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Das Buch der Richter

Mit freundlicher Genehmigung von Bibles et Publications Chrétiennes. Mit freundlicher Genehmigung von Familie Muller. Erschienen in "Sondez les Écritures". Aus dem Französischen übersetzt von Dirk Ettelt.

Einleitung

Autor: Jean Muller

Das Buch der Richter schließt direkt an das Buch Josua an. Es erzählt die Geschichte des Volkes Israel nach seinem Einzug ins verheißene Land bis hin zur Einrichtung des Königtums. Dieser Bericht erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa 450 Jahren (Apg 13,20). Während die wunderbare Zeit der Treue gegenüber Gott nur etwa 30 Jahre andauerte (das Buch Josua), nahm die Zeit der Untreue und der Niederlagen leider einen viel größeren Raum ein (das Buch der Richter). Sie umfasste den längsten Abschnitt der ersten Geschichtsperiode Israels.

Ebenso verhielt es sich mit der Geschichte der Versammlung auf der Erde. Das Buch Josua findet sein Gegenstück im Epheserbrief, der die Gedanken Gottes in Bezug auf Christus und auf seinen Leib, die Versammlung, offenbart und den geistlichen Kampf des Gläubigen in den himmlischen Örtern vorstellt, durch welchen er im Glauben die himmlischen Segnungen in Christus ergreift. Dem Buch der Richter dagegen entspricht der zweite Brief an Timotheus, der nur vier Jahre nach dem Epheserbrief geschrieben wurde, als das Haus Gottes auf der Erde seinen Charakter als Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit bereits größtenteils verloren hatte (1. Tim 3,15).

Um unsere Gewissen zu wecken, verbindet die Schrift auf deutliche Weise den Verfall und den Ruin des Volkes Israel bildhaft mit der Geschichte der Versammlung auf der Erde. Gleichzeitig werden unsere Herzen durch die Mittel der Gnade in diesen schwierigen Zeiten ermuntert. Die Tage der Richter sind Tage der Schwachheit, aber auch Tage der geistlichen Erweckungen und der Erbarmungen Gottes gegenüber seinem Volk: „...und seine Seele wurde ungeduldig über die Mühsal Israels“ (10,16).

Das Buch der Richter gliedert sich in drei große Abschnitte:

  • Der Standpunkt Israels nach dem Tod Josuas (Kap 1-2)
  • Bericht über die Untreue des Volkes und göttlicher Befreiungen (Kap 3-16)
  • Überblick über den moralischen Zustand Israels in den Zeiten der Richter (Kap 17-21)

Während der Eroberung des Landes war das Volk zu Gilgal versammelt, was für den Christen das Ausziehen des Fleisches in der Kraft des Todes Christi bedeutet. Gilgal war sowohl Ausgangspunkt für die Siege Israels als auch Sammelpunkt des Volkes nach seinen Siegen. Die ganze Geschichte der Eroberungen zu Zeiten Josuas fasst sich in diesem Ort zusammen.

Während der Zeit der Richter wird Gilgal aufgegeben, da das Volk seine Schwachheit vergisst und sich von seinem Gott entfernt. So kam der Engel des Herrn nach Bochim (Weinende) herauf, wo Israel merkt, dass Gott einst in Gilgal war, aber nun nicht mehr dort war.

Gott ist gerecht, und sein Gericht übt er gegenüber seinem Volk aus. Siebenmal fällt Israel in die Hand seiner Feinde (sogar im Inneren des Landes), weil „die Kinder Israels taten, was böse war in den Augen des HERRN." 1 Dieser Ausdruck findet sich siebenmal in diesem Buch: 2,11; 3,7; 3,12; 4,1; 6,1; 10,6; 13,1.

Aber Gott liebt sein Volk dennoch und setzt Richter zu seiner Befreiung ein (Kap 2,16.18). Jede einzelne Begebenheit solcher Befreiungen ist für uns ein Bild geistlicher Erweckungen durch das Wirken des Heiligen Geistes inmitten einer untreuen und schlafenden Kirche.

Diese bemerkenswerte Abwechslung zwischen Gericht und Barmherzigkeit wird in Richter 3 - 16 entwickelt. Untenstehende Übersichtstabelle veranschaulicht die Ordnung des göttlichen Berichts. Tatsächlich setzt sich die Geschichte zu Beginn des Buches Samuel fort, als die Philister die Lade des Bundes des HERRN nehmen. In diesem ernsten Augenblick, der die extreme Tiefe der Not Israels widerspiegelt, wird das Urteil „Ikabod [...] Die Herrlichkeit ist von Israel gewichen!“ (1. Sam 4,21.22) über das untreue Volk ausgesprochen. Da sendet Gott den Propheten Samuel, den letzten Richter (Apg 13,20). Das Volk wird tatsächlich in Mizpa vor Gott wiederhergestellt, als es sich demütigt und Wasser ausgießt (1. Sam 7,5.6). Israel wird von dem Joch der Philister befreit; Eben-Ezer (Stein der Hilfe) wird als Andenken an das wunderbare Wirken der Gnade Gottes aufgerichtet. Zusammengefasst kennzeichnet Gilgal das Buch Josua und Bochim das Buch der Richter, während in das Volk Israel in Mizpa zu Beginn des ersten Buches Samuel demütig auf die Ankunft Davids - ein Vorbild auf Christus - vorbereitet ist.

Die letzten fünf Kapitel des Buches der Richter folgen nicht der chronologischen Ordnung der Ereignisse. Sie stellen eine Auflistung des moralischen und religiösen Zustands dieses Volkes dar, das Gott mit bewundernswerter Geduld getragen hat. Rückhaltlos entfalten sich Götzendienst, Gewalttätigkeit (Kap 17-18) und anschließend moralischer Niedergang (Kap 19-21). Schließlich war „in jenen Tagen kein König in Israel; jeder tat, was recht war in seinen Augen“ (Kap 21,25).


Fußnoten:

1 Dieser Ausdruck findet sich siebenmal in diesem Buch: 2,11; 3,7; 3,12; 4,1; 6,1; 10,6; 13,1.