Betrachtung über 1.Johannes (Synopsis)

Einleitung

Betrachtung über 1.Johannes (Synopsis)

Der Brief des Johannes hat einen besonderen Charakter. Sein Gegenstand ist das ewige Leben, das in Jesu geoffenbart und uns mitgeteilt worden ist; das Leben, welches bei dem Vater war und in dem Sohne ist. In diesem Leben erfreut sich der Gläubige der Gemeinschaft des Vaters, steht mit Ihm in Verbindung durch den Geist der Sohnschaft und hat Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohne. Der Charakter Gottes Selbst ist der Prüfstein dieses Lebens, weil es von Ihm ausfließt. Das erste Kapitel stellt diese beiden Punkte fest; es redet zunächst von der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohne und zeigt dann, dass diese Gemeinschaft dem wahren Charakter Gottes entsprechen muss. Dem zweiten Kapitel gibt der Name des Vaters sein besonderes Gepräge, und weiterhin wird die Wirklichkeit des uns mitgeteilten göttlichen Lebens durch das, was Gott ist, geprüft. Die paulinischen Briefe beschäftigen sich, obwohl sie von diesem Leben sprechen, im allgemeinen damit, den Christen die Wahrheit hinsichtlich der Mittel vorzustellen, durch welche sie befähigt sind, in der Gegenwart Gottes zu stehen, als solche, die gerechtfertigt und in Christo angenehm gemacht sind. Der erste Brief des Johannes zeigt uns das Leben, welches durch Jesum Christum von Gott kommt. Johannes stellt Gott vor uns hin: den Vater, geoffenbart in dem Sohne, sowie ewiges Leben in Ihm. Paulus dagegen stellt uns vor Gott hin, als angenommen in Christo. Ich rede von dem, was die beiden Männer kennzeichnet; jeder von ihnen berührt auch den Gegenstand des anderen. Dieses Leben nun, wie es in der Person Jesu geoffenbart ist, ist so köstlich, dass der vorliegende Brief in dieser Hinsicht eine ganz besondere Lieblichkeit hat. Und wenn ich dann meine Augen auf Jesum richte, wenn ich all Seinen Gehorsam betrachte, Seine Reinheit, Seine Gnade, Seine Zärtlichkeit, Seine Geduld, Seine Ergebung, Seine Heiligkeit, Seine Liebe, Seine vollkommene Selbstlosigkeit, so kann ich sagen: das ist mein Leben! Welch eine unendliche Gnade!

Es ist möglich, dass dieses Leben in mir verdunkelt ist, aber nichtsdestoweniger bleibt es wahr, dass es mein Leben ist. Wie freue ich mich, wenn ich das göttliche Leben so betrachte! Wie preise ich Gott dafür! Welch eine Ruhe verleiht das der Seele! Welch eine reine Freude dem Herzen! Zu gleicher Zeit ist Jesus Selbst der Gegenstand meiner Zuneigungen, und sie alle werden nach diesem heiligen Gegenstande gebildet 1.

Fußnoten

  • 1 Das ist für das innere Leben sehr wichtig; ich erfreue und ergötze mich nicht an mir selbst, sondern an Ihm.
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