Einleitung

Der Brief an Titus

In der Einleitung zu den Briefen an Timotheus und Titus bemerkten wir, dass der Brief an Titus, ebenso wie der erste Brief an Timotheus, sich mit der Versammlung in ihrer Ordnung beschäftigt, während der zweite Brief an Timotheus über den Verfall der Gemeinde spricht, der damals bereits begonnen hatte und in den letzten Tagen zum allgemeinen Abfall vom christlichen Glauben führen wird. Dennoch besteht ein Unterschied zwischen dem Brief an Titus und dem ersten Brief an Timotheus. Während der letztere sich hauptsächlich mit der Handhabung der gesunden Lehre beschäftigt, befasst sich der erstere vor allem

  1. Mit der Ordnung, die in der Versammlung aufrechterhalten werden soll.
  2. Mit den Grundsätzen, auf die der christliche Wandel gegründet ist.
  3. Mit der Beziehung, in der die Gläubigen zueinander stehen.

Dies ergibt sich vor allem daraus, dass Paulus in seinen Briefen an Timotheus sich in erster Linie mit der Lehre beschäftigt, da der Feind der Seelen durch allerlei Irrtümer die Versammlung zu verderben trachtete, während er erst in zweiter Linie von den Ältesten und Diakonen spricht. In seinem Brief an Titus hingegen beginnt er mit den Ältesten, um so die äußere Ordnung in der Gemeinde hervorzuheben.

Auch noch in andrer Hinsicht unterscheidet sich der Brief an Titus. Wiewohl Titus, ebenso wie Timotheus, ein geliebter und treuer Diener Gottes war und im Glauben ein Kind des Paulus, so öffnet doch der Apostel sein Herz nicht so vor ihm, wie er es Timotheus gegenüber tat. Er macht ihn nicht in gleicher Weise zum Teilhaber seiner Erfahrungen, seines Kampfes und seiner Leiden, seiner Prüfungen und Nöte – in einem Wort, wir finden hier nicht solch eine Vertraulichkeit und Gemeinschaft wie in den Briefen an Timotheus. Dennoch hatte Paulus auch den Titus in sein Herz geschlossen, wenn er auch nicht so innig mit ihm verbunden war, wie mit Timotheus.

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