Startseite F&A Kann man aus 1. Kor 3,15 schließen, dass nicht alle Wiedergeborenen Auserwählte sind?

Kann man aus 1. Kor 3,15 schließen, dass nicht alle Wiedergeborenen Auserwählte sind?


Bibelstelle(n): 1. Korinther 3,15


Nein, denn 1. Korinther 3,15 redet nicht von der Auserwählung, sondern von der Belohnung. Wir wollen aber vorerst herausfinden, was die beiden Ausdrücke "Wiedergeboren" und "Auserwählt" nach den Belehrungen der Heiligen Schrift bedeuten.

Wiedergeboren sein heißt, aus Gott, aus Wasser und Geist geboren zu sein; d.h. die Natur Gottes erhalten zu haben (Joh 3,6). Ferner sind Wiedergeburt, Empfangen des Heiligen Geistes und des Ewigen Lebens unzertrennlich miteinander verbunden und praktisch als ein einziger Akt zu betrachten. Als Wiedergeborene aber sind wir Gottes Kinder, als Sohn und Erben Gottes eingesetzt (Röm 8,8–17). Man sollte diese Dinge nicht in toter Dogmatik, sondern in innerer geistlicher Folgerichtigkeit betrachten.

Auserwählung bezieht sich auf dieselbe Sache, nur wird damit mehr der herrliche Ratschluss Gottes und die Kostbarkeit der Bestimmung derer, die daran teilhaben, zum Ausdruck gebracht. Wir Gläubigen sind - das ist keine Frage - aus der Welt herausgenommen, also auserwählt (vgl. Joh 13,18; 15,16–19; 1. Kor 1,27.28; Jak 2,5).

Den Gedanken an eine Nichtauserwählung kennt die Heilige Schrift überhaupt nicht, im Gegenteil wissen wir aus vielen Stellen (Joh 3,16; 5,24; 1. Joh 5,1 u.v.m.), dass jedermann durch den Glauben zur Auserwählung gelangen kann. Wenn nun die Bibel nicht von "Nichtauserwählten" redet, warum sollen wir dann davon reden? Der Gläubige aber weiß, vielleicht ohne es ganz zu verstehen, dass er auserwählt ist, und jedem Menschen steht der Weg dazu offen. Die Auserwählung ist ein Geheimnis der Gläubigen, das zweite tun wir aller Welt kund, damit sie sich an diesem Vorrecht beteiligen möchten.

Völlig unrichtig ist ebenfalls der Gedanke einer Auserwählung aus der Zahl der Gläubigen, eine Auffassung, die wohl auch in obiger Frage zum Ausdruck kommt. Wo überhaupt in der Bibel von Auserwählten die Rede ist (z.B. Lk 18,7; Eph 1,4; Röm 8,33; Kol 3,12; 1. Thes 1,4; 2. Tim 2,10; 1. Pet 2,9), da bezieht es sich ganz unmissverständlich auf die Gesamtheit der Gläubigen. Es gibt nicht eine einzige Stelle, welche die Auserwählung mit irgend etwas in Verbindung brächte, das geeignet wäre, unter den Kindern Gottes in Bezug auf ihre himmlische Stellung und Berufung einen Unterschied zu machen. Vielmehr reden alle Stellen von den Gnadengedanken Gottes für die Seinen und von Seinem Ratschluss, gefasst vor Grundlegend der Welt (Eph 1,4). Außerdem zeigt Römer 8,29–30, dass Gott alle wahren Gläubigen, und zwar ohne Ausnahme, den ganzen Weg bis zum höchsten Ziel Seines Ratschlusses, der Verherrlichung in Gleichförmigkeit Seines Sohnes, führen will und wird.

Wie man nun in 1. Korinther 3 die Auserwählung sehen will, ist ganz unverständlich. Dort ist doch nur die Rede von der Verantwortlichkeit für unsere Arbeit für den Herrn hier auf der Erde. Man kann da Gott gemäß und durch den Geist Gottes wirken und dies wird dann bleibenden Wert haben, und bei der Offenbarwerdung vor dem Richterstuhl des Christus uns zum ewigen Lohn gereichen; oder aber, wenn unser Tun von irdisch gesinnten Menschengedanken geleitet ist, kann es die Feuerprobe nicht bestehen und auch keinen Lohn einbringen. Von "Auserwählung" wird, wie wir schon oben bemerkten, nichts gesagt. Diese Feuerprobe hat mit unserer Stellung als Kinder Gottes nichts zu tun, hat auf diese keinerlei Einfluss. Die Auserwählung jedoch betrifft unsere Stellung, denn sie gründet sich auf das Werk unseres Heilands auf Golgatha und dieses Werk behält seine Gültigkeit immer und ewiglich, im Gegensatz zu unserem Werk, dessen Fortbestehen oder Verbrennen nach 1. Korinther 3 sich vor dem Richterstuhl des Christus noch zeigen wird.

Die Stelle Johannes 6,70: "Habe ich nicht euch, die Zwölfe, auserwählt? Und von euch ist einer ein Teufel", die möglicherweise Schwierigkeit bereiten könnte, bezieht sich nicht auf eine Auserwählung zum ewigen Leben oder zur Gotteskindschaft. Der Herr Jesus hatte ja zu Lebzeiten noch mehr Jünger, aus denen er die Zwölfte besonders berufen hatte. Dass auch Judas miteinbezogen wurde, hatte wiederum seine besondere Bedeutung: damit die Vorauskenntnis Gottes erfüllt würde. Für Judas selbst blieb die Verantwortung dieselbe wie für jeden anderen Jünger.

Adolf Küpfer

Entnommen aus: A. Küpfer - 700 Fragen und Antworten, Frage Nr. 377