebers. Freilich sollten, nach der Erklärung der Propheten, alle zu seinem Tempel kommen, und für alle war sein Tempel geöffnet, aber dennoch gab Er sich nicht kund als ein Heiland-Gott für alle. Im Titusbrief finden wir denselben Ausdruck. Wir können verstehen, dass der Apostel in seinen vertraulichen Mitteilungen an seine geliebten Kinder im Glauben und Mitarbeiter im Werk die großen Grundsätze klar ans Licht stellen wollte, auf welchen die ihm übertragene Verwaltung ruhte. Die allgemeine Grundlage dieser Verwaltung bestand darin, dass alle Menschen die Gegenstände der Wege Gottes in Gnade waren – dass der Charakter Gottes gegen die Welt der eines Heilandes war (vgl. 2.Kor 5). Das Gesetz hat seinen Platz, und sogar jetzt noch, wie der Apostel zeigt: zur Überführung ungerechter Menschen 1. Aber die unumschränkte Barmherzigkeit Gottes war der Ausgangspunkt von allem, was der Apostel zu verkündigen hatte. Selbst der Gottesdienst der Gläubigen sollte durch diesen Gedanken, durch diesen Geist beherrscht werden.

Dann folgen Einzelheiten. Doch obwohl Gott seine Liebe der Welt gegenüber so offenbarte, gab es auf der Erde eine „Versammlung des lebendigen Gottes, den Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“, eine Versammlung, die das Zeugnis von dieser Wahrheit hienieden ist. Die Person Christi und alles, was Ihn betrifft, ist sowohl die Grundlage des Bestehens dieser Versammlung als auch der Inhalt ihres Zeugnisses und der Gegenstand ihres Glaubens. Dieser Glaube soll in den letzten Tagen der Gegenstand der Angriffe des Feindes werden, der unter dem Vorwand der Heiligkeit sich auflehnen wird gegen Gott, den Schöpfer und Erhalter aller Menschen und besonders der Gläubigen. Der Rest des Briefes besteht aus Anleitungen für den Wandel der Versammlung. Dem Timotheus wird ein allen Gläubigen zum Muster dienendes Betragen vorgezeichnet, um sowohl ihn als auch uns verstehen zu lassen, was der Versammlung Gottes geziemt. Lasst uns jetzt den Inhalt des Briefes etwas näher betrachten.

Fußnoten

  • 1 Es ist hier nicht die Rede davon, dass jemand unter dem Gesetz stehe, oder dass dieses die Lebensregel für ein Volk Gottes bilde; nein, es ist eine Richtschnur zum Unterscheiden von recht und unrecht, um jedem Gewissen klarzumachen, was böse ist. In Vers 5 haben wir andererseits das Endziel des Gebotes des Evangeliums, indem wir an der göttlichen Natur teilhaben, nämlich Liebe und Heiligkeit, ein der Verantwortlichkeit entsprechendes Handeln, ein gutes Gewissen und ein Herz, das sich Gott völlig weiht, sein Wort aufnimmt und Ihm vertraut.
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